Am 27. März fand im Gewölbekeller des Gasthauses "Alte Welt" im Herzen von Linz der zweite Mittelalterszene-Stammtisch statt. Hauptattraktion des Abends war Arnulf das Schandmaul mit einem Soloprogramm, das in dieser Form sicher als Premiere zu bezeichnen war. An den Mienen des Publikums waren zweierlei Reaktionen zu erkennen. Wer einen Platz im Bühnenraum reservieren oder durch frühe Ankunft bekommen konnte, zeigte Begeisterung über die gemütliche Atmosphäre und das vielseitige Programm. Doch weit mehr als die Hälfte der Besucher fanden keinen Platz mehr...
Schon vor der Veranstaltung, die vom Kulturverein "Huscarl Events" möglich gemacht wurde, tat sich einiges in den stimmungsvollen Kellerräumen der "Alten Welt". Die Mannen und Frauen von Via Nostra traten ihre sogenannte Ehrenwache an. Eine Funktion, in der sie voll gerüstet und gewandet die Besucher willkommen hießen und auch mit gestrengem Auge darüber wachten, dass auch wirklich Spenden für den Künstler in den Spendenkorb wanderten. Freundlich und bestimmt nahmen sie ihre Aufgabe wahr und erwiesen sich als höchst ambienteförderliche Aushängeschilder für die Veranstaltung.
TV-Sender vor Ort
Ab 19:00 filmte ein Team des Regionalsenders LT1 verschiedene Interviews und einen Teil der Vorstellung. Der TV-Bericht wird in der kommenden Woche zu sehen sein und eventuell auch als Mitschnitt zur Verfügung stehen. Der Sender soll mittlerweile übrigens auch via Satelit (Astra, Innsat/LT1, Frequenz 12,663 GHz H (Transponder 115, SID 13104 H 5/6, 22.000 SR), zwischen 18.00 und 20.00) in ganz Europa zu empfangen sein. Wenn nähere Informationen über die Ausstrahlung vorliegen, werden Sie auf Huscarl publik gemacht.
Selten zuvor gesehen: Arnulf als Solokünstler
Arnulf das Schandmaul präsentierte sich an diesem Abend auf eine Art, die man zuvor so gut wie nicht kannte: als Solokünstler. Die Darbietung war wohl etwas, was dem historischen Bild eines Spielmannes sehr nahe kommt: Eine Mischung aus Musik und Geschichten, Humor und Tradition. Einzig die Anzahl der Instrumente war im Mittelalter für einen einzigen Künstler undenkbar. So brachte Arnulf mehrere Dudelsäcke, Flöten, Trommeln und auch Lauten mit. Interessantes Detail am Rande - nur ein Monat nahm sich der ehrgeizige Künstler Zeit, um einige Nummern auf der Laute einzustudieren - einem Instrument, das er bis dahin nicht beherrschte.
Spielmannsprogramm und Stand-Up-Comedy
Der Spielmann äußerte sich selbst verhalten zu seinem Auftritt. Aufgrund von akuten Zahnschmerzen, so Arnulf, konnte er nicht alles geben, was er geplant hatte. Es wäre noch einiges an Steigerung möglich gewesen. Freilich, das Publikum merkte nichts davon und lauschte ihm gebannt bis knapp vor 24:00 Uhr. Besonders gelobt wurde dabei der zweite Teil seines Programmes, wo er mehrere Personen - Musiker - aus dem Publikum auf die Bühne bat und mit ihnen gemeinsam musizierte. Von gemeinsamem Gesang, Flöten oder Percussions-Begleitung war einiges dabei und bereicherte seinen Vortrag. Auch gesprochene Programmteile, die an klassische Stand-Up-Comedy erinnerten, wurden vom Publikum mit Gelächter und Applaus quittiert.
Bedauerlicher Platzmangel
Leider zeigte sich deutlich der Platzmangel an der Location. Auch wenn sich der Wirt diesmal fast selbst übertraf, was die Qualität seiner Küche und auch die liebevolle Dekoration des Haupteinganges angeht - für viele der mindestens 100 anwesenden Gäste war im Veranstaltungsraum kein Platz mehr. Somit konnten diese sich bestenfalls in den vorgelagerten Räumen mit anderen Gästen unterhalten. Etwas, was Szenemitglieder wenig störte, da viele Angehörige von Vereinen anwesend waren, sich untereinander kannten und freuten, einige Worte wechseln zu können. Doch wer mit der Mittelalterszene bislang noch weniger zu tun hatte, wurde möglicherweise an diesem Abend enttäuscht, was die Organisatoren sehr bedauern, insbesondere da auch diesmal Besucher sogar aus Wien und Salzburg anreisten.
Bezüglich Verbesserungsmöglichkeiten und Perspektiven gibt Huscarl-Events Vereinsobmann Florian Machl nachfolgend in einem kurzen Interview Auskunft:
Huscarl: Wie zufrieden bist Du mit der Veranstaltung?
Florian Machl: Die Frage muss ich von mehreren Gesichtspunkten aus beantworten. Zum Einen war da die großartige Solo-Performance von Arnulf, der sich mit fortschreitender Auftrittszeit ständig gesteigert hat. Ich habe Arnulf noch nie als Solokünstler gesehen - immer nur im Kontext seiner bekannten Bandprojekte wie früher der Tuivelsminne und im letzten Jahr hauptsächlich mit den Schandgesellen. Deshalb war der Abend auch eine Art Experiment, mit dessen Ausgang ich inhaltlich sehr zufrieden bin.
Die andere Sache ist leider die, dass uns die Location zu klein wird. Es waren im Laufe des Abends sicher mindestens 100 Personen anwesend - obwohl wir außer auf Huscarl keinerlei Werbung publiziert haben. Gut die Hälfte der Besucher hat wohl kaum etwas von der Performance mitbekommen. Der Bühnenraum fasst eben maximal 50 Menschen - und selbst das nur, wenn man eng aneinanderrückt. Das Publikum in Linz ist sehr begeisterungsfähig und freut sich derzeit über jede Veranstaltung, die man macht. Die Gäste haben verdient, an einem guten Platz zu sitzen und einfach "Gast sein zu können" - ohne Gedränge und die Angst, als etwas später kommender draußen bleiben zu müssen. Wir werden uns für unsere gefragten Acts der Mittelalterszene auf jeden Fall eine größere Location suchen müssen. Das ist andererseits sehr schade, weil die Gemütlichkeit, das Flair und auch die gute Küche der Alten Welt einzigartig sind. Die Verkehrslage des Kulturkellers ist unschlagbar. Eine Veranstaltung nur auf 50 Besucher zu limitieren, ginge in eine elitäre Richtung, die ich so nicht haben möchte.
Gibt es denn andere Räumlichkeiten, die für solche Veranstaltungen geeignet sind?
Bekannt ist mir derzeit leider nichts, aber ich bin ständig auf der Suche. Das Problem an vielen Örtlichkeiten (übrigens: noch mehr in Wien als in Linz) ist, dass die Betreiber eines behördlich zugelassenen Veranstaltungsraumes auch dann Miete kassieren wollen, wenn ein Pächter existiert, der sich bereits an Essen und Trinken eine goldene Nase verdient. Ich sehe nicht ein, weshalb ich einen Wirt dafür bezahlen soll, dass ich ihm über 100 Gäste bringe. Dass man beispielsweise für Reinigung und anfallende Selbstkosten anteilsmäßig aufkommt, ist Ehrensache. Bezüglich weiterer Kosten bin ich nicht gesprächsbereit, weil da absolut keine Kosten-Nutzen-Relation für Veranstalter gegeben ist. So schön Idealismus auch ist, ständig draufzuzahlen damit Veranstaltungen überhaupt möglich werden, ist finanziell nicht tragbar.
Mit dem Vorgängerverein "Stupor Mundi" wart ihr einige Male im Cembran-Keller, der in zwei Veranstaltungsräumen deutlich mehr Personen fassen kann. Warum geht ihr dort nicht wieder hin?
Zum einen ist die Miete dort beträchtlich, zum anderen ist der Zustand des Kellers für eine gemütliche, historisch orientierte Musikveranstaltung nicht geeignet. Der uralte Weinkeller kühlt sich zu jeder Tages- und Jahreszeit auf eine Temperatur in der Gegend von 8 Grad, die Luftfeuchtigkeit kann bis zu 100% betragen und überdies müsste der Eigentümer sehr viel in die Instandsetzung der Anlage investieren, um sie nach meinen Maßstäben "gemütlich" nennen zu können. Die Kosten dafür wären vermutlich astronomisch. Somit werden an dieser Location wohl auch weiterhin eher Techno-Konzerte und Ähnliches stattfinden, wo dem Publikum eher egal ist, wo es feiert.
Gibt es schon Ideen und Termine für weitere Veranstaltungen?
Ich denke, ein Termin im Mai sollte auf jeden Fall noch machbar sein. Großes Interesse an einem Auftritt vor der oberösterreichischen Mittelalterszene haben sowohl Nornensanc als auch Torxes von Freygeyst mit seinem Kabarettprogramm angemeldet. Sobald etwas fixiert ist, wird es auf Huscarl eine Vorankündigung dazu geben.
Weiterführende Links: