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Torxes im Linzer Cembran Keller
Unterhaltungsabend für Mittelalter-Insider und jene die es noch werden wollen
4. 4. 2008 - 19:30 - Paul Frühauf

Über ein Jahr hat er nach eigenen Angaben daran gewerkelt: Vertorxt, das erste abendfüllende Kabarettprogramm des beliebten und auf fast jeder mittelalterlichen Veranstaltung anzutreffenden Narren Torxes von Freygeyst. Die Premiere erfolgte am Donnerstag, dem 3. April, standesgemäß in den kühlen, dafür umso stimmungsvolleren, Gemäuern des Cembran-Kellers in Linz. Hinter der Veranstaltung stand der neu gegründete Verein Stupor Mundi, der sich fortan um mittelalterliche Fest- und Feierkultur kümmern möchte. Für eine erste Veranstaltung kann der Außenstehende nur sagen: Hut ab!

Foto (C) Florian Machl
Die Gruppe Rhiannon bildete mit drei Auftritten den musikalischen Rahmen für den Abend.

Foto (C) Florian Machl
Die Kellergewölbe des Cembran Kellers boten ein prächtiges Ambiente.

Foto (C) Florian Machl
Hauptact Torxes von Freygeyst und sein Kabarettprogramm.

Foto (C) Florian Machl
Die Besucherzahlen haben die Veranstalter etwas überrascht. Statt vorsichtig erwarteter 50 Gäste waren über 100 Menschen teils von weit her angereist.

Foto (C) Florian Machl
Mit wenigen Ausnahmen erwies sich das das Programm von Torxes auch für Nicht-Szeneinsider als tauglich.

Foto (C) Florian Machl
Nach Ende des offiziellen Programms überraschte Bayerns frechster Barde Angus - nebst Spielgesellen - mit einem einstündigen Spontanauftritt.

Foto (C) Florian Machl
Gegen ein Uhr leeren sich die Räume, doch die Stimmung bleibt gut. Hier ein Blick in einen Nebenkeller der eigens für die Gastronomiegäste vorbereitet worden war.

Foto (C) Florian Machl
Torxes von Freygeist wird 2008 auch als Gastronomiefahrer mit seiner Narrenküche die Märkte unsicher machen. Hier präsentiert er eine mittelalterliche Spezialität auf einem Brotteller.

Doch beginnen wir von vorne oder, der Mensch lebt nicht vom Lachen allein. Zum Thema leibliches Wohl gibt es nicht viel zu sagen außer, alles da. Im Mittelpunkt steht natürlich der Met, der auch entsprechend in Strömen floß. Gut für nervöse Mägen, die etwas deftige Unterlage brauchen, dass auch diverse Spezialitäten aus der Narrenküche des Narren Torxes kredenzt wurden – und da der Mann Koch ist, auch entsprechend gut ankamen.

Rahmenprogramm: Rhiannon

Für die musikalische Untermalung sorgten Rhiannon, eine der bekanntesten authentischen Mittelalter-Bands, über die man auf dieser Seite wohl nicht allzu viele Worte verlieren muss. Nur so viel: Wer braucht Synthesizer, wenn ein einzelner Trommler so viel ungewollte Bewegung ins Tanzbein bringen kann? Eine sehr angenehme Überraschung war auch, dass Angus von Ardingen und seine Spielleute im Anschluss auf das offizielle Programm noch ein spontanes einstündiges Konzert gaben. Die Zuschauer wussten es zu schätzen!

Erste Hälfte: Universell und souverän

Doch zum Hauptact des Abends. Torxes beherrscht die Bühne („Sechs aufg’stapelte Paletten!“), sobald er sie betritt. Das ist auch deshalb beachtlich, weil er erst vor 6 Tagen eine schwierige Knieoperation hinter sich bringen musste. Eigentlich wäre da strenge Bettruhe angesagt, aber Torxes hat noch nie einen Auftrag abgesagt und ließ sich auch diesen Auftritt nicht nehmen. Da etwa die Hälfte des Publikums der Mittelalterszene zuzurechnen war, musste er das Publikum auch nicht lange animieren – man kennt ihn ja. In der ersten Hälfte des Programms, in dem es übrigens nicht, wie man annehmen könnte, um das Mittelalter an sich sondern um die Szene im modernen Europa geht, wird auch noch die andere, die nicht-kostümierte Hälfte des Publikums bestens unterhalten. Diese Art von Humor ist, wenn auch teils derb wie damals, universell. Torxes stellt die verschiedenen Typen von Marktgehern vor, und in bester Narrenmanier bekommen sie auch alle kräftig ihr Fett ab. Die verschiedenen Zoten aus dem Marktleben sind auch für Außenstehende nachvollziehbar, und Torxes' Erzählweise macht die Erlebnisse lebendig - egal, ob die Geschichten nun wahr, etwas übertrieben oder frei erfunden sein mögen.

Zweite Hälfte: Ausbaufähig aber gutes Ende

Die zweite Hälfte des Programms ist für Nicht-Insider leider weniger ansprechend. Der Humor ist noch immer da, und auch die Gags landen, wo sie sollen – sie beziehen sich nur mehr auf bestimmte Personen statt bestimmter Typen. Was schwer nachvollziehbar ist, wenn man diese Menschen nicht kennt. Dazu kommt, dass Torxes etwas zu oft in Richtung Fäkalienhumor tendiert, der beim durchwegs erwachsenen Publikum nicht immer anzukommen schien – und auch eines der anwesenden „Opfer“ schien eher peinlich berührt (was aber täuschen kann). Gegen Ende der Show erholt sich selbige jedoch wieder und findet ein Ende, das dem grandiosen Beginn ebenbürtig ist. Kurz gesagt: Das erste Programm von Torxes verspricht viel und hält es auch größtenteils. Für ein erstes Programm kann nur gesagt werden: Da freut man sich auf das nächste!

Erster Streich von Stupor Mundi

Für die Veranstalter des Abends war es übrigens auch das erste Mal - zumindest in dieser Form. Der Linzer Kulturverein Stupor Mundi, hinter dem federführend Huscarl Herausgeber Florian Machl und Musiker Max Meßenböck stehen, hat sich zum Ziel gesetzt, die Mittelalterszene in Oberösterreich zu beleben. Dazu sollen künftig verschiedenste Veranstaltungen, wie dieser Unterhaltungsabend, aber auch Musikveranstaltungen mit Clubcharakter dienen. Die 2000 Jahre alten Räumlichkeiten des Cembran Kellers sollen dafür den geeigneten Rahmen bieten. Hier wird eventuell auch eine Wechselwirkung zu erwarten sein: ist der große Veranstaltungssaal des Cembran-Kellers in Linz doch eher für Techno-Veranstaltungen bekannt. Ob die Mittelalterszene und auch verwandte Alternativkulturen den Cembrankeller als Veranstaltungslokal annehmen werden, wird die Zukunft zeigen. Beim ersten Mal funktionierte es jedenfalls schon sehr gut - und das an einem Donnerstag! Über 100 anwesende Personen haben die Erwartungen der Veranstalter gut ums Doppelte überschritten - man musste sogar von der für 60 Personen geeigneten Weinstube in den sogenannten Vorkeller wechseln. Besonders gefreut hat man sich, dass einzelne Gruppen nicht nur aus dem nahen Wels, sondern auch aus Wien, Salzburg und Passau angereist sind. Dies eröffnet interessante Perspektiven für die historische Veranstaltungsszene in Linz und man darf auf den nächsten Streich von Stupor Mundi gespannt sein.

Nächster Termin: Wien

Wer Lust bekommen hat, sich ein eigenes Bild von Torxes Programm zu machen: der nächste Auftritt ist am 12. April im Wiener Tympanum Keller - eine Veranstaltung des Kulturvereins Eulenspiel.


Weiterführende Links:


Über den Autor

Paul Frühauf ist Gastautor von Huscarl.at. Er arbeitet in Linz als Redakteur für ein großes Nachrichtenmagazin und war zuvor langjährig unter anderem als Werbetexter tätig. Mit der Mittelalterszene verbindet ihn generelles Interesse, mit Torxes von Freygeyst die ursprüngliche gastronomische Ausbildung.
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1. Kommentar von halibux am 04.04.2008 um 21:02

Leid soll es allen tun,..
... die nicht dabei waren ! Ich habe bei der Huscarl-Preisverleihung im Viper Room schon den ersten Ausschnitt aus "Vertorxt" gesehen und daher den Weg von Wien nach Linz auch nicht gescheut - und es hat sich aus vielen Gründen ausgezahlt.
Torxes hat jedenfalls im ersten Teil seines Programmes brilliert,  Rhiannon war wie immer mitreißend, und die mittelalterlichen Speisen, mmmmh. Und der Abend/die Nacht war lang genug, um mich durchzukosten. Ich freu mich auf die Narrenküche auf Mittelaltermärkten, endlich eine Alternative zu Huhn am Spieß, Schwein am Spieß, Ochs am Spieß...
Ganz besonders schön war´s, die Leute aus Passau kennenzulernen, den dicken Ritter selbst (liebe Grüße aus Wien!) und die Lieder von Agnus zu hören.
Vielleicht sollten wir aus der pannonischen Tiefebene doch öfter soweit ins  westliche Hochland reisen, gell Torxes
PS: Verrät mir jemand, wer sich hinter dem "Ritter S." verbirgt ?

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2. Kommentar von Narr am 07.04.2008 um 18:35

Viel Arbeit aber toll
Tja es steckt viel arbeit hinter so einen Fest, aber natürlich auch ebensoviel freude.

Es würde mich freuen hier ein paar Rückmeldungen zu bekommen.
Was hat gefallen was war nicht so toll.

Ich bedanke mich auf alle Fälle bei allen Anwesend gewesenen, für ihr erscheinen und für die tolle Stimmung.

Bis denne euer Narr

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3. Kommentar von MBM am 07.04.2008 um 18:36

Großes Lob an alle Beteiligten
War ein toller Abend. Super Musik und Kabarett und wirklich ausgezeichnete Pasteten - da weiß ich schon, was ich auf den kommenden Märkten essen werde, wenn es angeboten wird. Den ersten Teil vom Kabarett fand ich ebenfalls gelungener als den zweiten, aber die Witze waren großteils auch nachvollziehbar, wenn man die Leute nicht gekannt hat. Hab die Stunden sehr genossen und ich freue mich schon auf weitere Veranstaltungen von Stupor Mundi (hoffentlich auch Freitags; Donnerstag ist mir etwas zu ... wochentag-lich ;).

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4. Kommentar von Skima am 07.04.2008 um 21:28

Gelungener Abend...
Es war ein recht gelungener Abend - überhaupt weil ich nicht selber Fahren musste und deswegen auch den Met probieren konnte, der mir übrigens auch recht gut geschmeckt hat! Ein Detail sei dazu noch erwähnt: Zu dem grotesk anmutenden Bild mit dem weißen Blümchen und Torxes Visage im Vordergrund als Met-Flaschen-Etikett kann ich nur gratulieren! Das macht echt was her.... ist so kontrastreich...

Dass es auch was leckeres vegetarisches zu futtern gab muss ich hoch anrechnen, das ist oft gar nicht so einfach - ich war schon fast am Verhungern, nachdem ich gleich direkt nach der Arbeit von Passau angereist bin. Die Narrenküche hat mich echt gerettet

Das Programm war recht unterhaltsam, allerdings habe ich vergeblich auf die Sache mit dem Hund ohne Beinen gewartet...

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5. Kommentar von Isolde am 07.04.2008 um 22:23

Doll war's...
... im Cembran-Keller!! Atmosphäre war stimmig, Gewölbe klasse, Musik sowieso einzigartig, der Met süffig und last but not least - der Herr Narr hat gehalten, was die Ankündigung versprochen hat :o)) Wir freuen uns schon auf's nächste Mal!

Auf bald!
Isolde & Stefan

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