Was ist schlimmer, als einen Bericht für Huscarl.at schreiben zu müssen? Richtig, einen schreiben zu müssen und es nicht im vorhinein zu wissen. Denn dann achtet man auf viele Details nicht, wie zum Beispiel Namen von Gruppen oder Händlern, macht nur Fotos von der eigenen Umgebung, und so weiter. Gottlob gibt es ja aber ohnehin schon einen "offiziellen" Bericht des Veranstalters, in dem alle wichtigen Eckdaten erwähnt sind, und so kann es meiner Wenigkeit vorbehalten bleiben, einen eher subjektiv gefärbten Stimmungsbericht aus Teilnehmersicht abzuliefern.
Eines mal vorweg: Hut ab vor der Organisation bzw. im besondern Herrn Wilfried Löcker. Ich habe mich in den zehn Jahren, in denen ich in der Mittelalterszene unterwegs bin, in Österreich als Lagergruppe noch selten so gut betreut gefühlt wie in Mauterndorf. Ein wirklich schöner Lagerplatz im Grünen, was bei einem Stadtfest ja nicht so selbstverständlich ist, ausreichend Feuerholz, eine moderne Volksschule mit menschenwürdigen Sanitäranlagen in gehbarer Entfernung und Samstag Abend ein leckerer Eintopf – was will man mehr?
Natürlich gibt’s immer einen kleinen Wermutstropfen, für den der Veranstalter aber nichts kann: Leider haben sich wirklich wenige Besucher nach Mauterndorf verirrt (was sehr schade ist), und von diesen leider noch viel weniger zum Lagerbereich. Hier wäre es vielleicht schön, wenn man diesen noch "aggressiver" bewerben könnte, denn die anwesenden Gruppen waren fähig und willens, den Besuchern Einblicke ins Lagerleben der verschiedenen Epochen zu bieten ... wenn die Besucher denn auch gekommen wären. So war man zumeist länger unter sich, als einem lieb war.
Markt und Gastro im oberen Bereich der Skala
Zum Markt selber ist zunächst einmal zu sagen, dass hier noch Platz für mehr Stände gewesen wäre, die anwesenden Stände sich aber – bis auf wenige Ausreißer - zum Großteil in der oberen Hälfte des Qualitätsspektrums befanden. Gut, die Überdrüber-"A"-Standeln für den Reenactor mit Qualitätsanspruch fehlten zwar (oder waren, wie z.B. der Stand von Rüstungsschmied Pavel Marek zu klein geraten), aber dafür wussten andere, nicht unbedingt hochauthentische Waren durchaus zu gefallen (wie beispielsweise der Chillimet des Metstandes, dessen Namen meinem Nudelsiebhirn entfallen ist – ich weiß nur, dass es keiner der "üblichen Verdächtigen" war ...).
Die angebotene Gastronomie war zahlreich, und teilweise auch (neben den leider obligatorischen "Ritterburgern", die aber gottlob in der Minderzahl waren) mit Liebe zum Flair angerichtet, wie die Zwiebelsuppe im Brotteig oder das selbstgebraute Klosterbier, das leider viel zu schnell den Status des Geheimtipps beendete und somit viel zu rasch aus war.
Gemischtes Programm mit verstecktem Jux
Auch zum dargebotenen Programm einige Worte, wenn ich persönlich auch nicht alles mitbekommen habe: Musikalisch boten Ebriosi (phasenweise verstärkt durch Kratla von Rhiannon) das, was sie am besten können, kurzweilige, unterhaltsame Marktmusik. Die Gruppe Saltarello.at ist bedauerlicher Weise meiner Aufmerksamkeit entgangen, und was die Trommeln von "Okumikawa" betrifft, so war bzw. bin ich hier einfach ziemlich gespalten: Zum einen fand ich die Darbietung schlicht und ergreifend großartig und faszinierend, und würde mir jederzeit einen ganzen Abend mit dieser Gruppe etwas kosten lassen. Zum anderen hat sich für mich leider der Konnex mit dem (europäischen) Mittelalter nicht gerade aufgedrängt...
Was ich leider auch nicht bemerkt habe, waren Gaukler. Ich entnehme zwar dem offiziellen Bericht, dass es offenbar eine Art Walking Act mit Handpuppe gegeben hat, aber es scheint, als hätte er es geschafft, zwei Tage lang komplett meiner Aufmerksamkeit zu entgehen. Hier wäre vielleicht ein etwas größerer Programmpunkt schön gewesen.
Feuershows gab es gleich von zwei Gruppen. Zum einen von der Schaukampfgruppe "SIC", die gewohnte slowakische Präzision (und einige eigenartige Einlagen, wie einen Zweikampf mit brennenden Holzstäben und verbundenen Augen) zeigten, und zum anderen die junge Gruppe Machaera Adoratio, die für ihre Jugend erstaunliches darboten (und hoffentlich bis zum nächsten Fest zur Abrundung der netten Performance auch schönere Gewandungen als bloße schwarz-orange Kittel bekommen).
Viel Kampf, unterschiedliche Sicherheit
Kampf wurde auch groß geschrieben an diesem Wochenende in Mauterndorf: Abgesehen vom Kanonen- und Hakenbüchsendrill der Kompagnie St. Barbara 1474, der immer wieder ein Hingucker (bzw. eigentlich Hinhörer) war und nur am Sonntag Vormittag bedauerlicher Weise aufgrund der Regnfälle in der Nacht davor ins Stocken geriet, gab es Schaukämpfe gleich von drei Gruppen: Von "SIC" aus der Slowakei – eine schnelle und akrobatische Aneinanderreihung uhrwerkspräziser Duelle mit rhythmischer Unterstützung, den Soldknechten – eine nette Einlage in Zeitlupe (woher kenn ich das bloß?) und ein sehr komischer Vergleich zwischen Hollywood-Fechten und historischem Fechten, und den Soldurii Santicum – eine beinahe gewaltfreie Posse um einen Apfel, sehr nett anzusehen. Dazu kamen einige Schautrainings von Dreynschlag sowie eine kleine Feldschlacht bzw. mehrere Todeskreise von Gungnirs-Snata und den Wildensteynern. Langweilig wurde dem Schwertkampfinteressierten also nicht.
Weil das Thema Sicherheit ja gerade im Magazin Huscarl ein viel diskutiertes ist, hierzu eine Beobachtung: Gerade an diesem Wochenende zeigten sich hier beide Extreme – zum einen mussten einige Kämpfe aufgrund der Gegebenheiten mehr oder weniger mitten im Publikum ohne de-facto-Absperrung abgehalten werden, zum anderen gab es den vom Veranstalter bereit gestellten "Hof der Wunde(r)n", das Optimum, das man sich an Sicherheit vorstellen kann. Handelte es sich doch um eine Wiese, die auf zwei Seiten mit stabilen Holzzäunen gesäumt und an zwei weiteren Seiten von einer Mauer umgeben ist, von der die Zuseher auf die Akteure heruntersehen können.
Jubiläumsfest 2009
Mauterndorf zeigte sich als sehr liebevoll gestaltetes Fest mit noch ein klitzekleinwenig Potenzial nach weiter oben – und eines, das sich weitaus mehr Besucher verdient hätte. Ich rufe jetzt schon dazu auf, kommt alle zum Jubiläumsfest 2009, denn es wäre schade, sollte dieses Fest ausgerechnet an mangelndem Publikumsinteresse zugrunde gehen.
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