Reise zum Fest Azincourt 2009
Teil 5: Laon, Reims, Toul
13. 12. 2009 - 13:30
Walter Herdin
Azincourt. Schon früh am Morgen ging es im ganzen Lager mit dem Abbau los. Gegen halb elf waren alle Lager abgebaut. Zurück blieb die satte Schlachtwiese, eine tolle Erinnerung sowie die Vorfreude auf das Folgejahr. Bevor der Weg Richtung Heimat in Angriff genommen wurde, ging es wie jedes Jahr an die Gedenkstätte, die anlässlich der Schlacht errichtet wurde. Nachdem die Tanks und Vorräte wieder aufgefüllt waren, machten wir uns auf den Weg nach Laon, einer Stadt, die im 9. und 10. Jahrhundert die Hauptstadt Frankreichs war.
Tag 9
Azincourt - Laon - Reims
Zur Besichtigung in Laon wurde uns im Vorfeld vor allem die erhaltene Templerkapelle empfohlen. Zuerst ging es jedoch zur St. Martins Kirche. Diese gehört zum daneben befindlichen Kloster, welches im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Bis auf einige eher schlecht erhaltene Skulpturen am Eingang und einem interessanten Grabstein gab es hier allerdings wenig Interessantes. Also weiter ins Stadtinnere, wo wir nach kurzer Suche auch die Kathedrale Notre Dame de Laon fanden, deren Bau auf 1155-1235 datiert ist. Erwähnt werden sollten hier die reich verzierte Westfront mit der Fensterrose von 1210 und die Glasfenster im Innenraum aus dem 13. Jahrhundert. Die Fassade der Kathedrale von Laon gilt mit ihrer Fensterrose in vielen Punkten als Vorbild für andere bekannte Kathedralen in Mitteleuropa. Angeblich kann man in Laon auch noch Reste der Innenfarbe, welche zumindest im Hochmittelalter in allen Kirchen üblich gewesen sein soll, sehen. Uns ist sie jedoch nicht aufgefallen, da wir nicht danach gesucht hatten.
Auf den Spuren der Templer
Unweit von der Kathedrale fanden wir auch die oben erwähnte Templerkapelle. Was hier sofort auffällt, ist das ungeschützte Lager für Originalsteine und Figuren der Kapelle. Hoffen wir, dass auch in den kommenden Jahren keine Touristenmassen Gratissouvenirs wittern, wie es in anderen Teilen der Erde oftmals der Fall ist. Die Kapelle wurde vom Templerorden im Jahr 1140 nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem errichtet. Das Innere der Kapelle befand sich in einem eher schlechten Zustand. Ob die zerstörten Figuren und Reliefs auf den Freitag den 13. Oktober 1307 zurückzuführen sind oder ob sie durch andere Einwirkungen beschädigt wurden, kann wohl nur ein Besuch im zugehörigen Museum klären, welches wir jedoch nicht besuchten. So ging unser Weg weiter Richtung Reims, wo wir aufgrund von Müdigkeit auch früh unser Quartier bezogen und uns sehr über die dringend notwendige Dusche freuten.
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Tag 10
Reims – Toul – Straßburg
Prachtvolle Kathedrale von Reims
Nachdem wir uns ausgeschlafen hatten, ging es nach einer kleinen Autoreparatur ins Stadtinnere von Reims. Die dort befindliche Kathedrale Notre Dame de Reims war gerade mitten in Renovierungsarbeiten. Das Gotteshaus wurde in den Jahren 1211-1311 erbaut, die Westfassade mit den Portalen stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die besagten Portale sind für den Mittelalterbegeisterten eigentlich eine eigene Reise wert. Hier sind neben den nach Originalen detailliert renovierten großen Figuren, darunter der berühmte grinsende Engel, auch etliche teils zerstörte Reliefs zu sehen. Diese sind trotz nur 20-30 cm Höhe bis hin zu einzelnen Kleidungsfalten sehr genau gearbeitet. Auch der Innenraum bietet eine Vielzahl an detaillierten Figuren, welche der Reenactor sehr gut als Vorlage für seine Ausrüstung verwenden kann. Unter anderem ist hier ein Schuppenpanzer zu sehen, eine Rüstform, die aufgrund der mühsamen Herstellungsweise leider kaum auf Mittelalterfesten zu sehen ist.
Auch die Fenstermalereien sollen nicht unerwähnt bleiben, obgleich die Originalgläser der Fensterrose bei einem Sturm 1580 zerstört wurden und 1917 bei einer militärisch sinnlosen Bombardierung der Kirche zusammen mit dem Dachstuhl und einigen Figuren vernichtet wurden. Die heute in der Kathedrale befindlichen Fenster stammen aus dem Jahr 1974. Die Kathedrale von Reims hat in Frankreich den Status eines Nationalheiligtums, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass sie lange Zeit als Krönungskirche für die französischen Könige gedient hat. Auffällig war hier, im Hinblick auf die späteren Erlebnisse des Tages, dass die Renovierung zur Hälfte von den Spenden und Verkaufseinnahmen der Kirche gedeckt wurde. Ein Schmunzeln über die Wahl des Standortes der Tourismusinformation blieb uns außerdem auch nicht verwehrt. Sie befindet sich gleich neben der Kathedrale in einer alten Gebäuderuine, welche sich sehr schön ins Stadtbild einfügt.
Fliesensuche in der Basilika Saint Remi
Nach kurzer Fahrt durch Reims erreichten wir die Basilique Saint Remi. In unserem schlauen Reiseführerbüchlein wurden hier die gut erhaltenen Wandfliesen aus dem 13. Jahrhundert erwähnt. Nach kurzer Suche fanden wir die Fliesen, die verschiedenste kirchliche Motive zeigen. In der Basilika sind 90 ganze und einige abgeschnittene Fliesen zu sehen. Für einen Besuch des angrenzenden Museums waren wir leider auch diesmal zur falschen Zeit anwesend, da die Öffnungszeiten sich auf 14 - 18 Uhr beschränken. Eine längere Autofahrt vor Augen, mussten wir so das Museum und Reims hinter uns lassen und machten uns auf zu unserem nächsten Ziel.
Zwischenstopp in Toul
In Toul ging es nach einem Spaziergang durch die etwas verschlafene Altstadt, wo noch vereinzelt Häuser aus dem 14. Jahrhundert. zu finden sind, ebenfalls zur örtlichen Kathedrale St. Étienne de Toul. Diese wurde im 13. bis ins 15. Jahrhundert erbaut. Durch heftige Bombardements im ersten und zweiten Weltkrieg, welche einen großen Teil der Stadt zerstört hatten, wurde auch die Kathedrale stark beschädigt. Die Renovierungsarbeiten begannen erst 2003 und auch heute sind an der Außenfassade noch keine Figuren sichtbar. Überhaupt fällt hier der allgemein sehr schlechte Zustand auf. Jedoch hat die Kirche das Potential, nach einer schwierigen und langwierigen Restaurierung ein paar interessante Details zu bieten. So sind neben einigen Resten von Wandmalereien auch ein Grab eines dem Autor unbekannten hohen Adeligen oder Königs, welches hinter einer Wand versteckt ist und nur durch einen Durchbruch sichtbar ist, etliche schlecht erhaltene Reliefs und Grabsteine zu finden. Allgemein wirkt es so, als wären für eine Renovierung im großen Stil, anders als in Reims, zu wenig Geldmittel vorhanden. Der schlechte Zustand der Kathedrale hält auch die Touristen fern, die hier finanzielle Mittel einbringen könnten. So sind praktisch das einzig nicht völlig Desolate die Decke und die Fenster.
Nach Besuch des an die Kathedrale anschließenden Kreuzgangs ging es etwas enttäuscht und mit einem bitteren Nachgeschmack zurück zum Auto und in Richtung Straßburg wo wir unser Nachtquartier bezogen. Da wir aber noch immer in Frankreich waren, wurden wir mit dem letzten Teil des Mysteriums französischer Klos verabschiedet. Hier gab es ein Do-it-yourself Klobrillen Set. In Anbetracht, dass es sich wie bei den meisten Hotels der Reise um ein 1 oder 2 Stern Hotel handelte und das Problem mit ein wenig handwerklichem Geschick schnell zu lösen war, sahen wir notgedrungen darüber hinweg.
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