Kampf um die Krone
Königsdynastien im Mittelalter
A. Eberl
14.01.2012 11:49
Niemand war in der Heiratspolitik so konsequent wie Österreich. Die Habsburger perfektionierten das Geschäft, aber auch andere Dynastien davor hatten damit durchaus Erfolg. Jürgen Kaiser beschreibt in diesem Bildband, wie 600 Jahre lang politisch erfolgreich verheiratet wurde. Wie das aber für die einzelnen Personen war, darf sich jeder selbst vorstellen.
Politik betreibt man mit Worten und Waffen, aber auch mit Eheringen. Keiner wusste das besser als die Herrscher des Mittelalters. In einer Zeit, die keine staatlichen Institutionen kannte, dominierten sie das politische Geschehen. Wer daher etwas über mittelalterliche Geschichte erfahren möchte, kann sich dieser fernen Epoche am besten über die Beschäftigung mit ihren Königen annähern. Der vorliegende Prachtband konzentriert sich auf die Dynastien, die im Mittelalter den Thron dauerhaft einnahmen: Ottonen, Salier, Staufer, Luxemburger und Habsburger. 600 Jahre deutsche Geschichte werden so durch ihre Protagonisten erlebbar. Aufstieg, Machterhalt und Niedergang der bedeutendsten Familien des Reiches werden hier spannend und allgemeinverständlich vor Augen geführt. (Klappentext).
Der Autor
Dr. Jürgen Kaiser, geb. 1967, studierte in Marburg und Köln Kunstgeschichte, Mittelalterliche Geschichte und Provinzialrömische Archäologie. Er lebt in Köln als Sachbuchautor und Kulturreiseleiter. Im Theiss Verlag veröffentlichte er bereits mehrere Bücher, u. a. "Mittelalter in Deutschland".
Kriege führen mögen andere,
du glückliches Österreich heirate
"Der Kampf um die Krone" ist ein hochwertiges, großformatiges, liebevoll aufbereitetes Sachbuch mit ca. 140 zum Teil großformatigen Hochglanzbildern. Der Text liest sich großteils leicht und flüssig, wobei vollkommene Laien den einen oder anderen Begriff, wie z.B. Gegenkönig, möglicherweise nachschlagen müssen. Amüsante Episoden wechseln sich mit längeren Biografien ab, die durchaus interessant zu lesen sind.
Das Werk beginnt bei den Ottonen, arbeitet sich über Salier, Staufer, Luxemburger, Welfen und Wittelsbacher vor und endet 600 Jahre später bei den Habsburgern. Zuvor werden die Funktionsweise des mittelalterlichen Königswahlrechts sowie die Erbfolgepraxis erklärt. Der Alltag der Herrscher und ihrer Familien erwacht punktuell zu einem kurzen Leben, um das man sie nach dieser Lektüre absolut nicht beneidet.
Die doppelseitigen Stammbäume der Dynastien sind äußerst hilfreich, um sich durch den Dschungel der "Heinrichs", "Ottos" oder "Friedrichs" durchzubewegen und bieten einen guten Überblick über die jeweilige Epoche.
Dazwischen informieren Themenkästen über die Kaiserinnen des Mittelalters, die königlichen Finanzen, den Mythos Karls des Großen, den Speyrer Dom und die Königspfalzen.
Vervollständigt wird es von einer lesenswerten Einleitung, einer Literaturauswahl am Ende und einem eher kurz gehaltenen Bildernachweis. Leider fehlt ein Index.
Leicht lesbar, schöne Bilder, wenig Tiefgang
Grundsätzlich ist das Buch angenehm leicht lesbar, wobei die eigentliche Zielgruppe schwer abzuschätzen ist. Zum Schmökern ist es eindeutig zu groß und mit ca. 1,30 kg deutlich zu schwer, um es längere Zeit in der Hand zu halten - da muss schon der Tisch oder zumindest ein Schaukelstuhl herhalten. Als Nachschlagewerk ist es mir nicht umfassend genug, da es die einzelnen Herrscher, bis auf wenige Ausnahmen, nur streift und ausschließlich Teilbereiche erwähnt. Andererseits sind die die Abbildungen für einen Bildband zu wenig detailliert beschrieben. Ein großes Maß an Konzentration ist notwendig, um sich durch die vielen Personen gleichen Namens durchzuarbeiten und bei dem stellenweise rasanten Tempo nicht den Faden zu verlieren.
Wer sich für die Heiratspolitik der erwähnten Dynastien interessiert und Freude an schönen Bildern hat, ist mit diesem Buch gut beraten.
Daten
Kaiser, Jürgen
Der Kampf um die Krone
Königsdynastien im Mittelalter
2011. 1. Auflage
184 Seiten mit 140 farbigen Abbildungen und 5 Stammtafeln.
24,5 x 30 cm.
Gebunden mit Schutzumschlag.
ISBN 978-3-8062-2391-0
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