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Historischer Handwerksmarkt auf der Burg Reichenstein
Entspannen und Lernen mit der Handwerksgilde
14. 10. 2008 - 22:45 - Florian Machl

Bildquelle: Historische Handwerksgilde
Ein lauschiges Plätzchen mit einer schönen Burgruine hat die Handwerksgilde für ihren Markt gewählt.

Foto (C) Florian Machl
Veranstaltungsgelände ist der Bereich vor und in der Ruine.

Foto (C) Andrea Eberl
Franz IV lässt sich von Mechthild Dörr in die Künste des Färbens einweihen.

Foto (C) Florian Machl
Dreidimensionale Lederschnitzkunst von Rene Berends.

Foto (C) Florian Machl
Arnulf das Schandmaul und Angus der Barde (in der Gewandung, wie man sich im 19. Jahrhundert einen Wikinger vorstellte) musizieren und blödeln zum Gaudium des Publikums.

Foto (C) Florian Machl
Zinnmeister Dörr erklärt bei einem Vortrag, worauf es bei seinem Handwerk ankommt.

Foto (C) Florian Machl
Bei den Pilemakern darf sich jeder im Pfeilbau versuchen.

Foto (C) Florian Machl
Lorenz zeigt, wie man einen 120 Pfund Langbogen spannt.

Foto (C) Florian Machl
Bei einem weiteren Vortrag kann man vieles über Kräuterkunde und das Kochen lernen.

Foto (C) Florian Machl
Wer dieses Szenario irrtümlich für einen Innenhof hält: dies ist der zweite Stock des instandgesetzten Traktes - eine stimmungsvolle Open-Air Bühne inmitten von Mauerresten.

Foto (C) Florian Machl
Mitglieder des Burgvereins unterstützten Renata Bock bei der historischen Modenschau.
Foto (C) Florian Machl
Samstag abend: Feuershow von der Feuermatrix. Verschiedene Elemente...

Foto (C) Florian Machl
... bis zum Klassiker - dem Feuerspucken - werden gezeigt.
Vom 26. bis 28. September veranstaltete der Burgverein Reichenstein in enger Zusammenarbeit mit der Handwerksgilde auf der Burg Reichenstein einen historischen Handwerksmarkt. Eine solche Veranstaltung kann man sich durchaus wie einen kleinen Mittelaltermarkt vorstellen - nur unter nahezu völligem Ausschluß von Kommerz. Auch die kämpferische Komponente blieb außen vor - zugunsten des Handwerks, versteht sich. Etliche Schulklassen und rund 700 zahlende Besucher, darunter viele Gewandete, folgten dem Ruf der Veranstalter.

Die korrekte Vermittlung historischen Handwerks wird von der Handwerksgilde naturgemäß groß geschrieben. Die Handwerksgilde fungiert als eine Art Dachverband für einzelne Handwerksbetriebe, Händler und Reenacter aus dem Umfeld der Mittelalterszene. Allerdings ist es nur selten der Fall, dass alle Mitglieder der Gilde auf einem Fest anzutreffen sind - in Reichenstein waren diese, zum Glück für den Besucher, reichlich vertreten.

Anlage aus dem 13. Jahrhundert

Die Burgruine Reichenstein, deren Baugeschichte ins 13. Jahrhundert zurückreicht, besteht aus immer noch imposant wirkenden Resten einer durchaus mächtigen Anlage, die im 16. Jahrhundert zu einem Renaissanceschloss umgebaut worden war. Die heutige Ruine ist im Besitz der Adelsfamilie Starhemberg, verpachtet an den Burgverein Reichenstein. Seit 1989 wird die Burg von diesem Verein restauriert bezieungsweise befestigt und ist mittlerweile für viele kulturelle Aktivitäten nutzbar. Von Konzerten über Theaterstücke gibt es im Laufe des Jahres etliche Kulturveranstaltungen auf dem Gelände, das von der öberösterreichischen Landeshauptstadt Linz mit dem Auto in etwa 30 Minuten erreichbar ist.

Veranstaltung auf drei Ebenen

Die Veranstaltung fand vor und in der Burg - auf insgesamt drei Ebenen statt. Ebenerdig, vor dem Eingang, passierte mal als erstes einen mit Bierbänken improvisierten Einlaß, wo man freundlich von Mitgliedern der Viatoris Vitiosus begrüßt und um vier Eurolinge erleichtet wurde. Gleich im Anschluss daran fand sich das Wohnzelt einer neuen Lagergruppe, nämlich von Gloria, Betreiberin des Mittelalterforums Zeittor und treuer Huscarl Redakteurin, die in Reichenstein nicht nur Lagerpremiere sondern auch Geburtstag feierte. Danach traf man zumindest am Samstag auf den wohlbekannten Lederer mit seinem minimalistischen Stand - und seinen beliebten Lederwaren. Knapp dahinter lagerte die Feuermatrix, deren Mitglieder auch dieses Fest mit Jonglage und Feuerkunst bereicherten.

Handwerk, Musik und Gastronomisches

Zur Linken reihten sich darauf der aufwändige Stand von Zinnmeister Dörr, der mit Geschick und Fachwissen punktete und seiner als Färberin tätigen Frau Mechthild an die Tränke zum Wilden Wikinger von Roland Heinzle, der für das leibliche Wohl der Gäste sorgte. Gegenüber fanden sich Lager und Sonnensegel von Viatoris Vitiosus und das Reiselager von Angus, dem frechen bayerischen Barden und seinem Gefolge. Natürlich war in diesem "Ballungsgebiet" auch durchgehend viel los. Wenn nicht gerade einer der Vorträge über verschiedenes historisches Handwerk stattfand, wurde nach Herzenslust musiziert. Dazu fanden sich Arnulf das Schandmaul, Angus der Barde und Kathrin die Schmiedin ein - fallweise unter Begleitung einiger Musici von Viatoris Vitiosus.

Bayeux Teppich und Schriftgelehrter

Im Rittersaal, im ersten Stockwerk gelegen, residierten Martina und Robert Pritz, im Marktleben leider viel zu selten gesehene Darsteller. Martina Pritz ist unter anderem für ihr handwerkliches Geschick im Textilbereich bekannt und beschäftigt sich mit einer maßstabsgetreuen Replik des Teppichs von Bayeux. Ihr Sohn, Robert Pritz, ist einer der wenigen Schreiber in der österreichischen Mittelalterszene. Sein Schreibpult ist immer einen Besuch wert. Geduldig erklärte er Hintergründe, Farbzusammensetzung oder Techniken. Üblicherweise gibt es bei ihm für Kinder, aber auch für alle anderen Interessierten, immer Möglichkeiten zum selbst Hand anlegen - wie übrigens bei allen anwesenden Handwerkern! Eine kleine Schenke im selben Stockwerk wurde vom Burgverein betrieben und verdiente hoffentlich einiges an Zubrot für die Vereinskasse.

Lederkunst und Pilemaker

Wieder ein Stockwerk höher befand sich sowohl ein überdachter Innenbereich, der von Rene Berends, einem Meister der dreidimensionalen Lederschnitzkunst genutzt wurde, um seine beeindruckenden Werke auszustellen. Sehr interessant war eine Art Innenhof, der in diesem Stockwerk zwischen den Mauerresten vorzufinden ist. Dieser weitläufige Platz beherbergte das Handwerkszelt der Bockschen Werkstatt, wo Renata und Fritz Bock unermüdlich arbeiteten und erklärten. Gegenüber hatten die Pilemaker ihr Zelt aufgeschlagen und zeigten nicht nur Pfeile, Pfeilspitzen und Bögen, sondern erlaubten es den Besuchern auch, sich selbst an der Pfeilherstellung zu versuchen. Die jungen Betreiber erwiesen sich dabei als wandelndes Lexikon und hochinteressante Gesprächspartner. Wer meint, es würde ausreichen, zu wissen, dass ein Pfeil vorne spitz und hinten befiedert wäre, wird hier mit Sicherheit eines besseren belehrt - und so mancher Besucher staunte auch über die Kraft, die notwendig war, um Lorenz' 120 Pfund Bogen zu spannen.

Von Modenschau bis Feuerzauber

Einmal täglich wurde eine historische Modenschau durchgeführt - die "Models" waren Mitglieder des Burgvereins, durch die Moderation führte fachkundig Renata Bock, wenngleich leider nicht sehr stimmstark, was im freien bei sehr beachtlicher Zuhörerzahl teils zu angestrengt gespitzten Ohren führte.

Als Showprogramm sollte auch das abendliche Feuerspektakel der Feuermatrix lobend erwähnt werden, die in Reichenstein zu dritt auftraten und verschiedene Jonglagekunststücke sowie Feuerspucken vorführten. Etwas ungewohnt war wieder einmal der Anblick des erst zehnjährigen David, dessen Auftritt hinter den Kulissen immer wieder für Gesprächsstoff sorgt. Zum Einen, weil er gekonnter mit den Pois umzugehen weiss, als manch Großer, zum Anderen, weil niemand dafür verantwortlich sein will, wenn einmal etwas schiefgeht.

Wertvolle Heimatgeschichte

Das Konzept der Handwerksgilde besteht wohl auch darin, möglichst intensiven Kontakt mit der lokalen Bevölkerung aufzunehmen und zu vermitteln, dass es sich um die eigene Heimatgeschichte handelt, mit der man sich beschäftigt. Zu diesem Zweck waren am ersten Tag Schulklassen geladen und konnten ein vielfältiges, lehrreiches Programm absolvieren. Wem es gefallen hat, der würde wohl seine Eltern dazu bewegen, den Markt auch an den Folgetagen zu besuchen. Ein interessantes Konzept, das zum Teil sicherlich auch von Erfolg belohnt wurde und definitiv Vorarbeit zur Heranführung der nächsten Generation Mittelalterbegeisterter darstellt.

Wo war die Werbung?

Verbesserungspotential fanden wir im Bereich der Werbung, die außerhalb von Huscarl leider so gut wie nicht wahrnehmbar war. Weder Plakate oder Transparente neben den Straßen, noch Flyer in nahen Geschäften oder Tankstellen waren vorzufinden. So ist diese feine Veranstaltung sicher an vielen Menschen spurlos vorübergegangen, denn die Burg liegt immerhin so abgelegen, dass man eher selten zufällig daran vorbeifahren würde - und selbst dort fehlte jegliche Werbemaßnahme. Bei der Modenschau, die inhaltlich sehr lehrreich gestaltet war und zu der Renata Bock Unmengen an interessanten Details zu berichten wußte, hätten wir uns zum einen einen lauteren Sprecher (oder elektronische Verstärkung), zum anderen ein wenig mehr Authentizität gewünscht. Weder Armbanduhr noch Turnschuhe sollten dabei etwas verloren haben - soviel Planungszeit muss sein.

Sehr willkommene Überraschung

Insgesamt war der Handwerksmarkt Reichenstein eine sehr willkommene, positive Überraschung. Zum Einen, weil ich eine Burg kennenlernen durfte, die sich in nächster Nähe meiner Heimatstadt befindet und über einige sehenswerte Details, wie die Kapelle aus dem 13. Jahrundert verfügt. Zum anderen, weil diese Veranstaltung fernab des Lärms und Trubels eines großen Mittelaltermarktes positioniert ist. Hier jagte nicht eine Unterhaltungsdarbietung die nächste, sondern man konnte sich viel Zeit nehmen, um mit den Darstellern zu reden und ihr Handwerk kennenzulernen. Hier sah man die Mittelalterszene in einem anderen, vielleicht etwas ernsthafteren Licht - eine Perspektive, die zu begeistern versteht, wenn man tiefer in die Materie eintauchen möchte.


Weiterführende Links:
Fotogalerie

Video



Fantasyschmuck - der Onlineshop

Die Harzschützen

Mittelerdefest

Kultur- und Veranstaltungsgemeinschaft Eulenspiel



Vehi Mercatus




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1. Kommentar von das Schandmaul am 29.09.2008 um 00:21

Es war schön
Ich möchte mich bei allen Spielleuten bedanken, mit denen das gemeinsame Musizieren möglich war, denn es hat viel Spaß gemacht. Bei einer Messe in einer Burgkapelle zu spielen war auch ein Erlebnis, nicht nur für die anwesende Gemeinde, sondern auch für uns Spielleute. Das fest war nicht groß, aber qualitativ hochwertig und alle die nicht dabei waren, haben was versäumt (und diesmal gehöre ich mal nicht zu denjenigen welchen...).
Danke an Viatores Vitiosus für den Punsch!

LG, Arnulf das Schandmaul
Aufmeksamkeits Defizit Synd... - schön war's

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2. Kommentar von bernderedle am 30.09.2008 um 08:46

Rückblick
Diese Veranstaltung hat meine Vorstellung solcher Märkte wieder zurecht gerückt.
Es war eine geniale Mischung aus fundiertem Handwerk, seriöser Information, Gemütlichkeit,
Unaufgeregtheit und richtiger organisatorischer Größe. Die Burg hat sich dank euch "Märktler" und natürlich des Burgvereins Reichenstein wieder einmal von ihrer besten Seite gezeigt.
Aber Vorsicht: Die Burg hat schon so manche nicht mehr los gelassen, wie ich hörte hat sie am
Wochenende die Leute von huscarl.at stark betört...

PS: Verzeiht meine unflätigen Ausdrücke oben. Ich darbe in Reue und erflehe eure Gutmütigkeit!

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3. Kommentar von Hatzi_89 am 14.10.2008 um 23:38

Ein sehr gemütiches Fest
Mir hat die athmosphäre auf sehr gefallen

aufgrund der ganzen bekannten gesichter bezeiche ich es gerne als eine art "huscarl.at - Stammtisch"

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4. Kommentar von tina am 15.10.2008 um 14:40

sehr unterhaltsam
wir 4 haben die Zeit auf dem Fest sehr genossen. Viele bekannte Gesichter, sehr gute Gespräche und viel Interessantes zum anschauen und zuhören...
Alles in allem ein toller Herbsttag....

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5. Kommentar von Gloria am 15.10.2008 um 16:57

Die zwei Personen Lagergruppe
+Hund fand die Veranstaltung auch total toll. Das war übrigens meine erste Geburtstagsfeier in einem Schloss. Vielen Dank für alle, die geholfen hatten, das mitzuorganisieren!

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6. Kommentar von Die Huegelfee am 16.10.2008 um 10:18

Recht hast Du, Arnulf...
...sehr schön war's, sehr klein, aber dafür sehr sehr gemütlich und lehrreich.
Leider hat der Flo oben im Artikel aber Recht, mehr Werbung und auch mehr Beschilderung wäre sehr hilfreich gewesen. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich anzubringen habe.
Ansonsten war's ein wunderschönes (leider für mich und Jan verkürztes und mit einem platten Reifen endendes) Wochenende!
Danke nochmal an Aibon für das Essen am Freitag, ohne das wir wahrscheinlich verhungert wären und ausserdem nie erfahren hätten, was bei Arnulf ein Schnitzelsandwich ist: Schnitzel, dann Schweinebraten drauf, dann noch ein Schnitzel =)
Das Musizieren war auch ein großer Spaß! Ich bin gespannt, wann der Flo zum ersten Mal in einem Artikel erwähnt, dass nicht nur von ViVi noch Musici eingestiegen sind, sondern das der Angus außer seiner Kathrin auch noch musikalische Verstärkung dabei hatte - ich sag nur Semper Gravis =)

Viele liebe Grüße, die Hügelfee alias Wiesentraut die Schandmaid (den Namen hab ich mir nicht selbst ausgedacht...)

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