huscarl.at
EditorialMarktlebenWissenschaftMusikKulturVereineChronikVermischtesKurzWahlRadioVideoSzeneSuche
in der Community anmelden
Bildquelle: Verlag Böhlau.
Ein Überblick für Kenner und anspruchsvolle Liebhaber fundierter Wissenschaft.


Die Alpen im Frühmittelalter
Standardwerk für Kenner
Florian Seidl
03.06.2012 10:00

Die Wiener Historikerin Katharina Winckler stellt sich der ehrgeizigen Aufgabe, einen geographisch großen und kulturell heterogenen Raum mit dürftiger Quellenlage zu analysieren und gibt einen umfangreichen Überblick über die Epoche von der Spätantike bis zum Frühmittelalter.

Wie nähert man sich einem Thema, dessen Gebiet  von der Adria bis in das Wiener Becken reicht? „Die Alpen im Frühmittelalter“ geben ein Beispiel für saubere Recherche, strukturierte Analyse und die Kunst, sich nicht im Detail zu verlieren, aber das Wesentliche darzustellen.

Der interdisziplinäre Ansatz geht von der geographischen und klimatischen Analyse des Alpenraumes zwischen 500 und 800 nach Christus aus. Leider lässt sich das exakte Klima dieser Jahre noch nicht eindeutig bestimmen, aber das ist nicht die einzige Lücke der Forschung, die es noch zu schließen gilt. Einfacher für die Historikerin ist die Darstellung der zeitgenössischen Rezeption der Alpen: unter den antiken Quellen galten die hoch aufragenden Berge als unüberwindliche Mauer, was durch den Blick auf die imposanten Gipfel etwa von Mailand aus, leicht verständlich erscheint. Dummerweise sahen das die Bewohner nördlich des Alpenhauptkamms ganz anders: sanfte Anstiege und bewaldete Gipfel waren selbstverständlich, Alpenpässe nicht Furcht erregend. In den Viten diverser Heiliger (vor allem aus dem iroschottischen Gebiet), die häufigste Primärquelle, werden die Alpen immer wieder als Orte grimmigster klimatischer Bedingungen dargestellt. Ein Bild, das die Archäologie nicht nachvollziehen kann. Die Alpen waren Durchzugsorte mit wechselnden Machtgrenzen, dünn besiedelt, aber gut vernetzt und immer wieder umkämpft.

Hier verweist die Autorin früh auf die „alten“ Ansätze der Forschung, in der die Schriftsteller noch bis in die 1960er Jahre die Alpen als dominiert von Germanen und geprägt von Verdrängungsprozessen des Christentums gegen heidnische „Völker“ beschrieben. Der slawische Anteil an der Erschließung der Alpen wurde meist wenig beachtet. Auch der „Volks“- oder „Stammes“-Begriff der modernen Forschung hat nur mehr wenig gemein mit dem früherer Publikationen. Die komplexen sprachlichen und kulturellen Beziehungen finden sich im Kapitel über die Menschen der Alpen und über die Christianisierung wieder.

Insgesamt bietet das Buch einen hervorragenden Überblick über den Stand der Forschung und die Literatur zu dem Gebiet und ist damit nicht nur Spezialisten empfohlen, sondern ob seines beeindruckenden Literaturverzeichnisses auch ambitionierten Amateuren, die nach Ansätzen für weitere Studien suchen.


Produktinformationen

Katharina Winckler: Die Alpen im Frühmittelalter.
Die Geschichte eines Raumes in den Jahren 500 bis 800.
Wien, 2012 Böhlau. 423 Seiten, 3 farbige Abbildungen, 27 Schwarz-Weiß-Abbildungen(TB)
ISBN-10: 3205787692
ISBN-13: 9783205787693

Weiterführende Links:






Fantasy Flagship


Noch schneller informiert:
Huscarl auf Facebook



Dieser Huscarl-Artikel ist mir eine kleine Spende wert:





Du erhältst derzeit keine E-Mail-Benachrichtigung, wenn
neue Kommentare zu diesem Artikel verfasst werden. Ändern.