Nach langen Unsicherheiten, ob das Fest überhaupt abgehalten würde, fand am Wochenende vom 30. 8. - 31. 8. 2008 unter Veranstalter Steirerkrone ein sogenanntes Ritterfest in der Grazer Altstadt statt. Das Fest, an deren Durchführung auch das Land Steiermark und das Landesmuseum Joanneum beteiligt waren, wurde in relativ kurzer Zeit aus dem Boden gestampft und auch erfolgreich beworben. Wahre Menschenmassen, laut Veranstalter bis zu 70.000 Personen, drängten sich durch die Straßen, und an allen Ständen wo Handwerk vorgeführt wurde, bildeten sich Trauben von interessierten Festbesuchern. Teilweise war der Andrang so hoch, dass es schier unmöglich wurde, Bildberichterstattung zu betreiben. Doch wie muss man sich so ein Ritterfest mitten in einer Landeshauptstadt vorstellen?
Die Anfahrt erwies sich zumindest für Ortsfremde als etwas schwierig, da das Fest außerhalb der Altstadt nicht mit Wegweisern bedacht war und die stadteigenen Hinweistafeln Richtung Altstadt nicht sehr hilfreich waren. Im Vergleich zur lokalen Bevölkerung, die mittels Kronenzeitung genaue Lagepläne ins Haus geliefert bekamen, war die neugierige Redakteurin etwas im Hintertreffen. Die Parkplatzsuche gestaltete sich ebenfalls problematisch, da die Parkplätze in diesem Stadtteil eher rar gesät waren. Das Fest selbst zog sich über mehrere Straßen und Plätze, die dann aber mit sehr schönen Wegweisern, die auch oft das Programm enthielten, bestückt waren. Dazwischen standen auch hilfreiche Menschen, die Programme mit Lageplan verteilten. Leider waren sie nicht gewandet und so wusste man im ersten Moment nicht, was man da mit freundlichem Lächeln in die Hand gedrückt bekam. Ein Blick auf den Ritter mit dem Schriftzug der Kronenzeitung auf seinem Schild klärte aber schnell auf.
Mit der Straßenbahn ins Mittelalter
In der Herrengasse begann die Marktstraße. Dort befand sich auch das Landeszeughaus, das man an diesem Wochenende bei freiem Eintritt besuchen konnte, was von den Besuchern reichlich angenommen wurde. Am Straßenrand hielten Marmelade-, Schmuck- und Filzspielzeughändler, wie auch der Seifenstand oder der Strudelbäcker die Stellung. Trotz Straßenbahn, Eisgeschäften und Boutiquen im Hintergrund versuchten Sie als Gegenüber einen mittelalterlichen Eindruck zu hinterlassen, auch wenn manche Stände damit größere Probleme hatten. Ein einsamer Lederstand bewachte etwas verloren die andere Straßenseite.
Ein Stück weiter befand sich der Landhaushof, wo Kinder bei Bastelstationen hübsche, funktionstüchtige Trommeln basteln konnten. Außerdem konnten sie sich in verschiedenen Rittertugenden oder beim Armbrustschießen versuchen.
Mama, was macht der Mann da?
Weiter die Herrengasse entlang, befand sich der Hauptplatz mit dem angekündigten historischen Markt. Neben dem obligaten Stand, wo man seinen Sprösslingen Holzschwerter und Ritterhelme kaufen konnte, stand Ulf der Schmied mit seiner Schauschmiede, wie direkt aus dem Mittelalter entsprungen. Direkt daneben befand sich ein weiterer Schmied, offenbar aus der Gegend, mit Werbeshirt und Elektroesse.
Gegenüber davon waren die Pilemaker am Werk, wo man trotz seltsamer Fragen einiger nicht mehr ganz nüchterner Zeitgenossen, die Ruhe behielt und freundlich sein Handwerk vorführte. Eigentlich sollte sich auch die Bocksche Werkstätte dort einfinden, aber leider musste diese aus Krankheitsgründen absagen. Einige Verkaufsstände rundeten dann das Bild ab.
Fliegende Japanfische und Zeitungsabonnements
Durch die Sporgasse hinauf, durch die immer wieder Gaukler von Jakotopia zogen, die mit wunderschönen Luftfischen in japanisch angelehnten Kostümen ihre Tänze absolvierten, kam man zum Freiheitsplatz. Dort befand sich die Bühne, auf der zu bestimmten Zeiten die Haga Skalden und Abinferis spielten. Abinferis war diesmal mit einem fünften Mitglied zu hören, dessen quirlige Art der Gruppe eine neue Facette hinzufügte. Abends, beim Schlusskonzert der Spielleute, kam wieder Taranis zu Zug, der meterhohe Feuersäulen produzierte, oder die Flammen leckte, wie andere Menschen Eis. Seine Tochter Nerena untermalte das Spektakel mit geschmeidigem Bauchtanz.
Links und rechts neben der Bühne war das Lager der Turnierritter zu Judenburg, die den interessierten Besuchermassen tapfer Rede und Antwort standen. Gegenüber der Bühne konnte man, sofern man durch die Massen kam, beim Wilden Wikinger ein Glaserl Met trinken und dabei dem Schandgesellen Kolk lauschen, was immer ein akustischer Leckerbissen ist. Seitlich platzierte sich der Stand der Kronen Zeitung, wo man unter bunten Schirmchen an einem Gewinnspiel teilnehmen konnte.
Odin hilf!
Durch die Hofgasse gelangte man zum "Burghof", wo sich ebenfalls sehr schöne Lager, wie zum Beispiel von Bluot zi Bluoda oder die Soldknechte - Compania Carantania befanden. Ebenfalls dort angesiedelt war der große, mit kompakten Holzbalken umzäunte Turnierplatz. Dort sah man das Showteam Kaiser bei ihren Turniervorführungen oder verschiedene Schaukämpfe. Zwischendurch erklangen, die unvermeidlichen "Odin" Rufe, wir nehmen an von Festbesuchern. Vermutlich war das die Einstimmung, damit sie trotz Zielwasser aus Trinkhörnern ein Stück weiter im kleinen Burghof Bogenschießen, Messer oder Axtwerfen in Angriff nehmen konnten.
Der verschollene Künstler?
Verwundert war übrigens Torxes von Freygeyst, mit dessen Bildnis die Kronenzeitung am Freitag und Sonntag für das Fest warb. Wer die Zeitung las, kam eindeutig zum Schluss, dass Torxes dort am Platz der Gaukler und Stelzengeher auftreten würde. Wer ihn suchte, erlebte aber eine Enttäuschung: Der Künstler, der noch nie einen Auftritt abgesagt hat, war nicht da. Er hätte sich wohl auch schwer getan, war er doch am selben Wochenende in Golling gebucht und absolvierte dort Auftritte und Feuershow. Des Rätsels Lösung lag in der Bildverwendung durch die Kronenzeitung, die mit Torxes diesbezüglich keine Rücksprache gehalten hat. Eigentlich darf das Bild eines Menschen, egal ob Künstler oder "normale" Privatperson, ohne Einwilligung der abgebildeten Person nicht zu Werbezwecken genutzt werden. Nach ersten Aussagen vom verständlicherweise befremdeten Torxes soll diese Sache noch ein Nachspiel haben.
Vorgeschichte
Etwas seltsam war auch die Vorgeschichte der Veranstaltung, die eigentlich schon im Frühjahr 2008 hätte stattfinden sollen. Dazumals war eine Kooperation zwischen Zeughaus und Joe Hofbauer angedacht, der auch für die Betreuung der Mittelalterveranstaltungen auf der Schallaburg im Jahr 2007 zuständig war. Was genau dazu führte, konnte nicht recherchiert werden, aber man trennte sich und Herr Hofbauer gab bekannt, dass das Fest abgesagt wäre. Dass die Veranstaltung im August stattfinden würde, kam für viele als eine sehr kurzfristige Überraschung.
Gutes und Verbesserungswüdiges
Zu den Pluspunkten des Festes kann man die wegweisenden Banner, die Lagergruppen, Schaukämpfer und einen Grossteil der Händler und Handwerker und der Musiker zählen. Auch der freie Eintritt, sowohl zum Fest als auch in die Museen, war ein sympathisches Angebot das gewaltigen Anklang fand. In so kurzer Zeit so viel, teilweise gar Hochwertiges, zu bewerkstelligen ist eine Leistung, die man anerkennen muss. Die Grazer Bevölkerung dankte es mit Begeisterung und viel Interesse. Vielleicht können uns unsere Grazer Leser beantworten, ob man in dieser Stadt immer so sehr in Festlaune ist und zahleich daran teilnimmt, oder ob die Stadt vielleicht gar ausgehungert nach dieser Art von Fest ist.
Was mir persönlich nicht gefallen hat, war die Zerrissenheit der Veranstaltung und die Lage einzelner Festteile. Auch wenn einige Handwerkstände wunderbar historisch waren, ruiniert die dahinter vorbeifahrende Straßenbahn den Eindruck wieder. Ein perfekt dekorierter Händlerstand verliert gegen eine Boutique als Gegenüber. Viele wirklich schöne Sachen gingen im Trubel der Reizüberflutung unter. Die weniger passenden allerdings glücklicherweise auch. Ob es als Option möglich wäre, das Geschehen in Richtung "Burghof" und Freiheitsplatz zu verlegen und damit auch räumlich zu komprimieren, ist meine Frage an die Organisation. Vielleicht könnte man so dem historischen Flair noch mehr Chancen einräumen.
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