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Foto: (C) Florian Machl
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Heimspiel der österreichischen Mittelalterszene in Kaprun
Großes Lager, beste Unterhaltung
31. 7. 2007 - 23:00 - Verena R. und Florian Machl

Vom 28. bis 29. 7. wurde auf der Burg Kaprun das zwanzigste 'Große Burgfest' veranstaltet. Veranstalter des jährlichen Spektakels ist das Burgmanagement der Burg unter der Leitung von Misha Hollaus alias Burghexe Misha della Notte. Man sollte meinen, daß das Fest es schwer hätte, gegen das zeitgleich stattfindende Fest in Reutte zu bestehen - doch ganz im Gegenteil. Das Burgfest Kaprun hat sich im Vergleich zum Vorjahr sehr gesteigert und konnte eine Vielzahl von Höhepunkten aufweisen.

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Meli und Daniels Bogenstand vor den Burgmauern

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Was Zappo der Gaukler und sein Kollege da wohl unter den Bechern verborgen haben?

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Der von Akteuren und Zusehern überfüllte Burghof
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Cordula und Kratla von Rhiannon

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Die Gruppe BraAgas

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Die Musiker von Scarazula

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Zu Gast unter dem Sonnensegel von Prima Nocte

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Die Soldknechte Compania Carantania

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Misha della Notte vom Veranstalterteam

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Die Recken der De Miahoida vor freien Schwertkampfübungen

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Ein Edelmann blickt über den Turnierplatz.

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Die Tränke zum wilden Wikinger
Ein Burgfest gleichzeitig mit dem großen Mittelalterfest Burg Ehrenberg in Reutte, Tirol, anzusetzen, mag kühn klingen und in den Gedanken mancher zum Scheitern verurteilt sein. Dass jedoch weder die über 3500 Besucher noch die anwesenden Gruppen Kaprun im Stich ließen, zeigte sich nicht zuletzt an dem Engagement der Veranstalter, der herrlichen, historischen Kulisse sowie dem beliebten Freikampfturnier im Maß Mann gegen Mann, bei dem sich verwegene Ritter und Soldaten, und solche, die es noch werden wollen, an ihre eigenen Grenzen führen können.

Der Verlockung Tirols widerstand wohl so mancher in Anbetracht der Eintrittspreise, die in Kaprun für einen Erwachsenen bei acht Euro lagen, Gewandete entrichteten einen Obolus von zwei Euro, für Unersättliche lockte die Möglichkeit einer Kombinationskarte, die die ungehinderte Passage an beiden Tagen ermöglichte. Das Wetter zeigte sich am Samstag wie angekündigt von seiner launischen Seite und bot einige Sonne-Wolken-Regen Kapriolen. Der Sonntag war wolkig bis schön, natürlich nur bis knapp vor Festende - dann schüttete es kurz mit voller Kraft, was die anwesenden Lagerleute sicher nicht sonderlich glücklich machte. Wer fährt schon gerne mit völlig durchnässter Ausrüstung nach Hause?

27 Lagergruppen, über 350 Akteure

Doch zunächst ein paar Zahlen. Siebenundzwanzig Lagergruppen bildeten eine beachtliche Zeltstadt. Diese wurden von den Veranstaltern aus über 100 Anmeldungen handverlesen. Über vierzig Händlerzelte und Handwerker boten den Besuchern die Möglichkeit einzukaufen oder sich über mittelalterliches Handwerk zu informieren. Rund 350 Mitwirkende gestalteten Ambiente und Programm. Für Essen und Trinken wurde von lokalen Gastronomen, dem Strudelbäcker mit erweitertem Angebot (Ritterfladen) und Roland Heinzles Taverne zum wilden Wikinger gesorgt. Für süssen Genuss sorgte Isi mit ihren Spezereyen. Bei insgesamt drei Anbietern war Met zu erwerben, teilweise aber schon am Sonntag Mittag ausverkauft.

Wie im Titel angekündigt, kann man das Fest als Heimspiel bezeichnen - und das ist wohl der größte Unterschied zu den meisten anderen Festen. Veranstaltungsleiterin Misha Hollaus formulierte das so: "Zuerst kommen bei uns die eigenen Leute dran, also Gruppen aus Österreich. Dann natürlich Bayern, die gehören gewissermassen dazu. Wenn danach noch Platz ist, laden wir gerne auch andere Nationen ein. Uns ist vor allem wichtig, lokale Vereine und Initiativen zu fördern, so wie auch wir von der Tourismusregion gefördert werden." Diese Aussage ist viel wert und beweist einen Umgang mit dem Veranstaltungsbudget, der nicht auf Gewinnoptimierung sondern auf Vielfalt des Angebots angelegt ist. Und tatsächlich zieht sich diese Vielfalt durch die ganze Veranstaltung.

Fünf verschiedene historische Musikgruppen

So hat auch die Zahl der verpflichteten Musikgruppen Seltenheitscharakter, insbesondere wenn man sie der Zahl der erwarteten und auch tatsächlichen Besucher gegenüberstellt. Es spielten Rhiannon aus Österreich, BraAgas aus Tschechien (Eine Nachfolgegruppe von Psalteria), Scarazula aus Deutschland, Amici Musicae Antiquae aus Deutschland sowie Jasper. Dazu kam weitere musikalische Unterhaltung vom Fanfarenzug Bregenz. Im direkten Vergleich mit dem Fest der Superlative in Reutte kann Kaprun im Bereich Musik in jedem Fall punkten. Ein Markt, wo ständig von überallher Musik ertönt, bietet ein Flair, das durch nichts anderes zu erreichen ist. Welche Band nun die 'Beste' war, darüber streiten sich die Geister. Es ist aber auch nicht notwendig, den Besten zu ermitteln, denn alle verzauberten auf Ihre Art das Publikum. Am ehesten entbehrlich waren die moderneren Stücke des Fanfarenzuges, denn La Cucaracha und ähnliche Gute-Laune-Stücke mögen sicher irgendwo ihre Berechtigung haben, aber vielleicht nicht unbedingt am Mittelalterfest. Grob danebengegriffen hat leider auch der Tontechniker der die akustische Verstärkung von Rhiannon verbrochen hat - zumindest beim Konzert am Sonntag war der Ton in etwa so gut wie wenn man die Musiker mit ihren Instrumenten einzeln in Blechtonnen gesteckt hätte. Schade, denn unverstärkt am Marktgelände zeigten sie die gewohnte und beliebte Qualität. Ein Augen- und Ohrenschmaus waren die vier Musikerinnen von BraAgas, der tschechischen mittelalterlichen Damenband, die sich sehr intensiv mit historischen Stücken auseinandergesetzt haben und die hohe Qualität der Vorgängerband Psalteria fortsetzten. Ebenso bei jedem Auftritt von einem großen Publikum umringt fanden sich die Musiker von Scarazula.

Schaukampf und Turnier

Freunde von Schau- und auch ernsterem Schwertkampf bekamen ebenso einiges geboten. Für Schaukämpfe waren die junge Linzer Formation Draconis Cognatio sowie die Kärntner Soldknechte Compania Carantania engagiert. Am Samstag abend gab es einen Schwertkampf Workshop, wo die verschiedenen Gruppen ihre Erfahrungen austauschen konnten. An beiden Veranstaltungstagen wurde ein szeneinternes Schaukampfturnier veranstaltet, wo im harten Vollkontakt Schwert-Schild Freikampf Mann gegen Mann gefochten wurde. Als Sieger ging schlußendlich Valentin, ein Kämpfer der Gruppe Adlerschlag aus Nürnberg hervor, der den Titel zum zweiten Mal in Folge errang. Der zweite Platz ging ebenso an Adlerschlag, der dritte an Prima Nocte. Der Umgang der Kämpfer untereinander war sehr fair und freundschaftlich und keinesfalls gereizt oder überehrgeizig, wie bei Sportveranstaltungen oft üblich. Die Turnierregeln des Vorjahres wurden adaptiert, wobei die Stimmen dazu von Lagergruppe zu Lagergruppe unterschiedlich ausfielen. Den einen gefiels und sie waren teils extra deshalb angereist, andere hatten diverse Bedenken und äußerten inoffiziell einige Veränderungswünsche. Nachdem dieses Turnier erst zum zweiten Mal stattgefunden hat, ist anzunehmen, dass die Regeln 'leben' und somit järlich etwas anderes zu erwarten ist. Erwähnenswert: der Veranstalter hat extra dafür Sorge getragen, dass zwei Rettungssanitäter den gesamten Kampf überwachten und im Verletzungsfalle sofort vor Ort gewesen wären. Ebenso umsichtig die doppelte Absperrung um den Turnierplatz, die aus stabilen Holzplanken gezimmert war. Ein Vorbild für alle anderen Veranstaltungen dieser Art!

Feuershow erster Klasse

Auch für Gaukelei war gesorgt und das ebenso mehr als anderswo üblich: Zappo und ein Gauklerkollege begeisterten Kinderherzen aber auch Erwachsene durch verschiedenste Jonglagen, Kunststücke und Narreteien. In aller Munde waren nach der Feuershow des ersten Tages die Mitwirkenden von Forzarello. Diese zeigten eine noch nie dagewesene Mischung aus Trommeln und Jonglieren mit den Feuerstöcken, in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Besucher stellten Vergleiche mit der Machart und Qualität von Stomp auf. Sozusagen Weltklasse im Burghof, die hoffentlich auch noch bei anderen Gelegenheiten zu bestaunen sein wird.

Durch die Vielzahl der Lagergruppen können wir unmöglich alle nennen, einige Namen der Anwesenden seien hier dennoch aufgeführt: Prima Nocte, Drachensporn, Saelde und Ere, die Hirschensteiner, die Freyen, Adlerschlag, Soldknechte Compania Carantania, Germanitas Ferri, Salzburger Vogelfreye, Furibundus, Draconis Cognatio, Via Nostra, De Miahoida, Procus Animus... Ausserdem waren einige Ritterschaften aus der Umgebung anwesend.

Vielfältiges Marktleben

Die Marktstände und Handwerker waren wechselhaft in der Qualität, aber durchwegs bemüht um schöne Dekoration ihrer Stände. Auffällig war die Möglichkeit für den Besucher, eine echte Wahl zu haben. Zwei Bogner, drei oder mehr Bekleidungshändler, mehrere Waffen- und Rüstungshändler und auch mehrere Stände mit üblichem Ramsch. Interessant war der zum Steinmetz umfunktionierte Grabsteinhändler. Daneben gab es auch die bekannten und beliebten, nach authentischen Vorgaben gefertigten Gläser aus Krumau sowie einen Schmied. An einem wunderschönen und stimmungsvollen Platz konnte die oberösterreichische Tuchfaerberey ihr Handwerk zeigen.

Als Aktivitäts-Rahmenprogramm für die kleinen Besucher gab es Ponyreiten und eine kleine Schwertkampfschule. Die Großen konnten sich beim Bogenschießen an Meli und Daniels Bogenstand, beim Armbrustschiessen oder beim Axtwurf miteinander messen. Lagergruppen wird auch die Möglichkeit gegeben, eigene Waren anzubieten. Bogen-, Armbrustschießen, Axtwurf.

Das Publikum setzte sich gemischt aus Urlauberfamilien und Einheimischen zusammen. Da auch in Kaprun wie in Reutte die Aufteilung zwischen Akteuren und Publikum in der Größenordnung 10:1 war, gaben die vielen Gewandeten dem Fest zusätzliches Flair. Durch die Größe des Veranstaltungsgeländes verläuft sich der Publikumsansturm schnell, nur um die Kampfarena und im Burghof, der mit einer riesigen Holztribüne ausgestattet ist, staute es sich manchmal etwas.

Wenig Probleme außer mit sturen Anrainern

Von Problemen wurde nur selten berichtet. Das kleinste davon war wohl, dass am Anreisetag von einigen Gruppen so viel Holz gebunkert wurde, dass für andere vorerst keines mehr Verfügbar war. Dem wurde von Veranstalterseite aber rasch abgeholfen. Einige Musiker klagten über ein etwas zu straffes Programm, das erforderte, mit der Vielzahl an Instrumenten von einem Auftrittsort zum anderen zu hasten. Hier wäre sicherlich noch etwas Optimierungspotential versteckt. Die Verstärkung der Musik im Burghof wurde ja bereits angesprochen. Sehr ärgerlich und unnötig war hingegen das Verhalten einiger Anrainer und Urlaubsgäste. Nicht nur, dass sie die gut beschilderten Strassensperren während der Festzeiten ignorieren wollten und oft erst nach Diskussionen vor dem Festgelände umdrehten, wurde das behördlich genehmigte Fahrverbot in der Nacht gänzlich umgangen. Strassensperren sollen in den Fluss geworfen worden sein und Fahrzeuge fuhren gänzlich ungeniert durch das Festgelände, bis die Polizei gerufen wurde. Eine dickschädelige 'hinter-mir-die-Sintflut-Mentalität', die für alle Beteiligten sicher verzichtbar wäre - glücklicherweise kam niemand zu Schaden.

Fazit

Das 20. Burgfest Kaprun war eine rundum gelungene Veranstaltung mit einer sehr herzlichen, zugänglichen Verantwortlichen, die selbst in ein ausgefallenes Kostüm geschlüpft ist, eigene Auftritte zeigte und jede andere Darbietung mit großem persönlichen Engagement unterstützte. Strikte Authentizität und historische Korrektheit ist nicht unbedingt das Hauptziel der Veranstaltung, wurde bei manchen Teilbereichen wie den umfangreichen Zeltlagern eher, in anderen weniger erreicht. Ein Hauch Fantasy gehört wohl zu jeder derartigen Veranstaltung dazu und wird vom Publikum auch gerne angenommen, soferne man Fantasy auch als solches deklariert. Das Fest dürfte sich auch in den kommenden Jahren zu einem der beliebtesten Fixpunkte der Szene entwickeln und kann all jenen wärmstens empfohlen werden, die mit ihren Lagergruppen das Glück haben, die Auswahlkriterien der Veranstalter zu erfüllen. Für Festbesucher lohnt sich die Anreise aufgrund des einmalig umfangreichen Programms in jeden Fall. Es gibt sicherlich sonst kein Fest dieser Größenordnung, das so viele Attraktionen aufzuweisen hat.


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1. Kommentar von wikingar am 28.07.2009 um 15:23
Resüme
es war der beste Mittelaltermarkt den ich jeh gesehen habe!
bin nächstesjahr wieder mit einer lagergrgruppe dabei!


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