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hier+jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte
Das Buch "Bier und wir": empfohlen für Biertrinker, die einen weißen Fleck auf der kulinarischen Landkarte beseitigen möchten.

Stiftsbibliothek St.Gallen
Bierwunder des Hl. Columban. Klöster wie St.Gallen zählten auch in der Schweiz zu den Pionieren der Brauerei. Die Braukunst stand aber immer im Schatten des Weinbaus.

http://www.librarything.com
Autor Matthias Wiesmann war Leiter des Schweizerischen Wirtschaftsarchives und der Bibliothek für Wirtschafts -und Sozialwissenschaften der Universität Basel.


Schweizer Bier in Buchform
Kurze Geschichte der eidgenössischen Brauwirtschaft
Florian Seidl
05.02.2012 13:30

Der Schweizer Wirtschaftshistoriker Matthias Wiesmann nähert sich in dem Buch „Bier und wir“ einem hierzulande kaum bekannten Kapitel der eidgenössischen Kulinarik und beantwortet die Frage, warum das Bier in der Schweiz die längste Zeit ein Schattendasein führte.

In der Bibliothek der dünnsten Bücher der Welt lehnen zwischen dem Band der italienischen Heldensagen und dem Lexikon der köstlichsten englischen Küchenrezepte die Gesammelten Werke der Schweizer Braukunst. Das in unseren Breiten so beliebte Kultur- und Erfrischungsgetränk wurde in der Schweiz traditionell unterschätzt. Aus der Sicht des (Wirtschafts-)Historikers, die sich der Autor fachmännisch zu Eigen macht, ist die Erklärung schnell geliefert: Handel und Oberschicht bevorzugten in der Schweiz aus handfesten wirtschaftlichen Interessen den Weinbau.

„Bier als Weinsubstitut im Mittelalter“ bringt es eine Kapitelüberschrift auf den Punkt. Die Darstellung der mittelalterliche Epoche beschränkt sich somit auf die wenigen Quellen einiger Klosterbrauereien. Inhaltlich reichhaltiger wird die Geschichte des Bierbrauens in der Schweiz erst nach der napoleonischen Reform des starren Zunftwesens, welches auch die Erlaubnis des Brauens mit sich brachte.

Schwerpunkt Neuzeit

90% des Buches befassen sich mit dem 19. Jahrhundert und den folgenden Jahren - schlicht, weil das Bierbrauen weder für die Volksernährung noch für die Trinkkultur auch nur annähernd die Bedeutung inne nahm wie vergleichsweise in Süddeutschland oder Österreich. Das Augenmerk liegt aber nicht auf kulinarischer Würdigung des Getränkes, sondern auf der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Eidgenössischen Brauereiwesens.

Der reich bebilderte Band schöpft seine inhaltliche Kraft aus der jüngeren Geschichte und aus der reichhaltigen Sammlung modernen Anschauungsmaterials: An Bierwerbung, Brauereiansichten und Portraits der Zeitgenossen herrscht kein Mangel. Der Text ist leicht verständlich, gewürzt mit Anekdoten und folgt einer klaren dialektisch-materialistischen Argumentationskette.

Brauereiwesen im Spiegel der jüngeren Geschichte

Über Jahrhunderte wird immer wieder dargestellt, wie die Entfaltung des Bierbrauens in der Schweiz nicht an Mangel an Rohstoffen oder Fachleuten oder Nachfrage scheiterte, sondern gezielt von der Wirtschaftspolitik bis ins 19. Jahrhundert verhindert wurde, um traditionelle Geschäftszweige zu schützen.
 
Natürlich konnte sich so niemals eine Brauereikunst entwickeln, die mit Böhmen oder dem Elsass hätte konkurrieren können. In der jüngsten Zeitgeschichte finden sich hochinteressante Darstellungen des Schweizer Biermonopols und der jüngsten Konzentrationswellen in der eidgenössischen Brauereiwirtschaft der letzten 30 Jahre.

Neben der dichten und hochwertigen Sammlung von Bildmaterial lockt Wiesmanns Buch mit aktuellem statistischem Material zum Bier in der Schweiz und mit einem Lageplan über Schweizer Brauereien. Bierfreunde mit Interesse am Exotischen werden damit ihre Freude haben, bildet das Buch doch somit das ideale Ausgangsmaterial für regionale Studienreisen.


Über das Buch

Titel: Bier und wir. Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz
Autor: Matthias Wiesmann
Verlag: hier + jetzt
Verlag für Kultur und Geschichte, 2011
268 Seiten,
über 200 farbige und s/w-Abb.
Format 20 x 27,5 cm, Pappband
ISBN 978-3-03919-193-2

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