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(c) Evo / Songsurfer (Cargo Records)


Ganz besondere Mittelaltermusik von Evo
Eva - die Verehrung der Frau
Daniela Mühlbauer
10.03.2013 18:17

Wer bei mittelalterlicher Musik nach dem Besonderen sucht, muss ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade schauen. Die Band Evo sei allen Suchenden wärmstens ans Herz gelegt. Das Quartett hat sein Debütalbum "Eva" der Verehrung der Frau gewidmet und sich ausschließlich der Musik mittelalterlicher Troubadoure angenommen. Efrén López Sanz mit den Details.

Hallo Efrén, obwohl erst Ende Februar euer Debütalbum "Eva" erscheint, gibt es Evo schon seit längerer Zeit. Seit wann genau?

Obwohl die Idee in meinem Kopf herumgeisterte, seit ich Musik mache (etwa 25 Jahre), begann die Band erst so 2008 herum Konturen zu bekommen. Für Evo wählte ich jedes Mitglied sehr bewusst aus. Jeder ist einzigartig und nicht austauschbar. Wir wollten nicht einfach einen Sänger, sondern Iván López Sanz, nicht irgendeine Flötistin, sondern Miriam Encinas Laffitte. Und auch nicht irgendjemanden, der Dudelsack spielen kann, wir wollten Laia Puig Olives. Sie alle haben etwas, das für mich als Musiker sehr wichtig ist: Einzigartigkeit und eine starke Persönlichkeit.

Was bedeutet Evo?

Das Wort Evo kommt vom lateinischen Ævum, was so viel wie die Länge oder Dauer der Ewigkeit bedeutet. Ich mag verschiedene Dinge an dem Wort: Es ist kurz und leicht zu merken und auch das Paradoxe daran gefällt mir: Die Messung der Ewigkeit, die ja eigentlich kein Ende und keinen Anfang hat!

Euer Debütalbum "Eva" hat mich tief berührt! Wie ist es entstanden?

Erst einmal danke für diese Worte! Alle Songs sind unsere persönlichen Versionen von original mittelalterlichen Kompositionen. Also könnte man sagen: Die Inspiration für dieses Album ist acht Jahrhunderte alt! Wenn wir Musik machen, schöpfen wir aus verschiedenen Inspirations-Quellen:
Die Instrumente, die wir spielen, haben eine starke Persönlichkeit. Ihr Klang kann verschiedene Dinge wachrufen, wenn man richtig zuzuhören weiß. Ihr wundervoller Klang kann manchmal genug Inspiration für einen Song oder sogar ein ganzes Album sein! Ich spiele diese Musik seit vielen Jahren, doch ich versuche immer, mit den Ohren eines Kindes zuzuhören, und ich bin jedes Mal so überrascht und berührt wie beim ersten Mal. Eine andere Inspirationsquelle kann die Leidenschaft sein, die unserem Leben innewohnt. Wenn du mittelalterliche Musik machst, ist auch einfach die Geschichte ein weites Feld von Inspiration und Information, was man in die Musik einfließen lassen kann.

Welchen Song magst du denn selbst am liebsten?

Ich mag alle originalen Melodien, die wir in "Eva" verwendet haben, wirklich alle. Aber natürlich haben wir einige neu arrangiert, damit die Melodien für einen Hörer im 21. Jahrhundert auch interessant sind. Mir gefällt sehr, wie wir den ersten Track “Be m'an perdut lai” gebaut haben. Die Kombination aus eleganten Percussions-Plätschern, gemacht mit Bendirs, Darbukas und anderen, und die Färbung der Zupfinstrumente. Iváns Stimme ist aber natürlich auch Wahnsinn!
Der Song, der die CD am meisten widerspiegelt, ist “De la iensor”, in 6:30 Minuten kannst du jede Atmosphäre hören, die du auf der CD finden kannst. Das ist wie eine Art Zusammenfassung von "Eva" mit sehr kraftvollen Passagen, einigen Improvisationen von Laia, einen Kanon, den ich anfangs für zwei Blockflöten komponiert hatte, schöne Percussions... Ich mag auch “lanquan li jorn”, es ist eine einfache Version dieser schönen und irgendwie auch schrägen Melodie. “Pour longe atente” ist eine zeitlose Melodie und ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Es ist eine Kombination aus zarten Harfenklängen und dem Sound einer riesigen Trommel, die Aleix Tobias für uns gespielt hat.

Wie ist dir die Idee zu diesem Album gekommen, das sich ausschließlich der Musik der Troubadoure annimmt?

Da wir das Repertoire der Troubadoure kennen und auch schon mit anderen Bands gespielt haben, war es sehr natürlich, unser erstes Album mit diesem Material zu machen. Es war von Anfang an völlig klar, dass DAS unsere Musik ist. Darüber gab es keine Diskussion. Nun, da "Eva" fertig ist, denken wir bereits über ein zweites und drittes Album nach.

Was fasziniert dich an der Musik der Troubadoure?

Viele der original Melodien der Troubadoure sind gleichsam leicht zu spielen, dabei aber von großer Tiefe. Du kannst die Musik  ewig spielen, ohne ihr überdrüssig zu werden. Dabei ist es auch eine sehr flexible Musik, in der du viel von dir selbst einbringen kannst. Bei Evo sind wir als Musiker sehr kreativ. Wir wollen nicht einfach mittelalterliche Musik machen, von der wir annehmen, so hätten sie die Troubadoure gespielt. Das ist eine Illusion, denn niemand weiß genau, wie die Troubadoure damals musiziert haben. Die einzige Möglichkeit, diese Lieder glaubhaft zu interpretieren, ist, sie vom Grund unserer Seele heraus zu spielen und so, wie sie in das Jahr 2013 passen. Wir geben im Hier und Jetzt 100 Prozent.

Wie bist du an das Material gekommen?

Zum Glück gibt es moderne Transkriptionen verschiedener Manuskripte, die in Europa gefunden wurden. Wir bevorzugen es, die Übersetzungen Spezialisten zu überlassen, und machen nur, was wir am besten können: Musik.

Die Lieder erzählen von Liebe in all ihren Schattierungen.
Euer Sänger Iván ist aber noch ein sehr junger Mann, der unmöglich all diese Erfahrungen gemacht haben kann. Ich bin überwältig, wie er diese Herausforderung gemeistert hat. Musste er hart dafür arbeiten oder ist er von der Muse gesegnet?


Als erstes: Iván ist nicht so jung wie er aussieht! Wir sind uns sicher, dass er einen Pakt mit dem Teufel oder etwas in dieser Richtung geschlossen haben muss. Es war aber eine echte Herausforderung für ihn, sich einem Projekt anzuschließen, das sich ausschließlich mittelalterlicher Musik verschrieben hat. Dabei muss man wissen, dass er aus der Rock-Szene kommt und diese Musik bis vor ein paar Jahren gar nicht kannte. Aber wir waren uns sicher, dass er besser zum Geist dieser Musik passt, als die meisten klassisch ausgebildeten Sänger. Er ist mit der "perfekten Stimme" gesegnet und ein außergewöhnlich sensibler Musiker. Und nicht nur das, Iván ist auch Designer und Komponist. Er weiß, sich in eine Band einzufügen, ohne seine Persönlichkeit zu verlieren.

Wie macht er das?

Er hatte nie eine konventionelle Gesangsausbildung, sondern ist ein intuitiver Musiker (meine Lieblingsmusiker sind alle von diesem Schlag!). Aber er kann seine Stimme wirklich kontrollieren, das ist wirklich beeindruckend. Ich habe sehr viele Jahre mit Sängern gearbeitet, die nicht wirklich Sänger waren, sondern "Leute, die sangen", das ist ein riesen Unterschied.

Hat das Zusammenspiel auf Anhieb geklappt?

Als wir ihn fragten, ob er sich Evo anschließen möchte (Mirian, Laia und ich arbeiten seit Jahren in MA-Bands zusammen) , war das erst einmal ein großer Schock für alle. Ich meine, ich war mir sicher, dass er unser Mann ist, aber er brauchte seine Zeit, um herauszufinden, wie er diese Lieder glaubwürdig und natürlich singen kann.

Wie hat das Publikum auf Evo reagiert?

Wir glauben nicht, dass mittelalterliche Musik nur etwas für Spezialisten ist und mögen es, vor Publikum zu spielen, das überhaupt nichts davon weiß. Das ist wirklich aufregend! In einem unserer letzten Konzerte bei einem angesehenen Musikfestival nahe Madrid waren alle möglichen Leute im Publikum: ältere Damen, Gothics und Wave-Fans, Hörer klassischer Musik, Folk-Liebhaber - und alle fanden etwas, das ihre Herzen berührte. Das passiert, wenn du einfach deine Seele öffnest und nicht denkst "was ist denn das für eine Musik" oder "woher kommt das denn".

Wo werdet ihr dieses Jahr spielen?

Wie ich dir sagte, möchten wir vor jedem Publikum spielen, das an uns interessiert ist. In Spanien treten wir vor allem auf Mittelalter-Festivals auf, aber ich habe gesehen, dass zum Beispiel in Deutschland großes Interesse in der Gothic-Szene herrscht. Die kenne ich übrigens sehr gut, da ich dort auf vielen Festivals mit meiner Hauptband L'Ham de Foc aufgetreten bin. Das ist alles völlig in Ordnung, denn wir wollen nur unsere Musik machen und denken nicht darüber nach, wie sich das entwickeln wird. Also, falls jemanden unsere Musik gefällt, ist er sehr willkommen!

Evo sind:

EFRÉN LÓPEZ SANZ
Oud, Drehleier, Laute, Bouzouki, Citole, Guiterna, Pandora, Hackbrett, Psalterium, Trumscheit, Schofar, Rubab, gotische Harfe

Nachdem Lopez seit seiner frühen Jugend als Gitarrist in diversen Bands spielte, begann er sich mit der traditioneller Musik seines Heimatlandes Spanien, speziell der galizischen, zu beschäftigen. Als Gastmusiker wirkte er bei mehr als 40 Projekten verschiedenster Stilrichtungen mit und ist z.B. mit Pascal Leffevre, Luigi Cinque, der „Mittelalter“-Band Estampie, Maurizio Marttinotti und Nigel Eaton aufgetreten. Mit zahlreichen Instrumenten (siehe oben) hat er Musik für Werbung, Dokumentarfilme und Kurzfilme aufgenommen.

IVÁN LÓPEZ SANZ
Gesang

EVO ist die erste Bandmitgliedschaft des Sängers und Multiinstrumentalistes außerhalb seines Stammgenres „Rock“. Er spielt bei diversen Formationen (The X, Soledad Giménez, Presuntos Implicados), und ist ebenso als Filmkomponist und Designer in Erscheinung getreten. Seine außergewöhnliche androgyne Stimme verleiht der Musik von EVO eine ganz besondere Qualität und Intensität, die üblicherweise von Sängern mit einer klassischen Gesangsausbildung erreicht wird.

MIRIAM ENCINAS LAFFITTE
Blockflöte, Viella, Rig , Bendir

Geboren und aufgewachsen in einer Musikerfamilie taucht Miriam in sehr jungen Jahren mit den Gruppen Els Trobadors und L'Arc en el Cel in die Welt der populären Musik ein. Später beginnt sie mit ihren Studien der Mundflöte, der Percussion und der  Bratsche de gamba. Ihre Musikalität vereint die Frische einer Interpretin, die in einer Umgebung traditioneller Musik aufgewachsen ist mit der handwerklichen Präzision, die Sie durch ihre akademische Ausbildung erlangt hat.
Mitwirkung unter anderem bei: Joi de Trobar, Els Trobadors, Via Artis Konsort, L'Ham de Foc, Lídia Pujol und Ensemble l'Albera.

LAIA PUIG OLIVES
Blockflöte, Dudelsack, bulgarische Gaida, Flagoelett

Laia Puig steuert die Klänge diverser Blasinstrumente und Flöten bei und glänzt durch große musikalischer Flexibilität. Sie hat Erfahrung in der zeitgenössischen, traditionellen und antiken Musik. Carles Santos, L'Ham de Foc, Aljub oder Tresmall sind ein paar Formationen, mit denen sie gearbeitet hat. Sie studierte Dulzaina mit Paul Puig, Alejandro Blay und Xavier Richart und Blockflöte mit David Antich.


Daten:

Album "Eva"
Audio CD
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2013
Label: Songsurfer (Cargo Records)
Richtpreis: EUR 17,99
ASIN: B00B5SGUK0

Titelliste:

1. Be M'an Perdut Lai
2. De La Iensor Qu'om Vei
3. Per Tropo Fede
4. Pour Longue Attente De Merci
5. Istampitta Isabella
6. Lanquan Li Jorn
7. Tant M'abelis L'amoros Pessamens
8. Comment Que, Per L'Élogiance
9. Bel M'es Qu'ieu Chant E Coindei
10. Domna, Por Vos Ay Chausida / Estampie Royale
11. Bona Dona
12. Istampitta Ghaetta
13. Ondas Do Mar De Vigo

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