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Foto (C) Florian Machl

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Gute Laune bei Arduinnas Gefährten-Gildenmeister James: Ein Foto mit der attraktiven Veranstaltungschefin Bezirksrätin Evelyn Bauer.

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Idylle. Der Veranstaltungsort mit den großen Obstbäumen erweist sich erneut als ideal.

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Lange Schatten bei sommerlichen Temperaturen laden zum Entspannen ein.

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Immer noch ein ungewohntes Bild: Eulenspiel Mitglieder in Rüstung.

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Doch die putzige Lagerwache von Eulenspiel stiehlt ihnen die Show...

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... und hat ein ausgesprochen schönes Lager zu bewachen.

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Die Publikumstänze kommen sehr gut an.

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Begleitet wurden sie von den Musikern der Schandgesellen, von denen gleich zwei anlässlich des Festes ihren Geburtstag feierten.

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Etwas abgelegen gab es Handwerk bei Dracoschneck zu bewundern.

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Bei den Händlern gab es Holzspielwaren und Ledertaschen...

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... Ledertaschen und Holzspielwaren...

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... mehr Holzspielwaren und Ledertaschen ...

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... und Ledertaschen und Holzspielwaren.

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Karl "der Kahle" Heilpern, verantwortlich für den Händlermarkt...

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... bot am eigenen Stand Abwechslung. Keine Ledertaschen sondern nur Holzspielwaren.

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Die neue Mettaverne von Waydmann.

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Großes Interesse erregten stets die Vorführungen der Arduinnas Gefährten...

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...verstärkt von ihren Freunden, einer neuen Templergruppe aus Wien.

Viertes Wiener Ritter-
und Sagenfest am Rosenhügel

Zwischen Tänzern, Holzschwertverkäufern,
Bogenschützen und romantisierender Fantasy

23. 6. 2009 - 22:00
Florian Machl


Fotogalerie
Die Aussage, Lainz wäre das alljährliche Ritterfest ohne Ritter, ist nicht haltbar. Eine tapfere Gruppe von Neutemplern wehrte sich erfolgreich gegen die Verbannung. Doch halt! Worum geht es überhaupt? Um das heuer vom 12. bis 14. Juni zum vierten Mal stattfindende Ritter- und Sagenfest Lainz, das bereits im Vorjahr auf den neuen Veranstaltungsort im Obstgarten am Rosenhügel gewechselt ist. Unter Schirmherrschaft der Veranstalterin, SPÖ-Bezirksrätin Evelyn Bauer, lief bei traumhaftem Wetter ein ruhiges Familienfest über die Bühne. Ein angenehmer Ruhepol mitten im sonst sehr schnelllebigen Wien, den an dieser Stelle nur Ortskundige erwartet hätten.

Dass es ums Mittelalter geht, erklärte uns die sympathische Bezirksrätin, das hätte sich eben so ergeben. Die Veranstaltung diene dazu, die Kassen eines Integrationsprojektes in Form eines Internetcafes aufzufüllen und dessen Betrieb zu ermöglichen. Dazu habe der veranstaltende Verein, die Wiener Webgemeinde, ein Sommerfest als Einnahmequelle gebraucht. Auch unter dem Motto Bollywood wäre sicher ein schönes Fest zustande gekommen - jedoch hat sich in der damaligen Diskussion das Mittelalter etabliert. So macht man dieses Fest nunmehr bereits zum vierten Mal - mit Begeisterung und Engagement. Federführend und mit großem Einsatz mit dabei war auch Herr Franz Doppler, Unternehmer aus Wien - zumeist mit organisatorischen Dingen unterwegs oder helfend hinter der rustikalen, aus Holz gezimmerten Bar tätig. Angst davor, sich die Hände schmutzig zu machen, hatte hier niemand.

Natürlich merkte man an einigen Ecken und Enden, dass ein intensiver Bezug zum Mittelalter nicht gegeben war - jedoch viele Ideen verwirklicht wurden und sich von Jahr zu Jahr manches ändert - während andere Dinge gleich blieben.

Von großen Nummern zum Disneyland

Das erste Mittelalterfest Lainz, 2006, wurde seitens der Mittelalterszene von Ivan Sopko betreut, einem hoch­angesehenen Veranstalter, der mittlerweile bedauerlicherweise verstorben ist. Auf den Spuren von Sopko tauchte schnell ein neuer Protagonist auf, Karl "der Kahle" Heilpern, dem es gelang, den Verstorbenen bei fast allen seinen Festen zu beerben. Er sei eine große Nummer in der Szene, so stellte er sich vor drei Jahren bei Händlern vor. Dies glaubte auch die Online-Zeitung "Wienweb", die bereits am Freitag, dem ersten Festtag, einen ausführlichen, wohlpointierten Bericht über die Veranstaltung publizierte. "Mitveranstalter" Heilpern erklärte: Mittelalterfeste - die würden genauso funktionieren wie das Disney-Land. Grund genug, genau hinzusehen, wie die Dinge denn nun wirklich funktionierten.

Standgebühr oder Vereinsspende?

Die Homepage der Veranstalter listet bis heute keinen Mitveranstalter dieses Namens. Wochen vor der Veranstaltung bedeutete man uns, man hätte sich freundschaftlich voneinander getrennt und würde nunmehr selbst die Betreuung der Händler übernehmen. Ein Passus in der Vorankündigung, den wir nach kurzer Zeit wieder zu ändern gebeten wurden. Alles beim Alten? Verwunderte Händler übermittelten uns ihre Verträge. Darin stand ganz klar zu lesen, dass Heilperns "Verein Mythos" die Gebühren für die Standplätze einhebt - diese wären allerdings als Vereinsspende zu deklarieren und als solche abzuliefern. Ein dazu befragter Steuerberater klärte uns auf, dass Spenden als "Geschenke ohne Gegenleistung" definiert sind. Das Problem an einer Vereinsspende wäre im österreichischen Steuerrecht, dass diese nicht steuerlich absetzbar sei. Eine zusätzliche Belastung für kleine Standbetreiber, für die dieser Betrag somit voll zu versteuerndes Einkommen bedeutet?

Ohne Netz und doppelten Boden

Weshalb dieses Fest anders funktioniere, als alle anderen Feste in Österreich, fragten wir Frau Bezirksrätin Bauer. Überall sonst wären die Standgebühren ja eine Art Schlechtwetterversicherung für den Veranstalter, eine gesicherte Einnahme. Bei einem Fest dieser Größenordnung kommen immerhin bis zu 2.000 Euro zusammen, damit könnte man sehr wohl einige der Attraktionen finanzieren. Dass diese Konstellation in der Tat unüblich sei, wollte man uns schon glauben, allerdings gehe das Geld nicht ab. Geldgier ist allerdings auch das letzte, was man der Veranstaltung vorwerfen könnte, denn mit 3 Euro Eintritt (Kinder frei) lag man am untersten Ende der Preisleiter.

Viel Angebot für wenig Geld

Für diesen Betrag bekam man vieles geboten, während andere Bereiche ausbaufähig blieben. Hauptsächlich getragen wurde das Fest von vier Gruppierungen: Eulenspiel, Arduinnas Gefährten und selbstverständlich den Musikern: Den Schandgesellen und der Kinderband Salamanda. Weithin klangen die Töne und luden aufs Festgelände ein, das mangels weithin sichtbarer Beschilderung bestenfalls durch lange Reihen von parkenden Fahrzeugen auffindbar war. Das Festgelände selbst bot eine stimmungsvolle Idylle zum Entspannen. Lange Reihen mächtiger Obstbäume luden zum Verweilen ein, der Schatten der Bäume wurde von vielen Besuchern genutzt, um zu entspannen. Die mit rund 3.000 zahlenden Besuchern im Vergleich zum Vorjahr deutlich erfolgreichere Veranstaltung war zu keiner Zeit überfüllt - was die entspannungsfördernde Atmosphäre verstärkte.

Gewaltfreie Familienunterhaltung

Ein typisches Mittelalterfest war Lainz dennoch nicht - wollte es nach Aussage der Veranstalter auch nicht sein. Musik, Tanz und Handwerk sollten die Familien unterhalten - ganz und gar nicht mag man es, wenn Ritter sich die Schädel einschlagen. Obwohl - die weniger friedlichen Darbietungen der meisterhaften Bogenschützen von Arduinnas Gefährten waren die am meisten besuchte Attraktion, dicht gefolgt von den Tänzen ohne und später mit Publikumsbeteiligung von Eulenspiel. Die erwähnten Kreuzritter sind eine neue Formation, derzeit auf Namenssuche und knapp vor der Vereinsgründung. Sie freuen sich über Tipps und Tricks erfahrener Gruppen und sind voller Energie dabei, Ausrüstung zu beschaffen und ein schönes Lager aufzubauen. Eine weitere Lagergruppe wurde von den "Neugoten" gestellt, deren kompletten Namen wir leider vergessen haben. Diese bildeten eine neue Gruppe, die eine heidnisch-esoterische Lebensweise zeigen möchte. Handwerkstechniken wie Weben zeigte Hanne "Dracoschneck", unterstützt von "Franz vom Rosenhügel", in ihrem leider sehr abgelegen positionierten Zelt.

Wenig Händlerauswahl und die Gründe

Als ausbaufähig erwies sich die Händlermeile - die auch nur ein Drittel der verfügbaren Fläche ausfüllte. Schuld daran wäre übrigens das Magazin Huscarl, so hätte Herr Heilpern bereits am Donnerstag den staunenden Marktteilnehmern erklärt. Dieses würde eine Negativkampagne durchführen - weshalb der Markt nur wenig besetzt wäre. Wie das im Detail funktioniert haben soll, hat auch unsere Redakteure interessiert, die aber auch nach intensivem Durchstöbern unseres Archivs keine Belege für die These fanden. Im Gegenteil, schon im Vorjahr hatte unserer Redakteurin das Gelände und das dort Gebotene ausgesprochen gut gefallen, das Potential wurde lobend hervorgehoben.

Holzspielzeuginflation

Vielleicht lag das Problem einerseits darin begründet, dass zeitgleich auch andere Märkte stattfanden, andererseits an der Händlerauswahl. So waren zwar einige herausragend schöne Angebote vertreten, insgesamt machte sich allerdings der Eindruck breit, dass die Handelsware so unterschiedlich nicht war. Wie man als Händler noch Umsatz machen konnte, wenn ein halbes Dutzend Mitbewerber ebenso mit Holzspielzeug, Fantasydolchen und Trinkhörnern ausgestattet war, konnten wir nicht eruieren. Dass Heilpern sich nicht nehmen ließ, auch noch selbst am eigenen Stand Holzspielzeug anzubieten, milderte den Konkurrenzdruck wohl nur wenig.

Kulinarische Höhepunkte

Positiv hervorzuheben sind auch heuer wieder die alten Biertischgarnituren aus unbehandeltem Holz, die einen angenehmen Kompromiss im Gastronomiebereich darstellten. Gastronomisch war zudem der Strudelbäcker anwesend, außerdem zeigte sich der Waydmann mit einem schönen neuen Metstand. Von Gabi Gabriel gab es schmackhafte Marmeladen zu verkosten und selbstverständlich auch zu kaufen. Met und Süßes gab es außerdem auch bei Thomas von Fahrend Volk.

Spiel und Klang

Für Kinder war zur angenehmen Überraschung ein Spielplatz aus Stroh aufgebaut worden, wo man nach Lust und Laune herumtollen konnte. Etwas, das auch die jungen Musiker von Salamanda ausgiebig nutzten, wenn sie nicht gerade nach Herzenslust fiedelten, trommelten oder sonstige Töne aus Instrumenten erzeugten. Selten aber doch waren Märchen einer Märchenerzählerin zu hören. Die Erzählkünste der beliebten Erzählerin Biddie vom Verein Elfenklang blieben aufgrund Budgetmangels leider ungenützt, obwohl diese mit einem eigenen Stand vor Ort war. Die Begleitung der Tänze von Eulenspiel, natürlich auch freies Spiel, übernahmen die Schandgesellen, die diesmal ohne Arnulf auftraten. Während der Bandleader Burg Lockenhaus beschallte, hatten seine Mannen viel Grund zu feiern, denn gleich zwei von ihnen feierten an diesem Wochenende ausgelassen ihren Geburtstag. Grund für gute Laune, die sich auf die Zuhörerschaft übertrug.

Unterschätztes Juwel mit Potential

Insgesamt erwies sich Lainz als besuchenswerte, angenehme Veranstaltung, wenngleich die meisten Besucher aus der Mittelalterszene sich auf Burg Lockenhaus eingefunden zu haben schienen. Die Zahl der Gewandeten war gering, wenn man von der berühmt-berüchtigten Modenschau am Samstag absehen will. Dazu hat Florian Seidl eine kurze Radioreportage erstellt, die nachfolgend verlinkt ist. Wenn man in Lainz das Vertrauen der Händlerschaft wiedererringen kann, wäre an diesem Veranstaltungsort sicher alles möglich. Eine Fortsetzung im kommenden Jahr ist fix geplant - hier bleibt nur zu hoffen, dass nicht wieder Terminkollisionen mit anderen Festen stattfinden. Denn auch ein zeitgleich nur unweit stattfindendes Stadtfest zog sicher einiges an Besucherpotential ab. Dies und eine gehörige Portion Werbung können das Fest am Rosenhügel zu einer führenden Veranstaltung im Großraum Wien machen, die durchaus auch die Beachtung des Szenepublikums verdient hat.


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1. Kommentar von Martina am 24.06.2009 um 11:02

Empfehlenswertes Fest mit Ausbaupotential
Eine gute Zusammenfassung - das Wiener Ritterfest ist ein kleines, aber feines Fest mit viel Entspannung und Ruhe. Neben der erwähnten verzichtbaren Modeschau ist vor allem die Händlerauswahl ausbaufähig - viele bekannte Gesichter aus dem letzten Jahr haben wir heuer vermisst. Wär schön, wenn im nächsten Jahr wieder mehr Händler mit unfangreicherem Angebot kommen würden - wir freuen uns auf jeden Fall schon wieder auf das Fest 2010!

@ Flo Seidl: danke für den netten und pointierten Radiobericht! Es seien die Schmerzen ergänzt, unter denen sich anwesende Gruppen gewunden haben beim erzwungenen Betrachten der "Modeschau"

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2. Kommentar von G-G am 29.06.2009 um 18:05

Modeschau
Da habe ich ja offensichtlich etwas versäumt! Wahrscheinlich waren wir gerade mit Arbeit oder Kochen - echt auf dem Feuer, richtig zum Essen...! - beschäftigt. Gabs bei der Modenschau auch eine/n Sieger/in? Die denke ich, habe ich gesehen: Das war doch sicher die ältere Dame, die über dem Sweatshirt einen hellblauen Kaften trug, dezent ergänzt durch eine abgetragene Baseball-Kappe (spätes 20.Jh., denke ich)... AUTSCH!!
An oberster Stelle beim Ausbau würde ich mal Hinweisschilder empfehlen, an einigen Kreuzungen im Umkreis, es soll noch Leute ohne Navi geben! Ebenso irgendwelche Wimpel, Fahnen etc., Hauptsache bunt und gut sichtbar, damit der Eingang als solcher zu erkennen ist, es sei denn spontane Laufkundschaft wäre dezitiert unerwünscht....
Gemütlich war es auf jeden Fall und der Topfenstrudel von Walter war einfach...... unbeschreiblich!

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