huscarl.at
EditorialMarktlebenWissenschaftMusikKulturVereineChronikVermischtesKurzWahlRadioVideoSzeneSuche
in der Community anmelden
Foto (C) Florian Machl
Bevor auf der Burg nach den letzten Sonnenstrahlen Ruhe einkehrte, gab es viel zu Bestaunen...

Foto (C) Florian Machl
Unter den ersten Gästen waren sehr viele Gewandete angereist.

Foto (C) Florian Machl
Verschiedene Gaukler "bespielten" das Volk.

Foto (C) Florian Machl
Die Musik dazu lieferten unter anderem Angus der Barde und seine Band.

Foto (C) Florian Machl
Gemeinsames Lagerleben von Gungnirs Snata und Mjöllnir Clan.

Foto (C) Florian Machl
Insgesamt präsentierten sich die Händlerzelte in sehr ambientetauglichem Bild.

Foto (C) Florian Machl
Bei Thomas Hirmanns Metschänke kredenzt man feine Tropfen.

Foto (C) Florian Machl
Der Narrenhimmel in neuem Gewand.

Foto (C) Florian Machl
Vorgriff auf das "Sinnliche Mittelalter" - Speiseeis für die Ohren?

Foto (C) Florian Machl
Das wollen die Henker genau wissen und führen den Schuldigen zur peinlichen Befragung.

Foto (C) Florian Machl
Unter grausamen Klängen der Klampfe sollte er gestehen.

Foto (C) Florian Machl
Doch Torxes kann sich wieder einmal entwinden und eilte flugs zum nächsten Auftritt.

Foto (C) Florian Machl
Ist der Narr auch oft im Himmel,
juckt ihn doch auch mal der...

Foto (C) Florian Machl
Und es kommt doch auf die Größe an, meint Arnulf, der mit der ganzen Familie privat zu Gast war.

Gauklerspektakulum Aggstein
Von manchem weniger, von manchem mehr.
Florian Machl
22. 4. 2010 - 12:30

Fotogalerie
Von 17. bis 18. April lud die Burgruine Aggstein ein: Zum Gauklerspektakulum. Die Veranstaltungen auf Aggstein sind in der Szene traditionell sehr beliebt, schafften es bislang aber noch nie in die höheren Ränge der Leserwertung. Aggstein zeigt etwas, was anderswo oft zu kurz kommt: eine klare thematische Ausrichtung, die sich durch fast alle Aspekte der Veranstaltung zieht. In diesem Jahr haben - so der Ausschreibungstext - Narren und Gaukler die Burg besetzt - auf ihrer Suche nach dem Stein der Weisen.

Zu allererst kamen die Gewandeten der Mittelalterszene. Gegen Samstag Mittag war das Gelände mit bekannten Gesichtern in teils über den Winter entstandener, neuer Gewandung übersät. Vielleicht ist das Geheimnis hier weniger darin zu suchen, dass alle "Szeneleute" Frühaufsteher wären, sondern in ihrer Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten: Man wollte ohne Gedränge einen gemütlichen Platz in einem der ersten Busse - und vor allem auch einen günstigen Parkplatz. Dies glückte vorzüglich, doch nicht nur aufgrund der relativ frühen Anreisezeit.

Publikumsmagnet schwächelt

Die Besucherzahlen schienen in diesem Jahr etwas geringer ausgefallen zu sein. Mittelalterfeste inmitten der beeindruckenden, mächtigen Burgruine Aggstein sind in der Regel als Publikumsmagnet anzusehen - nicht zuletzt weil das Wetter wie von Zauberhand immer perfekt ist. Alles drängt und schiebt sich durchs Gelände - normalerweise. Diesmal wurde es von den Anwesenden als angenehm empfunden, dass man sich auf den teilweise engen Gängen und Wegen etwas freier bewegen konnte als gewohnt. Natürlich, Veranstalter und Händler sind vielleicht auch um die Bewegungsfreiheit der Gäste besorgt, aber primär wird man eher die Füllung der Kassen im Auge haben.

Thema: Gaukelei

Was wurde geboten? Das Themenfest "Gauklerspektakulum" beruhte auf einer Idee von Narrenkönig Torxes von Freygeyst, der sich im Rahmen des diesjährigen Burgfestes einen lange gehegten Wunsch erfüllen durfte. Beauftragt mit der künstlerischen Gestaltung und Abwicklung lud er Narren und Gaukler aus Italien, Deutschland und Österreich ein, die sich im Veranstaltungsgebiet auf die Suche nach dem gestohlenen Stein der Weisen begaben. Natürlich nicht ohne an allen Ecken und Enden das Publikum mit Gaukeleien, Narreteien und Musik zu unterhalten. Soweit der Plan.

Wer ersetzt den Haus- und Hofnarren?

In der Praxis gab es Auftritte an drei Veranstaltungsorten: im Burghof, am Platz vor der Burg und am Lagerplatz. Wer jedoch vom dichten Programm der Vorjahresveranstaltung verwöhnt war, erlebte diesmal einige Längen. Die Pausen zwischen den Auftritten erschienen oft langgezogen, insbesondere der Lagerplatz wurde nicht sehr intensiv berücksichtigt. Dazu kamen zwei weitere Probleme. Das erste: Es gibt nur einen Torxes und du sollst keinen Torxes neben dem Torxes haben. Klingt komisch, ist aber so: Mögen andere Gaukler auch lustig sein, mögen sie besser jonglieren können, mögen sie Zaubertricks beherrschen - was auch immer: "Unser" österreichischer Haus- und Hofnarr hat Fähigkeiten, die sonst noch nirgendwo gesichtet wurden. Durch spontane Situationskomik und sein unschlagbar lautes Sprechorgan bindet er das Publikum. Egal wo Torxes auftritt, bilden sich sofort Menschenmassen, die sich gut unterhalten fühlen. Deshalb, so traurig es klingen mag, gingen die Narrenkollegen teilweise ein wenig unter, obwohl sie eigentlich vorzüglich ausgewählt waren. Vereinzelt hatte man das Gefühl, das Publikum bewegte sich um die Vorführungen herum und nicht zu ihnen hin.

Wikinger beschwörten Vulkangott?

Es zeigte Rebasius Funkenflug aus Deutschland feine Jonglagetricks, Alex der Gaukler begeisterte unter anderem mit Kontaktjonglage, die Spielleute Dopo Domani mischten Musik mit Gaukelei. Die zweite Musikgruppe stellte Angus von Ardingen und Band, die den Aufenthalt auf der Burg auch gleich zu einem Musikvideo-Dreh nutzten. Gefehlt haben bedauerlicherweise die angekündigten Giulari il Diabolo - und dies war das zweite der erwähnten Probleme mit dem Programm: Die Künstler saßen auf einem italienischen Flughafen fest, weil ein isländischer Vulkan mit Aschespucken beschäftigt war, was europäische Flugbehörden in weiterer Folge mit Flugverboten beantworteten. Nicht gesichert ist, ob dies das geheime Winterwerk der anwesenden Wikingerhorden war, die irgendwelche längst vergessenen finsteren Götter heraufbeschworen hatten. Teil vom Programm, Gestalter des Lagerlebens und unermüdliche Handwerker - das waren die Wikinger vom Mjöllnir Clan und Gungnirs Snata. Schlussendlich gab es dann doch mehr Auftritte von Torxes und Pixl als geplant, denn die beiden übernahmen die meisten Auftritte der abwesenden italienischen Kollegen. Freudig überraschend war die Anwesenheit der beiden Henker, die sich zur Freude des Publikums immer wieder einen frechen Gaukler vornahmen.

Qualitative Höhen und Tiefen

Wer nicht anwesend war, sollte sich jedoch nicht täuschen lassen: Es wurde durchaus ein schönes Fest in passendem Ambiente geboten. Jedes Jahr scheint die Burgverwaltung, vertreten durch Christine Jäger, die Latte ein wenig höher zu legen, was Qualität und Erscheinungsbild der Marktstände betrifft. Bis auf einige Ausreißer im Gastronomiebereich zeigten sich die Stände durchgehend ambientetauglicher, mit bunten Plastikfetzen umhüllte Stände wurden nicht mehr gesichtet. Auch wenn die burgeigene Gastronomie mit schöneren Tellern und Besteck noch immer überfordert zu sein scheint - das Angebot an Speisen und die Küchenzelte passen inzwischen sehr gut. Verbesserungspotential gibt es noch einiges, keine Frage, aber die Bemühungen an allen Ecken und Enden sind ersichtlich. Bei den Ausreißern ist der noch verbesserungswürdige Stand der vom Produkt her eigentlich ambientetauglichen Fischreucherey zu nennen, ebenso gibt es beim Eisstand, der neuesten Erweiterung von Torxes’ Narrenhimmel, noch himmelschreienden Handlungsbedarf. Schöner wurde hingegen der Narrenhimmel selbst. Das Panoramabild des Narrenhimmels wurde jetzt endlich gut sichtbar in Szene gesetzt, der Dachdecker war zu Besuch und auch rundum gibt es viel neuen Sichtschutz, hinter dem das notwendige aber moderne Küchengerät gut versteckt wurde. Warum hingegen die dominanten Fahnen ein moderner Kunstdruck statt eine schöne Fertigung von Hand sein mussten, weiß wohl nur der isländische Aschevulkan, der darob noch ein bisschen weiterhusten muss.

Fehlten die Rittersleut denn wirklich?

Selbstverständlich rätselte man, weshalb die Besucherscharen zwar auch heuer in die Tausende gingen, im Vorjahresvergleich aber rückläufig waren. Möglicherweise war es für die durch weitreichende Flyerwerbung informierte Bevölkerung nicht ersichtlich genug, dass sich hinter dem Titel "Gauklerspektakulum" das alljährliche Mittelalterfest auf Burg Aggstein verbarg, auch wenn dies aus dem Bildmaterial deutlich hervorging. Vielleicht lockt ein Gauklerfest weniger Interessenten an als ein "herkömmliches" Fest mit Rittern in glänzenden Rüstungen und dergleichen mehr, auch wenn man es aufgrund der Familienfreundlichkeit genau andersherum vermuten würde?

Sinnlich soll es weitergehen...

Mein persönliches Resümee zum diesjährigen Fest besteht in einem durchaus positiven Gesamteindruck. Dieser begründet sich am Zusammenspiel von Wetter, Händlerschaft und einmaliger Burgkulisse. Das Programm ist optimierbar, vor allem braucht jedes größere Mittelalterfest laute Attraktionen. Stille Künstler - egal ob feine Musikanten oder sonstige Darsteller - gehen im Trubel leicht unter und unaufmerksame Besucher übersehen solche Programmpunkte vielleicht ganz. Man wünscht sich für die Zukunft wieder kräftige, weithin hörbare Marktmusik. Ebenso fehlte der traditionelle Metstand von Roland Heinzle, der in Aggstein eigentlich fix zur Kulisse gehörte. Hier zeigte sich eines der Probleme in der fortschreitenden Professionalisierung der österreichischen Marktfahrer: Die neue mobile Mettaverne, die auf einen Autoanhänger gesetzt wurde, war für den üblichen Standplatz zu groß. Somit musste man auf die gemütliche Sitzecke mit Beschallung der "standeigenen" Schandgesellen verzichten. Wie dem auch sei, man darf sich auf das kommende Mittelalterfest Aggstein freuen, das unter dem interessanten Motto "sinnliches Mittelalter" veranstaltet wird und somit alle Sinne ansprechen soll.


Weiterführende Links:




Radio Aena

Steam Dreams

Miroque - das Magazin

Der Bogenstand Gesierich

Isi's Spezereyen




Noch schneller informiert:
Huscarl auf Facebook



Dieser Huscarl-Artikel ist mir eine kleine Spende wert:





1. Kommentar von castello am 22.04.2010 um 14:44

..einen Tag
...eigentlich wollt ich wie immer voll von Terminen einige Stunden beim Gauklerfest verbringen.
Es war dann aber alles so unterhaltsam und stimmig - es wurde der ganze herrliche Tag!
Vielleicht fehlen mir schon ein wenig die Kinderaugen um von allen Gauklern und Spielleuten begeistert zu sein, doch hervorragend wie immer die Rapunzelgeschichte von Torxes und bei den Musikern gefiel Malonius, Anna & Brunhilla. Obwohl ich das Langboot an der Donau vermisste - das Wikingerlager war für alle offen und jede Frage wurde beantwortet. Vielleicht eine Anregung für so manch strengen Ritterorden. DANKE an beide Winkingergruppen.
Sinnlich - das Mittelalter, da freu ich mich schon und wart wie das die Rittersleut auslegen werden.

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.


2. Kommentar von Narr am 22.04.2010 um 17:59

Vielen Dank
an alle die mitgeholfen haben, wir Gaukler und Narren haben den Stein der Weisen sehr gut auf den Vorplatz der Ruine versteckt unter all den aber Millionen anderen Steinen.

euer Narr

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.


3. Kommentar von geist-reich am 23.04.2010 um 17:04

Wetter
Schön war es auf jeden Fall.
Nur das so gepriesen schöne Wetter war am Sonntag nicht immer vor Ort...

Aber man hält ja einiges aus und so konnte man es trotzdem genießen.

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.


4. Kommentar von fischgenuss am 28.11.2010 um 19:04

Fischreucherey
Hast recht, unser Zelt war für den zugeteilten Platz zu groß. Bin am basteln an einem kleineren Zelt. Der Schirm war eine absolute Notlösung. Naja, wenigstens war er alt und zerfetzt lg! Andi

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.



Du erhältst derzeit keine E-Mail-Benachrichtigung, wenn
neue Kommentare zu diesem Artikel verfasst werden. Ändern.