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Museum of London
Die Vorderseite zeigt die Position, in der die Dienstleistung verrichtet werden soll.

Museum of London
Die Rückseite zeigt den Preis, den die jeweilige Dienstleistung kostete.


Toll trieben es die alten Römer
Antike Porno-Jetons für Bordelle
Arno Cincelli
04.02.2012 22:21

Eine sogenannte 'spintria' wurde kürzlich am Londoner Themse-Ufer entdeckt. Der Jeton zeigt auf der Vorderseite zwei Menschen beim Geschlechtsakt, die Rückseite eine Zahl. Der Detektor-Geher Regis Cursan spendete seinen Fund an das Museum of London. Es ist die bislang einzige bekannte Spintria, die in England entdeckt wurde.

Das Museum of London freut sich über ein besonderes Ausstellungsstück. Eine in London entdeckte 'spintria', sozusagen einen Jeton, der auf der Vorderseite eine pornographische Szene zeigt. Spintriae wurden in römischen Bordellen benutzt, um der Prostituierten zu zeigen, welche Art von Dienstleistung genau von ihr erwartet wurde. Auf der Rückseite stand der Preis der dazugehörigen Sexstellung.

"Münzen sind vom Staat herausgegebene offizielle Zahlungsmittel", erklärt der Innsbrucker Archäologe für klassische und provinzialrömische Archäologie Dietrich Feil gegenüber von Huscarl.at, warum die Spintria nicht als 'Porno-Münze' bezeichnet werden darf: "Solche Gegenstände nennt man Jeton oder Marke". Diese Art von Wertjetons war im römischen Reich weit verbreitet. Immerhin beherrschten die Sex-Sklavinnen selten die lateinische Sprache. Nur so konnte sichergestellt werden, dass die Liebesdienerinnen wussten, was der Kunde von ihnen genau wollte.

Diskussionsanstoß

Bei dem Fund des Detektor-Gehers Regis Cursan handelt es sich um den bisher ersten derartigen Fund in England. Der 37-Jährige hat den Jeton am Ufer der Themse entdeckt. "An dem Tag, an dem ich den Fund machte, stand der Fluss sehr tief, die Flut begann und es regnete schwer. Zuerst dachte ich, dass es eine römische Münze wäre, wegen der Dicke und dem Durchmesser", erklärte der Finder. Die Spintria entspricht in ihrer Größe einem 10-Pence-Stück, also etwa zweieinhalb Zentimeter Durchmesser.

Die Kuratorin des Museum of London, Caroline McDonald, sieht in dem Fund einen Auftrag: "Das ist ein perfektes archäologisches Objekt. Es ist sexy und provokativ im besten Sinne des Wortes. Die Mehrheit der römischen Sex-Sklaven hatte kein schönes Leben. Objekte wie dieses können dem Museum of London helfen, Debatten  über Themen zu starten, die für die moderne Stadt und ihre Besucher relevant sind. Museen sollten sich mit diesen bisweilen tabuisierten, erwachsenen Themen engagieren."


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