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Münzfunde helfen Archäologen bei Volkszählungen
Mathematisches Modell soll genauere Ergebnisse
als Schriftquellen bieten
6. 10. 2009 - 12:15
Martina Glanzl
Anhand von Münzfunden sind in Rom neue Hochrechnungen betreffend der
Bevölkerungszahl der Stadt um 100 v.Chr. erstellt worden. Münzen werden
oft in Sammelhorten gefunden, wo Menschen sie in Krisenzeiten versteckten
- jedoch nicht immer in der Lage waren, sie nach der Krise auch wieder an
sich zu nehmen.
Im letzten Jahrhuhndert vor Christi Geburt führten interne Konflikte und
Bürgerkrieg auf den Weg des Unterganges der Republik - schwere Zeiten also
für die Bevölkerung Roms, die prompt Vorräte für die Krisenzeit anlegte.
Aus der unruhigen Zeit zwischen Republik und Monarchie gibt es keine
gesicherten Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung, die genaue Methodik des
alle 5 Jahre durchgeführten Zensus ist bis heute nicht gesichert, daher
sind diese Daten keine verlässliche Quelle. Laut Zensus hätte sich die
Bevölkerung in der Zeit um die Machtübernahme von Augustus verdoppelt bis
verdreifacht - allerdings passen diese Zahlen nicht zu den ökonomischen
und sozialen Strukturen, die den Wissenschaftlern aus dieser Zeit bekannt
sind.
Was also ist passiert? Eine Möglichkeit, die Zahlendiskrepanz zu erklären
wäre eine geänderte Zählmethodik unter Augustus. Wäre das der Fall, so
wäre die Bevölkerung in den Konfliktjahren sogar geschrumpft - eine
durchaus logische Konsequenz des Bürgerkrieges.
Aktuelle Studie
Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, haben Peter Turchin und Walter
Scheidel in ihrer Studie "Coin hoards speak of population declines in
ancient Rome" (in Druck in den Proceedings of the National Academy of
Science) eine neue Methodik zur Abschätzung der Bevölkerungszahlen
angewandt. Dazu wurden genaues Ausmass und Lage von Münzhorten gleichen
Alters verglichen. Es wurde angenommen, dass Personen, die ihre Schätze
nicht wieder ausgegraben haben, entweder verstorben oder geflohen sein
müssen. Mit Hilfe eines mathematischen Modells wurde anhand der
übriggebliebenen Schatzhorte eine Abschätzung der Gesamtbevölkerung
möglich.
Die so errechneten Zahlen unterstützen die Theorie, dass die Bevölkerung
Roms während der Krisenjahre drastisch zurückging und mit der
Machtübernahme Kaiser Augustus eine neue, umfassendere Zählmethode
eingeführt wurde, auf die die hohen Bevölkerunsgzahlen im Zensus
zurückzuführen sind.
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