huscarl.at
EditorialMarktlebenWissenschaftMusikKulturVereineChronikVermischtesKurzWahlRadioVideoSzeneSuche
in der Community anmelden
Bildquelle Spinningwheel
Spinning Wheel, eine langjährig erfahrene Band aus Niederösterreich, hat sich träumerischen irischen Klängen verschrieben.

Bildquelle Spinningwheel
Die aktuellste CD der Gruppe ist ein "Best Of" namens "Selection 1999-2005" und kann über die Bandhomepage bestellt werden.

Spinning Wheel
Klassischer Celtic Folk aus Österreich
25. 2. 2009 - 8:00
Florian Seidl

Der Sound von Spinning Wheel ist rasch umrissen: Irish Folk, sauber dargeboten und ohne elektrische Verstärkung verfälscht. Von schwungvolleren Tänzen bis zu den klassischen, schmerzvollen Märchen- und Liebesballaden ist alles vorhanden, was von dieser Musikrichtung erwartet werden kann.

Auffallend am Sound des seit 1999 aktiven Trios ("Esch", Bernhart und Danika Ruso) ist die charismatische, lyrische Singstimme von Danika Ruso, begleitet von Akkordeon, Geige, Gitarre und der unvermeidlichen Tin Whistle. Die Auswahl der Werke ist oberflächlich betrachtet ebenso wenig überraschend wie die Interpretation. Überraschungen bleiben aus, die einschlägigen Erwartungen an den Musikstil werden nicht enttäuscht.

Musik und Originaltext bilden eine Einheit

Die häufige Verwendung von keltisch-gälischen Originaltexten unterstreicht den puristischen Zugang: Musik und (Original)Text bilden für die Künstler eine Einheit, die durch Übersetzungen eher verwässert würden. Darum nehmen Spinning Wheel gerne die Mühe des keltischen Originaltexts auf sich. Hilfreich dabei ist sicher die Anglistik-Ausbildung von Danika Ruso.

persönliche Wurzeln
in der Liverollenspiel-Szene


Auffallend ist bei der Selbstdarstellung der Band auf einer recht stimmigen Homepage, dass die Bandmitglieder sich aus der Mittelalterszene bzw. vom Liverollenspiel her kennen. Die Anfälligkeit für mystisch-romantische Texte und die stimmungsvolle Interpretation (die deswegen aber nie in Postkartenkitsch abgleitet) sind möglicherweise ein Resultat dieses Zuganges.

Musikalische Geschichten erzählen

An der irisch-keltischen Musik schätzen Spinning Wheel vor allem die unverwechselbare Poesie: "Die Texte der traditionellen österreichischen Musik befassen sich eher mit Augenblicksstimmungen und Gefühlen, erzählen aber nur selten richtige Geschichten mit Handlung. Die Lieder der britischen Inseln dagegen sind voll davon", so Bernhart Ruso. "Die Liedinhalte lassen sich tatsächlich als Geschichten nacherzählen. Das ist es unter anderem, was diese Musik für uns so interessant macht."

Schwerpunkt Irish Folk

Der musikalische Entwicklungspfad führt derzeit in klassische Gefilde des Irish Folk und nicht zuletzt aus Zeitmangel weniger in die der mittelalterlichen Musik. Das Fehlen eines mittelalterlich angehauchten Programms könnte somit einem Auftritten bei streng authentischen Mittelalterfesten im Wege stehen. Wer aber auf der Suche nach heimischen Interpreten des klassischen Irish Folk Sounds mit Schwerpunkt auf stimmungsvollen Balladen ist, der wird Spinning Wheel sicherlich gerne zuhören. Und auch bei Hochzeiten ist die Band des öfteren zu hören - ideal für Paare, die Romantik lieben, Livemusik schätzen und sich etwas außergewöhnliches für ihren ganz besonderen Festtag wünschen.


Im Anschluss ein kurzes Interview, das Florian Seidl mit der Band führte:

Woher kommt die Affinität zu gälischen Texten? Für eine österreichische Band wirken keltische Texte eher exotisch, oder gibt es dafür einen besonderen Grund?

Danika hatte in Ihrem Anglistikstudium viel mit Sprachwissenschaft zu tun und bringt ihre Liebe zu den keltischen Sprachen in die Band ein. Sicherlich wäre es einfacher (und verständlicher), die Texte in Deutsch oder Englisch zu singen, aber gerade die Fremdartigkeit und die klangliche Ästhetik dieser Sprachen machen für uns den besonderen Reiz aus. Letztlich darf man nicht vergessen: Musik und Text dieser Lieder bilden eine Einheit - und eine Übersetzung kann niemals besser sein als das Original.

Das Liverollenspiel als verbindendes Element der Bandmitglieder wird auf der Homepage auffällig betont. Hat das Einfluss auf die Auswahl der Stücke?

Die Einflüsse auf unsere Musik kommen mittlerweile fast ausschließlich aus der traditionellen Folkmusik Europas. Das Liverollenspiel und die Mittelalterszene waren in der Tat der Hindergrund, vor dem die Bandmitglieder sich zusammengefunden haben, beides hat aus Zeitgründen jedoch nicht mehr den Stellenwert, den es einmal hatte. In unserer jetzigen Lebenssituation (Bernhart und Danika haben mittlerweile zwei Kinder) sind wir schon froh, wenn wir ein paarmal im Jahr Musik spielen können. Der Wunsch, ein reines Fantasy-Programm auf Liverollenspielen und in Konzerten zu spielen geistert schon seit der Bandgründung in unseren Köpfen herum. Bis zur Verwirklichung wird es aber noch einige Zeit dauern. Frühestens dann, wenn das Liverollenspiel wieder aktuell bei uns wird (also in 10 Jahren, wenn die Kinder alt genug sind zum mitspielen ;-)).

Wie wichtig ist die Frage von Fantasy versus Authentizität für Euren Musikstil?

Alles ist authentisch und gleichzeitig gibt es Authentizität nicht. Jede Form künstlerischen oder handwerklichen Ausdrucks ist immer vom gesellschaftlichen Kontext des hier und heute mitgeprägt. Daher kann heute nichts authentisch "alt" sein. Da das aber immer so war ist alles authentisch.

Auf Eurer Homepage heißt es: "Keltische Lieder erzählen von Leid und Liebe; Weinen und Lachen; von menschlicher Grösse und Schwäche; von Geburt und Tod. Mit Musik wollen wir diese Geschichten, die Wurzeln unserer Gesellschaft, hörbar und erlebbar machen." Warum finden sich diese Wurzeln in keltischen Liedern eher als etwa in einheimischer Folklore oder mittelalterlichen Musiküberlieferungen? Was ist das Faszinierende am Celtic/Irish Folk?

Die Texte der traditionellen österreichischen Musik befassen sich eher mit Augenblicksstimmungen und Gefühlen, erzählen aber nur selten richtige Geschichten mit Handlung. Die Lieder der britischen Inseln dagegen sind voll davon: Mädchen, die als Männer verkleidet zur See fahren, Geschichten von Verführern, die auf dem Weg zum Markt Mädels aufreißen, Intrigen, Strassenräuber, Mörder. Die Liedinhalte lassen sich tatsächlich als Geschichten nacherzählen. Das ist es unter anderem, was diese Musik für uns so interessant macht.

Die Biographie der Bandmitglieder verrät nichts über den Ausbildungsstand- verbirgt sich da beim einen oder andren eine klassische Instrumentenausbildung oder seid ihr Autodidakten?

Danika hat eine klassische Gesangsausbildung, Markus hat Gitarrenunterricht genossen. Darüber hinaus sind wir, bis auf die eine oder andere Unterrichtsstunde bzw. Musikworkshops Autodidakten.

Sind Auftritte auf Mittelaltermärkten ein Thema für Euch oder waren das in der Vergangenheit die Ausnahmen?

Da wir uns in unserem Programm im Laufe der Zeit immer mehr der traditionell keltischen Musik mit modernen Einflüssen verschrieben haben ist das momentan kein Thema für uns. Die Auswahl der Hauptinstrumente (Gitarre, Querflöte, Pianoakkordeon) wäre wohl auch nicht wirklich passend dafür. Ein echtes Mittelalterprogramm, dass wir guten Gewissens als authentisch oder zumindest "historisierend" auf Mittelaltermärkten präsentieren können, ist mit Spinning Wheel in dieser Besetzung daher nicht geplant.

Euer Genre ist ja nicht unbedingt der Mittelalter-Szene zuzuordnen - war dies jemals ein Thema, sich näher mit Mittelalter-Musik zu beschäftigen?

In der Anfangszeit von Spinning Wheel haben wir das Spinnrad einfach mal in Gang gesetzt und geschaut, wo es uns musikalisch hinbringt. Aus den diversen Einflüssen (Fantasy, Mittelalter, Renaissance Folk, Rock) hat sich schliesslich Folk durchgesetzt und gibt nunmehr seit einigen Jahren bei uns den Ton an. Unser Repertoire besteht heute zur Gänze aus traditionellen und zum Teil komponierten Songs und Tunes aus dem Folk-Repertoire.

Ein mittelalterlich angehauchtes Programm mit ensprechenden Instrumenten ist ein langgehegtes Projekt von Danika und Bernhart, das jedoch wegen Zeitmangel sicherlich noch ein paar Jahre auf sich warten läßt. Wenn dieses musikalische Projekt schliesslich umgesetzt wird, dann unter einem anderen Namen als Spinning Wheel. Bis dahin üben wir noch fleißig auf Harfe und Nyckelharpa...

Vielen Dank für Eure Zeit


Weiterführende Links:



Isi's Spezereyen

Der Bogenstand Gesierich

Kultur- und Veranstaltungsgemeinschaft Eulenspiel

Fantasy Flagship




Noch schneller informiert:
Huscarl auf Facebook



Dieser Huscarl-Artikel ist mir eine kleine Spende wert:




Du erhältst derzeit keine E-Mail-Benachrichtigung, wenn
neue Kommentare zu diesem Artikel verfasst werden. Ändern.