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(C) Florian Machl

(C) Simone Huber
Visuell ist Friesach österreichweit kaum zu schlagen.

(C) Simone Huber
Die großte Stärke der Veranstaltung ist die vielfältige hochqualitative Handwerksdarstellung.

(C) Simone Huber
Von Korbbinden ...

(C) Simone Huber
... über Webhandwerk ...

(C) Simone Huber
... bis Seilerei durfte nichts fehlen.

(C) Werner Maier
Wo sonst gäbe es Derartiges zu bestaunen?

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In der gut besuchten Feldschlacht prallen verschiedenste Kämpfer aufeinander.

(C) Simone Huber
Auf die jungen Gäste wartete Spiel und Spaß.

(C) Werner Maier
Einmaliges Ambiente für Lagernde und Festbesucher.

(C) Werner Maier
Arnulf das Schandmaul darf nicht fehlen und gehört in Friesach schon quasi zum Inventar.

(C) Werner Maier
Dicht an dicht stehen die Händler und sorgen für Marktambiente vergangener Tage.

(C) Werner Maier
Eulenspiel: Schwungvoller Tanz in bunter Gewandung.

(C) Werner Maier
Während sich die einen viel Mühe geben ...

(C) Werner Maier
... lassen gar merkwürdige Schaukämpfe der Altkainacher Ritterschaft auf einen eher intuitiven Zugang zum Thema schließen.

(C) Werner Maier
Aber irgendwie wirds schon dazupassen, ins Middl Oida.


15. Spectaculum zu Friesach im Dominikanerkloster
Wohl eines der schönsten Feste Österreichs
Felicia Frech
10.11.2011 08:35

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Fotogalerie

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Von 24. bis 31. Juli 2011 hielt in Friesach erneut die Mittelalterwoche Einzug. Höhepunkt war wie immer das Samstags stattfindende Spectaculum, gefolgt vom Sonntags zum Ausklang abgehaltenen mittelalterlichem Familienfest.  Darsteller wie auch Besucher kamen ein weiteres Mal voll auf ihre Kosten – denn in Friesach hilft die ganze Stadt mit, um Mittelalterwoche und Fest zu einem einzigartigen und unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Jedes Jahr geben sich in Friesach aufs Neue Händler und Darsteller aus verschiedener Herren Länder die Hand, um Mittelalterwoche und Spectaculum im Einklang mit der hiesigen Bevölkerung zu einem besonderen Event werden zu lassen. Das Fest ist für seine Vielseitigkeit bekannt, doch war diese heuer streckenweise wohl zu gut gemeint. Unter vielen, bekannten und für ihre Authentizitätsnähe hoch geschätzten Lagergruppen fanden sich ein paar schwarze Schafe, die so gar nicht in das schöne Ambiente passen wollten…

Die Mittelalterwoche

Zum Auftakt der Mittelalterwoche am Sonntag wurde eine feierliche Messe in der Dominikanerkirche abgehalten, mitgestaltet vom Burgenchor Friesach. Im Anschluss darauf erfolgte ein Festakt mit Aufstellung der Marktfreyung, Ernennung des fürstlichen Biermäzens und der Eröffnung des Lagerlebens.
Von Sonntag bis Freitag konnte man allerlei Nützliches, Interessantes, Historisches und Lustiges sehen, hören, bestaunen und selbst aktiv daran mitwirken. Darunter befanden sich Familienerlebnisse wie Speckstein schleifen oder Wachsziehen, fesselnde Vorträge über die Schmiedekunst und den Bergfried, ein Schmiedekurs, Workshops mit Tänzen für Jung und Alt sowie über Feldschlacht-Taktiken und geführte Rundgänge über den Burgbauplatz mit vielen interessanten Erklärungen zu den einzelnen Stationen. Donnerstagabend fand ein Festkonzert statt, bei dem Musica Saltarello, der Kammerchor Schielleiten und die Choralschola der Grazer Kapellknaben ihr Bestes gaben, um die Ohren der Zuhörer zu verwöhnen.
Der Freitag stand ganz im Zeichen des Nachwuchses; beim ritterlichen Turnier konnten sich die Kärntner Jungfeuerwehren messen, den Abend ließ man mit Siegerehrung und einem Konzert der Jugendband Salamanda passend ausklingen.

Werbung: 1 A

Die Stadt selbst rührte kräftig die Werbetrommel. Über lokale Medien, Internet, Radio und Zeitung wurde das Fest perfekt beworben und angepriesen, strategisch klug platzierte Plakate zogen die Masse an. Außerdem wurden via Ö-Ticket verbilligte Vorverkaufskarten angeboten, ein viel gelobter Nebeneffekt war der inkludierte Eintritt zum Burgenbauplatz - die Mundpropaganda tat ihr Übriges. Allein am Samstag konnten rund 8.000 Besucher gezählt werden. Die Eintrittspreise gestalteten sich dabei unterschiedlich:
Samstag; Erwachsene EUR 12,- (VVK 9,-) / Jugendliche EUR 5,-
Sonntag; Erwachsene und Jugendliche EUR 5,-
2-Tageskarte im Vorverkauf bei Ö-Ticket EUR 12,-
Kinder bis 15 Jahre generell frei.

Lagerleben – von Top bis Flop

Das Lagerleben in Friesach zeichnete sich schon immer durch Vielseitigkeit aus, man muss jedoch dazusagen, dass diese heuer wohl etwas zu gut gemeint war. Neben weithin bekannten und in der Darstellung anspruchsvollen Gruppen wie beispielsweise den Alta Amicitia, den Turba Ferox, den Soldknechten Compania Carantania, dem Kärntner Gsindl Vita Mercato, dem Friesacher Burgenverein, dem Stählernen Haufen aus Tirol und dem Kulturverein Eulenspiel, die allesamt sehr schöne Schaulager und würdiges Auftreten vorweisen konnten, fand man einige Gruppen, die mit Worten wie "auf gutem Wege", "akzeptabel", "sehr verbesserungswürdig" und sogar "katastrophal" bezeichnet werden konnten. Auf gutem Wege befinden sich fraglos die freundlichen Mitglieder von Sapere Aude, die mittlerweile ein passables Lagerinventar vorzeigen können. An den Gewandungen besteht noch ein wenig Nachholbedarf.

Einen verbesserungswürdigen Eindruck erweckte die Wikingergruppe, die – ganz dem Hollywoodklischee entsprechend – mit Trinkhörnern anprostete. Böse Zungen behaupten aber ohnehin, dass die Qualität einer historischen Darstellung als indirekt proportional zur Länge der verwendeten Trinkhörner angesehen werden kann. Das Auftreten der Altkainacher Ritterschaft kann leider nur mit gehobener Augenbraue hinterfragt werden, insbesondere wenn man die lange Vereinshistorie berücksichtigt: Leonardo Carbone featuring Plastikschüsseln, saustallartige Lagerzustände, offen getragene Schwerter und unfreiwillig komische Schaukampfeinlagen, bei denen man nicht durchgehend zur Ansicht gelangte, dass die Waffen stets unter Kontrolle geführt werden. Und natürlich: lange Trinkhörner.

Es sei die Anregung erlaubt: Geschätztes Friesach, auch die Darstellergruppen können zu einem hohen Standard angehalten werden, der dem Rest der Veranstaltung entpricht und dem malerischen, ehrwürdigen Klostergarten zur Ehre gereichen!

Händler, Handwerk, Programm – Spiel, Spaß & Spannung für alle!

Vielseitigkeit zeigte sich auch im Programm: von Schaukampf, Schauspiel, Klamauk und Musik bis hin zu Buhurt bzw. Feldschlacht wurde alles geboten.
Laufend wurde den Kleinsten rund ums Fest Action geboten: vom Filzen übers Specksteinschleifen bis hin zu Turnierkämpfen auf „Scheibtruhenpferden“, dem lustigen und zugleich gefürchteten „Heroicon“ und dem Kinderhort Kastl. Hier merkt man, dass vor allem Kinder und Familien beim Spectaculum gern gesehene und bestens versorgte Gäste sind.

Die Händlerpalette in Friesach war – wie jedes Jahr – breit gefächert, der gemeine Marktbesucher wie auch der hohe Ansprüche stellende Reenactor kommt hier voll auf seine Kosten. Für das leibliche Wohl wurde vielerorts gesorgt, auch hier blieb kein Wunsch offen. Ein Wermutstropfen war die Tatsache, dass die Hanfbäckerei wieder einmal bereits Sonntag mittags – zum Leidwesen vieler Fans – ausverkauft war.

Arnulf das Schandmaul stand mit schwerer spastischer Bronchitis tagtäglich mehrmals auf der Bühne und gab trotz der widrigen Umstände 120%. Auch Salamanda und Trollferd sorgten für den Ohrenschmaus der Besucher, Tanzebom unterstützte schwungvoll die leichtfüßigen Tänzer von Eulenspiel. Unter den Lagergruppen machte sich die Musikgruppe "Celtic Folk" trotz ihres Talentes eher unbeliebt, da diese im Lagerbereich, der für die darstellenden Gruppen auch als Rückzugs-Ort dient, für Non-Stop-Dauerbeschallung sorgten. Als wenig innovativ kann man die Schaukampfeinlage der Ferrum Friesacum bezeichnen, die mit seichter Schenkelklopfer-Story und mangelnder Schwertkampftechnik für Kurzweil sorgten.

Für großes Aufsehen und johlende Massen sorgte hingegen der Buhurt bzw. die Feldschlacht, der auch die hohen Herren von Friesach beiwohnten: der Pater Prior sowie der Bürgermeister und sein Gefolge verfolgten die spannenden Schlachten auf dem großen Platz. Auch hier wurden die Kinder der umliegenden Schulen miteingebunden – so durfte sich jede Klasse einen Kämpfer erwählen, ihm mit einer Schärpe ihrer Gunst versichern und durch die Farbe der Schärpe entscheiden, auf welcher Seite „ihr“ Ritter kämpft. Als Moderatoren mit viel Witz und Charme führten Inquisitor Sitting und Arnulf das Schandmaul – ein unschlagbares, dynamisches Duo. Dornen im Fleisch der gut gerüsteten Platten- und Kettenhemdträger waren (wie so oft) die durch die Bank unzureichend geschützten Wikinger: Einer zog überhaupt nur mit gewöhnlicher Stoff-Tunika, kaum schützenden, offenem Helm, Mini-Buckler und parierlosem Schwert in die Schlacht… Für die Zukunft wünschenswert wäre hier ein im Vorhinein fixiertes Reglement mit Mindest-Schutzangaben und vorhergehender Waffen- sowie Rüstungsprüfung.

Man freut sich schon aufs nächste Jahr

Das Spectaculum zu Friesach ist definitiv eines der schönsten Feste Österreichs, selten sieht man die hiesige Bevölkerung eines Mittelaltermarktes mit so viel Liebe zum Detail bei der Gestaltung mitwirken. Die Handwerksstände der Friesacher selbst zählen mitunter zu den schönsten, die je auf solchen Festen gesehen wurden – von der Wollverarbeitung über die Bäckergesellen bis hin zum Krautstampfen im großen Bottich, vom kleinsten bis zum ältesten Gemeindemitglied hilft jeder gerne mit. Das traumhafte Ambiente des Dominikanerklosters bietet einen Idealen Ort für diese Veranstaltung, die in unmittelbarer Nähe zahlreiche, geschichtsträchtige Ruinen und Gebäude sowie einen eigenen, mittelalterlichen Burgbauplatz vorzuweisen hat. Bleibt nur noch zu sagen: Bravo Friesach, man freut sich schon jetzt auf nächstes Jahr!


Szene: Klatsch und Tratsch

Die Gruppe "Vita Mercato - Das Kärntner Gesinde" war besonders schlecht auf ihre Lagernachbarn zu sprechen und machte auch keinen Hehl daraus. Hauptgrund dafür war, dass diesmal viele Kinder im und ums Gsindl-Lager herum spielten, während sich die Altkainacher Ritterschaft hinter deren Sonnensegel mit halbherzigem Schwertgefuchtel ohne jeglicher Technik und gefährlichem Axtwerfen in Richtung der Darsteller-WCs die Zeit vertrieben. Trotz mehrmaligen Beschwerden aus dem Gsindl-Lager hatte die Leonardo-Carbone-Fraktion mit Tupperware auf den Lagertischen wenig Verständnis dafür, dass eine fliegende Axt wohl kaum der Höflichkeit halber in der Luft stehen geblieben wäre, wenn ein Kind hinter dem Sonnensegel hervor in deren Wurfbahn gelaufen wäre...
Auch die Veranstalter selbst wären von diesem Auftreten wenig angetan gewesen, vor allem da immer wieder Beschwerden anderer Lagergruppen über die "selbstverherrlichenden Krawallmacher" eingingen.  Das ist eben das Risiko, wenn "just-for-fun"-Mittelalter auf Ernsthaftigkeit und Anspruch prallt.

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1. Kommentar von Brecuno am 14.11.2011 um 11:20

Na toll
..gerade in Friesach war ich nicht. Das wird mir nicht mehr passieren.

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.



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