Festival Mediaval 2009
Die gelungene Fortsetzung des Erstlingswerkes
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16. 9. 2009 - 22:00
Sabine Lang
Dem Flyer war im Vorfeld zu entnehmen, dass in diesem Jahr fünfzig Konzerte auf vier Bühnen an drei Tagen stattfinden sollen, zusätzliches Rahmenprogramm, bestehend aus vier Märkten, zwei Feuershows, diversen Workshops. Ein Kinderareal, ein Bogenturnier, Theateraufführungen, Artisten, und vieles mehr sollten das Gesamtbild des Festivals abrunden. Wie im Vorjahr wurde versucht, die gesamte Bandbreite der Mittelaltermusik auf den beiden Hauptbühnen darzustellen und damit die verschiedenen Genres Gothic, Metal, Mittelalter, Folk anzusprechen.
Einerseits wurde in diesem Jahr auf Altbewährtes gesetzt, so bot der Selber Goldberg mit seinem geräumigen grünen Parkareal wieder die ideale Kulisse für das Spektakel. Bands wie Amber, Faun, Omnia oder Ougenweide, die schon im Vorjahr schon zum großartigen Gelingen des Festivals beigetragen haben, konnten auch heuer wieder verpflichtet werden. Darüber hinaus wurde das diesjährige Rahmenprogramm durch Workshops und zusätzliche Walking Acts sowie eine eigene Gauklerbühne aufgestockt.
Schnuppertag für die Bevölkerung
Am Freitag wurde das Festival durch den Oberbürgermeister von Selb, Wolfgang Kreil, sowie Oli und Rudl vom Veranstalterteam und den beiden Herolden, Narr Wandelbar mit seiner weiblichen Verstärkung Ellen, eröffnet. Im Anschluss traten Coppelius als "Opener", also als erste Gruppe des Festivals auf. Headliner des ersten Abends war die metal-lastige Gruppe Haggard. Der Eröffnungstag wurde von der Stadt Selb präsentiert. An diesem Tag konnten die Einwohner des Landkreises Wunsiedel ein Schnupperticket erwerben. Das Angebot wurde von der Bevölkerung augenscheinlich sehr gut angenommen, da der Anteil von Familien mit Kindern unter den Besuchern besonders hoch war.
Geheimtipp Valravn
Samstag wurde eine bei uns wohl nahezu unbekannte Gruppe mit dem Namen Valravn als absoluter Geheimtipp gehandelt. Die Gruppe, deren Mitglieder aus Dänemark und Ecuador stammen, führte das anwesende Publikum zu Beifallsstürmen. Headliner des Abends waren Omnia, die in gewohnter Manier mit Professionalität und mit viel Freude am Musizieren überzeugten.
Festival Mediaval Award
Beim Festival Mediaval Award in der Kategorie Rock konnten Esha Ness das Publikum und die dreiköpfige Jury, bestehend aus Philipp (Management von Qntal und VocaMe), Peter (Zillo Magazin) und Romulus (Moderator von Radio Aena), mit ihrem "Volcanic Rock" überzeugen.
Die beiden Schwestern von Pur Pur konnten sich beim Wettbewerb um die Goldene Zwergin in der Kategorie Spielleute mit ihrem textlastigen instrumental-purpuristischen Mittelalter-Fantasy-Zwillingsfolk gegen die harte Konkurrenz von Liederlicher Unfug und Vermaledeyt durchsetzen. Letztere, die in Deutschland bereits eine große Fangemeinde überzeugen konnten, werden übrigens am 5. Dezember im Rahmen des VIII. Miroque in Wien erwartet.
Abschlusskonzert von Faun
Sonntag, der letzte Tag des Festivals, wurde mit dem Auftritt von Faun beschlossen. Special Guest des Abends war Kelvin Kalvus, übrigens Zweiter bei der letzten TV-Staffel "Das Supertalent" von Dieter Bohlen, der diesmal leider nur an einem Tag Zeit für einen kurzen Auftritt auf der Theaterbühne hatte.
Gesteigertes Angebot
Der Versuch, das großartige Programm des Vorjahres noch aufzustocken, kann somit als gelungen bezeichnet werden. Das zusätzliche Angebot abseits der Konzerte tat das Übrige dazu, so waren diverse Workshops schon im Vorfeld ausgebucht. Die Erweiterung der Walking Acts um Spielleute und Artisten zusätzlich zu den Gauklern im Vorjahr war ebenfalls eine gute Idee. Der Markt wurde in diesem Jahr zur besseren Übersicht in Handels-, Handwerker-, Orient- & Fantasy- und Gastromarkt geteilt.
Verbesserungsvorschläge
Natürlich ist dort, wo Licht ist, naturgemäß auch Schatten. Einige kleine Kritikpunkte sollten erlaubt sein: So war der geländebedingte Abstand zwischen den beiden kleinen Bühnen zu gering. Bei manchen Auftritten waren die Darsteller kaum zu verstehen, wenn auf der zweiten Bühne eine andere Gruppe mit elektronischer Verstärkung spielte. Vielleicht ist im nächsten Jahr etwas mehr Abstand zwischen diesen Bühnen machbar. Man würde auch gut daran tun, die Wege stellenweise etwas besser auszuleuchten, da ein nächtlicher Bühnenwechsel sonst einem Hindernislauf gleicht - möglicherweise könnte man Fackeln oder Feuerkörbe aufstellen? Im Gegensatz zum Vorjahr wurde nur eine Hauptkasse geöffnet, was am Freitag zu extrem langen Wartezeiten führte. Verwunderlich stimmt die Aussage, dass Helfer, die teilweise schwere körperliche Arbeit zu leisten hatten, angeblich auch eine reguläre Eintrittskarte kaufen mussten, um auf dem Festival arbeiten zu dürfen. Ein Zustand, der von den Veranstaltern im Übrigen dementiert wird.
Wo waren die Österreicher?
Wo es im Vorjahr noch starke österreichische Beteiligung durch die Tuivelsminne und Rhiannon auf den Hauptbühnen, Ebriosi beim Nachwuchswettbewerb und Torxes mit Verstärkung von Halibux als Gaukler gab, fehlte die Österreichische Antwort in diesem Jahr gänzlich, was wohl am zeitgleich stattfindenden Fest in Eggenburg lag. Diese Terminkollision dürfte wohl auch im kommenden Jahr stattfinden, was viele österreichische Bands in Entscheidungsnöte bringen wird - sind doch beide Veranstaltungen gleichermaßen beliebt und wichtig.
Rundum gelungene Veranstaltung
Alles in allem war das Festival Mediaval II wieder eine gelungene, friedliche Veranstaltung, bei dem gemeinsames Feiern und Freude an der Musik im Mittelpunkt standen und bei dem die Europäische Union gelebt wurde. Für das Festival Mediaval III, welches vom 10. – 12. September 2010 stattfinden wird, haben die Gruppen Omnia, Haggard, Valravn und Des Teufels Lockvögel bereits während des diesjährigen Festivals ihr Kommen zugesagt.
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