Eiskalte Weihnachten in Linz
Wenn Wikinger genau wissen wollen, was authentisch bedeutet...
Martina Glanzl
13. 1. 2009 - 9:30
Schon zum zweiten Mal fand der von Torxes Events in Zusammenarbeit mit Thomas Hirmann Mittelalterevent organisierte Weihnachtsmarkt beim Bergschlössl am Froschberg in Linz statt - diesmal unterstützt von einer romantischen Schneedecke - allerdings bei nahezu arktischen Minusgraden. Dennoch fanden mehrere tausend Besucher, mehr noch als im Vorjahr, auf das Festgelände, wo der Eintritt mit bescheidenen 3,50 Euro als sehr angenehm empfunden wurde.
Ein Wochenende später als im letzten Jahr, am letzten Wochenende vor Weihnachten, pilgerte die Mittelalterszene ins eisig-kalte Linz, um den letzten Markt des Jahres 2009 zu feiern. Bevölkert wurde dieser Markt standesgemäß von den Wikingern: Gungnirs Snata und der Mjöllnir-Clan trotzten den eisigen Temperaturen und stellten den erfrorenen Darstellern und frierenden Besuchern eine warme Feuerstelle zur Verfügung. Weitere Lager stellten der ansässige Verein Gladii Uniti und die Henker. Groteskerweise waren die Lebensretter Nummer eins dieses Wochenendes ebendiese Henker, die in ihrem Zelt gleich zwei wärmende Öfen anbieten konnten und sich daher nicht über fehlenden (Damen-)Besuch beklagen konnten.
Altbewährtes und Neues
Eine wichtige Neuerung in diesem Jahr machte den Markt noch attraktiver: ein größeres Händlerangebot verteilte sich nicht nur entlang der "Hauptachse" des Parks, sondern entlang der gesamten Rundroute, sodass sich die Besucher auf einen Rundgang um den winterlich verschneiten Park machen konnten. Das Händlerangebot war bunt gemischt, erfreulich wenig "Mittelalter-Kitsch" beleidigte das einschlägig vorgebildete Auge.
Die Gastronomie wurde von Torxes, Thomas Hirmann und Isis Spezereyen bestritten. Wie schon im Vorjahr kamen die unterschiedlichen Punschgetränke gut an und sorgten für regen Betrieb am Metstand.
Kälte als Herausforderung
Einige Probleme mussten am ersten Festtag gelöst werden. Allein der halbe Freitag wurde damit verbracht, fließendes (nicht eingefrorenes) Wasser bereit zu stellen. Ähnlich viel Zeit brauchte es um das Problem gefrorenen Palatschinkenteiges zu lösen.
Des einen Freund, des anderen Feind: Während Schnee und Kälte für eine wunderbar passende winterliche Atmosphäre sorgten, kämpften die Programmgestalter und Künstler mit den frostigen Temperaturen. Das erste Opfer der arktischen Freuden wurden die Musikinstrumente. Von vier Dudelsäcken wollte jenseits der minus 10°C-Grenze nur noch einer seine Pflicht tun. So musste sich die musikalische Untermalung auf Dudelsack und Trommeln beschränken. Ein Glück für Arnulf, dessen Schandmaul nicht zufror. Der Kälte die Stirn bietend unterhielt er die Besucher trotzdem mit Musik und Gesang.
Retter in der Not wurde Narrus von den Schandgesellen, der - obwohl selbst eigentlich nur Begleiter und Gast auf dem Fest - die kältegeplagten Weihnachtsfeen von Nornensanc mit dem einzigen noch funktionierenden Dudelsack schallkräftig unterstützte. Die Tanzauftritte des Vereins Eulenspiel waren bei der winterlichen Schneelage nur nach vorhergehendem Schneeschaufeln möglich. Da auch der letzte Dudelsack sowie sein tapferer Bläser gelegentlich kältebedingt aufgeben mussten, konnte das Programm nicht immer in voller Länge durchgezogen werden. Das Publikum dankte es, da es sich schnell wieder den lebenswichtigen heißen Getränken zuwenden konnte.
Das allerorts beliebte Mokkazelt konnte sich diesmal vor Besuchern kaum erretten. Dabei schien es den Betreibern am Freitag bereits, als müsse man gleich wieder zusammenpacken. Die klirrende Kälte ließ die Kaffeemaschine ihr Leben aushauchen, und somit konnte am Wochenende nur türkischer Kaffee und Tee angeboten werden. Umsatzeinbußen scheinen aufgrund der vielen halberfrorenen Gäste, die sich in das Mokkazelt drängten, aber nicht zu befürchten zu sein.
Ein weiteres Opfer der Kälte wurde Torxes selbst - während seiner Feuershow wäre er wohl zu einer Eissäule erstarrt, er musste sie daher leider absagen. Spontan wie immer bereicherte er das Programm aber stattdessen um ein sehr stimmungsvolles Weihnachtsliedersingen am Lagerfeuer sowie eine höchst spannende Interviewtour, die als Video unter oben angegebenem Link genossen werden kann.
Lob und Wünsche für die Zukunft
Zusammenfassend lässt sich aus Teilnehmersicht sagen: An Stimmung und Stimmigkeit ließe sich der Markt kaum noch übertreffen. Das Wetter lässt sich leider nicht beeinflussen, man kann für die Zukunft also nur auf winterliche Schneelage bei etwas gemäßigteren Temperaturen hoffen. Ob es in der Zusammenarbeit der Veranstalter mit dem Bergschlössl Probleme gibt oder es eine Frage des Mietpreises ist - eines würden sich jedenfalls viele wünschen: Für die Darsteller und Künstler wäre ein warmer Raum zum zwischenzeitlichen Aufwärmen eindeutig ein Plus, das das Risiko abgefrorener Finger oder Zehen deutlich verringern würde. Zudem freuen sich viele Künstler über einen wohltemperierten, absperrbaren Raum zum Abstellen der Instrumente.
SZENEKLATSCH
Befremden löste bei vielen Marktteilnehmern die Abreise von Kovex Ars aus, die in einer klammheimlichen Nacht und Nebel Aktion ihr Zelt abbauten und abreisten. Dabei sollen sie sogar vergessen haben, sich beim Veranstalter zu verabschieden, eine Vergesslichkeit, die sich auch auf die Standgebühr erstreckte.
Einige todesmutige Mitglieder von Gungnirs Snata wollten es genau wissen, wie das mit dem Leben der Wikinger zu verstehen war. Sie nächtigten bei bis zu minus 18 Grad Außentemperatur in ihren Zelten. Glücklicherweise überstanden sie das Experiment unbeschadet. Den Henkern ging hingegen in der Nacht das Brennmaterial für ihre Heizöfen aus, sie übernachteten schlussendlich zuhause.
Sonntag Abend wurde bei -15 bis sogar -17 Grad abgebaut, beim Abwaschen froren die Finger an den Töpfen fest. Im Gastrokühlschrank war es wärmer als außerhalb.
Nach völligem Versagen der Instrumente sangen die tapferen Musikerinnen von Nornensanc zwischen den Standlern a-capella. Nur im Mokkazelt waren gelegntlich noch Flöten verwendbar. Sehr gut war die Eisbildung innerhalb einer transparenten Plastikflöte zu beobachten.
Recht gute Umsätze hat wohl - neben der Gastronomie mit ihren heißen Getränken - die Holzschuhverkäuferin gemacht. Ihre lebensrettend-warmen Schuhe erfreuten sich größter Beliebtheit!
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