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Knaur
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Narrenkind
Ein Buch von Sandra Lessmann
A. Eberl
06.09.2012 11:10

Die Handlung ist im London des 17. Jahrhunderts angesiedelt. Ein Patient des Wundarztes Alan Ridgeway, Peter Standish, erzählt diesem eine schier unglaubliche Geschichte: Seine junge und schöne Schwester Elena wurde von ihrem hartherzigen Vater mit dem wesentlich älteren und sehr reichen Geschäftsmann George Holcroft verlobt. Um eben diesen George Holcroft rankt sich das erschreckende Gerücht, er habe seine erste Gemahlin ermordet. Peter stellt Nachforschungen an und vertraut sich schließlich Alan Ridgeway und dessen Freund Jeremy an.

Peter Standish befürchtet, dass der Verlobte seiner Schwester seine erste Ehefrau ermordete und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an. Dabei wird er in eine Falle gelockt und von einem tollwütigen Hund gebissen.  So wird er Alan Ridgeways Patient. Doch er und sein Freund Jeremy Blackshaw sind nicht mehr in der Lage  Peter zu helfen. Jeremy verspricht, sich um den Fall zu kümmern und gerät dabei selbst in Gefahr. So lässt er sich bei seinen Nachforschungen sogar in das berüchtigte Hospital Bedlam einweisen. Doch dann erhält die Geschichte eine unerwartete Wendung.

Was war davor?

Narrenkind ist der vierte Teil einer Serie über den Wundarzt Alan Ridgeway, den katholischen Priester und Arzt Jeremy Blackshaw, der auch unter dem Namen Fauconer bekannt ist und über die Mätresse des Königs, Amoret St Clair. Es ist aber durchaus möglich, diesen Teil auch ohne die vorangehenden Werke zu lesen, da die Autorin immer kurze Erklärungen einfügt, wenn sich eine Situation auf einen vorigen Band bezieht.

Die Geschichte beginnt sehr temporeich und spannend, flacht dazwischen etwas ab und wirkt stellenweise sehr abstrus. Besonders die Flucht Jeremys aus Bedlam wirkt sehr an den Haaren herbeigezogen. Doch im letzten Drittel hin steigert sich die Spannung wieder und endet mit einem Paukenschlag. Der Roman wirkt gut recherchiert und man kann sich in das Leben im 17. Jahrhundert einfühlen. Man erfährt viel über religiöse Gesinnungen, aber auch über den damaligen Wissensstand der Medizin und deren bahnbrechende bis abenteuerliche Erkenntnisse wie zb. Bluttransfusionen oder Trepanation zur Heilung von Geisteskrankheiten.

Extras

Auf den ersten Seiten wurden Landkarten von London um 1660 abgedruckt und am Ende des Buches befinden sich ein interessantes Nachwort, ein Glossar und eine Seite mit Literaturangaben.

Meinung: Für Fans historischer Krimis gut geeignet

Es ist sicher von Vorteil, wenn man die Bände davor gelesen hat, auch wenn es nicht unbedingt nötig ist. Das Buch unterhält und ist für Fans historischer Krimis gut geeignet. Bei manchen Teilen fragte ich mich aber, ob sie nötig waren. Ohne jetzt in Prüderie verfallen zu wollen, hinterfrage ich durchaus die teilweise detailreichen Intimszenen, die sehr aufgesetzt wirken. Auf mich machte es eher den Eindruck, als würde man dem Roman dadurch gezwungen etwas mehr „Pepp“ verschaffen, oder auch Leser von historischen Liebesromanen bedienen zu wollen. Dabei hätte es die Geschichte absolut nicht nötig. Sie ist spannend und man kann sich gut in die handelnde Zeit einfühlen. 


Details zum Buch:

Sandra Lessmann
„Narrenkind“
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Knaur TB
Erschienen im Februar 2012
Sprache: Deutsch
ISBN:978-3426636466

Die Autorin Sandra Lessmann

1969 in Düsseldorf geboren und aufgewachsen, zog nach der Volljährigkeit nach London, um dort als Zimmermädchen zuarbeiten.

Um für historische Romane das nötige Handwerkszeug zu haben, kehrte sie nach Deutschland zurück und studierte Geschichte. 2003 schloss sie ihr Magisterstudium in Geschichte, Anglistik und Kunstgeschichte ab. Sie arbeitete auch als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Geschichte der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Außerdem ist sie Mitglied der Historical Novel Society, der Catholic Record Society und im Syndikat (Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur).

Historischer Hintergrund

Die Geschichte spielt in London nach dem großen Brand von 1667. Charles II. ist König und man begegnet auch anderen historisch belegten Persönlichkeiten wie Sir Christopher Wren oder Samuel Pepys.

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