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Droemer Knaur Verlag
Taschenbuch-Cover "Juliregen"

Droemer Knaur Verlag
Das Autorenpaar Elmar und Iny Lorentz


Juliregen
Im Kampf gegen die Impertinenz
Simone "Mone" Jatropulus
20.02.2012 10:00

Nach 'Dezembersturm' und 'Aprilgewitter' folgte im Juli 2011 'Juliregen', der dritte Teil der Geschichte rund um Lore von Trettin und ihre Freunde. 'Juliregen' soll den Höhepunkt der Bestseller-Trilogie aus der Feder des Autorenpaares Elmar und Iny Lorentz darstellen.

Der Buchrücken verspricht: Berlin 1887. Lore und ihr Mann Fridolin von Trettin genießen das Eheglück mit ihren beiden Kindern und scheinen endlich Ruhe und Frieden in ihrem Leben gefunden zu haben. Zudem soll sich ein lang gehegter Traum erfüllen: Fridolin hat die Möglichkeit, in der Heimat von Lores junger Freundin Nathalia ein Gut zu übernehmen. Doch in Ostpreußen schmieden übel wollende Verwandte böse Pläne, die das Glück des Paares zerstören sollen. Lore und Nathalia geraten in höchste Gefahr...

Der Roman

Den LeserInnen wird ein ebenso spannender wie dramatischer Einstieg in das Geschehen geboten: Auf einem Feld in Ostpreußen bahnt sich ein Sturm an, der rücksichtslose Gutsherr Ottwald von Trettin treibt seine Arbeiter mit der Peitsche zur Eile, um die Ernte noch rechtzeitig vor dem Wolkenbruch ins Trockene zu bringen. Man versucht zu retten, was zu retten ist – doch dann schlägt ein Blitz auf dem Gut ein und der Scheuer, in dem ein Großteil der bereits eingebrachten Ernte gelagert wird, geht in Flammen auf. Das ohnehin herabgewirtschaftete Gut Trettin steht vor dem Ruin. Da erinnert sich der Besitzer an seine verhassten Verwandten Lore und Fridolin von Trettin und macht sich auf den Weg nach Berlin, um diese um Geld zu bringen, das ihm seiner Meinung nach zusteht.

Im Verlauf der Geschichte merkt man schnell, dass vor allem die Etikette des 19. Jahrhunderts deutlich hervorsticht. In den Dialogen wird einem formvollendet vor Augen geführt, dass Höflichkeit und Contenance in jener Zeit von äußerst hohem Wert waren. Ebenso wird der große Unterschied der gesellschaftlichen Stände gekonnt in die Handlung eingebaut. Das Wesen und die Gepflogenheiten des 19. Jahrhunderts, der Wert zweckdienlicher Ehen sowie offene wie auch heimliche Erbschleichereien und Erbstreitereien werden deutlich und nahezu brillant wiedergegeben. Und natürlich nicht zu vergessen die beim federführenden Autorenpaar beliebten Intrigen und Denunziationen.

Der 704 Seiten starke Schmöker verliert nach den dramatischen Anfangskapiteln schnell an Reiz. Der Großteil des Buches ist so überfüllt mit den – zugegebenermaßen perfekt beschriebenen – Gepflogenheiten und der Etikette jener Epoche, dass sich beim Lesen streckenweise immer wieder Langeweile breit macht. Erst gegen Ende des Romans, etwa nach 500 Seiten, kann man sich erneut an steigender Spannung erfreuen. Nichts desto Trotz sind viele Szenen und Situationen für die aufmerksamen LeserInnen schnell vorherzusehen und berechenbar.

Die Autoren

Hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt sich ein Münchner Autorenpaar, dessen erster historischer Roman „Die Kastratin“ die Leser auf Anhieb begeisterte. „Die Wanderhure“ wurde zu einem Millionenerfolg. Seither folgt Bestseller auf Bestseller, die Iny Lorentz zur erfolgreichsten deutschen Autorin im Bereich historische Unterhaltung machten und die in zahlreiche Länder verkauft wurden. 

Fazit und persönliche Meinung der Rezensentin

Ohne Vorkenntnisse der ersten zwei Romane dieser Trilogie manifestiert sich die Geschichte von Lore und ihrer Familie durch unzählige Rückblenden so deutlich, dass ich die beiden vorangegangenen Bücher nicht zu lesen brauchte, um im Bilde zu sein. Die kurzen aber zahlreichen Umrisse aus „Dezembersturm“ und „Aprilgewitter“, die im gesamten Werk immer wieder auftauchen, beschreiben die Vergangenheit der Charaktere in einem Ausmaß, welches einem Kenner dieser Schmöker eventuell sogar lästig erscheinen könnte. Neugierig geworden habe ich meine Lesestunden dennoch im Nachhinein auch dem Bestseller "Dezembersturm" gewidmet und muss sagen, dass dieser wirklich spannend und lesenswert ist - das Ende der Trilogie kann sich jedoch leider nicht annähernd mit dem fesselnden ersten Buch von Lores Geschichte messen. Ich persönlich finde es sehr schade, dass „Juliregen“ nach einem so mitreißenden Anfang schnell in einen lahmen Trab verfällt und erst gegen Ende wieder mit – wenn auch leicht berechenbaren – spannenden und dramatischen Szenarien punkten kann.


Details zum Buch:

•  Taschenbuch: 704 Seiten
•  Verlag: Knaur, 2011
•  Sprache: Deutsch
•  ISBN-13: 978-3426504154

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