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Foto (C) Florian Machl (gemeinfrei)
Mirco Klar, bekannt als Torak von Bechelaren.


Torak von Bechelaren - ein Nachruf
Ein herber Verlust
Ivan Ertlov
02.08.2012 12:32

Der Schock sitzt tief: Mit Torak von Bechelaren alias Mirco Klar verliert die Szene einen ihrer interessantesten, ehrlichsten und liebenswürdigsten Protagonisten, einen Mann, dessen Idealismus, Humor und Aufrichtigkeit noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Ich persönlich verliere einen Freund, mit dem ich noch gerne jahrzehntelang gescherzt, gezecht, gekämpft und Mittelalterfeste bestritten hätte, ein Freund, der ein guter oder sehr guter Freund geworden wäre, wenn ihn das Unglück von Pöchlarn nicht so tragisch aus dem Leben gerissen hätte.

„Wahnsinn, schauts ihr genial aus!“ - das war der erste Kontakt zwischen mir, dem damaligen Obmann der Vogelfreyen zu Zweiselburg, und Mirco, dem damaligen Chef von Drachensporn, als wir durch Zufall auf einem unserer ersten Feste nebeneinander lagerten. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der Satz war von mir an ihn gerichtet.

Ein visionärer Darsteller

Tatsächlich hat Mirco mit Drachensporn damals etwas visionäres, ja geradezu revolutionäres auf die Beine gestellt: Eine Fantasydarstellung, die derart detailliert und aufwändig ausgearbeitet war, dass sogar die (ohnehin nur spärlich vorhandenen) Neider aus der A-Fraktion nur sehr leise und hinter vorgehaltener Hand Kritik zu äußern wagten.

Zu groß war der Erfolg beim Publikum, zu groß die staunenden Kinderaugen, zu groß der Respekt der anderen Darsteller. Und trotzdem war gerade Mirco einer jener seltenen Vertreter der Szene, denen niemals ein Erfolg zu Kopf gestiegen ist, der immer freundliche Worte und gute Ratschläge für blutige Anfänger übrig hatte und zu jenen genauso herzlich war wie zu Szene-Veteranen und Kollegen.

Ich gestehe: Sein Konzept „Mittelalter-Fantasy ohne Etikettenschwindel“ hat als Inspiration unsere wenige Monate später (wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau) erfolgte Neuausrichtung als Sturmfalken mitgeprägt. Und es war auch Mirco, der mich auf internen Lagern und Treffen immer wieder motivierte, uns zu verbessern – und reichlich Ideen mitlieferte. Es war typisch für ihn, dass er es nicht mit Nörgeln oder Kritisieren, sondern mit Lob für das bereits erreichte und konstruktiven Ratschlägen tat. Zahlreiche andere „junge“ Vereine kamen genau deshalb immer wieder zu ihm.

Ein Veranstalter mit Handschlagsqualität

Als es zum ersten mal galt, das Mittelalterfest Pöchlarn auszurichten, lernte ich Mircos Qualitäten als Organisator & Veranstalter kennen und schätzen. Es war sein grenzenloser Idealismus und Optimismus, der trotz waghalsiger Terminplanung und reichlich Improvisation dafür sorgte, dass bereits das erste Fest ein Achtungserfolg wurde.

Leider keine Selbstverständlichkeit: Im Gegensatz zu gewissen anderen „Erstveranstaltern“ wurden bei Mirco alle vereinbarten Gagen voll bezahlt – und die Darsteller noch dazu vorbildlich versorgt und betreut. Was Mirco verspricht, das wird eingehalten – diese Lektion lernten wir schnell. Als er dann im Herbst 2010 ein Konzept präsentierte, bei dem 10 Traditionsvereine gemeinsam als Veranstalter fungieren sollten und der Gewinn dann vollkommen transparent aufgeteilt an die Vereine gehen sollte, hätte man bei jedem anderen Veranstalter entweder höflich lächelnd oder hysterisch lachend abgewunken.

Nicht so bei Mirco. Was er versprach, hat er eingehalten, und niemals kam der Verdacht auch nur einer „berechtigten Bereicherungsabsicht“ auf. Es war aber auch genau dieser Idealismus, der andere „Szenemenschen“ dazu brachte, ihn (aber typischerweise immer nur hinter seinem Rücken) als „naiv“ oder „leicht auszunutzen“ zu bezeichnen.

Ich widerspreche aus vollem Herzen. Denn eben durch diesen Idealismus, Optimismus und seine Ehrlichkeit schaffte er es, dutzende Helfer und hunderte Darsteller zu motivieren, mit Fleiß und Engagement das eine oder andere Chaos in der Orga auszubügeln.

Ein "streitbarer" Freund

Eines der größten Komplimente, dass ich Freunden von mir gelegentlich machen kann, ist jenes, dass man mit ihnen wunderbar streiten kann, ohne dass dadurch der Brunnen vergiftet ist. Mirco war ein Paradebeispiel dafür. Als ich durch ein Missverständnis glaubte, dass die Sturmfalken aus dem Orgateam für Pöchlarn „entfernt worden“ wären, schrieb ich ihm ein Mail, für dessen Tonfall ich mich heute noch schäme. Postwendend kam ein Anruf, an dessen Beginn wir uns Worte an den Kopf warfen, die normalerweise ausreichen, dass Menschen nie wieder miteinander reden. Aber Mirco war einer jener seltenen Menschen, die eine Entschuldigung wirklich aufrichtig annehmen können – und dann nie wieder bezüglich der Angelegenheit nachtragend werden.

Als wir uns dann zur 1. Vorbesprechung im internen Lager trafen, wurde ich wieder wie ein vermisster Bruder begrüßt – und konnten über andere Dinge streiten.
Denn Mirco war – und das sage ich jetzt mit Bewunderung – ein „sturer Hund“, ein Dickschädel, der seinen Weg gegangen ist und sich nicht beirren ließ. Und das war auch gut so. Denn wie kaum ein anderer hat Mirco das Mittelalter gelebt, er war wirklich ein stolzer, sturer und manchmal auch weiser Kämpe, durch eine Laune des Schicksals ins falschen Jahrhundert geboren.

Es ist schwer, in Worte zu fassen, was ein solcher Verlust bedeutet. Wir sind alle Mitglieder einer Szene, die sich oft mit stolzgeschwellter Brust als verschworene Gruppe sieht, eine Wahrnehmung, die mit der Realität nur selten etwas gemein hat. Leider nutzt man solche Tragödien mancherorts dazu, diesen Verlust als "unseren Verlust" zu dramatisieren und jenen der Angehörigen dabei aus den Augen zu verlieren oder gar zu ignorieren. Aber seien wir ehrlich zu uns selbst: Auch wenn wir "eng" zusammenarbeiten, sehen wir uns (außer wir sind im selben Verein und geographisch nahe) maximal 10 – 15 mal jährlich.

Anders ist es bei den Lebensgefährten und Angehörigen. Sie sind die wahren Hinterbliebenen, nicht wir. Ihnen muss unser Beileid gelten – nicht uns selbst, und auch nicht unserer „Szene“. Denn diese wird Torak von Bechelaren ohnehin als einen der ihren noch lange, lange Zeit in bester Erinnerung behalten.


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1. Kommentar von Altair am 02.08.2012 um 17:19

guter Nachruf
Kann ich so nur Unterschreiben!
Jeder ist ein Unikat.. er war auch eines.. und was für eines!

Schau mir heute noch immer gerne die Fotos von damals an. Heute mit Tränen in den Augen..

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.


2. Kommentar von cusil am 02.08.2012 um 17:34

danke.........
danke dir für diesen bericht...... wenn ich nur könnte, würde mein bericht wahrscheinlich deinem recht ähnlich sein.
doch leider blieb es mir verwehrt mirco als mensch kennenzulernen. leider hab ich die chance verpasst, nun ist es vorbei und ich kann mir nur noch anhören oder lesen wie mirco als mensch war........

george hat mir noch gesagt, dass ich bei der schlacht 2 LARP-Pfeile für ihn auf mirko abgeben soll, da er mir seine LARP Pfeile borgte.
aus irgendeinem grund hatte ich das nicht getan obwohl ich ihn im visier hatte....... ich entschied anders und nahm den templer G. v.R statt dessen.

charlie

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3. Kommentar von Pelegrith am 05.08.2012 um 21:29

Ein Held ist von uns gegangen
Ich trauere um diesen Mann genau so wir ihr alle.
Es ist einfach schrecklich was in Pöchlarn passiert ist.
Möge er in Frieden ruhen.

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.



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