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Stein des aktuellen Anstoßes zur Diskreditierung von "Wikinger-Symbolik": Die Tätowierung des Kurt Scheuch (FPK). Darin wollen selbsterklärte Experten Göttervater Odin und einen Werwolf erkennen.

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Ein WIkingerkrieger auf einem Plakat der SS. Die Vereinnahmung durch Nationalisten und Rassisten hat eine lange Tradition.

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Vereinnahmung eines Rittermotivs durch die Nationalsozialisten im Jahr 1934.

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Der Vollständigkeit halber: Auch die Gegenseite nutzte historische Motive zur Kriegspropaganda.

Bildzitat von FPÖ "Sagen aus Wien"
In der Wahlwerbung des Jahres 2010 ließ die FPÖ in ihrer Publikation "Sagen aus Wien" die Verteidigung gegen die Türkenbelagerung des Jahres 1683 höchst merkwürdig abbilden. Während man die polnische Flagge halb verdeckt finden sich Details wie "Wikinger"-Hörnerhelme (hinten, Mitte), ein "Gallier mit Flügelhelm", "Preußen" mit der erst Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführten Pickelhaube, ein "Spanischer Conquistador" (unten Mitte) sowie Serben (Flagge rechts außen) unter den Verteidigern. Eine Geschichtsverdrehung ersten Ranges.

Bildzitat von FPÖ "Sagen aus Wien"
HC Strache ließ sich dabei als Ritter darstellen. Insbesondere für diesen Teil des Comics erntete er eine Anzeige wegen Verhetzung.


Politische Vereinnahmung und Diskreditierung mitteleuropäischer Geschichte ist nicht hinzunehmen
Zwölf Jahre nationalsozialistisches Terrorregime belasten Archäologie und Geschichtswissenschaft bis heute
Florian Machl
29.10.2012 20:32

Die Leserschaft des Magazins Huscarl setzt sich unter anderem aus (populär)wissenschaftlich interessierten Menschen wie auch aus historischen Reenactern zusammen. Diesen Personengruppen und ihren Interessen gegenüber fühle ich mich als Herausgeber verpflichtet, in einem häufig diskutierten Thema klar Stellung zu beziehen. Die politische Vereinnahmung der mitteleuropäischen Geschichte betreffend Kelten, Germanen und Wikinger ist kontraproduktiv und behindert die ernsthafte Wissenschaft massiv. Anstelle anzuerkennen, welch verheerenden Einfluss der Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 auf das Geschichtsbild hatte und einer ideologischen, großteils willkürlichen Einfärbung ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben, spielt man bis heute auf verschiedenen politischen Seiten unverschämt und vor allem ohne ersichtliche Geschichtskenntnis ein befremdliches Spiel. Während es Rechtsextreme in Nachahmung ihrer mörderischen Vorbilder für besonders passend halten, mit Inhalten der nordischen Mythologie – seien es Götter, Fabelwesen oder Runen – zu spielen, sehen deren Gegenspieler in einem nachvollziehbaren Abwehrreflex in jeglicher Beschäftigung mit nordischer Geschichte nur zu schnell die Aktivität von Neonazis. Dass dabei völlig undifferenziert Tag für Tag historisch Interessierte aber auch Wissenschaftler und Forscher zum Handkuss kommen, wird als Kollateralschaden meist billigend in Kauf genommen – oder nicht einmal realisiert.

Jüngster Anlassfall ist die Rückentätowierung von Kurt Scheuch, seines Zeichens Obmann der Freiheitlichen Partei Kärntens (FPK) und Landeshauptmann-Stellvertreter dieses österreichischen Bundeslandes. In einem befremdlichen Selbstdarstellungsvideo präsentiert sich Scheuch halbnackt in seinen Amtsräumen mit einer Schlange und einer Riesenspinne. Über Sinn und Zweck dieses Videos rätselt die Presse – doch in den vielfältigen Onlineforen und Social Media Plattformen ist bereits der übliche „Shitstorm“ losgebrochen, den freiheitliche Politiker wohl nicht ganz unverdient regelmäßig provozieren. Die Tätowierung Scheuchs zeigt einen zur Hälfte skelettierten Kopf, darauf sitzt ein „Wikingerhelm“ mit Hörnern, mittig mit einem Pentagramm verziert. Eng daran schmiegt sich ein Wolfskopf. Das Urteil mancher selbst ernannten Geschichtespezialisten dazu: Eine Darstellung des germanischen Göttervaters Odin neben einem Werwolf. Und Werwölfe, das wisse ja jeder, stünden für die nationalsozialistische Freischärlerbewegung. Und generell wären ja alle, die sich mit solchen Symbolen schmücken, als rechts bis rechtsradikal einzustufen.

Symptomatisches Beispiel für ungezielten Abwehrreflex

Das Beispiel Kurt Scheuch ist symptomatisch. Sobald sich ein rechter Politiker oder Sympathisant der nordischen Mythologie bedient, wird die Geschichte Mitteleuropas auf die zwölf Jahre des nationalsozialistischen Terrorregimes beschränkt und ein Feuerwerk der Vorurteile prasselt auf Geschichtsinteressierte herab. Dabei liegt es mir fern, Herrn Scheuch für sein peinliches Video oder die Wahl seiner Tätowierungen zu verteidigen. Ich verteidige hier die Beschäftigung mit der Geschichte der Kelten, Germanen und Wikinger - sei es aus professionellen oder hobbyistischen Gründen.

Einschub: Um die Thematik wissenschaftlich detailliert und korrekt aufzuarbeiten, würde ich eine Artikelreihe benötigen. Sie beginnt beispielsweise bei den Anfängen des ideologischen Missbrauchs altgermanischer Symbolik im aufkommenden Nationalismus des 18. Jahrhunderts. Ich bitte um Nachsicht, dass im Rahmen eines Editorials - also einer persönlichen Meinung - nur das höchst oberflächliche Anschneiden verschiedener Aspekte möglich ist, um eine Problematik anzusprechen, die alle paar Wochen und Monate medial aufbrandet. Dabei ist nicht auszuschließen, dass in absehbarer Zeit eine fundiertere Präzisierung des einen oder anderen Details folgt.

Wikinger- und Wolfstätowierungen sind
für sich alleinstehend noch kein Sündenfall


Dass beispielsweise in der so genannten Mittelalterszene dutzende, wenn nicht hunderte Menschen eine Tätowierung eines Wolfes tragen – oder Wikinger-Runen, Darstellungen von Wikingerkriegern und vieles mehr - macht diese aber nicht automatisch zu Neonazis. Und auch außerhalb der Mittelalterszene gibt es zahllose Menschen, welche diese Symbolik ohne böse oder gar politische Hintergedanken für ihre Tätowierungen (oder auch T-Shirt-Motive und dergleichen mehr) nutzen. Diese pauschale Beleidigung ist für all diejenigen nicht hinzunehmen, die sich abseits von Politik mit nordischer Mythologie und Geschichte beschäftigen. Es ist eine völlig unreflektierte Brandmarkung von Menschen, eine abscheuliche Unterstellung einer geistigen Nähe zu einer Ideologie, welche mit großer Sicherheit von den meisten dieser Menschen vehement abgelehnt wird.

Geschichtskenntnis darf hier nicht vermutet werden

Schon bei oberflächlicher Betrachtung der Tätowierung des Herrn Scheuch wird klar, dass man weder dem Träger der  nicht sehr kunstfertig ausgeführten Arbeit, noch dem Tätowierer Kenntnisse der nordischen Mythologie und Geschichte unterstellen kann. Alleine die Ausführung des Helmes als Hörnerhelm lässt auf eine moderne, romantisierende Interpretation schließen. Eine Verschmelzung von Wikinger-Mythologie und Pentagramm kann in dieser Form nur modernen Ursprungs sein, beispielsweise in Teilen des (alles andere als homogenen) Neuheidentum verwurzelt. Es ist definitiv nicht üblich und in keiner Weise historisch belegt, Figuren aus der nordischen Mythologie oder gar deren Götter mit einem Pentagramm auf der Stirn darzustellen. Genauso wenig war es je üblich, Göttervater Odins Gesicht halb skelettiert zu zeigen. Odin opferte zwar der Sage nach ein Auge, um Weisheit zu erlangen, das zog den Rest seines Gesichts allerdings nicht in Mitleidenschaft und wurde auch nie so portraitiert. Bei einem Wolf in Verbindung mit Odin wäre der Mythologie nach der Fenriswolf eine Option, Kind des Gottes Loki und der Riesin Angrboda. Er galt als Gefahr, welche die Götter bedroht. Außerdem gibt es die Wölfe Skalli und Hati, welche Sonne und Mond über den Himmel jagen, bei einer quellenbasierten Abbildung aber eher auszuschließen wären. Eine solche ist hier aber ohnehin nicht anzunehmen. Einen Wolf auf einer "Wikingerzeichnung" automatisch als Werwolf zu interpretieren (den es in der nordischen Mythologie sehr wohl gibt, wenn auch in etwas anderer Form als modernen Mythen) ist bereits sehr weit hergeholt. Rein aus diesem Tattoo einen Konnex zu den NS Freischärlern zu erschaffen erscheint als grob fahrlässig, ungeachtet wessen Rücken es ziert.

Unseriöse Rückschlüsse

Diese Bildkomposition als „sicheren Beweis“ für Nazi-Symbolik zu qualifizieren erscheint definitiv nicht als haltbar. Es ist auch nicht als Erkennungsmerkmal oder Standardbild einschlägiger Kreise bekannt. Faktum ist, Herr Scheuch hat ein naiv-romantisches Tattoo am Rücken. Daraus einen generellen Rückschluss auf Menschen, die sich mit Wikingersymbolen schmücken oder beschäftigen abzuleiten, kann nur als unseriös bezeichnet werden. Sowohl die öffentliche Beschäftigung mit dieser angeblichen "Wikingertätowierung" als auch so manche Antwort darauf sind für die Vermittlung eines historisch korrekten Geschichtsbildes nicht förderlich und bringen das Thema ein weiteres Mal - völlig zu Unrecht - in Verruf. Das Beispiel soll aufzeigen, dass hier beide Seiten in ihrem politischen Eifer völlig danebenliegen. Man würde sich wünschen, dass Geschichte beim Schöpfen derartig provinziellen politischen Kleingeldes generell außen vor bleibt.

Nazi-Geschichtsverfälschungen wirken bis heute

Der Grund für derlei Vorurteile liegt im historisch belegten Hang der Nazi-Führung zu Esoterik, Rassenideologie und Ahnenkult begründet, wobei ich hier nicht den Eindruck erwecken möchte, dass dies in irgendeiner Form mit Herrn Scheuch und seiner Tätowierung zu tun habe. Den Germanen zugeschrieben, erwiesen sich die Runen im 19. und 20. Jahrhundert als beliebtes Transportmittel für den Nationalismus. Besonders die SS verwendete Runenzeichen in inflationärem Ausmaß. Verschiedene verschwörungstheoretische Mythen ranken sich um die esoterische Bedeutung, die bei der SS bis in Richtung der Erschaffung einer deutschen Religion gehen sollte.

Häufiger Symbolmißbrauch in der rechten Szene

Auch das Symbol des nordischen Kriegers wurde oftmals für Propaganda verwendet. Das Liebäugeln der „rechten Szene“ mit der mißbrauchten Symbolik bis in die Gegenwart ist für die öffentliche Wahrnehmung der Beschäftigung mit Geschichte allerdings nicht hilfreich. Insbesondere Zeichen wie die häufig verwendete Schwarze Sonne oder die zackige Form der Triskele dienen seit Jahren als Erkennungsmerkmal der Rechtsradikalen. Beide Zeichen haben in ihrer modernen Form keine historische Entsprechung und entstammen tatsächlich klar zuordenbar der Ideologie und Zeit des Nationalsozialismus. Die aus Sig-Runen zusammengesetzte Schwarze Sonne ist eine Erfindung von Heinrich Himmler (oder dessen esoterischem Umfeld), eine geometrisch exakt gezeichnete und an ein Hakenkreuz erinnernde Triskele taucht erstmals bei einer SS-Division auf. Hingegen sind unzählige runde und verschlungene Formen aus verschiedenen Jahrhunderten der Geschichte bekannt und belegt.

Faktum ist: Neonazis der Gegenwart kokettieren mit dem Verbotsgesetz und nutzen gerne Zeichen, die an verbotene Symbole erinnern. Ein Faktum ist aber auch: Die überwältigende Mehrheit der Menschen in Wissenschaft und Forschung als auch in der Reenactment-Szene hat nicht nur keinen rechtsgerichteten Hintergrund sondern auch keinerlei Interesse an solchen modernen Symbolen, damit einhergehendem Geschichtsrevisionismus und -verfälschung. Jedes Auftauchen davon, jede Medienberichterstattung und (Fehl-)Interpretation belastet den Beruf oder das Hobby.

Jahrtausendealtes Kulturerbe nicht in Verruf bringen

Die Geschichte der Wikinger, Germanen und Kelten und ihren Kulturen liegt Jahrtausende zurück und währte über Jahrhunderte, während die Nationalsozialisten nur zwölf Jahre lang herrschten. Zwölf Schreckensjahre mit verheerenden Auswirkungen nicht nur für die eigene Bevölkerung sondern für die ganze Welt. Dennoch rechtfertigt dieser extreme Ausschnitt der Geschichte nicht die undifferenzierte Diskreditierung von deutlich früheren und deutlich längeren Zeiträumen. Weder hat es sich die damit befasste wissenschaftliche Welt verdient, in Verruf zu geraten, noch das öffentliche Interesse an den Ergebnissen dieser Forschung.

Inhaltlich fundierte Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig

Es sind meiner Meinung nach zwei Dinge in der Öffentlichkeitsarbeit von jedem, der mit diesen Bereichen befasst ist, dringend notwendig: Zum einen eine klare Abgrenzung gegenüber sämtlichen rechtsextremistischen Strömungen. Diese muss inhaltlich auch auf den Punkt genau so fundiert sein, dass man Bedeutung, Kontext und Herkunft der Zeichen kennt, die man selbst nutzt. Man muss aber auch wissen, was modernen Ursprungs ist und in einer seriösen Darstellung entsprechender Jahrhunderte keinen Platz hat. Zum anderen ist allfälligen Kritikern in einer höflichen und sachlich korrekten Art und Weise klar zu machen, dass einer Beschäftigung mit frühmittelalterlicher Geschichte im 21. Jahrhundert kein wie auch immer gearteter ideologischer Geruch mehr anhaftet.

Vereinnahmung nicht zulassen

Der Mittelalterszene erweist es jedenfalls einen Bärendienst, wenn sie sich politisch in ein Eck drängen oder vereinnahmen lässt. Und so könnte es auch immer häufiger notwendig sein, angesichts entsprechender Vorstöße die eine oder andere Distanzierung zu formulieren. Das jährliche Burgfest der FPÖ auf der Festung Hohenwerfen kann von wenig Informierten rasch mißverstanden werden. Auch die 2012 erfolgte Facebook-Bewerbung mindestens eines Mittelaltermarktes durch FPÖ-Chef HC Strache vor seinen dortigen etwa 120.000 Anhängern ist ein Anbiederungsversuch, den man für sich stehend ignorieren – oder entsprechend beantworten kann. Wenn Strache in seinem 2010 erschienenen Comicheft zur Wahlwerbung Wien von Wikingern (mit Hörnerhelmen) gegen die Türken verteidigen lässt oder sich selbst als Kreuzritter portraitieren lässt, erscheint das für den Geschichtskundigen als gute Gelegenheit zum Fremdschämen – ein Kritiker könnte aber bereits wieder ein Pauschalurteil formulieren. Genausowenig hilfreich ist auch die Verbindung Straches mit  der 1994 vom deutschen Innenministerium verbotenen Wiking-Jugend die sich als Nachfolgeorganisation der Hitlerjugend verstanden haben soll und unter einem entsprechenden Runenlogo auftrat. Es ist in unser allem Interesse, diesen politischen Vereinnahmungsversuchen und thematischen Verflechtungen einen Riegel vorzuschieben, wann immer es möglich ist.

Florian Machl
Chefredakteur und Herausgeber


Zur Abkehr von einer strikt unpolitischen Blattlinie

Als Herausgeber habe ich im Alleingang die Entscheidung getroffen, von der bisherigen Blattlinie Abstand zu nehmen, die bewusst politische Problemthemen wie das oben Erörterte aussparte. Ich betone dies, weil meine Meinung hier nicht zwingend mit dem Rest des Teams übereinstimmen muss. Die gegenwärtige innenpolitische Situation in Österreich erfordert es meiner Meinung nach, klar Position zu beziehen. Die Frechheit, mit der sich das politische Rechtsaußen-Spektrum derzeit salonfähig zu machen versucht, war noch nie so groß. Die mittlerweile fast tagtäglichen Eklats in Form von Anspielungen auf Nazi-Sager und Symbole wären vor einem Jahrzehnt noch undenkbar gewesen. In Deutschland sind sie das wohl noch heute. Nicht einmal Jörg Haider hat sich jemals so weit aus dem Fenster gelehnt, wie es im heutigen Österreich fast schon als zur Normalität zählend praktiziert wird – teilweise unterstützt durch die neuen Medien wie Facebook. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass sich unser Medium in Hinkunft wahrnehmbar gegen die unzulässige Vereinnahmung der Geschichtswissenschaft, der Archäologie und verwandter Bereiche durch die Politik, insbesondere durch die politische Rechte ausspricht.

Weiterführende Links:




Kultur- und Veranstaltungsgemeinschaft Eulenspiel

Isi's Spezereyen

Steam Dreams



Der Bogenstand Gesierich


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1. Kommentar von anachronismus am 30.10.2012 um 09:38

mittelalter gegen rechts
https://www.facebook.com/#!groups/107364699396166?fref=ts

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.


2. Kommentar von Norbert am 30.10.2012 um 09:41

Das ist sehr schade
In einer von politischen Aktivisten und Spinnern geprägten Medienlandschaft war es sehr wohltuend, ein (online)Blatt lesen zu dürfen, das sich aus dem allgemeinen Geheule und Gejaule rausgehalten hat. Ich werde die objektive und vor allem durch Nichtbezugnahme politisch neutrale Linie vermissen....  und ich bin definitiv nicht der Einzige.

Dass sich die politische Landschaft in Ö in den letzten Jahren nicht gerade zu ihrem Vorteil entwickelt und dass die politische Kultur sehr gelitten hat, ist glaube ich jedem nur zu gut bewusst. Von Informationen dieser Art wird man ja überschwemmt. Dass ein mündiger Wähler im Moment das Gefühl haben muss (analog zu Pest und Cholera) ausschließlich zwischen Gier, Wahnsinn, Niedertracht und Dummheit wählen zu können, liegt leider ebenfalls nahe, wenn man das Verhalten der Vertreter ALLER Fraktionen betrachtet.

Das sind jedoch genau die Alltagsprobleme, denen man duch Beschäftigung mit mittelalterlicher Fechtkunst, Reenactment, Living History oder auch durch den Besuch einer Szeneveranstaltung für kurze Zeit zu entkommen versucht. Bitte bitte bitte bitte nehmt "den Indianern" nicht das Reservat weg, in dem sie sich verstecken, wenn sie eine Pause machen wollen.

PS: "Nachvollziehbare Abwehrreflexe" hab ich bisher noch keine gesehen, nur ebenso dumme und aggresive Missbräuche. Man wirft mit allem um sich, was man gerade findet und glaubt, als Waffe oder zur Diskreditierung des "Gegners" nutzen zu können.  Ein solches Verhalten wäre überall ausserhalb der Politik Anlass genug, sich mit diesen Personen nicht weiter abzugeben.

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3. Kommentar von anachronismus am 30.10.2012 um 15:16

thema etwas abgeglitten vielleicht?
Ich denke, dass es bei der momentanen Situation, der Mitarbeiter und Vorreiter historischer Forschung gegenüberstehen, UNBEDINGT einer Stellungnahme zahlreicher involvierter gegen rechtsextrem, gegen linksextrem und gegen Polititische Strömungen im Allgemeinen bedarf. Denn Forschung hat mit Politik NICHTS zu tun und sollte es auch nicht.

Der Aspekt der gestörten Geschichts-Forschung durch wirre politische Motivationen beider Richtungen kommt allerdings hier nicht so recht zur Geltung. Vielleicht liegts an der Textstruktur. Ich konnte nicht wirklich erfassen, um welchen Punkt es hier ging.
a) Die fälschliche Einordnung neutraler Forschung in politische Richtungen?
b) Die fälschliche Einordnung neutraler Szenelandschaft in politische Richtungen?
c) Ein Statement zur politischen Ausrichtung der Blattline?
d) Ein Statement des Mediums gegen Rechts in der Szene und den Szenemedien?

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4. Kommentar von Wilhelm von Baumgarten am 30.10.2012 um 16:33

@Norbert
Wir sind ja selten einer Meinung, aber hier muß ich dir 100%ig recht geben !

Schade !

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5. Kommentar von Hiltibold am 03.11.2012 um 09:37

Ein schwieriges Thema
Umso achtenswerter ist es, dass man sich bei Huscarl.at an die Sache heranwagt.

Der Hauptgrund, warum in der „Mittelalterszene“ immer wieder einmal Symbole auftauchen, die beispielsweise mit dem Nationalsozialismus assoziiert werden können, ist wohl der, dass man einen auf „böse“ machen möchte.
Nicht umsonst sind auch bei vielen Bikern die Frakturschrift, das Eiserne Kreuz und der deutsche Stahlhelm, überaus beliebte Attribute. Auch im Heavy-Metal-Bereich sind diese Dinge nicht unbekannt.
Eine tatsächlich rechtsextreme Gesinnung, kann man hier sicher nicht automatisch ableiten; auch wenn Leute die solche Symbole zwecks Provokation verwenden, politisch kaum links der Mitte stehen dürften.

Mich hier von irgendetwas zu distanzieren, hielte ich deshalb für völlig überzogen. Es ist nicht jeder ein verkappter Nazi, nur weil er nicht ständig seine antifaschistische Gesinnung betont. Ich fände es überaus beleidigend, wenn jemand von mir eine vorsorgliche Unterlassungserklärung, im Stile der "Aachener Erklärung", einfordern würde, da so etwas einen Generalverdacht insinuiert. Und dann wären wir von McCarthy und Co. wirklich nicht mehr weit entfernt.

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6. Kommentar von Brecuno am 22.11.2012 um 12:20

Die Nazikeule
Da den Linken das lebendige Feindbild bald ausgeht, dehnt man den Begriff 'Nazi' nun gern auf Mittelschicht, Speisen, Verhalten, Aussehen, anderer Meinung, Geschichte, sich selbst da Österreicher(!), ausgestorbene Volksgruppen und ja sogar Tiere aus. Das gibt es tatsächlich.
Aber die Nazikeule wendet sich, wenn pauschal ausgesprochen, auch gegen die Nachfahren der Opfer, welche gern in Österreich vergeßen werden, was aber dem feurigen Eifer der 'Nazijäger' keinen Abbruch tut. Vielleicht wird bald auch ein Wirbelsturm als 'Nazi' bezeichnet, ein Afrikaner, oder ein Komet - man weis nicht, wann die Keule zuschlägt!!

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