Doch beginnen wir von vorne oder, der Mensch lebt nicht vom Lachen allein. Zum Thema leibliches Wohl gibt es nicht viel zu sagen außer, alles da. Im Mittelpunkt steht natürlich der Met, der auch entsprechend in Strömen floß. Gut für nervöse Mägen, die etwas deftige Unterlage brauchen, dass auch diverse Spezialitäten aus der Narrenküche des Narren Torxes kredenzt wurden – und da der Mann Koch ist, auch entsprechend gut ankamen.
Rahmenprogramm: Rhiannon
Für die musikalische Untermalung sorgten Rhiannon, eine der bekanntesten authentischen Mittelalter-Bands, über die man auf dieser Seite wohl nicht allzu viele Worte verlieren muss. Nur so viel: Wer braucht Synthesizer, wenn ein einzelner Trommler so viel ungewollte Bewegung ins Tanzbein bringen kann? Eine sehr angenehme Überraschung war auch, dass Angus von Ardingen und seine Spielleute im Anschluss auf das offizielle Programm noch ein spontanes einstündiges Konzert gaben. Die Zuschauer wussten es zu schätzen!
Erste Hälfte: Universell und souverän
Doch zum Hauptact des Abends. Torxes beherrscht die Bühne („Sechs aufg’stapelte Paletten!“), sobald er sie betritt. Das ist auch deshalb beachtlich, weil er erst vor 6 Tagen eine schwierige Knieoperation hinter sich bringen musste. Eigentlich wäre da strenge Bettruhe angesagt, aber Torxes hat noch nie einen Auftrag abgesagt und ließ sich auch diesen Auftritt nicht nehmen. Da etwa die Hälfte des Publikums der Mittelalterszene zuzurechnen war, musste er das Publikum auch nicht lange animieren – man kennt ihn ja. In der ersten Hälfte des Programms, in dem es übrigens nicht, wie man annehmen könnte, um das Mittelalter an sich sondern um die Szene im modernen Europa geht, wird auch noch die andere, die nicht-kostümierte Hälfte des Publikums bestens unterhalten. Diese Art von Humor ist, wenn auch teils derb wie damals, universell. Torxes stellt die verschiedenen Typen von Marktgehern vor, und in bester Narrenmanier bekommen sie auch alle kräftig ihr Fett ab. Die verschiedenen Zoten aus dem Marktleben sind auch für Außenstehende nachvollziehbar, und Torxes' Erzählweise macht die Erlebnisse lebendig - egal, ob die Geschichten nun wahr, etwas übertrieben oder frei erfunden sein mögen.
Zweite Hälfte: Ausbaufähig aber gutes Ende
Die zweite Hälfte des Programms ist für Nicht-Insider leider weniger ansprechend. Der Humor ist noch immer da, und auch die Gags landen, wo sie sollen – sie beziehen sich nur mehr auf bestimmte Personen statt bestimmter Typen. Was schwer nachvollziehbar ist, wenn man diese Menschen nicht kennt. Dazu kommt, dass Torxes etwas zu oft in Richtung Fäkalienhumor tendiert, der beim durchwegs erwachsenen Publikum nicht immer anzukommen schien – und auch eines der anwesenden „Opfer“ schien eher peinlich berührt (was aber täuschen kann). Gegen Ende der Show erholt sich selbige jedoch wieder und findet ein Ende, das dem grandiosen Beginn ebenbürtig ist. Kurz gesagt: Das erste Programm von Torxes verspricht viel und hält es auch größtenteils. Für ein erstes Programm kann nur gesagt werden: Da freut man sich auf das nächste!
Erster Streich von Stupor Mundi
Für die Veranstalter des Abends war es übrigens auch das erste Mal - zumindest in dieser Form. Der Linzer Kulturverein Stupor Mundi, hinter dem federführend Huscarl Herausgeber Florian Machl und Musiker Max Meßenböck stehen, hat sich zum Ziel gesetzt, die Mittelalterszene in Oberösterreich zu beleben. Dazu sollen künftig verschiedenste Veranstaltungen, wie dieser Unterhaltungsabend, aber auch Musikveranstaltungen mit Clubcharakter dienen. Die 2000 Jahre alten Räumlichkeiten des Cembran Kellers sollen dafür den geeigneten Rahmen bieten. Hier wird eventuell auch eine Wechselwirkung zu erwarten sein: ist der große Veranstaltungssaal des Cembran-Kellers in Linz doch eher für Techno-Veranstaltungen bekannt. Ob die Mittelalterszene und auch verwandte Alternativkulturen den Cembrankeller als Veranstaltungslokal annehmen werden, wird die Zukunft zeigen. Beim ersten Mal funktionierte es jedenfalls schon sehr gut - und das an einem Donnerstag! Über 100 anwesende Personen haben die Erwartungen der Veranstalter gut ums Doppelte überschritten - man musste sogar von der für 60 Personen geeigneten Weinstube in den sogenannten Vorkeller wechseln. Besonders gefreut hat man sich, dass einzelne Gruppen nicht nur aus dem nahen Wels, sondern auch aus Wien, Salzburg und Passau angereist sind. Dies eröffnet interessante Perspektiven für die historische Veranstaltungsszene in Linz und man darf auf den nächsten Streich von Stupor Mundi gespannt sein.
Nächster Termin: Wien
Wer Lust bekommen hat, sich ein eigenes Bild von Torxes Programm zu machen: der nächste Auftritt ist am 12. April im Wiener Tympanum Keller - eine Veranstaltung des Kulturvereins Eulenspiel.
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Über den Autor
Paul Frühauf ist Gastautor von Huscarl.at. Er arbeitet in Linz als Redakteur für ein großes Nachrichtenmagazin und war zuvor langjährig unter anderem als Werbetexter tätig. Mit der Mittelalterszene verbindet ihn generelles Interesse, mit Torxes von Freygeyst die ursprüngliche gastronomische Ausbildung.