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Foto (C) Florian Machl
Leider sorgte eine dichte Wolkendecke fast durchgehend für düstere Stimmung.

Foto (C) Florian Machl
Nach Veranstalterangaben hat keine der 49 (!) Lagergruppen wegen des Wetters abgesagt.

Foto (C) Werner Maier
Dennoch konnte man am Samstag gewiss nicht über Besuchermangel klagen.

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Vorerst dennoch heile Welt beim traditionellen Umzug mit hunderten Darstellern ...

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... ein Vergleichsbild vom Sonntag.

Foto (C) Florian Machl
Positive Überraschung: Die Bachsfaller Söldner mit ihrem neu gebauten und voll funktionsfähigen Trebuchet.

Foto (C) Florian Machl
Die Krönung des Valentin. Turnierveranstalter Andreas Schepetz legt selbst Hand an und fungiert auch als Platzrichter.

Foto (C) Florian Machl
Umringt von Zuschauern maßen sich die Kämpfer.

Foto (C) Florian Machl
Die Punkterichter notierten die Treffer.

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Für Fotografen ist der Bewerb stets eine große Freude.

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Was von der Wiese übrig blieb... (Bild von Sonntag Mittag)

Foto (C) Florian Machl
Torxes und Pixel albern gemeinsam mit Rebasius Funkenflug.

Foto (C) Werner Maier
Alex der Gaukler mit Spezialeinlage auf einer Telefonzelle.

Foto (C) Werner Maier
Die Spielleute von Rhiannon dudelten auf.

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Meister Kolk machte seinem Künstlernamen alle Ehre und überzeugte durch Stimmgewalt.

Foto (C) Florian Machl
Am Platzangebot kann man in Kaprun wirklich nicht mehr schrauben, der eine oder andere Anbieter könnte aber vielleicht mit optischer Qualität zu punkten lernen.


Brillantes Mittelalterfest
trotz widrigster Wetterumstände

Burgfest Kaprun verteidigt erfolgreich den guten Ruf
Florian Machl
25. 7. 2011 - 20:30

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Das Burgfest Kaprun ist eines derjenigen Feste, auf die sich Mittelalterszene wie Festbesucher aufgrund eines einmaligen Ambientes und der großartigen Organisationsleistung. ein Jahr lang freuen. Diese Zeit bedeutet aber auch intensive Mühen für das Organisationsteam, denn eines der schönsten Feste Österreichs abzuhalten, bedeutet großen Planungs- und Arbeitseinsatz. Wenn dann das Wetter versucht, einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen, könnte man von Weltuntergangsstimmung ausgehen. Nicht so in Kaprun. Auch das bislang wohl schlechteste Wetter in der Geschichte des Burgfestes konnte nicht verhindern, dass Akteure und Lagergruppen mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren sind - zumindest lässt sich dies aus den bisherigen Rückmeldungen ableiten. Und auch die Besucherzahlen sind überraschend: Trotz heftigen Dauerregens ab dem frühen Samstag Nachmittag kann man von rund 5.000 Besuchern in der kleinen Tourismusgemeinde in Salzburg ausgehen.

Auf den ersten Blick präsentierte sich das Fest als gewachsen. Zusätzliche Lagergruppen wurden auf einer weiteren Wiese untergebracht, soferne es das Gefälle eben zuließ. Löcher in den Reihen der Händlerschaft waren nicht zu bemerken, im Gegenteil, auch hier gab es einen klaren Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Während bei den Händlern mittlerweile das Limit erreicht ist (und bestenfalls ein qualitativer Austausch stattfinden könnte) scheinen einige Lücken auf der Lagerwiese dafür zu sprechen, dass noch eine Spur von Erweiterungsmöglichkeit gegeben ist.

Verschieden aber stets herzlich

Die Lagergruppen präsentierten sich wie gewohnt enorm unterschiedlich, sei es in der Darstellungsqualität oder in der Offenheit gegenüber den Besuchern. Fantasy bis authentisch, mit "Bitte-nicht-Füttern-Seil" rund um das Lager oder frei zugänglich. Das gehört hier dazu. Die Herzlichkeit, mit der man allerorts empfangen wird fällt auf, hier gibt es kaum Unterschiede. Die Besucherfreundlichkeit konnten viele Lager diesmal nicht im gewohnten Ausmaß unter Beweis stellen, da die Wiese durch Regenfälle an den Vortagen stark gelitten hatte und keinesfalls zum Rundgang oder Besuch aller Gruppen einlud. Vielmehr konnten Haltungsnoten für besonders Aufsehen erregende, unfreiwillige Stunts beim Versuch, die glitschig-matschigen Wege zu erklimmen, vergeben werden.

Schlüsselerlebnis: Trebuchet

Groß ist der Leidensdruck der Redakteure oft, wenn sie von Markt zu Markt wenig Veränderungen erblicken. Merkt man an, dass es gewisses Verbesserungspotential gäbe, reagieren viele verschnupft, ignoriert man die Qualitätsunterschiede, schimpfen die Nächsten. Da freut man sich über manche völlig unerwartete Lichtblicke ganz besonders und kann sie nicht genug zu würdigen wissen. Die Bachsfaller Söldner, bisher als freundlicher Haufen bekannt aber vielleicht doch eher dem Fantasylager zuzuordnen, präsentierten stolz ein hinter Palisaden aufgebautes Trebuchet. Nach detaillierter Planung soll der Bau nur zwei Wochen in Anspruch genommen haben. Sie sind somit einer der wenigen Vereine in Österreich, die einen funktionierenden Nachbau eines solchen historischen Kriegsgerätes ihr Eigentum nennen können. Dabei sei der Transport logistisch nicht so problematisch wie angenommen, das Trebuchet der Bachsfaller wiegt mit allen Holz und Eisenelementen nur etwa 250 kg und wird sicherlich zum Publikumsmagneten.

Runderneuertes Freikampfturnier

Zentrales Element der Veranstaltung sind die "echten Ritterkämpfe" wie sie mancherorts angekündigt wurden. Gemeint war damit das Vollkontakt-Turnier unter der Schirmherrschaft von Andreas "Brenntenperch" Schepetz. Befürchteten manche im Vorfeld, dass das Turnier sich in Richtung wüster Schlägereien entwickeln könnte - nicht zuletzt wegen einer Regeldiskussion, ob man auf gestürzte Gegner noch nachschlagen dürfe - bewies die Durchführung, dass diese Annahmen falsch waren. Unter umsichtigen Sicherheitsvorkehrungen fand ein runderneuertes, kurzweiliges Turnier statt. Die vorbildliche doppelte Holz-Absperrung um den Turnierplatz war nochmals erweitert worden, bei jedem Kampf waren zwei Sanitäter des roten Kreuzes vor Ort.

Um Showelemente bereichert...

Siebzehn schwer gerüstete Kämpfer schenkten sich nach besten Kräften ein, wobei konditionelle und technische Unterschiede sichtbar wurden. Das harte Kampfgeschehen wurde für die Zuschauer durch einige Maßnahmen aufgelockert, die man aus dem Gesichtspunkt einer guten Show als gelungen bezeichnen kann. Zum einen erhielt jeder Kämpfer eine eigene (größtenteils moderne) Einzugsmusik, zum anderen wurden auch während der Kämpfe aus großen Hollywoodproduktionen bekannte Musiktitel eingespielt. Die Moderation durch Andreas selbst bot mehr Erklärungen als je zuvor und half dem Zuseher, das Geschehen zu verstehen. Auch die Idee, jeden Kämpfer mit einem Kind oder einer Dame als Schwertträger und Helfer auf das Feld einziehen zu lassen, erwies sich als sympathischer Schachzug. Einzig die nicht nachvollziehbare Behauptung, es würde sich um eine "historische Sportart handeln, die leider nur noch selten ausgeübt wird" schmerzte etwas und war auch in keiner Weise nötig - denn die Show war als solche auch ohne diese Aussage gut und bot vielen Besuchern Kurzweil. Gewinner des Bewerbes wurde Till aus der Gruppe Münster, Platz zwei ging an Fjorka von Grenzwacht, Platz drei an Maledikt von Prima Nocte.

Und auch sonst viel Angebot...

Ein vielfältiges musikalisches Programm ist den Kaprunern stets ein besonderes Anliegen. So wurden ein weiteres Mal die sehr dynamischen Musiker und Tänzer Javaryna aus Weissrussland eingeladen, wobei man keine Mühen mit Visumspflicht und anderer Grenzformalitäten scheute. Als musikalisches Hauptereignis ist das Irish Folk-Abendkonzert anzusehen, das traditionell am Samstagabend auf der Burg stattfand. Ausverkauft bis auf den letzten Platz wurde den Besuchern mit der Band Firkin ein großartiger Abend geboten, der in den Innenräumen keinerlei Trübung durch die Wettersituation erfuhr. Ungewöhnlich für Kaprun (denn dieser Punkt ging bislang fast immer schief bzw. musste verlegt werden) - die große Feuershow fand vor viel Publikum pünktlich im Burghof statt und beendete das Geschehen am Samstag. Weitere Musikbeschallung erfuhren die Besucher durch Rhiannon, Amici und den Fahrenden - und selbstverständlich mit dem Fanfaren- Trommler- und Fahnenschwingerzug Ottenheinrich aus Bayern. Darüber hinaus brillierte Meister Kolk stimmgewaltig am Metstand zum Wilden Wikinger. Komödiantische Elemente brachten Torxes und Pixel ein, die gefolgt von Alex die heimische Gauklerelite bilden. Willkommene Unterstützung kam dabei von Rebasius Funkenflug, einem närrischen Kollegen aus deutschen Landen. Wer glaubt, dass dies schon alles war, der irrt, denn es gab noch diverse Aktivitäten wie Schaukämpfe der Soldknechte, das Schaustück von Draconis Cognatio und ein Bruchenball-Turnier.

Die Regenkatastrophe

Wie eingangs erwähnt, öffnete der Himmel am frühen Samstagnachmittag seine Schleusen und es regnete in Strömen - durch die ganze Nacht und auch am folgenden Veranstaltungstag. Die Seitenstraßen am Weg zur Burg bildeten kleine Bäche. So war nicht verwunderlich, dass bei dieser bislang schlimmsten Wetterlage am Sonntag auch der bislang kürzeste Umzug vom Marktplatz zur Burg stattfand. Neben den Lohnsklaven - pardon, engagierten Akteuren - fanden sich vielleicht zwei Dutzend der rund 400 Darsteller ein, um nass und durchgefroren einige Zeit später am Festgelände anzukommen. Man kann es den Fehlenden kaum zum Vorwurf machen - im Gegenteil, der Wetterbericht war ja auch im Vorfeld kein Geheimnis. Dennoch sind laut Misha vom Veranstaltungsteam alle Gruppen gekommen und haben aufgebaut, nicht eine der 49 angekündigten Gruppen hätte wegen der Wetterlage abgesagt. Und dies verdient den uneingeschränkten Respekt und Applaus, der Mittelalterszene, weil sich in Kaprun zeigt, auf wen man sich auch unter schwierigen Umständen verlassen kann. Viele Gruppen boten den Veranstaltern auch an, einen Teil des Wetterrisikos auf ihre Schultern zu nehmen und auf Gagen zu verzichten.

Stressfreier, stimmiger Zusammenhalt

Bei der Programmgestaltung könnte man überlegen, ob es wirklich so gut funktioniert, die sehr laute Lautsprecheranlage des Vollkontakt-Turnieres gegen historische Musikgruppen antreten zu lassen, die direkt im Schallkegel ihre Auftritte absolvierten. Bedauerlicherweise stand in diesem Jahr der Akteursparkplatz nicht zur Verfügung - somit musste auf ein mindestens drei Kilometer entferntes Areal und einen Shuttledienst zurückgegriffen werden. Das machte den Abbau nicht komfortabler, vor allem weil natürlich wieder ein striktes Einfahrtverbot für die Lagerwiesen ausgesprochen werden musste. Trotz aller Widrigkeiten präsentierte sich das Fest wie immer stressfrei. Sei es von Seiten der Akteure oder der Lagernden. "Ambientegrillen" kann durchaus auch eine positive Bedeutung haben, denn sowohl das beeindruckende und einmalige Ambiente der Burg als auch die gruppendynamische Speisenzubereitung und das nachfolgende alleinige Relaxen oder der der Austausch mit anderen Teilnehmern entwickeln hier einen besonderen Reiz. Die Freundlichkeit und der Einsatz der Veranstalter tun ihr Übriges dazu, dass sich Darsteller als Gäste verstehen und wohl fühlen - passend zu den Errungenschaften einer beeindruckend organisierten Tourismusregion. Vielleicht wird sich der eine oder andere anschließen, wenn ich behaupte, dass es wohl kaum jemanden gibt, der im nächsten Jahr nicht wieder kommen möchte und sich dabei wieder einmal strahlenden Sonnenschein wünscht. Das hätte sich dieser Event wirklich verdient.


Szeneklatsch und Tratsch

Kein glückliches Füßchen hatten einige sehr prominente Mitglieder des Veranstaltungsteams. Während der Aufbau- und Vorbereitungsarbeiten zum Fest zog sich Burghexe Misha Hollaus wohl einen Sehnenriss zu. Die Schmerzen wurden durch medizinische Maßnahmen bekämpft und die mehr als aktive "Burgherrin" ließ sich nichts anmerken. Ein ähnliches Schicksal ereilte den Veranstalter des Freikampfturnieres, Andreas "Brenntenperch" Schepetz, der als Humpelstilzchen durch die Veranstaltung hinkte, seinen Bewerb aber dennoch - und dem Wetter trotzend - erfolgreich zu Ende brachte.

Unschöne Szenen gab aufgrund eines Besuchers, der perfekt ins Klischeebild "Hooligoth" passte. Diese sich fälschlich als Wikinger-Darsteller einer Lagergruppe ausgebende Person verschaffte sich Zutritt zum Festgelände, und konnte als "Darsteller" seine Waffe einschmuggeln. Am Markt drangsalierte er ein 8-jähriges Kind, verletzte einen Gaukler bei seinem Auftritt und attackierte dann noch einen älteren Herren vom Burgverein, der helfend eingreifen wollte. Die Person wurde zwar von der Security niedergerungen, nach Diskussionen aber dann mit seiner Waffe (!) freigelassen und des Geländes verwiesen. Die Polizei traf aufgrund eines Verkehrsunfalls mit Todesfolge erst mit einer Stunde Verspätung ein. Der Angreifer war angeblich schon im Vorjahr durch die Zerstörung eines Zeltes aufgefallen und wäre innerhalb der Szene für unberechenbare Gewaltbereitschaft bekannt. Wir ersuchen unsere Leserschaft um Zusendung von Bildmaterial, falls die Person irgendwo fotografiert wurde (am Samstag in der zweiten Reihe der Zuseher des Vollkontakt-Turniers sitzend). Wir möchten sowohl die Exekutive bei der Aufklärung oben genannter Sachverhalte unterstützen als auch anderen Veranstaltern eine vorbeugende Handlungsmöglichkeit erlauben. Schlussendlich sei der Hinweis auf §80 Strafprozeßordnung erlaubt, in der das Festhalten eines Straftäters auf verhältnismäßige Weise geregelt wird.

Weiterführende Links:




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