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(C) Koch Media
Risen - ein aktuelles Computer-Rollenspiel aus dem Hause Koch Media - entwickelt von Piranha Bytes, den Machern von Gothic.

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Das von Medienlob und guten Wertungen überhäufte Spiel besticht vor allem durch seine schöne Grafik.

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Gute Umgebungsgrafik und Lichteffekte waren stets ein Qualitätsmerkmal der Gothic Reihe.

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Doch leider ist es bei Risen nur schöner Schein...

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... hinter der hochglanzpolierten Oberfläche lauert die Langeweile.

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Kein Tiefgang, keine Handlung. Eine inhaltsleere Welt, leer wie diese Tempelruine

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Nach dem Tod dieses Monsters würde sich der Spieler wohl viele schöne Gegenstände zu Plündern erhoffen. Doch an Gegenständen mangelt es...

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... und auch Rüstungen gibt es nur eine Handvoll.

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So stimmig die düstere Sumpflandschaft auch scheinen mag...

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... bald hat man das Gefühl, nur einen Rohling in der Hand zu halten, wie dieser Schmied.

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Die Gegner, von denen es nur wenige Typen gibt, wirken rasch ermüdend.

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Und auch der Frustfaktor kommt nicht zu kurz, wenn überstarke Monster zu ständigem Speichern und Laden zwingen.

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Würde der Titel ohne den Medienrummel einsam und alleine in den Regalen vergammeln?

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Und so wird so manchem Käufer durchaus zum Heulen sein, wenn er an seine rund 50 ausgegebenen Euro denkt...

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Insgesamt, so will man meinen, ist Medienhype eine ziemliche Sauerei für die Konsumenten.


Computerspiel Risen - episch gescheitert?
Fantasy Rollenspiel mit Riesenhype - doch ohne Substanz
21. 11. 2009 - 11:00
Peter Siedl / Florian Machl


Mit Lob der Fachpresse überhäuft, mit hohen Wertungen überschüttet. Risen, das noch relativ neue Fantasy-Rollenspiel aus der Entwicklerschmiede Piranha Bytes (Deep Silver/Koch Media), müsste eigentlich eine lange erwartete Offenbarung für die Spielergemeinschaft sein. Das Entwicklerteam aus Essen war zuvor für Top-Titel wie die Gothic-Reihe verantwortlich. Im Medienhype wurde diktiert, dass Risen nunmehr das wäre, was Gothic 3 hätte sein sollen. Episch, spannend, eine offene Welt, Entscheidungen die das Spiel nachhaltig beeinflussen, glaubwürdige Charaktere... Ein Schwall großer Ankündigungen. Was ist schlussendlich davon übrig geblieben?

Zunächst der Klappentext, um zu verdeutlichen, was Koch Media direkt verspricht: Mysteriöse Erdbeben, furchterregende Monster und unvorstellbare Schätze - die Insel Faranga braucht einen neuen Helden. Kämpfe dir deinen Weg mit dem Schwert frei, lerne die Kunst des Stabkampfes oder werde zum mächtigen Magier. In der Welt von Risen hat jede einzelne deiner Entscheidungen und Aktionen Konsequenzen für den weiteren Spielverlauf. Eine authentische, glaubhafte und raue Fantasy-Welt ohne Barrieren. Völlige Handlungsfreiheit und eine dynamische Hauptgeschichte mit unzähligen Nebenquests und mehreren Lösungswegen. Neue künstliche Intelligenz für die Städte: Nichtspielercharaktere mit eigenen Tagesabläufen, kollektiver Intelligenz und eigenen Sozialstrukturen.

Eine Art von Hintergrundgeschichte

Beginnen wir bei der Geschichte. Ein Schiffbrüchiger wird inmitten von Wrackteilen an Land gespült. Raue See schlägt gegen die Klippen, Unwetter, Blitze; schemenhaft hebt sich dichte Vegetation gegen die Dunkelheit ab. Ein grafisch schön gelöster Einstieg. Es ist der Hauptheld, der hier auf einer kleinen Insel an Land ging. Was er nicht weiß: die so genannte "Schwarze Welle" sucht den Planeten heim. Magische Stürme verwüsten das Land. Aus dem Erdreich erheben sich alte Tempelruinen.

Drei Fraktionen

Der ruhigste Platz in dem Chaos ist ebendiese Insel, auf der man gestrandet ist. Die Inquisition, angeführt von Inquisitor Mendoza, untersucht die Vorkommnisse auf der Insel, die Sicherheit der mächtigen Vulkanfestung im Rücken wissend. Eine weitere Fraktion sind die Magier, die mit der Inquisition eng zusammenarbeiten. Schlussendlich gibt es noch die Banditen, eine Gesellschaft von Räubern, Dieben, Jägern und Kriegern, die mehr oder weniger einem so genannten Don Esteban folgen. In vier Kapiteln wird der Held durch die Handlung geführt, gewinnt an Stärke und Fähigkeiten, muss sich für eine der drei Fraktionen entscheiden und dementsprechende Aufträge erfüllen. Selbstverständlich steht am Ende wieder einmal das Schicksal der Welt auf dem Spiel...

Deja-Vu?

Schon einmal gehört? Öfters als einmal? Das verwundert nicht. Die Geschichte und die Quests des Spiels sind an Hausbackenheit in Kombination mit einem permanenten deja-vu Erlebnis kaum zu überbieten. Eine Handlung im Sinne einer epischen Erzählung sucht man von Anfang an vergebens. Man stolpert durch das Land, trifft langweilend ähnlich aussehende Auftraggeber für diverse noch langweilendere Quests und hofft - in den ersten Stunden zumindest - dass das ja noch nicht alles gewesen sein kann. Gleich, hinter der nächsten Ecke, würde sie sicher beginnen, die gute Geschichte, die spannende Handlung, die Möglichkeit, sich mit seiner Spielfigur zu identifizieren... oder?

Schön gestaltete Umgebung

Denn Risen überzeugt an sich durchaus mit einer wirklich sehr schön gestalteten Umgebung. Die Landschaftsarchitektur ist bestimmt eine der mit Abstand Besten, verglichen mit anderen aktuellen Titeln. Die dennoch nur wenigen atmosphärisch dichteren Momente entstehen dann, wenn man auf einem langen Marsch durch die Insel Meter für Meter den Wildtieren abringt (mit oder ohne Quest), skelettverseuchte Türme mühsam erobert, man in einem Dungeon die glühenden Augen der sehr gefährlichen Ghule erblickt, bei Regen in ein dunkles Sumpfgebiet stakst oder einfach nur den brennenden Vulkan vor dem Sternenhimmel bewundert, ehe ein Gewitter die Landschaft in strahlendes Weiß taucht... Die Lichtstrahlen, die durch das Dickicht der Wälder fallen, sind übrigens der wohl schönste Grafikeffekt. Hier zeigen sich die alten Stärken der Gothic-Reihe...

Dürftiges Szenario

Doch reicht die schöne Optik? Nein, denn sie endet auch schon wieder bei der Landschaft. Die Grafik entpuppt sich insgesamt als altbacken und ohne wesentliche Details, die man in einem Fantasy-Titel erwarten würde. Die Animationen der Figuren sind hölzern, die Gesichter zu starr. Es sind fade Figuren mit meist sehr durchklickenswerten Dialogen. Die Bewegungen der Nichtspielercharaktere - vor allem während sie sprechen, hat man schon vor langen Jahren besser realisiert gesehen. Dies fällt bedauerlicherweise schon in den ersten Spielminuten auf, wo man eine weitere Überlebende findet. Die sich ewig wiederholenden und noch dazu unpassenden Gesten mit den Händen nerven sofort. Insgesamt wirkt das Fantasy-Szenario reichlich dürftig. Es ist zwar von Göttern und Titanen die Rede und auch sonst tut sich einiges an magischen Dingen, aber näher erklärt und ausgeführt wird davon nichts. Das düster-dreckige Mittelalter-Setting aus Gothic bekommt einen deutlich südländischen Touch mit ein bisschen Flair aus der Zeit der Conquistadoren, was zwar eine nette Idee ist, aber leider nie so wirklich funktionieren will.

Frustfaktor: groß

Gerade zu Beginn packt den Spieler recht schnell ein riesiger Frustfaktor, der sich nur durch Speichern im Minutentakt etwas abschwächen lässt. Die Gegner sind kaum auf die Stärke des Anfangscharakters ausbalanciert, viele töten den Spieler mit zwei bis drei Schlägen. Doch auch im weiteren Spielverlauf bleibt man von diesen Frusterlebnissen und ständigem Laden der Spielstände nicht verschont. Wobei zu erwähnen ist, dass man auch während des Kampfes speichern kann und somit im Prinzip nie eine wirkliche Kampftaktik entwickeln muss. Das Kampfsystem ist im Vergleich zu den Vorgängern zwar deutlich verbessert worden, mit Blocken und Manövern wurde es auch etwas taktischer als das unsägliche Totgeklicke in Gothic 3. Magie und Bogenschießen sind freilich davon ausgenommen. Da geht es nach wie vor, reihenweise herumzuballern, ein bisschen wegzulaufen und dann wieder drauf los zu halten, bis der Gegner liegt.

Unglaubwürdige Welt

Von der sensationellen künstlichen Intelligenz und dem glaubwürdigen Verhalten der Bevölkerung war nichts zu entdecken. Frauen sind fast nur Staffage, es gibt nirgendwo Kinder, keine Karawanen, Wanderer oder Handelsleute zwischen den Schauplätzen. Es gibt keine Reittiere oder freies Wild, alle Tiere im Wald sind feindlich. Was vielleicht bei den alten Teilen noch ging oder nicht so auffiel, stört inzwischen vor allem bei weit genialeren Konkurrenztiteln schon massiv - insbesondere wenn man sich an die vollmundigen PR-Versprechungen von einer realistischen, lebendigen Welt erinnert. Im Grunde genommen sehen alle Figuren gleich aus, haben dieselbe Größe und kaum unterscheidbare Kleidung und Ausrüstung. Nichts erweckt das Interesse des Spielers, auch nur eine davon näher kennen zu lernen. Alle Charaktere im Spiel sind stinklangweilig, haben kein Charisma oder eine herausragende Persönlichkeit - dies inkludiert die eigenschaftslos gezeichnete Hauptfigur. Dabei ist dies alles eigentlich irgendwie völlig egal, weil es im Spiel keinerlei dramatische Inszenierungen oder spektakuläre Momente gibt, bestenfalls in einem minimalistischen Ansatz. Es fehlt der Witz, es fehlt die Innovation. Nur der sich als Gegenspieler herausstellende (Überraschung!), anfangs freundliche Inquisitor, sticht durch ein eigenes Charaktermodell und die Synchronstimme von Jeremy Irons hervor.

Wenig Abwechslung, kaum Gegenstände

Das Talentsystem ist insgesamt solide, wirkt aber vom spielerischen Gesichtspunkt prähistorisch - viele Stufen unter dem was man vom Mitbewerb gewohnt ist. An Gegenständen und Ambienteobjekten wird gegeizt. Die nützlichen Objekte lassen sich einfach an zwei Händen abzählen - und die vielen anderen Gegenstände des täglichen Lebens wurden einfach weggelassen - und damit auf Glaubwürdigkeit verzichtet. Die zufällig verteilten Kisten über die Insel hinweg offenbaren sehr, sehr selten wirklich etwas wirklich Entdeckenswertes, was irgendwie dem Sammeltrieb etwas entgegen wirkt, weil es kaum belohnt wird... Von einem Mangel an gestalterischer Intelligenz einmal abgesehen, weil warum sollten auf einer bewohnten Insel an allen möglichen Ecken unbewachte Kisten mit wertvollem Inhalt verteilt sein?

Programmiertechnisch solide

Risen spielt sich zwar nett und solide, wirklich grobe Programmier- oder Systemmängel fallen im Detail nicht auf. Hier liegt auch das große Plus gegenüber dem fehlerverseuchten Gothic 3. Doch der Spielverlauf plätschert recht schnell nur oberflächlich dahin. Spätestens dann, wenn man die Insel komplett abgelaufen und von Tieren entvölkert hat, bleibt nur noch eine zwar hübsche, aber reichlich leere Spielwiese mit viel Gras und Bäumen übrig, die im eigentlich dann doch nur grobe Berg- und Hügelklötze überdecken. Aufgrund flacher Quests und kaum nennenswerter Handlung fehlt die Motivation, zum Spiel zurückzukehren und irgendetwas zu tun. Im hundertsten gleich gestalteten Echsen-Dungeon geht dann auch die Abwechslung schließlich final flöten, auch wenn zumindest der Endgegner relativ gut aussieht und etwas gewitzter besiegt werden muss.

Große Entäuschung

Somit bleibt von Risen eine große Enttäuschung. Es ist kein Vergleich zu RPG-Kalibern, die innerhalb des letzten Jahres erschienen sind, wie 'Mass Effect' oder 'Fallout 3', die dem Spiel 'Risen' teils in fast allen Belangen überlegen sind - selbst wenn man die etwas andere Spielprinzipien bedenkt. Gerade auch ein 'Drakensang' wirkt weit stimmiger, hat deutlich mehr Handlung und besser gezeichnete Figuren. Egal ob Fable, Jade Empire, KotOR, Mass Effect, Vampire 1 und 2, Final Fantasy VII oder VIII, Fallout 3, die eigenen Vorgänger der Gothic Reihe oder sonst ein relevantes RPG der letzten Jahre - jedes davon hatte wesentlich mehr zu bieten als 'Risen'. Sogar ein Action-Rollenspiel wie Diablo 2 reißt einen atmosphärisch und sogar handlungsmäßig mehr mit...

Wenn Medienhype einen Spitzentitel macht...

Als Konsument stehe ich immer wieder vor der Frage, ob ein neuer Titel - egal ob Film, Buch oder Computerspiel - mir wohl gefallen könnte. Ob die Inhalte meinen Wünschen entsprechen. Ob es eine Produktion ist, an der ernsthaft gearbeitet wurde, in der man "Geist und Seele" der Entwickler widerfindet. Oder ob es sich um ein lieblos hingeschleudertes, viel zu früh veröffentlichtes Werk einer Industrie handelt, wo schneller Umsatz zählt - ungeachtet ob der Kunde damit nun Freude hat oder nicht. Medienmanipulation durch finanzielle Zuwendungen, Lobbying und andere Methoden des Hypes sollen es schon manches Mal ermöglicht haben, dass auch Titel verkauft werden, die für sich alleine zu einem Dasein als Ladenhüter verdammt wären. Ich empfinde Journalismus als schäbig, der sich rein in den Dienst des Geldes stellt und somit die Leser vorsätzlich in die Irre führt.

Achtundzwanzig Awards

Achtundzwanzig (!) Awards sind auf der Verkaufsseite von Amazon für den Titel gelistet, inklusive "Games-Hit", "Spiel des Monats" und dergleichen mehr, keine einzige Wertung unter 80% war zu finden. Wie das möglich ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Vielleicht irren wir Rezensenten von Huscarl ja auch, und das Spiel ist so gut wie "alle behaupten"? Fazit: die Werbemaschinerie hat exzellent gearbeitet. Das Risen-Online-Magazin (siehe Link) überzeugt schon auf den ersten Blick mehr, als der uns sonst auf ganzer Linie entbehrlich erscheinende Titel. Einzig akzeptabel ist der gefällige Soundtrack von Kai Rosenkranz, der netterweise als Musik-CD nochmals extra beigelegt wurde.

Daten:

RISEN
Koch Media GmbH
Deep Silver
PC, XBox
2009
ab 42,90 Euro

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1. Kommentar von elmarto am 12.04.2010 um 17:20

Gamestar Die Redaktion - Folge 51 - Risen

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2. Kommentar von Florian Machl (Administrator) am 13.04.2010 um 09:10

Sehr schön :-)
Und so passend.

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3. Kommentar von Robert am 04.10.2010 um 23:56
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4. Kommentar von don-esteban am 23.10.2010 um 19:23

Peter Siedl

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5. Kommentar von Florian Machl (Administrator) am 23.10.2010 um 19:26

Fehlfunktion im Kommentarsystem
Derzeit scheint eine Fehlfunktion im Kommentarsystem vorzuliegen. Wir arbeiten daran und ersuchen um etwas Geduld.

edit: funktioniert wieder.

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