Miroque VIII - Vermaledeyt
Der Viper Room als große Konzertlocation
16. 12. 2009 - 10:45
Martina Glanzl
Ein Geburtstag, eine großartige Band und viel gute Stimmung – das sind die Zutaten für eine weitere gelungene Folge der erfolgreichen "Miroque"-Veranstaltungsreihe, die am vergangenen Samstag, dem 5. Dezember bereits zum 8. Mal stattgefunden hat.
Das Wochenende war denkbar gut gewählt - fand doch im Heeresgeschichtlichen Museum der alljährliche Mittelalter-Weihnachtsmarkt statt. So konnte die feierlustige Meute vom HGM direkt weiter zum Miroque ziehen. Zudem hat auch der Herausgeber dieses Magazines sich dazu überreden lassen, seinen 35. Geburtstag im Kreise seiner Freunde aus der Mittelalterszene zu feiern - ein weiterer Grund, an diesem Samstag in den Viper Room im 3. Wiener Gemeindebezirk zu kommen.
Warm-up mit DJ Julu
Die "Aufwärmrunde" vor dem Konzert übernahm DJ Julu, der es wieder einmal schaffte, die Feiernden bereits vor dem Hauptact des Abends zum Tanzen zu bringen. (Fast) kein Besucherwunsch blieb unerfüllt, und trotzdem ergab die Musikkulisse ein stimmungsvolles Ganzes. Der Viper Room wurde für diesen speziellen Anlass ganz besonders herausgeputzt: Kunstdrucke von Buchmalerei und historischen Abbildungen im Posterformat wurden vom Verlagshaus Adeva zur Verfügung gestellt und mit Efeuranken geschmückt. Damit verfügte die Veranstaltung bereits zum zweiten Mal über eine spezielle Deko. Es ergab sich ein stimmungsvolles und passendes Ambiente im Viper Room- Keller.
Wollte man etwas ausruhen und ruhigere Klänge genießen, und hatte man sich durch die Menschenmassen und die gewandete und gerüstete Ehrengarde von Prima Nocte im Eingangsbereich "durchgepaudert", dann konnte man im Second Floor, der oberen Bar, zu ruhigeren Klängen von DJ Saupp relaxen. Geld ausgeben konnte man bei den altbekannten Verkaufsständen von Fantasy Flagship und Minerva by Georgie sowie auch erstmals beim "Buchportal", dessen Gründer erstmals die Mittelaltersaison bestritten hat und ein umfangreiches, an die Bedürfnisse der Mittelalterszene angepasstes, Buchprogramm bietet.
Hauptact aus dem Nachbarland: Vermaledeyt
Kurz nach 23 Uhr war es dann so weit: die speziell für das Miroque angereiste süddeutsche Gruppe „Vermaledeyt“ betrat die Bühne. Gleich beeindruckten sie damit, sieben Musiker sowie alle wichtigen Instrumente auf der bescheidenen 5 x 5-Meter Bühne des Viper Room unterzubringen. Doch damit nicht genug: die Band lieferte auch noch eine beeindruckende Bühnenshow! Hier wurde tatsächlich eine gemeinsame Choreographie präsentiert, und somit waren Vermaledeyt nicht nur musikalisch, sondern auch optisch (abgesehen von großen Mengen nackten Haut nebst beeindruckenden Tätowierungen, die reichlich gezeigt wurden) ein Genuss. Da man ja nicht oberflächlich sein und sich nur auf das Äußere beziehen soll, muss natürlich auch die musikalische Darbietung der Gruppe besprochen werden: altbekannte Nummern ("Schirazula") sowie Eigenkompositionen wechselten sich ab. Die Marktsack-lastige Instrumentierung wurde von kräftiger Percussion unterstützt: melodische Tanzmusik, die ins Ohr geht, ein bisschen an Corvus Corax erinnert, aber melodiöser und daher unverkennbar anders ist. Das schien auch das Publikum so zu sehen, das die Tanzfläche hüpfend, wiegend und tanzend füllte.
Außergewöhnlich auch die Musiker: anders als in vielen Gruppen "üblich", handelte es sich um sechs Musiker und eine Musikerin, die neben Chello und Flöten auch einen Marktsack spielt. Wobei Viviane, die zierliche Frontfrau, noch dazu die Bandleaderin zu sein scheint! Vermaledeyt sind eine relativ junge Band, der aber eine große Zukunft vorhergesagt wird – davon konnten sie an diesem Abend sicherlich alle Besucher überzeugen.
Glückwünsche und Party
Schließlich wurde es Zeit, dem Geburtstagskind zu gratulieren, was Michaela Buchhas von den "Viatores Vitiosus" und die Autorin dieser Zeilen als "Stand-In" für die leider krankheitshalber ausgefallene Andrea Eberl übernahmen. Mit etwas Überredungskunst war es sogar möglich, Florian zu einer kleinen Ansprache zu bewegen. Auf diesem Wege noch einmal herzlichen Glückwunsch im Namen des gesamten Huscarl-Teams!
Nach den Glückwünschen wurden Vermaledeyt vom begeisterten Publikum noch zu einer ganzen Reihe von Zugaben genötigt, bis sie schließlich doch die Bremse zogen – sonst würden sie wohl heute noch im Viper Room spielen...
Sogleich übernahm DJ Julu wieder das DJ-Pult um die Menge mit sehr tanzbarer Musik zu unterhalten, welche auch tatsächlich gut geeignet war, die Tanzbegeisterten am Parkett zu halten. Doch nach einigen Minuten, die nicht allzu lange erschienen – ertönten wieder Liveklänge.
Kaum hatten die Musiker ein wenig getrunken und ausgeruht, schnappten sie sich schon wieder ihre Dudelsäcke und gaben ein spontanes Zusatzkonzert mitten auf der Tanzfläche. Die spontane und unerwartete Zugabe inmitten des Publikums dauerte nochmals etwa eine Stunde und wurde begeistert gefeiert. Bei Vermaledeyt merkt man glücklicherweise sehr viel Energie und Freude an der Musik, die sich durch Einsatzbereitschaft zeigt und vom Publikum dementsprechend aufgenommen wird. Wiederum wollte das Publikum sie gar nicht gehen lassen – aber irgendwann war dann doch Schluss und die Tanzfläche wurde wieder meisterlich von Julu beschallt. Bis etwa 6 Uhr soll gefeiert worden sein, hat sich die Autorin sagen lassen - zu dieser Zeit lag sie selbst aber schon sanft schlummernd in ihrem Bettchen...
HINTER DEN KULISSEN
Die Band war nicht nur musikalisch ausgezeichnet, auch bei der Technik handelte es sich um Profis, die Equipment zum Auftritt mitbrachten, das für den Veranstaltungsort sonst unbezahlbar gewesen wäre. In Kombination mit den erfahrenen Technikern von Plugged Records wurde ein Klang- und Tonerlebnis realisiert, wie es der Viper Room noch nie gesehen hat. Alleine die Lichtshow war für die Location ungewohnt herausragend und erzeugte gemeinsam mit der Darbietung das Gefühl einer "großen Show".
Vor dem Auftritt hatte die Band noch Sorge, dass sie in Österreich "kein Mensch kennt" und somit auch "niemand hören wolle". Unterstützt wurde die Angst von der Tatsache, dass das Publikum erst pünktlich zu Beginn der Liveshow eintraf und man zuvor vor einer recht leeren Halle stand. Doch dann hatte das Zittern ein Ende und Vermaledeyt zeigte sich begeistert vom herzlichen Empfang in Österreich, was die zahllosen Zugaben bezeugten.
Bedauerlicherweise kam es während des Konzertes erstmals in der Geschichte der Miroque-Reihe zu einer handfesten Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Gästen. In Folge wurde ein unbeschränktes Hausverbot ausgesprochen - Mittelalterfeste aller Art gelten als friedlich und sicher - und müssen das auch bleiben.
Die Wechselwirkung mit dem Weihnachtsmarkt im HGM funktionierte nur halb so gut wie geplant. Viele Gäste des Weihnachtsmarkts kamen nicht mehr in den trotzdem sehr gut gefüllten Viper Room, weil sie befürchteten, nichts mehr vom Konzert mitzubekommen. Doch wer den Weg wagte, wurde belohnt, denn die Beginnzeit war mit dem HGM abgestimmt worden und auf 22:45 verlegt worden - somit verpasste keiner der Anwesenden etwas.
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