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huscarl.at - Erlebbare Geschichte. Unwetter-Katastrophe Pöchlarn: Ein Toter, viele Verletzte

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(C) Florian Machl
Zelte schmiegen sich an die großen Bäume im Schlosspark. Dass gerade diese zum Verhängnis werden können, ahnt niemand.

Foto (C) Florian Machl
Veranstalter Mirko Klar zählt zu den am schwersten Verletzten. Er wird intensivmedizinisch betreut. Klar wurde schon bei der Veranstaltung im Vorjahr (Archivbild) leicht verletzt, ließ sich dadurch seine Leidenschaft "Mittelalter" aber nicht nehmen.


Unwetter-Katastrophe Pöchlarn: Ein Toter, viele Verletzte
Schreckensszenen im Schlosspark - Augenzeugen schockiert
Florian Machl
29.07.2012 08:58

Am Tag nach den verheerenden Unwettern gilt als traurige Gewissheit: Ein Besucher des Mittelalterfestes in Pöchlarn erlag noch am Samstag seinen Verletzungen. Bis zu 13 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt, einige davon kämpfen in den umliegenden Krankenhäusern um ihr Leben. Das Fest wurde abgebrochen, das Festgelände ist gesperrt.

Erschütternde Szenen spielten sich am Samstag, dem 28. Juli 2012 gegen 18 Uhr in Pöchlarn ab. Der Schlosspark, unter dessen großen, weit ausladenden Bäumen man sich nicht nur anlässlich des Mittelalterfestes wohl und sicher fühlte, wurde zum Schauplatz von Chaos und Zerstörung.

Volle Windstärke innerhalb von Minuten

Binnen Minuten baute sich eine massive Gewitterfront auf. Im Vorfeld war an die Teilnehmer eine "normale" Sturmwarnung weitergegeben worden. Als der Wind etwas auffrischte, waren viele Lagernde und Händler gerade dabei, ihre Zelte zu sichern. Einen Augenblick später hob das Zelt eines Schwerthändlers mitsamt der schweren Handelsware vom Boden ab und vollzog einen Salto. Ein Lagerteilnehmer wird später damit zitiert, dass er seinen Tonkrug zum Mund führte um daraus zu trinken - und ihm dieser von einem Windstoß aus der Hand gerissen wurde. Überall liefen Menschen um ihr Leben, so Johann Ertl, Obmann der Lagergruppe "die Sturmfalken" gegenüber der APA.

300 Einsatzkräfte vor Ort

Punktuell richteten Windböen von bis zu 120 km/h im Schlosspark massive Schäden an. Das Ausmaß der Zerstörung wird wohl erst heute, Sonntag, im Zuge der Aufräumarbeiten klar werden. Im Chaos nach dem Sturm und den Rettungsmaßnahmen, die schnell und professionell von rund 300 Einsatzkräften durchgeführt wurden, gingen die Meldungen weit auseinander. Von riesigen Ästen, die von einem Baum abgerissen wurden, bis hin zu mehreren entwurzelten oder abgeknickten Bäumen war die Rede.

Rettungshubschrauber im Dauereinsatz

Festbesucher wie auch Darsteller und Mitarbeiter wurden von der Wucht des Wetterereignis überrascht. Herabstürzende Äste verletzten viele, auch Zelte, in denen Menschen vor dem Unwetter Schutz suchten, wurden getroffen. Ein Besucher aus der Region (51) wurde nach Auskunft von Händler-Organisatorin Gabi Dworschak so schwer verwundet, dass er seinen Verletzungen noch am Samstag erlag. Zwei Rettungshubschrauber waren im Dauereinsatz und flogen fünf Schwerverletzte in die umliegenden Krankenhäuser aus. Insgesamt wird die Anzahl der Verletzten mit 13 Personen angegeben.

Besonders schlimm erwischte es auch Veranstalter Mirko Klar. Er soll von einem Baumstamm an Kopf, Schulter und Rücken verletzt worden sein. Klar wird zur Zeit intensivmedizinisch betreut. Ebenso schwer verletzt wurden die bekannten Gastronomen der Mittelalterszene "Hannes der Jausenträger" und "Hans vom Mokkazelt". Auch eine weibliche Person liegt mit schwersten Verletzungen auf einer Intensivstation. Ebenso ein siebenjähriges Kind, das am Kopf getroffen wurde.

Vorwürfe im "Kurier" und ORF

Nähere Informationen über den Zustand der Verletzten sind vor Montag nicht zu erwarten. Deutsche Nachrichtenmedien sprechen inzwischen ohne Angabe von Quellen bereits von zwei Toten. Die genausten Recherchen in Österreich führte die Tageszeitung Kurier durch. Im ersten Artikel der Zeitung wurden auch Besucherstimmen zitiert, die Vorwürfe gegen die Veranstalter erhoben hätten, warum das Fest nicht angesichts der Sturmwarnung abgesagt wurde. Der ORF zog am Sonntag mit gleichlautenden Vorwürfen nach. Insbesondere "Strudelbäcker" Walter Zinser, der selbst mehrere Mittelalterveranstaltungen organisiert und veranstaltet, äußerte sich im Interview gegenüber dem ORF dahingehend, dass man das Fest nach Bekanntwerden von Unwettern in Salzburg hätte absagen müssen.

Nach den Huscarl vorliegenden Informationen sind die Vorwürfe zwar emotional verständlich, aber aufgrund der Unvorhersehbarkeit des Ereignis und der Geschwindigkeit, in der die Dinge abliefen, nicht haltbar. Die Reaktion von der Gemeinde und Helfern wird durchgehend als schnell und professionell beschrieben. Der Bürgermeister der Gemeinde hatte kurzfristig Notquartiere zur Verfügung gestellt, große Kontingente an wärmenden Decken waren rasch vor Ort. Die gesamte Versorgung soll perfekt funktioniert haben, auch Verpflegung, Windeln und andere nützliche Dinge wären umgehend zur Verfügung gestanden.

Mit-Organisatorin Gabi Dworschak will helfen

In einer ersten Reaktion sprach sich Gabi Dworschak dahingehend aus, dass ihr in Kürze stattfindendes Benefiz-Mittelalterfest auch der Hilfe und Unterstützung der in Pöchlarn zu Schaden gekommenen Menschen gewidmet werden soll. Dieses Veranstaltung findet im August in St. Leonhard am Forst statt. Weitere Informationen möchte Frau Dworschak in Folge bekannt machen.


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