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Verlag Schnell und Steiner
Buchcover


Heilige Röcke. Kleider für Skulpturen in Kloster Wienhausen.
Auf den Spuren der Gewandungen mittelalterlicher Klosterskulpturen
Jakob Reichsöllner
10.07.2013 20:02

„Heilige Röcke. Kleider für Skulpturen in Kloster Wienhausen“ beschäftigt sich mit den Gewändern mittelalterlicher Skulpturen des Klosters Wienhausen. Entstanden ist ein sehens- und lesenswerter Sammelband, der den Bekleidungsbestand übersichtlich darlegt und erklärt.

Das 1221 erbaute Kloster Wienhausen (Niedersachsen) beherbergt neben einem großen Schatz großer und kleiner Kunstwerke eine Vielzahl reich ornamentierter Sakralfiguren, wie sie auch heute noch in zahlreichen Klöstern und Sakralbauten zu finden sind  (Marienstatuen, Jesusplastiken, Engel, Heilige, ...). Viele dieser Figuren trugen, wie Archivare des nunmehr evangelischen Klosters notierten, „heilige Röcke“.

Charlotte Klaack-Eitzen, Wiebke Haase und Tanja Weißgraf haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese heiligen Röcke, also die Gewandung klösterlicher Sakralfiguren im Kloster Wienhausen, erstmals zu kategorisieren, zu beschreiben und die Tradition der „Bekleidung von Bildwerken“ genauer zu untersuchen.

Entstanden ist eine reich bebilderte und farbprächtige Publikation, die einen beeindruckenden Einblick in die Kunstfertigkeit und Symbolik von Skulpturbekleidungen eines spätmittelalterlichen Nonnenklosters ermöglicht. Der Umfang des Bestandes lässt ebenso wie seine Vielfalt darauf schließen, dass diese Praktik im Mittelalter weit verbreitet war und keine Besonderheit darstellte. Im Zuge der Reformation wurde die Praktik des Figurenbekleidens in reformierten Gebieten  allerdings untersagt, weshalb  nur wenige der dortigen Klöster einen Fundus an Gewändern bewahren konnten. In katholischen Gebieten wurden und werden Figuren auch weiterhin bekleidet,  vor allem Jesuskinder und Marienfiguren, die bei Prozessionen vorangetragen wurden. Erst mit der bewussten Beschränkung von Wallfahrten im 19. Jahrhundert ging auch hier die Tradition der Figurenbekleidung stark zurück.

Ein weiterer Teil des Sammelbandes setzt sich mit auf Pergament geschriebenen Textfragmenten auseinander, die als Verstärkung der Gewänder in die Stoffe eingearbeitet wurden, sei es in Rock oder Kragen.  Aus der Rekonstruktion dieser Texte ergibt sich ein spannender Querschnitt klösterlicher Literatur.  Abschnitte aus dem Sachsenspiegel (ein mittelalterliches Rechtsbuch) sind ebenso zu finden wie Abschnitte religiöser Litaneien, Bibelstellen, Notenhandschriften oder ein gereimtes Passionsspiel.

Wer Interesse an mittelalterlichen Bekleidungstraditionen hat und sich eingehend mit Ornamentik und Symbolik derselben auseinandersetzen möchte, ist daher mit dieser wissenschaftlichen Publikation, die vor allem auch reich bebildert ist, gut beraten.  Um knapp 40 Euro ersteht der angehende Bekleider mittelalterlicher Figuren einen wunderbaren Bildband, der zum Schmökern und Verweilen einlädt.


Buchdetails:

"Heilige Röcke. Kleider für Skulpturen in Kloster Wienhausen"
Verlag Schnell + Steiner
Deutsche Erstauflage: 15. März 2013

Autoren:
Charlotte Klack-Eitzen, Wiebke Haase, Tanja Weißgraf
(eingeleitet von Jeffrey F. Hamburger, mit einem Beitrag von Henrike Lähnemann)

Sonstiges:
184 Seiten
123 Illustrationen in Farbe
17 Illustrationen in schwarz/weiß

ISBN: 978-3-7954-2701-6
EUR   39,95

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