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Bildquelle: historische Abbildung
Aufruf an alle, die einem kleinen Mädchen Freude spenden wollen: "Briefe an Ihre Durchlaucht, Prinzessin Alina".

Briefe an Ihre Durchlaucht, Prinzessin Alina
Pfarrer Zeiger schlägt Alternative zum Massenandrang vor
Huscarl zieht sich von Unterstützung der geplanten Aktivität auf der Rosenburg zurück

13. 5. 2011 - 09:30
Florian Machl


Am 18. April wurde an die Redaktion die traurige Geschichte der kranken Alina aus Pöggstall herangetragen. Ein mittelalterliches Fest für einen Tag als Prinzessin sollte vorgeblich für das kleine Mädchen organisiert werden. Inzwischen ist der beschämende Eindruck einer großen PR-Aktion entstanden, die allen möglichen Personen und Firmen zu Bekanntheit verhelfen soll und eher zweitrangig der eigentlichen Hauptperson gewidmet ist. Deshalb zieht sich Huscarl von der Unterstützung dieses geplanten Festes zurück, ungeachtet dessen, ob, wo und wie auch immer es nun stattfinden wird.

Unterdessen hat sich Pfarrer Franz Zeiger mit einer sehr sympathischen Idee zu Wort gemeldet, wie man Alina direkt eine Freude bereiten kann. Kindgerecht, ohne großen Rummel: "Briefe an Ihre Durchlaucht, Prinzessin Alina". Eine Idee, wo wirklich jeder mitmachen kann ...


Wer Alina etwas Gutes tun möchte, bekommt dazu eine sehr kreative Gelegenheit: Franz Zeiger, der für seine vielfältigen caritativen Aktivitäten weithin bekannte Pfarrer der Linzer Pfarrgemeinde St. Peter, ruft dazu auf, "Briefe an Ihre Durchlaucht, Prinzessin Alina" zu verfassen. Denn: einen Tag als Prinzessin kann Alina nur einmal genießen, Säcke voll Post aus "allen Ländereien ihres Reiches" können ihr noch lange Zeit über Freude bereiten. Auch die Eltern können dieser Idee viel abgewinnen und freuen sich schon darauf, all diese Briefe vorlesen zu dürfen.

Lang anhaltende Freude mit einem liebevoll gestalteten Brief

Versetzen Sie sich in die Rolle eines Menschen, wie er im Mittelalter gelebt haben könnte. Schreiben Sie der geliebten und verehrten Tochter Ihrer Monarchen, der strahlenden Hoffnung Ihres Königreiches, über Erlebnisse, Wünsche und Träume. Erzählen Sie eine Geschichte, malen Sie ein Bild. Erfreuen Sie kindgerecht das Herz eines kleinen Mädchens, das in ihrem noch sehr jungen Leben vor einer Herausforderung steht, die man niemandem wünscht, die im Endeffekt aber irgendwann wohl jeden von uns trifft.

Die Briefe gehen in einem offenen Kuvert bitte an:
Pfarre Linz-St. Peter
Kennwort "Prinzessin Alina"
Tungassingerstraße 23a
4020 Linz

Verwenden Sie offene Kuverts bitte deshalb, weil ausgeschlossen werden muss, dass sich anstößige Inhalte in den Umschlägen befinden. Dies wird durch Herrn Pfarrer Zeiger selbst gewährleistet.

Wenn Sie auch einen schönen Umschlag gestalten wollen, benutzen Sie bitte ein zweites, ebenfalls offenes Kuvert, das sie direkt an "Ihre Durchlaucht, Prinzessin Alina" adressieren.


Eine lange Reihe von Ungereimtheiten

Bedauerlicher Weise hat sich herausgestellt, dass die ursprünglichen Angaben der Initiatorin des "Tages für Prinzessin Alina" nur in Bruchstücken der Wahrheit entsprachen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung soll Frau Margit S. noch gar keine "Freundin der Familie" gewesen sein, sondern eine völlig fremde Person, die via Facebook von der Situation erfuhr. Ab diesem Zeitpunkt forcierte Frau S. eine massive Presse- und Facebook-Kampagne im Dienste "ihrer" Idee. Selbst dies scheint inzwischen fraglich, da inzwischen ein echter Freund der Familie aufgetaucht ist, der die ursprüngliche Idee für ein Fest gehabt haben soll und später etwas aus dem Geschehen verdrängt wurde. Fragen kamen auf. Was es mit Alina zu tun habe, den eigenen Namen möglichst häufig in jedem Artikel zu positionieren und die Web-Adresse eines Energetik-Massagestudios in Wien medienwirkam zu promoten? Schon im ersten Gespräch mit Frau S. kristallisierte sich als ihre Hauptsorge heraus, ob sie denn am Fest Einladungen für Behandlungen in ihrem Unternehmen verteilen könne. Bei einer Inanspruchnahme ginge dann ein gewisser Betrag an die Familie. "Wofür?", war unsere nächste Frage. Haben die Eltern denn überhaupt Bedarf angemeldet? Viele Fragen, auf die wir von der "Initiatorin" keine Antwort erhielten.

"Eigentlich hat sie Angst vor Pferden ..."

Aus dem anfänglichen Wunsch von Frau S., es würden Pferde benötigt, ergab sich glücklicher Weise endlich die Frage, wie die kleine Alina denn mit Pferden umgehen könne. Daraus entstand ein direkter Kontakt zu den Eltern, die Auskunft gaben: Alina ginge es leider im Moment sehr schlecht, derzeit hätte sie eine Störung des Gleichgewichtssinnes und könne nicht reiten - sie habe deshalb sogar Angst vor Pferden. Eigenartig. Die "Initiatorin" des Festes, welche die halbe Welt um Mithilfe bittet, hat also noch gar nicht mit den Eltern über die Machbarkeit ihrer Wünsche gesprochen? Inzwischen habe sie eine Kutsche aufgetrieben. Eine Jagdkutsche, auf der das Mädchen ohne Begleitung und nicht in Fahrtrichtung Platz nehmen solle. Spätestens hier trat die Fragestellung auf, ob sich bei den Planungen überhaupt irgendetwas an den Bedürfnissen und der Situation der kranken Alina orientierte.

Massenmobilisierung auf die Rosenburg

Es stellte sich heraus, dass mittlerweile keineswegs ein kleines, beschauliches Fest für ein krankes Mädchen geplant wurde, das für sein Leben gerne auf Mittelalterfeste geht und endlich einmal Prinzessin auf einer echten Burg sein wollte. Vielmehr plante man im großen Stil. In jeder Presseaussendung wurde um "möglichst viele" Gäste gebeten - platziert in Österreichs größten Tageszeitungen. "Am besten sie mieten sich einen Reisebus und kommen mit allen Menschen die sie finden können", war der Rat von Frau S. an einen freiwilligen Helfer. Plötzlich sollten sich Elvis-Imitatoren, moderne Sänger und Zauberer fernab der Mittelalterszene ins Programm einreihen. Manche davon erfrechten sich, diese Presseaussendungen einfach selbst weiter zu verbreiten, garniert mit Bildern eigener Auftritte und sich selbst als Hauptattraktion in Großbuchstaben. Plötzlich sollten ein großer Getränkehersteller und ein bedeutender Fischstäbchen-Produzent Waren anliefern. Im Burghof sollten Kuchen und Gebäck für Spenden verkauft werden. Müsste man dafür nicht erst einmal die Genehmigung des Burgbetriebes einholen? Von Mittelalter keine Spur.

Wie die Jungfrau zum Kinde ...

Von Anfang an wurde den Helfern aus der Mittelalterszene gegenüber behauptet, dass mit der Burg "alles geklärt" sei und man dort "machen könne, was man wolle". Die "Initiatorin" kenne da einen gewissen Grafen, der hätte dies alles geregelt. Wörtlich steht in ihrem ersten Schreiben: "... so habe ich (Freundin der Familie) die Rosenburg am 18. Juni 2011 reserviert ...". In weiterer Folge stellte sich heraus, dass zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts geregelt war. Vielmehr wurde ein Vertreter des ehrenamtlichen Organisationsteams zuerst mit großer Skepsis bei einem gemeinsamen Termin auf der Burg empfangen. Mit den Eigentümern hatte noch niemand gesprochen, doch alle Zeitungen hatten bereits darüber berichtet. Verwunderung und Ärger wurde über die Tatsache geäußert, dass dieser "Tag" für das Mädchen in allen Medien als "Mittelalterfest" angekündigt wurde. Eine Tatsache, die leicht zu einer Verwechslung mit dem zwei Wochen zuvor stattfindenden, regulären Fest auf der Rosenburg führen könnte. Um eine deutliche Abgrenzung wurde gebeten. Ein Wunsch, der wie man aus später folgenden Presseaktivitäten schließen kann, wohl auf taube Ohren stieß.

Machtspielchen auf dem Rücken eines Kindes

Es sind noch eine Reihe weiterer, merkwürdiger Begebenheiten rund um diese ursprünglich sehr schöne und edle Idee bekannt geworden, die hier den Rahmen sprengen würden und deren Abhandlung auch gar nicht notwendig ist. Schlimm genug, dass die Eltern, die ein solches Fest nirgendwo bestellt haben, sondern unproblematisch damit beschenkt werden sollten, nun mit Chaos und daraus erwachsenden Problemstellungen konfrontiert werden. Mit einer Veranstaltung, die potentiell dazu geeignet ist, tausende Menschen anzuziehen, die möglicherweise gerne Zaungast spielen, aber mit dem Thema Mittelalter nichts zu tun haben. Jeder Kinderpsychologe wird dazu die Aussage treffen, dass man auch ein gesundes fünfjähriges Mädchen mit solch einem Vorhaben überfordern würde. Besonders befremdlich war für uns schlussendlich die Aussage, das Fest solle unbedingt auch dann stattfinden, wenn Alina daran nicht (mehr) teilnehmen könne. Dies entspricht nicht dem Gedanken, der ursprünglich für dieses Vorhaben an uns herangetragen wurde: einem Fest für und mit der kleinen "Prinzessin" Alina, um ihr eine große Freude zu bereiten. Aus all diesen Gründen zieht sich Huscarl ab sofort von der Unterstützung der Interessen von Frau S. zurück. Wir behalten uns aber vor, Alina und ihrer Familie auf eine geeignete Art und Weise zu helfen, wenn es die weiteren Umstände erfordern und erlauben.

Es gibt auch andere Feste

Es bleibt zu hoffen, dass sich Alina bald wieder so weit erholt hat, um mit ihren Eltern noch viele schöne Mittelalterfeste besuchen zu können. Die Gastfreundschaft und Einsatzbereitschaft der Mittelalterszene kann sie, insofern das der Wunsch der Familie ist, auch auf Burg Lockenhaus kennen lernen, wohin sie von den Burgbetreibern als auch den Veranstaltern des dortigen Ritterfestes herzlich eingeladen wurde. So wie bei vielen anderen Festen und Aktivitäten, wo man uneigennützig und kostenfrei Einladungen an die Familie ausgesprochen hat, ohne dafür seinen Namen groß in der Zeitung lesen zu wollen. Wir lernen daraus, wohltätige Aktivitäten ausschließlich registrierten, anerkannten NGOs zu überlassen und nur noch auf deren Anforderung tätig zu werden.

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Aus Rücksichtnahme gegenüber den Betroffenen werden zu diesem Artikel keine Diskussionsbeiträge zugelassen.