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Foto: (C) Florian Machl
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Zu Saisonende alle Jahre wieder
Kaufrausch der Superlative in Eggenburg
9. 9. 2007 - 23:55 - Florian Machl

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Dunkle Wolken wechseln sich mit brennenden Sonnenstrahlen ab. Das diesjährige Wetterbild in Eggenburg.

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Ein Treffen zweier Wanderer vor der Pestsäule.

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Urige Marktgastonomen versorgten die Besuchermassen mit Nahrung.

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Ein junger Ritter reitet auf Papas Schultern durchs Geschehen.

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Die Narrenbande von Torxes dem Gaukler darf natürlich nicht fehlen...

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... auch wenn Herr Atastüx wieder einen Nebenjob annehmen musste: hier beim Servieren des beliebten Türkentrunks.

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Tjosten auf dem bei Kindern sehr beliebten Eggenburger Pferd.

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Das alljährliche Bogenturnier wurde wieder im Burggraben abgehalten.

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Ernste Mienen auch bei den Elben. Wer wird heuer siegreich sein?

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Die Vorführung der Fahnenschwinger fand professionellerweise trotz starker Windböen statt.

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Dreynschlag vor der Vorführung...

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... und mittendrin.

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Die tschechische Gruppe Stvanci beim Turnier zu Pferd.

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Eines der platzbedingt wenigen Lager.

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Lagerleben von Drachensporn.

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Erst der Kauf, dann der Rausch. Die Qual der Wahl.

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Die Musiker von AbInferis aus Vorarlberg.

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Von einer jungen Tanzgruppe wurden mittelalterliche Tänze gezeigt.

Alle Jahre wieder trifft man sich zum Saisonende in Eggenburg. So war es in diesem Jahr das Wochenende vom 8.-9. September, wo über 100 Händler, Gastronomen, eine Vielzahl von Künstlern und Kämpfern und viele mehr auf den Anstrom der Publikumsmassen warteten. Trotz wechselhafter Wetterlage kamen wieder etliche tausend Besucher in die historische Stadt im nördlichen Niederösterreich.

Eggenburg steht in Wahrheit für Kaufrausch. Zumindest für Mitglieder der Mittelalterszene bewahrheitet sich diese einfache Aussage jede Saison. Nirgendwo sonst würde man um diese Jahreszeit eine so große Auswahl an Waren finden, wie hier. Und das eine oder andere braucht doch jeder, doch hat er es anderswo aus welchen Gründen auch immer noch nicht bekommen. So trifft man sich in Eggenburg, schiebt sich mit den Meschenmassen durch den historischen Stadtkern, schaut, staunt, wundert sich sicher auch so manches Mal und kauft. Eggenburg ist ein Magnet für jedermann, denn die teilweise ohnehin schon engen Gassen sind vollgestopft von Händlern, Handwerkern und Gastronomen. Dabei werfen viele den Veranstaltern - dem Verein zur Erforschung des Mittelalters in Eggenburg - vor, rein kommerzorientiert zu sein. Ein Augenschein vor Ort bestätigt diese Sichtweise nicht in vollem Ausmaß, vielmehr spielen bei einem Fest dieser Größe viele Aspekte eine Rolle.

Umsichtige Veranstalter mit Liebe zum Detail

Eine liebevolle und wohldurchdachte Handschrift der Veranstalter zeigt sich vielerorts. Eggenburg ist einer der Märkte, wo alle Strassenschilder mit passend bemalten Holztafeln überdeckt wurden. Man tut sich wirklich schwer im riesigen Veranstaltungsgelände eine unpassende Tafel zu finden, zumindest ein Leinensack scheint sich noch immer gefunden zu haben. Alle Händler wurden genau instruiert, was erwünscht ist und was nicht. So wurde Plastik jeglicher Art auf den Verkaufstischen untersagt und die meisten hielten sich daran. Die Gastronomie arbeitete durchgehend mit einheitlichen Krügen aus Steingut. Besteck gibt es entweder aus Holz oder Metall, hier waren Pappteller das 'Unmittelalterlichste' was zu finden war. Wir wollen nicht ausschliessen, dass unter den Gastronomen vereinzelt auch anders serviert wurde, doch bei allen die wir persönlich aufgesucht haben, fanden wir lobenswert große Bemühungen um passendes Ambiente. Ebenso äußerten sich einige Akteure ausgesprochen positiv über die Veranstalter, was die Verpflegung betrifft. So soll es beispielsweise ein opulentes Frühstücksbuffet gegeben haben, das kaum Wünsche offen liess. Auch während der Veranstaltung sei die Versorgung beispielhaft gut.

Viele Musikanten von hoher Qualität

Musik kam beispielsweise von Music Igric (Tschechien), einer sehr hörenswerten Gruppe die ihr Repertoire und ihr Instrumentarium gut beherrscht. Weiters von Musici Hilari aus Niederösterreich, der bekannt-beliebten Tuivelsminne aus Wien, die sich in dieser Saison musikalisch ausgesprochen positiv gesteigert hat, den seit heuer in dieser Form auftretenden Spielleute von AbInferis aus Vorarlberg, Iocus Avis aus Wien und anderen... Dabei traten die Musiker an verschiedenen Plätzen auf und beschallten das Publikum aus allen Richtungen - was unserer Ansicht nach viel Flair eines Mittelaltermarktes ausmacht.

Kinder, Narren und Artisten

An allen Ecken und Enden war für Kinderprogramm gesorgt. Sei es durch die anwesenden Narren, Gaukler und Artisten, die auch die Grossen gut zu unterhalten wissen oder beim Bogenschiessen, beim Tjosten auf dem Holzpferd oder einigen anderen Dingen mehr. Interessante Höhepunkte bot hier beispielsweise die Vorführung 'babylonisches Kartenhaus', wo ein Artist unter sich ein meterhohes Kartenhaus aufbaute, selbst stets auf dem Gebilde stehend. Daneben gab es allerlei Komödianten und Stelzengeher zu bewundern. Traditionell unterhält die Gauklergruppe um Torxes von Freygeyst das Marktpublikum in Eggenburg mit allerlei Späßen und Vorführungen, wenngleich der starke Wind einer allzu ausgefeilten Feuershow am Sonntag leider hinderlich war - die Feuershow am Samstagabend mit Beteiligung einiger anderer Gruppen soll hingegen sehr sehenswert gewesen sein.

Wenig Platz für Lagerleben

Für ausschweifendes Lagerleben ist in Eggenburg leider kein Platz. Einige wenige Gruppen stellten die Lager rund um die Kirche, wobei diese Plätze teils auch die zugigsten Orte im Stadtkern waren. Hier waren alle Raffinessen gefragt, um die Zelte fest genug in (seltener) Erde oder im Kopfsteinpflaster zu verankern. Lagerleben gab es unter anderem vom niederösterreichischen Verein Drachensporn sowie den Schaukämpfern von Dreynschlag zu sehen. In einer anderen Seitengasse campierte das Bjornfolk, ebenso auf Kopfsteinpflaster, dafür aber mit fliessendem Wasser - sofern es regnete und durch die Zelte hindurchfloss.

Bogenturnier, Schaukampf und Reitvorführung

Wie jedes Jahr wurde auch heuer wieder ein grosses Bogenturnier im Burggraben veranstaltet. Ein wunderschöner und sehr geräumiger Ort für eine solche Veranstaltung, die von vielen Profis, wie beispielsweise der erfolgreichen Wiener Bogenschützengilde Arduinnas Gefährten auch gut angenommen wurde. Diese konnten auch den ersten, zweiten und dritten Platz (letzteren ex-equo mit Bogensport Diana) erringen. Der Turnierplatz erlaubt auch Schüsse über weite Distanzen und bietet Teilnehmern eine gute Herausforderung sowie Zuschauern viel Gelegenheit zum Staunen. Schaukämpfe wurden von Dreynschlag gezeigt, für das Turnier am Turnierplatz war die tschechische Schaukampf- und Reitergruppe Stvanci engagiert. Einige Kritik hörte man mancherorts, weil der Besuch des Turnieres nochmals 5 Euro extra kostete - eine Kritik die wir so nicht unbedingt gelten lassen würden, denn der generelle Eintrittspreis zum Fest ist mit 3 Euro (1 Euro für Gewandete) eher als symbolisch zu erachten und widerspricht sicherlich auch dem oben genannten Vorwurf der Verkommerzialisierung um jeden Preis. Natürlich findet sich in Eggenburg jede Menge Kommerz, aber eben nicht um jeden Preis, sondern - verglichen mit anderen Großveranstaltugnen - um einen sehr fairen Preis. Ob die zusätzlichen 1,50 für die Nutzung des Wehrganges auf der historischen Burgmauer wirklich nötig waren, sei dahingestellt - uns hat hier eher der Stand mit Softdrinks aus der Plastikflasche gestört. Ein seltsames Versäumnis passierte leider bei der Planung der Örtlichkeiten für die Schaukämpfe von Dreynschlag. So erhielten die historischen Fechter aus Wien für ihre Vorführung eine Holzbühne von etwa 12 Quadratmeter zugeteilt. Das ist im Vergleich zum Platzbedarf bei einem Schaukampf eher winzig und führte leider bei einem der Akteure auch zu einer Verletzung. Die letzte Vorführung fand dann auch am Turnierplatz statt, doch besteht hier sicherlich Verbesserungsbedarf für kommende Feste.

Viel Ramsch und Tand, doch auch viel Qualität

Die große Zahl der Händler haben wir schon einige Male erwähnt, doch wie sah es tatsächlich mit dem Angebot aus? Wer suchet, der findet lautet das Motto in Eggenburg. Wer beispielsweise Stangen mit Glaskugeln für den Garten sucht, Frösche und andere Figuren aus Ton oder anderen mittelalterfremden Ramsch, der wird sicher fündig. Direkt proportional zur Anzahl der Stände war auch die Zahl der Händler mit eher seltsamer Handelsware. Doch dasselbe lässt sich auch über die Qualitätsanbieter sagen. Für Reenacter aus fast jeder darzustellenden Zeit findet sich ein passender Händler, sei es für Schuhe, Kleidung, Rüstung, Waffen, Lagerzubehör und vieles mehr.

Wie immer ziemlich überlaufen

Betrachtet man das Platzangebot im Vergleich zu den Besuchermassen, bot sich ein ebenso von den Vorjahren gewohntes Bild. Die Gastronomen kommen kaum nach mit dem Ausschenken und Servieren, kaum ist ein Sitzplatz zu ergattern. Die Strassen sind meist dichtgedrängt und voll und es gäbe auch wenig Ansätze, den Besucheransturm zu bremsen. Auch wenn der Markt heuer insgesamt aufgrund der wechselhaften Wetterlage schlechter besucht war, als an einem Wochenende mit durchgehen strahlendem Sonnenschein, kann sich sicher niemand über mangelndes Besucherinteresse beklagen. Recht positiv sind in diesem Zusammenhang die Toilettenanlagen aufgefallen. Diese wurden entweder bei einem der vielen Markteingänge ausserhalb des Festgeländes in ausreichender Zahl platziert oder in wenig genutzten Seitengassen versteckt und verschandelten so nicht das Marktbild. Allerdings waren nahezu alle der Dixi-Klos zu Festende hin bis oben hin angefüllt, was aber kaum zu verhindern ist, denn diese während einem Markt zu tauschen erscheint eher unmöglich. Ebenso positiv aufgefallen ist das Rettungszelt mit weithin sichtbarer Rotkreuzfahne, gut sichtbare und in grosser Zahl anwesende Sanitäter und Feuerwehrleute. Auch ein Notarztwagen war vor Ort, der leider am Sonntag Abend auch einen Einsatz hatte - ein Besucher mit Herzproblemen musste abtransportiert werden.

Immer wieder Eggenburg

Der Markt ist in dieser Form sicher als Erfolg anzusehen und folgt damit einer langjährigen Erfolgstradition, die nicht mehr wegzudenken ist. Sicherlich darf man keinen direkten Vergleich mit kleinen, ruhigen, abgelegenen Märkten machen, bei denen so richtig das Gefühl aufkommt, in einer anderen Welt zu sein. In Eggenburg ist man auf einer riesigen belebten Geschäftsstrasse, vergleichbar mit weihnachtlichem Einkaufsstress. Natürlich kann das auch eine Menge Spaß machen, am Ende ist man dann doch froh, wenn man dem Trubel mit gefüllten Taschen wieder entkommen kann. So freuen wir uns auf ein Eggenburg im kommenden Jahr, an dem insgesamt wohl nicht viel geändert werden wird und auch nicht viel geändert werden kann. Wenn man weiss, was einen erwartet, wird man sicher nicht enttäuscht.


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Weiterführende Links:



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Der Bogenstand Gesierich

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1. Kommentar von tina am 10.09.2007 um 20:24

leider verpasst
nach einigen jahren durchgehendem besuch in eggenburg konnten wir diesmal leider nicht fahren. ich fand diesen markt immer einen gelungenen saisonabschluss.
die regelung für eintrittspreise finde ich eigentlich gar nicht so schlecht. denn für viele besucher reicht der normale eintritt u dieser ist dann recht günstig. natürlich würde ich auch das turnier ansehen, aber selbst mit dem aufpreis für das turnier kommt man dann gut weg.

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2. Kommentar von Wulf am 11.09.2007 um 04:15

Großer Mittelaltermarkt
Wir waren das erste mal mit unserer Gruppe dort und waren von der vielzahl der Stände, aber auch der Akteure begeistert. Es wurde ein recht abwechslungsreiches Programm geboten und ich denke, dass für jeden was dabei war. Wir konnten zudem nicht nur etliche Freunde begrüßen, sondern auch neue dazu gewinnen. Uns hat es eine Menge Spaß gemacht und wir hoffen 2008 wieder dabei zu sein.

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