Am Freitag, dem 30. Jänner feierte man in Linz bereits vor. Einen Abend vor dem sechsten Miroque mit Preisverleihung gab es bereits in Linz einen Vorgeschmack auf die "Nacht der Mittelalterszene". Der Verein Huscarl Events, der sich als Nachfolger des zuvor in Oberösterreich aktiven Veranstaltervereins Stupor Mundi versteht, bat Angus von Ardingen und seine Band auf die Bühne des Kulturkellers "Alte Welt". Als Gäste wurden die oberösterreichischen Mittelaltervereine erwartet - und sie kamen in einer Anzahl, die fast die Möglichkeiten des Veranstaltungsortes sprengte.
In den Gewölbekeller mit uriger kleiner Holzbühne passen in etwa 50 Personen. Angereist waren aber rund 70, weshalb sich die Strategie, außerhalb der Szene keine zusätzliche Werbung zu machen, als ausgesprochen passend erwies. Viele Vereine und Einzelpersonen der oberösterreichischen Mittelalterszene sahen sich sich im Vorfeld benachteiligt. So wird die Bundeshauptstadt Wien von Veranstaltungen übersät, aber in Linz und Umgebung gibt es zumindest genre-musikalisch fast das ganze Jahr über kein Angebot.
Stammtisch der Mittelalterszene
Zusätzlich haben sich lokale Vereine schon oft dafür ausgesprochen, dass man einen vereinsübergreifenden Stammtisch als sehr angenehme und kommunikationsfördernde Einrichtung begrüßen würde. So nahm man sich Ende Jänner endlich diesem dringenden Bedarf an und ersuchte Angus von Ardingen, einen Tag vor seinem großen Auftritt in Wien, auch in Linz einen Zwischenstopp einzulegen. Die beim Miroque in Wien vor langem eingeführte Tradition, einen ansässigen Verein um eine Ehrengarde zu bitten, wurde auch in Linz aufgenommen. So erklärte sich der Verein Draconis Cognatio dazu bereit, die Gäste zu empfangen. Die gerüsteten Kämpfer gaben dabei ein ausgesprochen gutes Bild ab.
Angus als Publikumsmagnet
Niemand anderer schien besser geeignet, diese Räumlichkeit nicht nur mit Publikum zu füllen, sondern auch blendend zu unterhalten. Angus ist der Tavernenmusiker schlechthin, der mit oder ohne Bierlaune mit frechen Texten überzeugt. Dazwischen versteckten sich auch immer wieder wohlbekannte Nummern, die man auch von anderen Spielleuten kennt. Auf einer Bühne feierte er diesmal auch eine kleine Premiere, indem er zu seinen Musikerinnen Kathrin und Julia ein viertes Bandmitglied mitbrachte: Jan Menzel, sonst auch bekannt als Filmemacher, entpuppte sich als virtuoser Cellospieler und harmonierte perfekt mit dem Rest der Gruppe.
Unermüdliches Spiel
Das Herausragendste an dem Auftritt war, dass Angus wohl unbedingt einen Vertrag mit einem großen Batteriehersteller abschließen sollte. Wie die gleichnamigen Häschen aus der Werbung nicht mehr aufhören zu trommeln, war die Musikergruppe nicht zu stoppen. Sie spielten und spielten ohne Pausen einzulegen über zwei Stunden durch. Erst dann liessen sich die Spielleute zu einigen kühlenden Getränken überreden,um nach kurzer Pause nochmals mindestens eine Stunde aufzuspielen. Das Publikum dankte es ihnen mit großem Applaus und auch Spendierfreudigkeit.
Eintritt: freiwillige Spende
Der Preis des Abends lautete nämlich grundsätzlich "Eintritt frei", um Spenden ab 5 Euro wurde ersucht, um die Unkosten der Künstler im Rahmen zu halten. Viele Anwesende hielten sich auch an diese Bitte und kauften darüber hinaus noch reichlich CDs.
Perfekte Location für kleine Events
Schlußendlich erwies sich auch der Wirt des historischen Gemäuers als begeistert, obwohl er erst ein wenig skeptisch erschien - wer beschäftigt sich denn freiwillig mit Geschichte? Und was mochte diese Mittelalterszene sein? Doch das bunte mittelalterliche Treiben - viele der Gäste waren gewandet erschienen - und wohl auch der gut gefüllte Keller sorgten für gute Laune. So präsentierte er nebenbei stolz auch noch ein weiteres Stüberl im Keller, das auch für Vereinssitzungen einen perfekten Rahmen abgeben würde. Außerdem hatte er die Speisekarte um zwei Gerichte erweitert, die ihm dem Anlass entsprechend geeignet erschienen - und es auch waren.
Der Verein
Die Organisation und Abwicklung erfolgte durch den neu gegründeten Verein Huscarl Events, der dem vor allem im ersten Halbjahr 2008 aktiven Verein "Stupor Mundi" nachfolgt. Unter diesem Namen sollen quer durch Österreich Szeneveranstaltungen stattfinden und vor allem die Musik der Mittelalterszene in Bundesländer getragen werden, die bislang vernachlässigt wurden. So sind bereits zwei Konzerte für die Steiermark geplant, nämlich Wutas am 30. April und Ballycotton am 29. Mai, beides in der Postgarage Graz. Auch in Oberösterreich will man weiterarbeiten, konkrete Termine für weitere Stammtische dieser Art gibt es bislang noch nicht - Anfragen an mehrere Bands sind allerdings am Laufen.
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