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Foto (C) Florian Machl
Die untere Veranstaltungsebene, der Renaissancegarten, wurde erstmalig voll für das Mittelalterfest genutzt.

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Hier ging es zur oberen Veranstaltungsebene, dem Turnierplatz.

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Endlich einmal wieder in all ihren Facetten in Österreich zu sehen, ohne ständig hinter der Gastrotheke abzutauchen: Torxes und Pixel.

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Ebenso mittlerweile eine unverzichtbare Größe auf heimischen Festen: Alex der Gaukler.

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Noch mehr Angebot für Kinder, beispielsweise hier beim Bogenschießen.

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Etwas versteckt, wenn man nur das Hauptgeschehen betrachtete: Arnulf das Schandmaul spielte unermüdlich in der Schank des Wilden Wikingers auf.

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Die Jungs und Mädels der Dreschflegel bestechen vielleicht nicht durch museale Genauigkeit in ihrer Ausstattung - aber sie gehören zu den wenigen Vereinen in Österreich, die wirklich gute Unterhaltung bieten können, die im Gedächtnis bleibt.

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Ein sehr interessantes Angebot, vor allem für Gemeinden und große Jubiläen, ist der Münzprägestock ebendieser Gruppe.

Rosenburg: Umstrukturiert mit Raum für Neues
Dennoch unerklärlicher Besucherschwund im Kamptal
Florian Machl
26. 4. 2010 - 22:00

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An gleich vier Tagen, vom 2. bis 5. Juni 2011, fand auf der Rosenburg im niederösterreichischen Kamptal das Mittelalterfest statt. Die Ausweitung auf vier Tage hatte man erstmals im Jahr 2009 beschlossen und ist seither dabei geblieben. Dies bedingt, dass das Fest nicht alljährlich am selben Termin "klebt", wie vielerorts üblich, sondern an einem Wochenende stattfindet, das mittels Zwickeltag auf vier Tage zu verlängern ist. Der Grund dafür kann nur vermutet werden. Von anderen Veranstaltungen weiß man, dass es sich um eine Strategie handelt, um das Wetterrisiko zu minimieren. Dass es im Juni vier Tage lang durchgehend regnet, hat man zwar durchaus schon einmal gesehen, aber die Chancen dafür sind nicht besonders hoch. Ob gut gepokert wurde, lässt sich mit dem Stand vom Samstag, dem 4.6., bei perfekter Wetterlage aber nicht beurteilen: Trotz vieler positiver Veränderungen im Sinne der Gäste blieb der gewohnte Besucheransturm aus.

Dabei ist die Veranstaltung auf der Rosenburg ständigen Änderungen unterworfen - und dies nahezu durchgehend zu ihrem Vorteil. Besonders die Mittelalterszene hat durchaus Grund zur Freude, denn der große Renaissancegarten, von früheren Festen bekannt von den großen Greifvogel-Flugshows, wurde für Lagergruppen und eine Erweiterung des Festgeländes geöffnet, während der "Auslagerungsplatz" des Vorjahres in diesem Jahr nicht mehr integriert wurde. Auch der Bogenstand wurde dorthin, "nach unten" verlegt, was am oberen, gewohnten Areal mehr Platz für die Darbietungen verschaffte - beispielsweise die Schaukämpfe der "Resident Knights" der Rosenburg: Den Dreschflegeln. Die Tiroler Truppe sorgte bei den Besuchern für viel Gute Laune und blieb vielen im Gedächtnis, wie man den Gesprächen an den Tavernen entnehmen konnte.

Etwas überhastete Erweiterung?

Zurück zum verlegten Bogenstand: Hier ist einer der Schwachpunkte des Festes zu nennen. Die Einbeziehung des Renaissancegartens wirkte etwas überhastet geplant, einige Attraktionen waren "gut versteckt" und für Besucher, die sich nicht durch große Neugier auszeichneten, kaum zu finden. Unter diese versteckte Platzierung fiel beispielsweise auch die Tuchfärberin Astrid, zu der sich nur wenige Gäste verirrten. Aus Besuchersicht kann eigentlich nur dieser Umstand, sowie eine durchgehend etwas merkwürdige Platzierung und Anreihung der Händlerstände bemängelt werden. Durch verschachtelte, nach hinten versetzte Platzierungen musste man wirklich gut acht geben, um jeden Anbieter und auch einen Weg dorthin zu finden.

Unüberschaubares, hochqualitatives
Gastronomie-Angebot


Gefühlte zwanzig Gastronomie-Anbieter waren über das Areal verstreut - real waren es aber sicher deutlich über zehn Anbieter von Getränken und vor allem Speisen. Dabei schien alles angereist zu sein, was in Deutschland und Österreich Rang und (guten) Namen hat. Die Besucher freute dies außerordentlich, denn es gab weder Warteschlangen und eine noch nie da gewesene Auswahl hochwertiger Getränke und Speisen. Doch - so weit muss gedacht werden - aus Anbietersicht konnte diese Freude nicht geteilt werden. Hier gab es nahezu überall am Ende des Tages ein großes Loch in der Kasse. Und auch die Händler, deren Zahl durchaus groß und deren Abwechslung akzeptabel war, schienen nicht sehr zufrieden.

Erweitertes Kinder- und Familienprogramm

Schade für die genannten Gewerbetreibenden, doch derlei Probleme müssen den Gast nicht interessieren - er könnte sie sowieso nicht ändern. Dem Besucher präsentierte sich alles reichhaltig. Erstmalig konnte er durch Lagerleben schlendern, das Kinderangebot war zudem erweitert worden, da die Lagergruppe aus Enns, Civium Anasi, ihr reichhaltiges Kinderprogramm beispielsweise Tjosten oder kämpfen mit dem Stoffschwert, "hoch zu Ross am Steckenpferd" mitgenommen hatten. Es gab trotz der vielen Marktstände weite Flächen, um zu Laufen und sich auszutoben. Dabei beobachtete man - ob Zufall oder nicht - eine erhöhte Disziplin im Vergleich zu den Vorjahren. Kinderscharen, die mit ihren Holzschwertern der Vegetation zu Leibe rückten, waren eine Seltenheit. Und auch der Hooligoth-Faktor war zu vernachlässigen. Der Redakteur bemerkte erst nach 5-6 Stunden Anwesenheit einige, wenige ungeschützte Schwerter am Gromi-Gürtel.

Viele Gruppen programmgestaltend aktiv

Die Vielfalt in der Programmgestaltung ist unbedingt hervorzuheben - 11 verschiedene Programmgestaltende Personen und Gruppen. Jedoch wurde bei der Gestaltung - und hier kann man im kommenden Jahr ansetzen - vergessen, dass man über zwei Schauplätze verfügte. Bei dieser (sicherlich teuren) Auswahl an Darstellern wäre ein durchgehendes Programm an zwei Orten kein Problem. Ein kurzer Überblick: Torxes und Pixel, das musizierende Tier, Alex der Gaukler, die italienischen Fahnenschwinger Gruppo Musici e Sbandieratori di Pomarance, Haga Skalden, Narrengold, Dreschflegel, Falknereivorführung, die Henker - und mehr. Ergänzung fanden diese fixen Programmpunkte mit den fixen Stationen, die durch verschiedene hochqualitative Handwerker gebildet wurden. Dort hörte man allerdings, dass man in seiner Erklärtätigkeit keineswegs überbeschäftigt war, an diesem langen Wochenende. Wem dies immer noch nicht ausreichte, der konnte sich auf die Suche nach "versteckten Juwelen" machen, die auf keinem Programmheft abgedruckt waren. Besonders ins Ohr fielen hier Arnulf das Schandmaul, als Musiker bei Roland Heinzle gebucht, der seinen Gesang mit möglichst viele gleichzeitig gespielten Instrumenten unterstützte. Überraschend gut, angenehm - und um so unendlich viel stimmungsfördernder als lästige CD-Player in Händlerständen - war das Lautenspiel von Sergio, das im Stand von Nicoles (la regine) Gewandungen zu bestaunen war. Juwelen eben, die man sich suchen muss und die einem auf einem so vielfältigen und weitläufigen Areal nicht nachgetragen werden.

Auf den Spuren des Besucherschwundes

Warum aber ist die Rosenburg in der Besuchergunst gefallen? Liegt es am Wetterbericht, der eigentlich Donnerstag bis Samstag von Schlechtwetter und Gewittern ausgegangen ist? Liegt es am Charity-Fest am 18. Juni, für das von dessen Initiatoren in wohl jeder Zeitung Österreichs mit dem Titel "Mittelalterfest" geworben wurde, also an einer Besucherverwirrung? Waren im Vorjahr so viele Menschen enttäuscht, weil der Markt Schlechtwetterbedingt geradezu "versank"? Liegt es am Titel, der vielleicht eher ein Museumsfest denn einen bunten Genremix mit breitem Angebot erwarten ließe? Liegt es am Flyer, der wie der Titel das wichtige Schlüsselwort "Ritter" in Wort und Bild vermissen ließ, das sich noch immer als Publikumsmagnet erwiesen hat? Es ist merkwürdig, die Rosenburg zu besuchen, ohne eine Schlange von Wartenden am Tor zu sehen und ohne dass sich Tausende durch die "Marktstraßen" der Zeltstadt schieben. Ein Umstand, den sich das Fest nicht verdient hat. Denn einerseits haben die Organisatoren des Rosenburg-Festes in der Mittelalterszene den Ruf von Geschäftspartnern mit Handschlagqualität, andererseits wird bei den Akteuren sicherlich nicht gespart. Die Kostenseite des Veranstalters ist dem im Genrevergleich relativ hohen Eintrittspreis von 15 Euro durchaus angemessen, wenn man die Anzahl der verschiedenen Attraktionen und der anwesenden Handwerker nachrechnet. Die Ermäßigung um ganze 5 Euro für Gewandete ist auch ein klares Freundschaftsangebot und keine Knauserei um 50 Cent wie vielerorts gesehen.

Aus Besuchersicht rundum gelungene Veranstaltung
mit jährlicher Verbesserung


Aus der persönlichen Sicht des Redakteurs, präsentierte sich das Fest als rundum gelungene Veranstaltung, wo sich der Besucher wohlfühlen konnte. Was dem Besucher eine Freude war, war manchem Standbetreiber eher leid, denn der große Gastronomie-Überschuss machte sich in der Kassa schmerzlich bemerkbar. Es gab in Österreich möglicherweise noch nie zuvor ein Mittelalterfest mit derartig viel gastronomischem Angebot - und dabei nahezu durchgehend hoher Qualität. Eventuell hätte man die vielen Darsteller etwas öfter einsetzen können, um so ein Programmfeuerwerk ohne Pausen auf beiden Veranstaltungsebenen bieten zu können. Manche Darsteller aus der Top-Liga waren nur einmal am Tag zu einem fixen Programmpunkt eingeteilt. Schön für die Darsteller, die hier geschont wurden - aber auf der anderen Seite haben viele von ihnen eine Qualität zu bieten, die man dem Publikum häufiger präsentieren kann. Hinzu kommt der viel kritisierte Umstand, dass der Markt bereits um 18:00 endete - dies zu einer Zeit, wo die Sonne um 21:00 untergeht. Auch dieser Umstand könnte dazu beigetragen haben, dass die Kassen weniger geklingelt haben, denn wenn man erst um 15:00 angereist wäre, war im Prinzip "schon fast alles vorbei". Auf der Rosenburg bewegt man sich mit Riesenschritten in die richtige Richtung - möglicherweise waren die Schritte etwas zu groß und man hat am Weg die eine oder andere Kleinigkeit übersehen. Und einem professionellen Nörgler würde sicher nicht entgehen dass ein Titel wie "Burgfest" oder "Familien-Ritterfest" passender gewählt wäre als "Historisches Burgtreiben". Insgesamt aber freut man sich richtig auf das kommende Jahr, weil davon auszugehen ist, dass mit weiteren Verbesserungen dieser Art ein gemütliches Treiben in großartigem Ambiente garantiert ist. Mit der Einbeziehung von Lagergruppen wäre sogar das Potential da, früher oder später in der Gunst der Mittelalterszene in die Riege der "Top-10-Feste" aufzusteigen.

Weiterführende Links:




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