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Stellamara
Die Band Stellamara - Selbstpräsentation auf der offiziellen Homepage.

Stellamara
Sonja Drakulich und ihre Band.

Stellamara
Das erste Album.

Hearts of Space (Silenzio) / Stellamara
Die zweite Album-Veröffentlichung der Band: The Seven Valleys

Prikosnovenie (Cargo Records) / Stellamara
Das neueste Album, The Golden Thread.


Stellamara - Sonja Drakulich schafft den Spagat zwischen den Kontinenten
Osteuropäsch-traditionelle Klänge - aus den USA
Daniela Mühlbauer
29.10.2012 10:39

Die Band Stellamara ist in Europa noch recht unbekannt. Doch einige dürften zumindest die Sängerin schon einmal gesehen respektive gehört haben: Sonja Drakulich gehört seit Februar auch zu Faun. Ob und wie der Spagat zwischen zwei Bands auf zwei Kontinenten gelingt, hat uns die Kalifornierin im Interview verraten.

Hallo Sonja, ich habe im September zum ersten Mal ein Konzert deiner großartigen Band genossen. Seit wann gibt es Stellamara?

Es begann 1996. Ich erinnere mich, ich wollte ein Projekt mit dieser Art Musik machen, obwohl ich damals noch in der High School war. Aber schon bald begann ich neben der Schule zu komponieren und Songs aufzunehmen. Dann traf ich den original Mitbegründer von Stellamara, Jeff Stott, zu dieser Zeit arbeiteten wir bereits beide mit anderen Bands in Los Angeles. Wir merkten schnell, dass wir die gleiche Vision hatten, und begannen zusammen zu arbeiten. Dann traf ich einige Jahre später Gari Hegedus, unseren Haupt-Gitarristen und Komponisten, als ich mit dem Musical-Ensemble von Mevelvi Derwishes auf Tour war. Ich brachte ihn als Violinisten für unseren ersten Release "Star Of The Sea" ein und seitdem gehört er zum Kern von Stellamara. Seit unseren ersten Aufnahmen scharen wir aber immer auch Gastmusiker aus den unterschiedlichsten Teilen der Erde um uns.

Bitte stelle uns doch einmal das aktuelle Lineup vor!

Gari Hegedus: Oud, Baglama, Mandocello, Violine, Divan Saz
Peter Jaques: Klarinette, Ney, Gesang
Evan Fraser: Zabumba, N’Goni, Jaw Harp, Daff,  Gesang
EO: Programing, Keyboard, Orchestration, Trompete, Gesang
Sean Tergis: Darbuka, Frame Drum, Riqq, Daff
Sonja Drakulich: Gesang, Hammered Dulcimer, Frame Drum, Daff, Riqq

Eure Show auf dem Festival-Mediaval in Selb war für mich die beste des gesamten Festivals und das Publikum war überwältigt! Wie hat sich das angefühlt?

Danke für das Kompliment, das war unsere erste Show überhaupt in Deutschland! Und es war zauberhaft für uns. Außerdem war es gleichzeitig das letzte Konzert unserer ersten gemeinsamen Europa-Tour. Wir waren sehr glücklich über die Show auf dem Festival. Für mich war es der Höhepunkt der gesamten Tour.

Plant ihr weitere Auftritte in Europa?

Ja, wir wollen im Sommer 2013 wieder nach Europa kommen und da werden wir definitiv auch in Deutschland auftreten.

Wird es denn bald auch ein neues Album geben?

Ja, wir nehmen die Songs im Winter in San Francisco auf und hoffen, im Juni ein ganzes Album beisammen zu haben.

Ich habe eure Alben "The Seven Valleys" und "The Golden Thread" sehr sehr genossen! Der Song "Prituri se planinata" geht mir besonders ans Herz. Welche Geschichte erzählt er?

In diesen Song habe ich mich als Teenager verliebt. Es ist ein traditioneller bulgarischer Song über eine Lawine: Ein Berg bebt und begräbt zwei Schäfer unter sich, zwei Freunde. Die Schäfer bitten den Berg, sie wieder gehen zu lassen, der eine jammert wegen seiner neuen Liebe, der andere wegen dem Schmerz, den seine Mutter haben würde. Der Berg spricht zum ersten Schäfer: "Ich kann dich nicht zu deiner neuen Liebe gehen lassen, sie wird nur bis zum Mittag um dich trauern, dann wird sie sich neu verlieben und das würde dir das Herz brechen…" Zum anderen sagt der Berg: "Dich werde ich gehen lassen, denn eine Mutter trauert bis ins Grab über ihr verlorenes Kind." Es ist eine sehr tragische Geschichte und um sie zu singen bedarf es – so fühle ich – mehr, als ich in mir habe. Ich muss mich dem Song ganz hingeben und ihn über mich kommen lassen. Das ist eine sehr schwierige und emotionale Sache, jedes Mal, wenn ich ihn singe.

Wenn du Songs machst. Woher kommen deine Ideen?

Das variiert. Inspiration kommt von allem, das lebendig ist. Ich würde aber sagen, dass ich am meisten von der Natur inspiriert werde. Am Ozean zu sein ist für mich etwas ganz Besonderes, am Ufer den Wellen zuzuhören. Für mich ist der Ozean das großartigste Orchester, das es gibt!  Bei Stellamara sind wir aber alle auch von traditioneller Musik von überall auf der Welt beeinflusst. Manchmal kommt eine Melodie aus dem Nichts an, das macht mich dankbar! Und manchmal müssen wir hart dafür arbeiten. Ich glaube, das wichtigste für einen Künstler ist, bei seinem  Handwerkszeug zu bleiben und offen für die Momente zu sein, in denen uns die Inspiration beehrt.

Seit einigen Monaten bist du ein Teil von Faun. Wie kam das denn?

Ich habe mich Faun im Februar 2012 angeschlossen. Es war ein bemerkenswert natürlicher Prozess für uns. Wir haben uns auf dem Faerieworld Festival in Oregon vor zwei Jahren kennen gelernt und uns gleich seelenverwandt gefühlt. Aber zuerst scheuten sie sich davor, mich zu fragen, ob ich mich der Gruppe anschließen möchte, da ich ja in Kalifornien lebe und mit Stellamara aktiv bin. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und wir setzten schnell alles daran, das möglich zu machen. Mit Faun zu touren war für mich das reinste Vergnügen. Sie sind alle sehr witzig und haben Spaß und auch sehr professionell und engagiert, das respektiere ich sehr!

Was ist im Moment deine Hauptband: Faun oder Stellamara?

Wenn ich ans Performen und Touren denke, würde ich sagen, ich stecke genauso viel Zeit und Energie in beide Bands. Aber davon abgesehen ist Stellamara meine ureigene Band. Faun waren bereits eine erfolgreiche Band, bevor ich dazukam. Wenn es um die Produktion geht, würde ich sagen, dass Stellamara das Projekt ist, bei dem ich am kreativsten bin. Doch je mehr Zeit vergeht, umso mehr Kreativität kann ich auch bei Faun einbringen.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Im Winter in Kalifornien mit Stellamara recorden, mit Faun im Frühling touren, dann zurück nach Kalifornien, um im Mai mit Stellamara zu touren, und danach meine Sommer-Tours, die mit beiden Bands im Juni beginnen. Dann werden wir auch den Stellamara-Release haben. Es wird also ein volles, aufregendes Jahr werden!

Alles Gute dafür!

Thank you Daniela.

Das Interview führte Daniela Mühlbauer für Huscarl.at


Über die Sängerin Sonja Drakulich

Sonja Drakulich hat ungarische und serbische familiäre Wurzeln. Aufgewachsen ist sie in Los Angeles. Aus eigenem Antrieb beschäftigte sie sich bereits in jungen Jahren mit traditionellem osteuropäischem Gesang. Mit 18 Jahren begann sie mit Balkanmusik und mittelalterlicher europäischer Musik sowie Eigenkompositionen aufzutreten. Weiters studierte sie klassischen hinduistischen und persischen Gesang, später kam türkisches, griechisches und arabisches Singen hinzu. Ihre Mentorinnen waren die bulgarischen Sängerinnen Tatiana Sarbinska und Tsvetanka Varimezova. In ihrer musikalischen Karriere arbeitete sie mit vielen Filmemachern und Komponisten - unter anderem Cirque du Soleil Produktionen - zusammen. Ihre Stimme wird häufig - zu Recht - mit der legendären Lisa Gerrard (Dead Can Dance) verglichen. Dass Musik dieser Art aus den USA kommt, ist eine einzigartige Ausnahmeerscheinung.

Ihr Beitritt zu Faun ist nach Meinung der Huscarl-Redaktion ein Meilenstein in der Bandgeschichte. Die beiden Sängerinnen harmonieren in ihrem mehrstimmigen Gesang auf der Bühne, als hätten sie jahrelang nichts anderes gemacht. Dass ein Kontinente übergreifendes Projekt dieser Art funktionieren kann, ist beeindruckend.

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