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(C) Walter Herdin
Ein Detail der Fassade des Straßburger Münsters.

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Rothenburg ob der Tauber - Das Altstadtkonzept wirkt einheitlich...

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... wenngleich die Produktauswahl sehr auf Touristen ausgelegt ist.

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Das Mittelalterliche Kriminalmuseum war leider bereits vor der auf dem Aushang mitgeteilten Zeit geschlossen.

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"Rothenburger Schneeballen" in allen möglichen Variationen.

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Lange Zeit vor dem Mittelalter entstanden: Die Teufelshöhle bei Pottenstein.

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In der Marienkirche von Kuttenberg...

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...entdecken wir Knochen von ermordeten Mönchen...

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...wie auch reich verzierte Gebeine, welche der Kirche von Papst Benedikt XIV. zum 600. Jahrestag der Gründung im Jahr 1742 geschenkt wurden.

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Und auch für den modernen Hobbyfotografen fand sich das eine oder andere Motiv, bevor es ins Knochenhaus ging.

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Im riesigen Luster sind nahezu alle Knochenarten des menschlichen Körpers verarbeitet.

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Die Knochen sind teils mehr als 600 Jahre alt. Auch eingeschlagene Schädel aus den Husitenkriegen sind darunter.

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Das Familienwappen der Familie Schwarzenberg. Weitere Bilder aus dem beeindruckenden Beinhaus finden sich in der Bildergalerie zum Artikel.

Reiseroute
Reiseroute der drei Tage.

Die letzten Stationen der Rundreise nach Azincourt
Teil 6: Straßburg, Rothenburg, Pottenstein, Kuttenberg
22. 12. 2009 - 20:00
Walter Herdin


Fotogalerie
Der sechste und letzte Teil unseres Reiseberichtes führt uns, am elften Tag der Reise, von Straßburg aus bis zurück nach Wien, das nach dreizehn Tagen schlussendlich wieder erreicht wurde. Wir haben viel gesehen und erlebt, brauchten viele Wochen und Monate, um dieses auch zu verarbeiten und um schlußendlich diesen Reisebericht zu vollenden. War es uns möglich, den einen oder anderen zum Besuch einer oder mehrerer interessanter Stationen unserer Reise zu motivieren?

Tag 11
Straßburg - Rothenburg ob der Tauber - Trockau


Die Anfahrt zum Straßburger Münster, oder auch Liebfrauenmünster genannt, gestaltete sich ein wenig problematisch, da an diesem Tag ein Stadtfest stattfand und so alle Zufahrtswege gesperrt waren. Dies sollte jedoch bis auf einen kurzen Fußmarsch keine Konsequenzen haben und so erhob sich bald der gewaltige Kirchenbau vor uns. Der Zustand ist ähnlich gut oder sogar besser als der von Reims und Paris, jedoch kommen die Figuren im Detailgrad nicht an die von Reims heran. Nichts desto trotz kann sich das beeindruckende Bauwerk aus rotbraunem Sandstein, welches vom 12. bis zum 15. Jahrhundert erbaut wurde, sehen lassen. Knapp 250 Jahre lang zählte es zu den höchsten Gebäuden der Menschheit. Die Figuren aus dem späten 13. sowie frühen 14. Jahrhundert am Hauptportal wurden im Zuge der französischen Revolution zerstört und durch Kopien ersetzt. Die Fensterrose, sowie Teile, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurden, stammen aus Renovierungsarbeiten und Schenkungen des 20. Jahrhunderts. Aufgrund der Erosion des verwendeten Sandsteins wurde die Außenfassade des Münsters in den letzten 9 Jahren in mehreren Schritten komplettsaniert. Im Inneren des Kirchenbaus merkt man auch eine recht geschickte Art, das investierte Geld wieder einzubringen. Zum Beispiel müssen Fotografen im recht dunklen nördlichen Querschiff einen geringen Betrag spenden, wenn sie eine Zeitschaltuhr, welche die Beleuchtung der Skulpturenlandschaft die die Kreuzigung auf dem Ölberg darstellt, in Gang setzen möchten. Ähnlich verhält es sich wahrscheinlich mit dem bekannten Engelspfeiler und der astronomischen Uhr im südlichen Querschiff.

Zu den Glasfenstern ist zu sagen, dass ein Teil davon noch aus Originalen besteht. Diese sind zumindest zum Teil nicht mehr an der selben Stelle angebracht, wie beim Bau der Kathedrale. Durch intensive Restaurierungsarbeiten mit teils Originalscheiben und dank des Ausbauens der Scheiben zum Schutz vor den Attacken des zweiten Weltkriegs konnten jedoch viele der Ursprungsmotive erhalten bleiben. So findet man hier neben einigen Fenstermalereien aus dem 12. Jahrhundert vor allem solche aus dem 13. und 14. Jahrhundert und auch einige des 15. Jahrhunderts. Durch Brände und ähnliche Einflüsse verloren gegangene Motive wurden durch zeitgenössische Kunst ersetzt, einige Fenster im Zuge der Renovierungsarbeiten vor etwa 10 Jahren gepflegt und restauriert. Recht beeindruckt aber auch ein wenig gestresst ging es weiter nach Deutschland, wo wir uns endlich wieder ohne Wörterbuch fortbewegen konnten.

Schneebälle in Rothenburg

Der nächste Stopp war in Rothenburg ob der Tauber geplant, welches uns von Beroharti dem Rinderschink, einem Mitglied unseres Vereins, ans Herz gelegt wurde. Die dort befindliche Altstadt weist noch einige Bauten des 15. sowie späten 16. Jahrhunderts auf. Auch ist dort die streckenweise gut erhaltene Stadtbefestigung zu sehen, deren älteste Teile bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen. Das Marketing Konzept der Stadt ist aufgrund seiner Ganzheitlichkeit wirklich erwähnenswert. Einmal durch die alten Befestigungstore hindurch gegangen, ist es praktisch unmöglich, dem Thema Mittelalter zu entgehen. Leider auch dem, was neuerdings vielerorts als GroMi (Abkürzung für Grobmittelalter) bezeichnet wird. So machen einige Shops, teilweise Tür an Tür, ihr Geschäft mit verchromten Zehnhänder-Gassenhauern und Herr der Ringe Accessoires. Für den unterhaltungshungrigen Touristen ist dies möglicherweise ein durchaus willkommenes Angebot. Eine andere Besonderheit, um die man in Rothenburg nicht herumkommt, sind die Rothenburger Schneeballen. Obwohl Hochsommer mit gar nicht schneetauglichen Temperaturen, werden diese in verschiedensten Varianten angeboten. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Speiseeis in Riesenkugelform sondern um eine Mürbeteig-Mehlspeise, welche in einer kugelförmigen Form herausfrittiert und dann in der Originalform mit Puderzucker bestreut wird, was ihr auch den Namen verleiht. Unserer Meinung nach ist diese Spezialität in der Originalform etwas trocken, aber mit einem guten Kakao durchaus wohlschmeckend und sättigend.

Als Höhepunkt für Rothenburg haben wir spontan einen Besuch des dort ansässigen mittelalterlichen Kriminalmuseums geplant. Als wir um 17:30 dort ankamen freuten wir uns sehr, dass das Museum bis 18 Uhr offen hatte. Wobei "hätte" wohl passender ist, da wir vor verschlossenen Türen standen. Das Schild an der Tür, dass bis 18 Uhr Betrieb herrschen würde lies uns hier etwas verdutzt aussehen und auch auf ein Klopfen hin meldete sich niemand. So konnten wir nur die wenigen Schaustücke im Freien vor dem Museum begutachten. Bei der Nachrecherche für den Artikel stellte sich heraus, dass der letzte Einlass 45 Minuten vor der Schließung erfolgt, eine bessere Auszeichnung hiervon wäre wünschenswert, denn auch ein älteres Ehepaar schien kurz nach uns vor der selben Unklarheit zu stehen. So ging es zurück zum fahrbaren Untersatz und noch ein wenig weiter Richtung Osten, um am nächsten Tag etwas Wegzeit zu sparen. Dies stellte sich als unklug heraus, da wir dadurch mitten in den Nürnberger Abendverkehr gelangten. Aus dem dichten Verkehr entkommen, ging es auf Hotelsuche, welche in dem Dorf Trockau nahe der Autobahn ein erfolgreiches Ende fand.

Empfehlenswerte Unterkunft

Die hier gefundene Pension Löffler soll explizit hervorgehoben werden. Obwohl nur mehr ein "kleines" Dachgeschosszimmer frei war, wurden wir extrem freundlich, ja freundschaftlich dort aufgenommen. Darüber hinaus war die Unterkunft dort die mit Abstand sowohl schönste, günstigste als auch freundlichste auf unserer ganzen Fahrt. Auch das Essen war vom Preis-Leistungsverhältnis sowie der Qualität überragend und von der nahen Autobahn war nichts zu hören. Sollte jemand im Großraum Nürnberg seinen Urlaub oder eine anderweitige Reise planen, möchten wir diesen Gasthof an dieser Stelle sehr weiterempfehlen.

Links zu Tag 11


Tag 12
Trockau - Pottenstein - Kuttenberg


Aufgrund eines am Vortag im Gasthof gesehenen Plakates, machten wir uns auf den Weg nach Pottenstein. Der dadurch entstandene Umweg war verhältnismäßig gering, sodass wir uns entschieden, die dortige Tropfsteinhöhle zu besuchen. Die Führung durch die sogenannte Teufelshöhle wurde durch malerische Lichtspiele sowie Untermalung durch klassische Musik und eine Diashow zum Beginn der Führung unterstrichen. In der etwa 100 Mio. Jahre alten Höhle ist neben den bis zu 1 Mio. Jahre alten Stalagmiten und ähnlich alten Stalagtiten auch ein 30.000 Jahre altes Skelett eines Höhlenbärs zu sehen.

Nach diesen Eindrücken ging es dann praktisch nonstop ins tschechische Kutna Hora, zu deutsch Kuttenberg. Hier erwartete uns das letzte Zwischenziel unserer Reise und nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten im Ort zeigte uns die Anwesenheit von zwei Jugendlichen in Gothic-Montur, dass wir hier richtig waren. Um die Vorfreude anzuheizen und den letzten Höhepunkt der Reise zu genießen, bezogen wir gleich neben dem Knochenhaus von Kuttenberg unser Hotel. Selbst hier waren die Preise höher und der Komfort niedriger als am Vortag, was jedoch, nicht zuletzt aufgrund eines guten Abendessens, die Vorfreude nicht trübte.

Links zu Tag 12


Tag 13
Kuttenberg - Wien


Der letzte Tag der Reise begann mit der Besichtigung der nahe gelegenen Kathedrale Mariä Himmelfahrt des ehemaligen Zisterzienserklosters Sedletz (tschech.: Sedlec). Diese wurde zwischen 1280 und 1320 erbaut und nach ihrer Zerstörung im 18. Jhdt. auf den Fundamenten des Klosters wiederhergestellt. Bereits hier erblickten wir vier Schädel von in den Hussitenkriegen des 15. Jahrhunderts erschlagenen Mönchen. Nachdem wir die Besichtigung der Kathedrale abgeschlossen hatten, ging es zum eigentlichen Ziel, dem Knochenhaus von Kuttenberg.

Die Stadt war im Mittelalter durch große Silbervorkommen zur wichtigsten böhmischen Stadt nach Prag geworden. Die Silbervorkommen prägen auch den Ortsnamen: Kutna Hora steht für "Berg, in dem gegraben wird". Durch die Verstreuung von Erde vom Kalvarienberg in Jerusalem durch den Abt Jindrich (Heinrich), welcher 1278 ins heilige Land aufbrach, erhielt der Friedhof des Klosters Sedletz bis in weiter entfernte Gebiete den Ruf von heiliger Erde. Hier bestattet zu werden, wurde damit gleichgesetzt, im heiligen Jerusalem begraben zu werden. Durch diesen guten Ruf aufgrund zusätzlicher Pestepidemien und Kriege kam es dazu, dass auf dem Friedhof der Platz nicht mehr ausreichte und die Gebeine unterhalb der im 14. Jahrhundert errichteten Friedhofskapelle gelagert wurden. Laut der Sage wurden die bis heute erhaltenen Pyramiden aus Knochen und Schädeln von rund 40.000 Menschen zu Beginn des 16. Jahrhunderts von einem blinden Zisterziensermönch aufgetürmt. 1870 erweiterte der Holzschnitzer Frantisek Rint die Ausstattung des Beinhauses mit der kunstvollen Anordnung der Gebeine zu verschiedenen sakralen Gegenständen sowie einem großen Familienwappen der Familie Schwarzenberg, welches ebenso aus den Knochen geformt wurde.

In dem mächtigen Kronleuchter sind fast alle Knochenarten des menschlichen Körpers verarbeitet. Der Besuch des Knochenhauses und der Anblick der unzähligen Gebeine soll laut dem jedem Besucher ausgehändigtem Leih-Text den untenstehenden Zweck erfüllen. Mit diesen Worten und den zugehörigen Bildern möchte ich diesen Bericht abschließen. Ich bedanke mich für die Geduld der Leser, die bis hier mitgelesen haben, hoffe, dass die eine oder andere Information interessant oder hilfreich war oder Lust darauf gemacht hat, mehr davon zu sehen und wünsche allen viel Spaß bei den nächstjährigen Urlaubsplänen, welche vielleicht auch nach Azincourt führen!

"Das Beinhaus wurde deswegen eingerichtet, damit sich die Besucher bewusst sind, wie kurz unser Leben ist. Die Einrichtung der Knochen soll uns zur gegenseitigen Harmonie unter lebenden Menschen und auch dazu führen, dass wir das Leben mehr schätzen und uns unserer Verantwortlichkeit bewusst sind. Das Beinhaus weckt in uns das Wissen 'Wenn die irdische Hülle der Menschen so armselig ist, ist es notwendig mehr Seelenanstrengung zu entwickeln, so dass ein ehrenvolles Andenken für folgende Generationen bleibt. (Frantisek Palacky)'"

Links zu Tag 13


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1. Kommentar von Doommaker am 24.12.2009 um 10:25
PS:
...und natürlich fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch!

2. Kommentar von Graveheart am 24.12.2009 um 11:56
Super...
Bericht und schöne Bilder...schöne Festtage und lG an die ganze Truppe...

3. Kommentar von zwoni am 24.12.2009 um 14:38
Tolle Berichte
Danke für deine tollen Berichte! Habe sie mit großem Interesse verfolgt. Kettenhemd ist definitiv verschweißt- danke nochmal für die Bilder und die nette ausführliche Antwort. Frohes Fest

4. Kommentar von Drakoschneck am 25.12.2009 um 15:10
Grooßartig
Danke für diesen wunderbaren Bericht, den ich mit viel Freude verfolgt habe und der kaum zu zähmendeLust geweckt hat, die Route nachzuvollziehen. Als besondere Freude habe ich empfunden, dass auch andere von der Kathedrale von Kutna Hora so begeistert sind, die ich vor vielen Jahren in der damals noch kommunistischen CSSR unter Begleitung eines politischen "Aufpassers" erleben durfte und die mich besonders beeindruckt hatte.
Noch ein frohes Fest wünscht Hanne


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