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(C) Florian Machl
Arnulf "das Schandmaul" Zeilner. Bandgründer und schillernde Persönlichkeit der Mittelalterszene.

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Vielseitigkeit an verschiedensten Instrumenten zeichnet die Musiker aus.

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Wilhelm der Widerling und Narrus Rabenkuss prägten auch die aktuelle CD mit Eigenkompositionen und vielen wertvollen Ideen.

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Eine vorzüglich gespielte Drehleier ist bei Konzerten stets ein akustischer und optischer Genuß.

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Ein Auftritt vor einem Publikum, das die Halle zum bersten füllt - für die Band ein besonderes Erlebnis und eine Anerkennung ihres musikalischen Könnens.

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Ein Bühnenauftritt erlaubt den Einsatz von Schlagzeugen und Schlagwerken und somit eine ganz andere akustische Ergänzung als auf einem Mittelaltermarkt möglich wäre.

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Und abschließend noch ein Blick auf alle sieben Musiker, die den Abend gestalteten.

Schandgesellen Konzert in der Szene Wien
Der Song Contest der Mittelalterszene
9. 6. 2010 - 9:45
Florian Machl


Fotogalerie
Der 21. Mai war der große Tag der Schandgesellen. Zum ersten Mal selbst der Headliner auf einer Bühne zu sein, die schon von den "ganz Großen" bespielt wurde - das war das Ziel. Dafür wurde mindestens ein halbes Jahr lang intensiv die Werbetrommel gerührt. Das Ergebnis überraschte alle Beteiligten - im positiven Sinne. Mittelalterlich inspirierte Unter­haltungsmusik aus Österreich wird nicht nur salonfähig, sondern füllt Konzerthallen in gleichem Maße wie beim Besuch der etablierten deutschen Kollegen.

Rund 350 verkaufte Karten, deutlich über 400 Personen in der Szene Wien sprechen eine eigene Sprache. Die Menschen wollen hören, was die Schandgesellen zu bieten haben - eine Band, deren Protagonisten teils schon Jahrzehnte an Genre-Erfahrung mit sich bringen. In dieser Konstellation stand man zum ersten Mal gemeinsam auf einer Bühne und zum zweiten Mal vor Publikum.

Riesiger Schritt

Gemessen an der Stimmung im Zuschauerraum, der gefühlt deutlich voller war als bei einigen vergleichbaren Konzerten mit deutscher Starbesetzung, ist den Schandgesellen mit diesem ersten großen Auftritt ein riesiger Schritt in die richtige Richtung gelungen. Selten zuvor war in einem Wiener Veranstaltungslokal so klar gezeigt worden, weshalb die Besucher gekommen waren. Der Außenbereich und die Bars waren wie leer gefegt, während die Band spielte.

Geforderte Routiniers

Man könnte meinen, Routiniers erledigen so eine Aufgabe mit links. Doch dazu kamen - wie so oft - reihenweise Widrigkeiten, die es zu überspielen oder besiegen galt. So war Frontman Arnulf Zeilner gesundheitlich alles andere als perfekt aufgestellt. Dazu kamen mehr als stressige Wochen im Vorfeld, denn natürlich wollte man unter großem Termindruck auch das gemeinsame Album zeitgerecht veröffentlichen - was auch gelang, denn es kam einen Tag vor dem Konzert aus dem Presswerk. Zu überspielen und tolerieren galt es während der Performance auch einige technische Schwierigkeiten, die bedauerlicherweise dazu führten, dass einige Instrumente oder auch Stimmen kaum oder gar nicht zu hören waren.

Musikalischer Bann

Die Band selbst wird es wohl anders wahrgenommen haben, doch der Zuhörer bemerkte von all dem kaum etwas. Nummer für Nummer zogen die Schandgesellen ihre alten und neuen Fans mehr und mehr in ihren Bann. Sie brachten die Menschen zum Springen oder erfreuten sich an dem aus ihrer Perspektive sicherlich großartigen Anblick von hunderten anfeuernden Armen.

Abwechslungsreich und dynamisch

Musikalisch abwechslungsreich bewiesen die Schandgesellen, dass man "es" in Österreich durchaus auch "drauf hat", dass es aber nicht ausreicht, "nur gut" zu sein, sondern dass man massiv und nachhaltig daran arbeiten muss, um ein Publikum zu erreichen. Präsentiert wurden vor allem die neuen Stücke des Albums "Lausch Dich geil", die durchgehend mit Tempo punkten. Langsame Stücke sind noch wenige im Repertoire - und hier ist die Rezeption durch die Hörerschaft teilweise eine andere als die Intention der Musiker. Obwohl "Chume Chum" als eher romantisch-langsame Nummer geplant gewesen wäre, entdeckten die Zuhörer auch in diesem Titel eine gute Dynamik und weniger die Kuschelmusik fürs Lagerfeuer. Es soll weitaus Schlimmeres geben, als seinen Fans mit seiner Musik durch und durch in die Beine zu fahren.

Wer sind die Schandgesellen?

Die Schandgesellen - das sind der bereits erwähnte Arnulf Zeilner, landauf - landab bekannt als Herold, Alleinunterhalter, Musiker und vieles mehr - ein Original der heimischen Mittelalterszene. Ihm zur Seite steht Narrus, das jüngste Bandmitglied, das mit seinem Talent zu begeistern weiß. Viele der gespielten Stücke wurden von ihm verfasst oder zumindest mitentwickelt - virtuos am Dudelsack gilt er insbesondere auf diesem Instrument als einer der besten Musiker der Szene. Wilhelm der Widerling begeisterte mit ruhiger Bühnenpräsenz und war vor allem an der Drehleier aber auch an anderen Instrumenten zu hören. Auf der CD begeistert er gleich im ersten Titel mit einer tiefen, angenehmen Gesangsstimme - eines der Details, die beim Konzert leider der Technik zum Opfer fielen. Auch wenn vielseitige Instrumentenbeherrschung in der Mittelalterszene zum Standard zählt, ist diese beim nächsten erwähnten Bandmitglied, Seidelbrecht, nochmals besonders hervorzuheben. Ob Marktsack, Cister, E-Gitarre oder mit seiner Stimme - der als Person vielleicht noch nicht so stark in den Vordergrund getretene Musiker scheint musikalisch unverzichtbar zu sein. Die Percussion wurde von gleich drei begnadeten "Lärm-Machern" bestritten. Wurde diese am Album noch vom "Vinländer" und Valentin Arnold bestritten, kam beim Konzert auch noch Junker Ludwig als neuestes Vollmitglied der Band zur Stammbesetzung hinzu. Gemeinsam erzeugte man den rhythmischen Klangteppich, den mittelalterlich inspirierte Musik nahezu zwingend benötigt, um derart durch den Körper zu gehen, wie es bei der Musik der Schandgesellen zu erleben war.

Potenzial weiterhin ausschöpfen

Dabei gilt es bei aller wohlwollenden Euphorie zu betonen, dass natürlich noch sehr viel Potenzial nach oben hin vorhanden ist. Sei es die Erfahrung im Zusammenspiel, an der die Gruppe in den kommenden Jahren weiter reifen und zusammenwachsen wird, seien es ausmerzbare Probleme in der Bühnentechnik oder Möglichkeiten der klanglichen Abrundung im stets mitwachsenden Arrangement. Es wird ein für alle Beteiligten hochinteressanter und spannender Entwicklungsprozess, den beobachten zu dürfen schon im Vorfeld große Neugier auslöst. Einer jährlichen Wiederholung im Rahmen dieses Veranstaltungsortes dürfte jedenfalls nichts entgegenstehen. Vielmehr dürfte die nächste Herausforderung darin bestehen, mit dieser Formation auf Tournee zu gehen. Einen großen persönlichen Wunsch darf der Redakteur an dieser Stelle an die Schandgesellen richten: Ihr habt die Leidenschaft der Fans geweckt - das ist nicht nur Auszeichnung, sondern auch Auftrag. Versucht, ständige Umbesetzungen zu vermeiden, wie sie in der Musikszene gerade im letzten Jahr leider so häufig zu beobachten waren. Haltet zusammen und erfreut uns lange Jahre hinweg mit eurem Können!

Eine Chance für Rhiannon

Aus marketingtechnischen Gründen gut positioniert, präsentierten sich auf Einladung der Schandgesellen im Anschluss an das Hauptkonzert auch Rhiannon auf der Bühne, die als Überraschung des Abends angekündigt wurden. Auch diese Band hatte gerade, nach eineinhalb Jahren Ankündigungszeit, ihr neues Studioalbum aus dem Presswerk erhalten, also bot sich der Präsentationstermin an. Musikerkollegen bewerteten es als enttäuschend und gegenüber der Band nicht gerade respektvoll, dass bis zu drei Viertel des Publikums den Saal verließen, bevor die Klänge der ersten Nummer überhaupt Gelegenheit hatten, sich zu entfalten. Experimentalmusik in Richtung von punkigem Ska oder gar einer an Attwenger und Volksmusik erinnernden Nummer überzeugte den Redakteur im Kontrast zum Programm der Schandgesellen nur bedingt, fand aber auch ihre Liebhaber, die sich zudem über das unvermutete Wiedersehen freuten. Offenbar entfernt sich Rhiannons Weg doch deutlich von der bislang gewohnten Stilrichtung der alten Formation und sucht mit Unterstützung der beiden neuen Musiker alternative Ausdrucksformen, deren letztendliche Richtung noch schwer einzuschätzen ist.

Auch rundherum: Gelungen

Dafür lebte eine andere Tradition auf, nämlich die des Zusammenhalts der österreichischen Mittelalter-Spielleute. So fanden sich alle Musiker des Abends nochmals gemeinsam auf der Bühne ein, um aus zahlreichen Instrumenten einen gemeinsamen Klangteppich zu weben, der wiederum allgemein zu begeistern verstand. Der Rest der Nacht war somit eröffnet, weiter ging es bis in die frühen Morgenstunden mit Musik von den DJs Vagabund und Metmann (Veitstanz) sowie Julu (Miroque). Wer frische Luft schnappen wollte, konnte dies beispielsweise im Hof tun, wo einige Verkaufsstände (Fantasy Flagship, De Platea, MinerA by Georgie) residierten und als weiterer Höhepunkt eine von vielen Seiten gelobte Feuershow gezeigt wurde, für die Feuerkünstler von Lux Minor und Daidalos zusammenarbeiteten.

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Miroque - das Magazin

Fantasy Flagship

Der Bogenstand Gesierich

Steam Dreams



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1. Kommentar von Schelmut am 09.06.2010 um 12:19

Gratulation...
...den werten Herren Kollegen! Es freut mich außerordentlich, dass das Publikum so zahlreich erschienen ist. Damit haben die Schandgesellen bewiesen:" Wer wagt, gewinnt!" - mit dem erfolgreichen Füllen der Szene, habt ihr ein Zeichen gesetzt, das der gesamten österreichischen Musikantenszene nur nützen kann!

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2. Kommentar von Bigman am 11.06.2010 um 07:28

gratulation
es freut mich sehr, dass ihr so einen erfolg hattet!

2 daumen hoch von mir! :)

cu
harry

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