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Bildquelle: Herbert Graf
Der Auftritt der Dreschflegel vor der "Kulisse" des Burgtores.

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Die südtiroler Gruppe "Ulrich von Starkenberg" bildete das Lagerleben.

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Grünflächen wären durchaus vorhanden, wurden aber nicht genutzt.

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Im "hintersten Winkel" wurden zwei Anbieter, darunter die Bäckerei, versteckt. Ob die grauen Bierkisten als Burgmauer-Ersatz gedacht waren oder immer dort stehen, entzieht sich unserer Kenntnis.

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Tanz mit Eulenspiel...

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...zu den Klängen von Rhiannon.

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Ambiente? Schloss? Wo habt ihr euch versteckt?

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Der Schlafraum für die Mittelalter-Darsteller wurde gleichzeitig als Freibierausschank und Raucherkammerl benutzt. Das setzt neue Maßstäbe in der Wertschätzung von Künstlern.

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Darum soll es bei den Feierlichkeiten tatsächlich gegangen sein: VIP-Abend mit Volksmusik am Samstag und Frühschoppen mit Volksmusik am Sonntag.

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Abendliches Feuerspiel mit Gaukler Alex. Fuchs und Hase sahen zu.

Starkenberg – ein starkes Stück
Das Fest, das keiner wollte
16. 9. 2010 - 10:00
Florian Machl


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So schön hätte es geklungen. Endlich einmal ein Mittelalterfest in der Event-Wüste Westösterreich. Die Brauerei Schloss Starkenberg in Tarrenz, Tirol, lud zur 700-Jahr-Feier des altehrwürdigen Gemäuers. Was die teilweise sogar aus Wien angereisten Darsteller erlebten, war das Grauen. Seit Huscarl die Hintergründe von Festveranstaltungen recherchiert, ist noch nie ein Event so gründlich in die Hose gegangen wie in Starkenberg am 4. und 5. September. Ein Festbericht aus sicherer Entfernung über Begebnisse, aus denen alle Beteiligten nur lernen können.

Starkenberger ist eine Biermarke mit großem Namen. Wenn es irgendwo eine Prämierung von Bier gibt, ist Starkenberger meist vorne mit dabei. Dazu kommt die weithin berühmte Biererlebniswelt Starkenberger Biermythos, wo man der Dekadenz frönen kann, in Bier zu baden. Die Liste der Errungenschaften von Starkenberger ließe sich endlos fortführen. Hier würde man vermuten, dass eine Feierlichkeit von historischer Bedeutung auch reibungslos und gut geplant abläuft. Eine Vermutung, die bedauerlicherweise nahezu tragisch an der Realität vorbeiging. Der erste hinterfragenswerte Punkt ist aber eigentlich, welche 700 Jahre hier gefeiert werden. Auf all den Homepages der Brauerei und des Schlosses finden sich Hinweise auf einen Erbauungszeitraum zwischen 1315 und 1330. Erst Wikipedia ist der Ansicht, dass der Bau der Festung Neustarkenberg zwischen 1310 und 1329 erfolgte. Informationen, nach denen man entweder 30 Jahre lang eine 700-Jahr-Feier durchführen kann oder zumindest die eigene Homepage aktualisieren sollte. Dies wäre im Sinne der Bewerbung des Events wohl auch kein Fehler gewesen. Der erste große Schwachpunkt dieses Mittelaltermarktes, der seinen Namen genauso wenig verdient wie eine in diesem Jahr bekannt gewordene Veranstaltung im Wiener Praterareal. Die Werbung war dermaßen nicht wahrnehmbar, dass einige Händler nach der Durchreise aufgrund der nahen Feste in Schluderns und Reutte einfach absagten. Vielmehr sollen die Gäste auf günstiges Bier (die Halbe Bier um einen Euro), Frühschoppen und Volksmusik vorbereitet worden sein.

Sieben statt dreißig Händler

Was uns zu Punkt Zwei der Grundproblematik führt: Am Markt, für den rund 30 Händler erwartet wurden, bauten gerade einmal sieben Anbieter ihre Stände auf. Und dies gleich mehrmals. Zum besseren Verständnis, gehen wir ein wenig zurück. Eigentlich war eine junge Dame aus dem Management mit der Abwicklung der Feierlichkeiten betraut worden. Gerüchte wollen wissen, dass sie dafür ein halbes Jahr dienstfrei gestellt worden wäre. Dies konnten wir nicht verifizieren, es ließe sich aber auch nicht aus den Ereignissen dieses Wochenendes herauslesen. Jedenfalls beauftragte man mit dem mittelalterlichen Rahmenprogramm, das aus Händlern, Darstellern und deren Vorführungen bestehen sollte, die Tiroler Gruppe "die Dreschflegel". Diese hatte sich jedoch noch nie ein Fest dieser Größenordnung versucht und gab den Auftrag – zuerst terminlich für Anfang Mai geplant – an Torxes von Freygeyst und seine Agentur Torxes Events weiter.

Terminverschiebung...

Ärger bereitete die Veranstaltung dann im Mai erstmals unserer Redaktion, als einige zu recht erzürnte Zuschriften eintrafen, dass man viele Kilometer zum Fest gefahren wäre. Zur Ehrenrettung für die Brauerei ist zu sagen, dass sie sehr wohl eine Terminänderung bei Huscarl angefragt hatte, diese aber im Tagesgeschäft verloren ging und somit monatelang ein falscher Termin publiziert war. Zu diesem Zeitpunkt wiesen wir auch darauf hin, dass wir für unsere Termine keinerlei Garantie übernehmen können und deshalb auch stets Links zu den Veranstaltern anbieten, wo man das Stattfinden und die Beschaffenheit eines Festes selbst prüfen möge.

... und Terminprobleme

Wie dem auch sei, die Veranstaltung wurde verschoben, was Torxes Events vor ein Problem stellte, dessen Lösung eigentlich nur eine Absage sein hätte sollen. Zum Einen hatte Torxes dem zeitgleich stattfindenden Markt in Groß Enzersdorf mit seinen eigenen Marktständen zu beschicken, er selbst hatte Auftritte auf Burg Aggstein und in Groß Enzersdorf und zudem war an diesem Wochenende noch das Gaudium zur Purg in Purgstall, was die Zahl verfügbarer Händler nochmals verringerte. Das größte Problem, wie sich herausstellen sollte, war aber der Irrglaube, dass die Dinge in Tarrenz, wie überall sonst auch, eine Art Selbstläufer werden würden. Es waren langjährig erfahrene Profis, die hier engagiert wurden: Rhiannon für die Musik, Alex der Gaukler für Gaukelei und Feuershow und Eulenspiel für historischen Tanz. Für Schwertkampfdarbietungen sollte die Gruppe Dreschflegel sorgen.

Erste Widrigkeiten und Marktumbau

Am Aufbautag zeigten sich die ersten Probleme. Statt 30 Handwerkern und Händlern reisten gerade einmal sieben Anbieter an. Die Brauerei selbst spricht gar nur von vier Ständen, wobei wir dazu tendieren, der Aussage der Darsteller Glauben zu schenken. Ob vier oder sieben: Peinlich allemal, da man mit deutlich mehr gerechnet hatte. Allerdings schwanken auch die Angaben zum Areal, wo dies alles hätte stattfinden sollen. So wird berichtet, dass anfangs nur selbst stehende Zelte erwünscht waren. Eulenspiel wurde deshalb ohne ihr Lagerleben eingeladen. Erst später war dann die Rede von einer Wiese, wo die angereisten Händler am Freitag auch aufbauten. Kurze Zeit später kam die Order: Umbau. Alles ist in den Brauereihof zu bewegen. Eine erstmalige Erfahrung für die Händler, doch mit vereinten Kräften wurde umgestellt. Vor der Kulisse von turmhoch aufgestapelten Bierkisten positionierte man seine Waren. Doch nicht alle Anbieter fanden Platz, wo man sie sehen konnte – ins letzte Eck mussten deshalb ein Bäcker und ein zweiter Händler weichen.

Programm für 30 Zuschauer

Das Fest begann, doch die Auftraggeber wollen – so die Berichte der Darsteller – nichts vom Mittelalterprogramm wissen. Tapfer wurde Programmpunkt um Programmpunkt gezeigt – vor einem Publikum von 30 Personen. In Wirklichkeit war der Samstag einem VIP-Abend gewidmet, der in den Innenräumen der Brauerei stattfand. Rund vierhundert geladene Honoratioren wurden dort mit Volksmusik bedröhnt, während den Mittelalterdarstellern ein Stellenwert unter dem von Pausenclowns eingeräumt wurde. Dass draußen Programm stattfinden würde, das hätte man bei den Feierlichkeiten gerne verlautbart. Doch der Mann am Mikrofon soll dies mehrfach abgelehnt haben. Ungeliebt und ungewollt? Der Eindruck entstand rasch. Ähnlich erging es oben genanntem Bäcker. Zum wenig attraktiven Standplatz und dem nicht vorhandenen Käuferpublikum fiel ständig das Wasser aus – angeblich absichtlich abgedreht. Für diesbezügliche Beschwerden soll sich kein Ohr gefunden haben, dies bestätigen mehrere Anwesende.

Schlafraum-Katastrophe

Das Programm neigte sich dem Ende zu und man ging dazu über, an die Nachtruhe zu denken. Für diese war den Darstellern ein eigener Raum zur Verfügung gestellt worden – voll gestellt mit Tischen. Kein Problem, Mittelalterdarsteller sind nicht wählerisch. Ob die Luftmatratzen am Boden oder auf Tischen liegen macht wenig Unterschied. Was die Darsteller nicht wussten, war, dass ihr Schlafraum direkt an die Hauptveranstaltung grenzte. Volksmusikalisches Humpta Tötöröö bis um vier Uhr Morgens. Dem nicht genug, war der selbe Raum auch anderen Künstlern, die ein moderneres Programm bestritten, als Aufenthaltsraum zugewiesen worden. Musiker betraten ihn ständig, um sich an einem Zapfhahn Bier zu holen. Wer nicht gerade Trank, nutzte diesen Schlafraum als Raucherkammerl. Für Beschwerden soll sich auch diesmal niemand interessiert haben, sodass man schließlich selbst eine Türwache einrichtete um die gröbsten Probleme abzuwenden. Gegen den Lärm war man machtlos, im sicheren Wissen, den Raum in den frühen Morgenstunden wieder räumen zu müssen, da er am kommenden Tag für Lokalgäste genutzt werden sollte. Glücklicherweise blieb zumindest dem Nachwuchs von Rhiannon dieser Stress erspart, die Band hatte auch ein Wohnmobil mitgebracht.

Verfrühte Abreise

Der Sonntag gipfelte darin, dass das mittelalterliche Programm nicht nur ignoriert und möglicherweise unerwünscht war, es wurde zur Unmöglichkeit. Die Volksmusik des Frühschoppens knallte aus den Boxen, so dass weder Musik noch zugehöriger Tanz machbar waren. Auf eine diesbezügliche Nachfrage, wann man denn endlich sein Programm machen dürfe, sollen die Aussagen "Teilts Euch das selbst ein." bis "Machts halt um 17.00 Programm, dann sind aber wohl nur noch ein paar Betrunkene da." gefallen sein. Darauf wollte man nicht warten und beschloss gegen 16.00 die Abreise in die ferne Heimat. Der Vollständigkeit halber sei noch eine italienische Gruppe erwähnt, die am Fest Lagerleben zeigte. Diese wird von der Brauerei als "Rettung des Festes" gepriesen, merkwürdiger Weise von den anderen Darstellern mit keinem Wort erwähnt - sehr wohl aber auf Fotos gezeigt.

Das Nachspiel

Dass diese Sachverhalte ein Nachspiel haben würden, kristallisierte sich schon vor Ort heraus. Dass sich das Nachspiel in Form einer Zahlungsverweigerung äußern würde, war vielleicht nur ein Schreckgespenst am Horizont, entspricht aber der tatsächlichen Entwicklung. Die derzeit im Raum stehende Äußerung seitens der Brauerei lautet, dass die vereinbarte Leistung nicht erbracht wurde und deshalb sogar ein Teil der Anzahlung rückgefordert wird. Diese Anzahlung deckt allerdings nicht die entstandenen Kosten für die Darsteller.

Wir befragten alle Beteiligten nach ihrer Sicht der Dinge. Die Aussagen der befragten Darsteller und Händler decken sich mit oben stehenden Beschreibungen. Die Hauptakteure dieses Dramas äußerten sich wie folgt:

Dreschflegel arbeiten an gütlicher Lösung

Martin, als Vertreter der ursprünglich mit dem Mittelalter-Teil beauftragten Dreschflegel, gibt sich großteils erschüttert über die Entwicklungen. Er ist allerdings der Ansicht, dass gute Leistung seitens der Mittelaltergruppen erbracht wurde, soweit sie möglich war – und diese Leistung ohne wenn und aber zu entlohnen ist. Er sieht auch eine Verkettung von Missverständnissen, die vor allem durch Mentalitäts­unterschiede und Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Ost und West ausgelöst wurden. Er arbeitet auf eine gütliche Lösung mit der Brauerei hin, nach der die Akteure ihr Geld erhalten und eventuell im Folgejahr sogar eine etwas klarer geplante Veranstaltung das Ziel wäre.

Brauerei Starkenberg überlegt Schadenersatzklage

Frau Dr. Amann als Vertreterin der Brauerei Starkenberg gibt sich ausgesprochen verärgert. Diese spricht davon, dass der Veranstalter seinen Vertrag nicht eingehalten hat. Starkenberg hätte massiv Werbung für den Mittelalter-Event betrieben und sich mit einem Shuttlebus auf den Besucheransturm vorbereitet. Nur vier Marktstände wären gegenüber angeblich noch einer Woche vor dem Fest angekündigter 34 Händler eine grobe Minderleistung. Zudem wären auch einige Attraktionen nicht erschienen, die angekündigt waren. Seitens Starkenberg überlege man eine Schadenersatzklage.

Torxes räumt Versäumnisse ein

Torxes sagt: "Ich habe mir an diesem Wochenende zu viel zugemutet. Ein Grundfehler im Ablauf war sicher, dass kein Ansprechpartner vor Ort war, der die Missstände oder auch Missverständnisse beheben oder zumindest aufzeigen hätte können. Ich habe mich auf die Professionalität der gebuchten Gruppen verlassen aber die widrigen Umstände unterschätzt. Die Gruppen haben ja gut funktioniert und sind dem vorgegebenen Programm gefolgt - was nicht funktioniert hat war die Einbindung durch den Auftraggeber. Die Teilnehmer fühlten sich ungewollt und fehl am Platz. Ein großes Problem war auch, dass die vereinbarten Händlerzahlen nicht erreicht wurden. Hier habe ich eindeutig mehr versprochen als zu halten war - jedoch spielte auch ein anderer Faktor eine Rolle: Wie schon so häufig gesehen, sind einfach 50% der gebuchten Händler nicht erschienen."

"Die Gruppen sollen auf jeden Fall ihre vereinbarten Gagen ohne Abzüge erhalten. Für die nicht erschienenen Händler übernehme ich die Verantwortung, egal aus welchem Grund sie nicht gekommen sind. Das ändert aber nichts daran, dass die anwesenden Darsteller eine gute Leistung geboten haben, die ohne Abzüge zu bezahlen ist. Ich hoffe, dass das gegenseitige Vertrauensverhältnis durch die Vorkommnisse keinen großen Schaden genommen hat. Die aufgetretenen Probleme hätten eben einen 'Chef vor Ort' erfordert. Das hätte sicher geholfen und ich lerne auch daraus: Auf so etwas werde ich mich nicht mehr einlassen."

Schadensbehauptung nicht logisch nachvollziehbar

Als Analyse der Aussagen kann festgehalten werden, dass der Ärger der Brauerei zwar durchaus verständlich ist. Eine Folgelogik im Sinne eines entstandenen Schadens bleibt dennoch schwer nachvollziehbar. Wohl kaum einer der an der Planung beteiligten kann sich hier einfach hinstellen und seine Verantwortung negieren. Eine Summe an unglücklichen Umständen aber auch aktiven Versäumnissen führte zum Fiasko. Diesbezüglich wurden Frau Dr. Amann auch noch weitere Fragen übermittelt, die im Falle einer Beantwortung selbstverständlich hier publiziert werden. Unsere Überlegungen gestalten sich dahingehend, dass die angeblichen vielen enttäuschten Besucher, denen man mit Werbung einen Mittelaltermarkt versprochen hätte, ja irgendwo hätten auftauchen müssen. Von einer Warteschlange Interessierter Gäste ob mit oder ohne Shuttlebus ist aber nichts bekannt geworden. Enttäuschen hätte man diese Gäste ja nur vor Ort können, was durch die Abwesenheit von Besuchern, die auch nur irgendetwas von einem Mittelalterfest wussten, unwahrscheinlich erscheint. Es liegt uns kein Foto vor, das mehr als genannte 30 Zuschauer zeigen würde - zu keiner Tages- oder Nachtzeit. Viel mehr präsentiert sich das Bild eines Festes, das niemand gewollt haben dürfte, wo alle an der Organisation beteiligten heillos überfordert waren und schlussendlich keiner wusste, wie er dem allen ein Ende setzen solle. Ein erster Gesprächstermin zwischen den Dreschflegeln und der Brauerei ergab jedenfalls noch kein klärendes Resultat, weil seitens Starkenberg niemand mit Entscheidungskompetenz daran teilgenommen haben soll. Ein weiteres Gespräch soll in Kürze stattfinden.

Weiterführende Links:





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