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Cortesy MSU/G.L. Kohuth
Der Anthropologie-Professor Todd Fenton präsentiert einen mittelalterlichen Wirbelknochen, der eindeutige Anzeichen der Brucellose zeigt.

Cortesy MSU/G.L. Kohuth
Schwere Veränderungen durch die Krankheit zeigt der etwa tausend Jahre alte menschliche Wirbel aus Albanien.

Cortesy MSU
Brucellose hat die Knochen der Wirbelsäule zerfressen.

Cortesy MSU
David Foran, der Direktor des forensischen Wissenschafts-Programms der MSU, leitet das DNA-Labor.


Knochenfresser Brucellose
US-Forscher weisen Krankheit schon im Mittelalter nach
Arno Cincelli
05.01.2012 19:42

Forschern der Michigan State University ist erstmals der Nachweis gelungen, dass die Krankheit Brucellose bereits im Mittelalter existierte. Die Infektionskrankheit ist noch heute vor allem in Mittelmeerländern verbreitet. In einigen Fällen befällt sie Organe oder Knochen. Derartige Knochenveränderungen haben die US-Wissenschafter auf die richtige Spur gebracht, durch DNA-Analysen konnten sie bestätigen, dass es sich um Brucellose handelte.

Zwei Gruppen der Michigan State University (MSU) haben gemeinsam nachgewiesen, dass die Infektionskrankheit Brucellose bereits vor tausend Jahren verbreitet war. Eine der Gruppen arbeitete unter der Leitung von Todd Fenton direkt in Albanien an der Grabungsstelle. Die DNA-Analyse fand an der MSU statt und wurde unter der Aufsicht des Direktors des forensischen Wissenschafts-Programms, David Faran, durchgeführt. Die Ergebnisse sind die weltweit ältesten Nachweis der Krankheit.

Brucellose ist eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen wird. Die Erreger finden sich besonders bei Rindern, Schweinen, Ziegen und Schafen. Vor allem über Milch nehmen Menschen die Bakterien auf. Die Krankheit ist heute vor allem in Mittelmeerländern, Lateinamerika und Asien verbreitet. Zumeist verläuft die Erkrankung unbemerkt. Etwa ein Zehntel der Fälle bricht nach wenigen Wochen bis zu einigen Monaten als Krankheit mit grippeähnlichen Symptomen aus. Hier kann dann etwa jeder 20. Fall chronisch werden. Im Fall einer solchen chronischen Krankheit ist es möglich, dass sie einzelne Organe befällt. Vor allem Knochen, Leber und Milz sind dann betroffen. Zum Nachweis der Krankheit werden Körperflüssigkeiten im Labor auf die Bakterien hin untersucht.

Mittelalterliche Skelette

Knochenbefall war es, was die Gruppe von Studenten der MSU unter Todd Fenton untersuchte. Bei den Ausgrabungen in der albanischen Ruinenstadt Butrint legten die Archäologen menschliche Skelette aus der byzantinischen Zeit frei. Zwei Wirbelsäulen aus dem Zeitraum zwischen zehnten und 13. Jahrhundert nach Christus wirkten regelrecht zerfressen. Die Forscher tippten aufgrund der Veränderungen zuerst auf Tuberkulose. "Jahrelang mussten wir die Ursachen derartiger pathologischer Zustände nur vermuten", erklärt Todd Fenton laut MSU: "Die Ära der DNA-Tests und die Aussagen, die DNA zu meiner Arbeit geben kann, sind wirklich aufregend."

Sie sendeten Proben der Knochen ans forensische DNA-Labor der MSU in East Lansing. Hier untersuchte eine Studentengruppe unter der Leitung von David Faran die Wirbel. Sie verglichen die entnommene DNA mit dem Gen-Code der Tuberkulose. Nachdem dieser Test negativ verlaufen war, kam der Verdacht auf Brucellose auf, die ähnliche Löcher in die Knochen "frisst". Das Team unterzog die Proben daraufhin einer entsprechenden Testserie, Brucellose wurde in beiden Fällen klar nachgewiesen. "In diesem Fall war es eine Kombination aus Neugier, Beharrlichkeit und natürlich Zusammenarbeit", fasst David Faran zusammen: "Es ist verblüffend, Brandneues in etwas zu finden, das tausend Jahre alt ist."


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