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Böhler Verlag
Die Wiener Tafelmalerei der Gotik um 1400


Die Wiener Tafelmalerei der Gotik um 1400
Werkgruppen - Maler - Stile
Simone "Mone" Jatropulus
04.10.2012 09:31

Bei der Kunst um 1400 handelt es sich auf wiener als auch gesamteuropäischer Ebene um einen eigenständigen Abschnitt der bildenden Kunst.
Im vorliegenden Band von Dr. Jörg Oberhaidacher soll ein neues Bild der Wiener Tafelmalerei um 1400 gezeichnet werden. Berücksichtigt werden besonders die Grundlagen - wie die Kriterien der Lokalisierung nach Wien, aber auch die Rolle von Wanderkünstlern, die für die Verbreitung der Kunst um 1400 so bedeutend waren.

Etwa zwischen 1410 und 1430 entstand die unverwechselbare Wiener Tafelmalerei. Auslöser hierfür waren gesellschaftliche Veränderungen, welche in Wien die Bildung von freien Arbeitsgemeinschaften niedergelassener Maler ermöglichten.

Titelinfo des Verlags

Der Band zeichnet ein neues Bild der Wiener Tafelmalerei der Gotik um 1400. Die Untersuchung berücksichtigt besonders die Grundlagen, wie die Kriterien der Lokalisierung nach Wien, aber auch die Rolle von Wanderkünstlern, die für die Verbreitung der Kunst um 1400 so wichtig waren. Für die Entstehung der unverwechselbaren Wiener Malerei gleichermaßen bedeutend sind die Verschiebung in der gesellschaftlichen Stellung der Vertreter der Künste, die in Wien zur Bildung von freien Arbeitsgemeinschaften niedergelassener Maler führte, und die Fühlungnahme mit der internationalen Kunst um 1400. Als besonderer Glücksfall für die Kunstgeschichte kann hierbei der Nachweis eines zweiten großen Ateliers, einer zweiten vielköpfigen Arbeitsgemeinschaft für Wien neben der bekannten Großwerkstatt erbracht werden, wodurch sich die Kenntnis der Wiener Malerei beträchtlich erweitert und vertieft. Ein Werkverzeichnis aller Tafelbilder vervollständigt die Untersuchung.

Inhaltlicher Überblick

Wie der Buchtitel bereits verspricht, liegt der Fokus der vorliegenden, sehr umfassenden Untersuchungen auf den Malern, den Werkgruppen und ihren jeweiligen Stilrichtungen.
Zum einleitenden Auftakt geht der Autor auf die Anfänge der Gotik um 1400 sowie die archivalische Quellenlage zu den Malern ein.

Im ersten Teil wird der Zusammenschluss von Malern zu Arbeitsgemeinschaften und in dieser Funktion der Beginn der „Wiener Großwerkstatt“ präsentiert. Auch ihre frühen Arbeiten und Stilformen, die in ihren Malformen noch sehr von Vorlagen und Wanderkünstlern von außen abhängig waren, finden hier Platz. Als Bildbeispiel sei hier die „Concordantiae Caritatis“ (1413) von Ulrich von Lilienfeld genannt. Auch die Thematik der Malerfremdlinge wird angesprochen, repräsentiert durch das Atelier des St. Pöltener Missales von St. Hippolyt.

Im zweiten Abschnitt dreht sich alles um die künstlerische Systematisierung rund um die Zwanziger Jahre des 15. Jahrhunderts, als nach einem Studium der französischen Gotik dieser Stil übernommen wurde. Westliche Buch- und Tafelmalerei prägte die Wiener Kunst als Vorlage für Kompositionen maßgeblich. Hier wird auch auf die Reisen diverser Wiener Künstler ins Ausland eingegangen. Nicht nur französische, sondern auch italienische Einflüsse sind gut erkennbar. Typisch für diese Epoche sind die Spaltenbilder des „Codex discissus“ (1423/24).

Das Dritte Kapitel wandelt auf den Spuren der neuen und alten Bedingungen der Wiener Tafelmalerei nach 1430. Der Stil des Votivtafelmeisters ist hier ebenso Thema wie sein stilgeschichtliches Verhältnis zum Andreasaltarmeister.
Parallel dazu wird auch die Spätzeit des Missale-Meister-Ateliers dargestellt sowie das Ende des Schönen Stils in der Wiener Arbeitsgemeinschaft.

Im vierten Teil des Buches werden Werkgruppen präsentiert, welche in ihrer Herkunft bis dato nicht eindeutig geklärt werden können.

Das fünfte Kapitel beschreibt den Einfluss der Wiener Tafelmalerei auf die Kunstlandschaften außerhalb Wiens.

Das sechste und damit letzte Kapitel fasst nochmals die wichtigsten Punkte zusammen und vermittelt die Hoffnung auf weitergehende Forschungen rund um die Thematik der Wiener Kunst in der Gotik.

Bild- und Informationsrecherche leicht gemacht

Das Buch ist mit über 350 Farbabbildungen eine für besagte Epoche und Region derzeit wohl einzigartige Bildquellensammlung. Ein kleines Manko lässt sich dennoch nicht verschweigen: Die Bilder sind meist im Kleinformat abgedruckt,  Details damit nur bedingt erkennbar. Jedoch findet sich direkt bei jedem Bild eine genaue Beschreibung zu Datierung, Titel und Herkunft, um das Werk bei Interesse in einer höheren Auflösung bzw. größeren Form finden zu können.
Ein ausführliches Literatur- sowie Inhaltsverzeichnis unter Einbeziehung der Künstler als auch Werktitel erleichtert die gezielte Informationssuche.
Das eingearbeitete Lesezeichen bietet einen Komfort, welcher sich bei Betrachtung des Werkumfangs sowie der inhaltlichen Informationsdichte als sehr praktisch erweist.

Über den Autor:

Dr. Jörg Oberhaidacher war im Bereich der denkmalpflegerischen Inventarisation in Bayern und Kärnten und bis 2004 am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien tätig. Forschungsschwerpunkte: Spätmittelalter und frühe Neuzeit.

Fazit:

Bei dem vorliegenden Werk kommen Kunstfreunde wie auch Reenactor auf ihre Kosten:
- Der Kunstfan durch detaillierte Informationen rund um Stilformen der jeweiligen Jahrzehnte sowie die vorherrschenden Einflüsse und ihr Vergleich zur internationalen Kunst der Zeit.
 -Der Living History-Darsteller durch eine ansprechende und gigantische Bildersammlung für die Zeit von 1400-1430 inklusive zahlreicher Hinweise auf soziale Verhältnisse der Künstler in Wien im frühen 15. Jhdt. sowie Informationen zu Einflüssen oder Kompositionsformen, welche durch diese Interpretation neue Anregungen geben.

Einzig der stolze Preis von EUR 129,00 lässt dem ein oder anderen interessierten Leser wohl den Atem stocken, doch sowohl Umfang, Inhalt als auch optische Gestaltung und Gesamtaufmachung des Buchs relativieren die Kosten bei genauerer Betrachtung weitgehendst.


Details zum Buch:

'Die Wiener Tafelmalerei um 1400'
Autor: Jörg Oberhaidacher

Böhlauverlag 2012: Wien, Köln,Weimar
gebunden, 440 S.
373 s/w- und farb. Abb.
Größe: 29 x 24 cm
Richtpreis: EUR 129,00

ISBN 978-3-205-78771-6

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