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(C) Elfi Binder

(C) Elfi Binder

CD-Präsentation Gasslspieler Trio
Die Probe aufs Exempel
5. 4. 2010 - 18:30
Daniela Rzepa


Nachdem die CD der Gasslspieler in ihrer Trio-Formation in der letzten Huscarl on Air-Sendung ausgiebig besprochen, gespielt und auch gelobt wurde, war es naheliegend, die Live-Qualitäten der drei Musiker zu überprüfen. Die passende Gelegenheit dazu gab die CD-Präsentation am 27. März im Cafè Restaurant "Hoppala" in Ober Grafendorf, nahe bei St. Pölten.

Eine eindeutige Szene-Veranstaltung war abseits der bekannten Lokalitäten nicht zu erwarten, insofern war es auch eindeutig angeraten, nicht in Gewandung zu erscheinen. Der Rahmen war denkbar unmittelalterlich, wenn auch gemütlich, das Gasthaus „Hoppala“ bietet bodenständige Küche in holzgetäfelter Umgebung, gestaltet mit sonnigen Farben und kluger Lichtquellenposition, die eine warme Atmosphäre erzeugen. In diesem Rahmen wollte das Gasslspieler-Trio nahe der Heimatorte von Urgestein Harald Binder und dem Youngster Matthias Ihrybauer ihre neu aufgenommene CD produzieren.

Ankündigung: Folk

Schon in der Eingangsmoderation stellte Andreas Neumeister, die Stimme des Trios fest, dass jetzt Folk kommen würde, ohne das Hintergrundwissen, dass auch mittelalterliche Melodien gespielt würden, wäre man wohl kaum auf die Idee gekommen, dass die Gasslspieler auch auf Mittelaltermärkten zu hören sind. Nichts desto trotz erwartete das Publikum eine abwechslungsreiche Mischung von Melodien aus dem gesamten europäischen Raum, von Italien über England und Deutschland. Nicht fehlen durften natürlich Weisen aus dem alpenländischen Raum. Das Publikum, größtenteils aus der Region und über Mundpropaganda über das Konzert informiert, belohnte die Darbietungen mit wohlwollendem Applaus.

Kein Platz zum Tanzen

Obwohl es einige sichtbar juckte, sich bei den schwungvolleren Stücken mehr zu bewegen, ließ es die Location nicht zu. Durch die ausschließliche Möglichkeit, das Konzert im Sitzen zu genießen, wurde verhindert, dass ein wenig mehr Stimmung aufkam, die die Musiker eindeutig verdient hätten.

Neue Arrangements

Es wurden viele bekannte mittelalterliche Melodien gespielt: das Palästinalied, die "Brücke über den Main" und logischerweise "Die Bauern von St. Pölten". Das Besondere daran waren jedoch die Arrangements. Ohne die Melodien dabei zu verfremden oder zu verunglimpfen legte Andreas Neumeister an der Gitarre stufenweise geführte Harmonien über die von Matthias Ihrybauer routiniert gespielten Weisen, erzeugte dabei sehnsüchtige Klänge, die an Zeitlupenstudien von Mädchen mit fliegenden Zöpfen beim Tanz denken ließen. Harald Binder unterstützte zumeist an der Bodhran gekonnt die dynamischen Elemente, bei genauer Betrachtung wurde eindeutig klar, dass es sich bei den Dreien um sensible Musiker handelt, die ohne viele Worte mit einander kommunizieren und auch bei improvisierten Teilen nie den Bezug zu einander verlieren. Besonders ein paar gut gewählte Ausflüge in Jazz-Harmonien verrieten die Vielseitigkeit der Musiker und ließen die mittelalterlichen Melodien in ganz neuem Licht erscheinen.

Klanglich in Watte gepackt

Besonders Andreas Neumeisters Stimme ist hervorzuheben, die er in typischer Folk-Tradition einsetzt: wüsste man es nicht besser, so könnte man dem Klang entnehmen, dass die Stimme ungeübt sei, die Treffsicherheit und Emotionalität lassen jedoch den Schluss zu, dass jeder Ton bewusst gesetzt und gewählt ist. Diese besondere Klangfarbe, ungekünstelt und natürlich bewirkt eine Nähe, die direkt ins Herz geht. Die Unterstützung durch den feinen Klang von Matthias Ihrybauers Dudelsack und Harald Binders genau getimten Percussioneinsatz rahmt die Samtstimme von Andreas Neumeister perfekt ein.

Die CD im Vergleich zur Live-Performance

Die rein instrumentalen und lebhafteren Stücke, die auf der CD zwar routiniert gespielt wirken und professionell aufgezeichnet wurden, erhalten erst in der Live-Performance ihre Energie. Bei Experimenten wie einer Improvisation über "Sweet Home Alabama" – übrigens in der Tonart mixolydisch gehalten – und schwungvoll interpretierten Saufliedern wie "Der Papst und der Sultan" werden die Vorteile einer Konzertsituation klar. Der Funke kann viel besser auf das Publikum überspringen, die Stimmung der Musiker kann sich besser übertragen.

Nichts desto trotz ist ein Kauf der CD sicherlich eine gute Investition, die Klangqualität unterstreicht die Professionalität der Musiker. Um sich die langsameren Nummern als Live-Erlebnis vorstellen zu können, muss man nur die Augen schließen und mitfliegen.


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