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Anita Arbesser
Der Veranstalter fand trotz seines hohen Arbeitseinsatzes die Zeit seine wunderschöne Darstellung zu präsentieren.

Barbara Schachinger
Die Besucher konnten vor Ort dem Schmied über die Schulter blicken...

Alexandra Mikovits
...und sehen wie Holzbearbeitung im Mittelalter funktionierte.

Alexandra Mikovits
Geschütze aus dem späten 15. Jahrhundert waren ebenso zu sehen...

Barbara Schachinger
...wie Alltagsgegenstände früherer Epochen.

Anita Arbesser
Besonders beliebt bei den Besuchern war die militärische Ritterdarstellung des Veranstalters...

Anita Arbesser
...und das Exerzieren der römischen Legionäre.

Anita Arbesser
Vor Ort wurden Stoffe nach historischen Methoden über offenem Feuer gefärbt.

Andreas Ahammer
Auch der Spaß abseits des Festgeländes blieb aufgrund des Hartberger Oktoberfestes nicht aus.

www.kleidertruhe.at
Besonders sehenswert waren die reizenden Damen von kleidertruhe.at mit ihren Kleidern aus 1840.


Erste Zeitreise in Hartberg präsentiert historisches Veranstaltungskonzept
Qualitative Spitze der Living History-Szene
Andreas Ahammer
27.09.2012 11:15

Am 15. und 16. September fand im steirischen Hartberg eine Veranstaltung mit dem Namen "Zeitreise Hartberg" statt. Bereits die Ankündigung der Veranstaltung weckte hohe Erwartungen bei Teilnehmern und Besuchern.

Was es sein sollte

Für den 15. und 16. September wurde eine Veranstaltung in Hartberg (Oststeiermark) angekündigt, die "anders" sein sollte. Kein Mittelaltermarkt, kein Fantasyfest, kein Mittelalterfest. Eine Zeitreise war geplant. Bei manchen mag der Begriff Zeitreise in der Titel vielleicht andere Assoziationen geweckt haben, ist dieser Begriff doch in Österreich hauptsächlich von der sehr kontroversiell diskutierten Veranstaltung "Ritterspiele Ehrenberg" im tirolerischen Reutte bekannt, die inhaltlich gänzlich anders ausgerichtet ist.

Bereits sehr früh setzte der Veranstalter Andreas Forstner darauf, klar zu kommunizieren, was Besucher und Darsteller zu erwarten hatten. Nämlich eine "historische, museale Veranstaltung" bei der nicht das Mittelalter, sondern ein weitaus breiteres Spektrum der regionalen Geschichte präsentiert werden sollte. Es wurde angekündigt, eine historische Veranstaltung im - sehr diplomatisch formuliert - engeren Sinne des Wortes "historisch" zu veranstalten. Dementsprechend sollte, wie im Ausland bei solchen Veranstaltungen durchaus nicht unüblich, der Zutritt nur für Personen mit moderner Kleidung des 21. Jahrhunderts gestattet sein.

Was es war

Die Veranstaltung bot genau das, was versprochen wurde. (Lesefaule können jetzt beim nächsten Absatz weitermachen!)

Die anwesenden Gruppen waren dem zuzuordnen, was man durchaus anerkennend als die qualitative Spitze an historischer Rekonstruktionsarbeit in der Living History-Szene bezeichnen kann. Die verschiedenen Epochen von der Urgeschichte bis zum 19. Jahrhunderten wurden von engagierten Darstellergruppen (sowohl Vereinen als auch Zusammenschlüssen von Einzeldarstellern) präsentiert, welche sich dem Konzept der Zeitreise entsprechend mit ihren Lagern, chronologisch entgegen dem Uhrzeigersinn geordnet, im schönen Schlosspark präsentierten.

Aus Darstellersicht muss man sagen, dass alles geboten wurde, was man sich wünschen konnte. Lagerplatz und Feuerholz waren zur Genüge vorhanden, Darstellerparkplätze waren in der unmittelbaren Nähe, die Sanitäranlagen gepflegt und statt Stroh wurde Heu geboten. Außerdem war - auch das sollte man hier erwähnen - die Bereitschaft zu einer leistungsgerechten Entlohnung vorhanden. Einzig das Fehlen einer Duschmöglichkeit aufgrund der infrastrukturellen Gegebenheiten im Schloßpark kann hier als verbesserungswürdig angeführt werden.

Besonders positiv überrascht waren alle Anwesenden von den Besuchern, welche entgegen den Behauptungen böser Zungen ebenfalls zu dem gehören, was sich Darsteller wünschen. Diese waren über die Maßen interessiert und hatten oftmals beachtliches Vorwissen, was wohl zweifelsohne als Indikator dafür gesehen werden kann, dass die gewünschte Zielgruppe der historisch Orientierten erreicht wurde bzw. bei den Menschen ein tieferes Interesse an Geschichte geweckt wurde. Besonders fiel hier auf, dass sich dieses Interesse nicht wie sonst auf typischen Mittelaltermärkten und Genreveranstaltungen auf materielle Güter und Alltagsgegenstände beschränkte, sondern mit hoher Frequenz Fragen bezüglich wirtschaftlicher und sozialer Umstände der Epoche aufkamen. Von den Darstellern wurde also nicht nur eine hohes historisches Fachwissen gefordert, sondern auch gewisse pädagogische und didaktische Kompetenzen.

Was es nicht war

Es gibt vieles, was die Veranstaltung nicht war. Es war kein Fest und kein Markt und damit geht ein Punkt einher, der besonders den DarstellerInnen aufgefallen ist. Es war nicht laut. Es gab keine schreienden Händler, kein Marktsprech, keine Betrunkenen und keine unpassende Marktmusik. Besonder auffällig ist hier, dass dies von einigen Besuchern im Gespräch lobend hervorgehoben wurde. Vor allem von jenen, welche mit Kindern, Hunden und oder älteren Menschen unterwegs waren.

Damit ist aber auch ein negativer Aspekt verbunden. Ungeachtet von im Vorfeld getätigten Erklärungen, was das Ziel des Festes ist, haben sich einige Besucher dennoch eine typische Genreveranstaltung erwartet. Dies rührt vermutlich daher, dass mit Schlagwörtern wie "historisch korrekt" und "darstellerische Qualität"  viele Veranstalter werben, aber die wenigsten dies auch bieten. So kann die Enttäuschung dann kommen, wenn tatsächlich das Versprochene zu sehen ist und der sonst leider oft übliche Etikettenschwindel ausbleibt.

Leider gibt es auch ein paar negative Aspekte die man hier anführen muss. So war das Fest weder gut beworben noch war es gut ausgeschildert. Beides ist vermutlich auch auf die leider größtenteils fehlende Unterstützung durch öffentliche Stellen zurückzuführen. Ebenfalls war das Fest leider nicht so gut besucht, wie es von vielen erwartet wurde.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Veranstaltung in dieser Art mit Sicherheit ein Novum für Österreich ist. Es wurde sehr hohe Qualität geboten und die hohen Vorgaben, die sich der Veranstalter selbst auferlegte, wurden voll erfüllt. Inwiefern die Veranstaltung in Zukunft bestehen wird, steht noch offen - eine Neuauflage wäre aber mehr als nur wünschenswert. Das inzwischen sehr breite Spektrum an verschiedenen Veranstaltungen wurde um eine Facette reicher, welche sich bei der Überwindung einiger Fehler - welche bei Erstauflagen üblich, verständlich und verzeihlich sind - das Potential dazu hat, sich zu einer nachhaltigen Bereicherung zu entwickeln.


Weiterführende Links:




Der Bogenstand Gesierich



Fantasy Flagship

Miroque - das Magazin

Isi's Spezereyen


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1. Kommentar von MADmartin am 28.09.2012 um 11:10

Verbesserung ?
Was ist eine Duschgelegenheit ?

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2. Kommentar von Hiltibold am 01.10.2012 um 20:49

Großartige Sache
Ich kann mich dem Artikel nur anschließen; eine wirklich schöne Veranstaltung, deren besonderer Reiz es auch war, dass es sich nicht um eine reine "Mittelalterveranstaltung" handelte, sondern stattdessen eine deutlich größere Bandreite an (qualitativ hochwertigen) Darstellern anzutreffen war.

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