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(C) Simone Huber

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HEU FORTUNA
Musik zur Zeit Philipps IV. des Schönen

14. Internationales Pfingstfestival Feldkirchen
Mittelalter bis Barock

4. 6. 2009 - 19:00
Simone Huber

Von 29. – 31.Mai 2009 fand im Kulturzentrum Amthof Feldkirchen im schönen Kärntnerland das 14. Internationale Pfingstfestival unter dem Motto "Vom Mittelalter zum Barock" statt. Jeden Abend unterhielten internationale Stars aus Kanada, Italien, Slowakei und Deutschland das interessierte Publikum im großen Hauptsaal. Das kanadische Ensemble "La Rota" feierte mit "HEU FORTUNA" am Freitag seine Europapremiere im Amthof – und Huscarl war dankenswerterweise eingeladen, dabeizusein.

Frankreich, Ende der Blütezeit des 13. Jahrhunderts. Wir befinden uns nun am Hofe Philipps IV. des Schönen, in der Hochkultur der Trouvéres. Unter seiner Regentschaft erlebte Frankreich eine Blütezeit der Kunst und der Musik. Die Musiker von La Rota verstehen es perfekt, Lieder der Trouverés, Estampien sowie auch Motetten der Ars antiqua und der Ars nova gekonnt und fesselnd darzubringen. Das Ensemble spielt nicht nur Stücke von anonymen Komponisten, sondern auch von Meistern der damaligen Zeit, wie beispielsweise Guiot de Dijon, Blondel de Nesles, Gillebert de Berneville und Phillippe de Vitry. Letzteren großen Geist verdankt das Quartett auch den Namen Ihrer Tour "HEU FORTUNA".

Wohlige Schauer...

Gleich zu Beginn des Konzertes laufen den Zuhörern wohlige Schauer über den Rücken. Sarah Barnes, Soprano des Ensembles La Rota, zieht den gesamten Saal in ihren Bann, als sie – anfangs nur durch ein paar vereinzelte Töne der Drehleier begleitet – zu singen beginnt. Nicht nur Sarahs engelsgleiche Stimme, sondern auch die unvergleichliche Ausstrahlung der ganzen Gruppe macht dieses Konzert zu einem ganz besonderen Ereignis. Liebevolle Details, wie beispielsweise bei Esteban La Rotta, der seine Knicklaute mit einem Federkiel (das Plektron des Mittelalters) spielt, runden die ohnehin vor Faszination und Entspannung gefüllter Atmosphäre ab. Gänsehautfeeling, als Sarah Barnes (Sopran), Tobie Miller (Sopran) und Esteban La Rotta (Tenor) gemeinsam singen, begleitet von Émilie Brûlé, die im Spiel mit der Fidel die Welt um sich herum zu vergessen scheint.

Unvergleichliche Klangfarbe und Virtuosität

Der unvergleichliche Klang, farbig, leidenschaftlich, voller Energie – einfach unbeschreiblich. Man kann sich nur anderen Rezensionen über La Rota anschliessen, in denen in höchsten Tönen von der Klangfarbe, der instrumentalen Virtuosität und der schier unerschöpflichen Improvisationskunst geschrieben wird und ein Lob auf das andere folgt. Ein Konzert, bei dem man es kaum wagte zu atmen, aus Angst man könne die Virtuosen stören. Ein Konzert, zu dem einem nahezu die Worte fehlen, zu dem die Stimmung kaum zu beschreiben ist. Man könnte sagen, der gesamte Saal stand unter dem Bann von La Rota. In der Pause ging regelrecht ein Aufschnaufen durch die Menge, die wohl lange den Atem angehalten hatte.

Das Ensemble

Die vier begnadeten Musiker lernten sich an der McGill University in Montral, Kanada kennen und gründeten 2002 das Ensemble La Rota. Nach kürzester Zeit schon gewannen sie renommierte Wettbewerbe, wie beispielsweise den CBC Galaxie/ Montreal Baroque Competition oder 2006 den Early Music America Award in New York. La Rota spielte bei den bedeutendsten Alte-Musik-Festivals in den USA wie auch in der kanadischen Heimat. Unter dem kanadischen Label "Atma" erschien 2007 die erste CD des vierköpfigen Ensembles.

Sarah Barnes, die mit einer unvergleichlich fesselnden Sopranstimme begeistert und der nicht nur die Leidenschaft, sondern auch die Opernerfahrung selbst für einen Laien anzuhören ist. Tobie Miller, die ihre musikalische Laufbahn bereits im Alter von 3 Jahren begann und heute mit Gesang wie auch dem Spiel auf Drehleier und diversen historischen Flöten glänzt. Èmilie Brûlé, die ursprünglich über die klassische Violine die Liebe zur Fidel gefunden hat und neben La Rota noch im Folk-Ensemble Feux d’Archetistes ihr Talent beweist. Esteban La Rotta, der Hahn im Korb, dem anzusehen ist, wie sehr er im Spiel von Laute und Harfe, wie auch im Gesang als Tenor aufblüht und der auch im Barock-Ensemble "La Fiorenza" seinen Platz gefunden hat.

Nicht enden wollender Applaus

Am Ende des zweieinhalb stündigen Konzertes wurden die Ensemble-Mitglieder mit einem nicht enden wollenden Applaus insgesamt fünfmal wieder auf die Bühne zurückgeholt, wo sie schlussendlich noch drei Zugaben spielten. Die vier Kanadier verloren am Ende beinahe die Fassung, da sie offensichtlich nicht im Entferntesten mit einem solchen Erfolg gerechnet hatten. Doch Ehre wem Ehre gebührt. Für uns war es ein unvergessliches Erlebnis, welches nicht annähernd mit der uns bekannten Markt- oder Rittermahlmusik mithalten bzw. verglichen werden kann. Ein Kontrast wie bei Metal und klassischer Musik, jedoch mit verwandten Ursprüngen.


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