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Wolfgang Putz
Wolfgang Putz bei der Arbeit zwischen seinen Werkstücken.

Wolfgang Putz
Mit großer Konzentration zeigt "Meister Putz" sein Handwerk.

Wolfgang Putz
Aber auch der nötige "Schmäh" und die Einbeziehung der Zuschauer dürfen nicht fehlen.

Wolfgang Putz
Sir Rattelot und sein Kriegsknecht Rattúr

Wolfgang Putz
Die beiden gerüsteten Plüschratten sind bei den Zuschauern beliebt.


Meister Putz und Sir Rattelot
Schauplattner mit Schmäh
Arno Cincelli
08.02.2012 13:15

Vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nützten Soldaten den Schutz von Plattenpanzern. Trotz der Fülle an Rüstungen, die auf Mittelaltermärkten erhältlich ist, liegen aber die althergebrachten Fertigungstechniken weitgehend im Dunkeln. Schmiede müssen oft durch Ausprobieren und viele Fehlversuche das Plattnerhandwerk wieder neu entdecken. Wolfgang Putz fertigt seit zehn Jahren Plattenrüstungen. Was als Versuch begonnen hat, sich eine eigene Panzerung kostengünstig herzustellen, ist nun schon seit einiger Zeit zum Schwerpunkt seines Interesses geworden.

"Ich hab' mir gedacht, das bringst du selbst auch zusammen. Naja, zehn Jahre später sag' ich einmal, ich war sehr optimistisch damals. Es hat ungefähr neun Jahre länger gedauert, als ich geglaubt hätte." Vor mehr als zehn Jahren hat Wolfgang Putz seine ersten Versuche mit der Plattnerei durchgeführt. Seither hat er viel dazugelernt und verfeinert. Museen, Bücher und natürlich das Internet waren seine Quellen und Anschauungsobjekte. Und mit allem, was er dabei gelernt hat, ist sein Respekt vor den alten Meistern noch weiter gewachsen. Gerade auch deshalb bemüht er sich als Meister Putz, wie er sich auf Mittelalter-Veranstaltungen nennt, diesem Respekt durch eine möglichst authentische Darstellung Ausdruck zu verleihen.

Zuhause verwendet er natürlich auch modernes Werkzeug, um seine Arbeit durchzuführen, auf Märkten ist er hier aber eindeutig A. "Auf den Märkten mache ich es korrekt. Wenn ich auf Märkten auftrete, verwende ich, wenn ich überhaupt einen Bohrer benutze, einen Handbohrer", erklärt Wolfgang Putz. In der Regel werden dann Löcher von ihm mit einem Dorn getrieben und aufgefeilt. Mit großer Geduld hämmert er auf sein Werkstück ein. Aber ein richtiger Panzer benötigt sehr lange Zeit, um fertig zu werden. Schon einzelne Rüstungsteile dauern oft länger als die Veranstaltung selbst.

Sir Rattelot

"Wenn ich nur ein Paar Schultern mache, die noch verhältnismäßig einfach und schnell gehen, bin ich an einem Wochenende trotzdem nicht fertig damit. Für den Zuschauer ist das ziemlich frustrierend, zuzuschauen, wie einer wie ein Berserker, oder auch ganz ruhig, stundenlang auf einem Stück Blech herumklopft, und sich am Ende nicht viel verändert hat", geht der Schauplattner auf ein wichtiges Problem seiner Arbeit ein. Aber Meister Putz hat hier durch einen kleinen Trick Abhilfe geschaffen. Auf Veranstaltungen zeigt er das Handwerk anhand der Fertigung einer Rüstung für Sir Rattelot. Dabei handelt es sich um eine Plüschratte, die auf einer ebenfalls gerüsteten Katze reitet. "Da haben es Kinder, die eine Stunde dabeisaßen, schon erlebt, dass ich mit einem Brustpanzer fertig wurde", erzählt Wolfgang Putz.

Auf Fragen, ob dieser Kunstgriff denn auch authentisch sei, hält der selten um einen Spruch verlegene studierte Physiker die Darstellung des Mäuse- und Katzenkrieges auf einem mittelalterlichen Fresko entgegen. Streng, wenn auch etwas ironisch genommen, genügen damit die gerüsteten Stofftiere grundsätzlich den Anforderungen, die die Verfechter der Authentizität im Allgemeinen stellen. Immerhin gäbe es ja eine Darstellung gerüsteter Nagetiere. "Natürlich ist jedem klar, dass das eine mittelalterliche Parodie ist. Aber wir haben alle aus der Szene hellauf gelacht, als ich sagte, du siehst, es ist authentisch", amüsiert sich der Plattner.
 
Besonderer Mehrwert

Gerade diese Aussage zeigt den besonderen Mehrwert, den Wolfgang Putz gegenüber seinen Kollegen bietet. Preislich kann er bei den Produkten mit seinen Mitbewerbern aus Tschechien nicht wirklich mithalten, auch bei der Qualität sieht er sich nicht im Vorteil: "Die tschechischen Kollegen leisten Großartiges. Für die Leute, die die Rüstungen tragen, ist es wurscht, wie sie hergestellt ist. ... Ich lege Wert darauf, die alten Techniken möglichst zu erforschen und zu wissen wie man es gemacht hat. Um auch sagen zu können, so ist es damals gewesen." Mit seinem Schmäh und der Möglichkeit, jeden einzelnen Arbeitsgang eingehend und auf Deutsch erklären zu können, wird er damit zu einer interessanten Station für alle Besucher.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld für die Plattnerei hat Wolfgang Putz mit der Anfertigung von Fetisch-Produkten gefunden. Auf seiner Homepage wolfland.at können Menschen mit dem etwas ungewöhnlichen Geschmack seine Erzeugnisse betrachten. Dass diese Produkte etwas Besonderes sind, hat auch ein renommiertes Männermagazin entdeckt, das plant, bei einem Shooting mit einer bekannten deutschen Schauspielerin für die Mai-Ausgabe 2012 eine seiner Arbeiten in Szene zu setzen. Huscarl.at wird natürlich berichten.


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