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Gelungener Start beim Festival Mediaval in Selb
Überraschende Kombination mit ambientegewaltigem Qualitätsmarkt
29. 9. 2008 - 15:00 - Florian Machl

Foto (C) Florian Machl
Rhiannon on Stage - am Samstag zeigte man dem deutschen Publikum wie sich österreichische Spielmannsmusik anhört.

Foto (C) Florian Machl
Die Hörerschar blieb treu, obwohl Drummer Thommy die Sockenwaffe einsetzte.

Foto (C) Florian Machl
Die Tuivelsminne war der zweite Hauptact des Tages auf der großen Bühne.

Foto (C) Florian Machl
Die Jungs in Fellhosen ließen mit einem ihrer bisher besten Konzerte aufhorchen.

Foto (C) Florian Machl
Fürstlich: das geräumige Backstage Zelt mit eigener Küche und Garderoben.

Foto (C) Florian Machl
Viel hübscher als der offizielle Auftritt: Das Festivalplakat in Tschechien.

Foto (C) Florian Machl
Nein, es ist kein Bild aus der Purgstall Galerie entsprungen. Das Marktambiente im Park war einmalig.

Foto (C) Florian Machl
Die Gastronomiestände begeisterten auch optisch.

Foto (C) Florian Machl
Beneidenswert: der Blick aus dem Lager der Gungnirs Snata, direkt auf die Hauptbühne.

Foto (C) Florian Machl
Ebenso lauschig: das allgemeine Campinggelände für Festivalbesucher.

Foto (C) Florian Machl
Der Auftritt von Ebriosi beim Nachwuchswettbewerb.

Foto (C) Florian Machl
Beeindruckender Support von den österreichischen Fans und Künstlern.

Foto (C) Florian Machl
Zum ersten Preis reichte es nicht - Technikprobleme und streikende Instrumente plagten die Musiker. Der Pokal ging an Vroidenspil.

Foto (C) Florian Machl
Eine von vielen Händlerstraßen, insgesamt 135 Anbieter waren am Gelände.

Foto (C) Florian Machl
Einmalig: Bespassung bis (fast) auf die Toilette.

Foto (C) Florian Machl
Breites Angebot an Spielgelegenheiten für Kinder.

Foto (C) Florian Machl
Ein Strohhaufen wird von Besuchern als Rastplatz in Beschlag genommen.

Foto (C) Florian Machl
Viele suchten zwischendurch die Wärme an verstreuten Feuerplätzen.

Foto (C) Florian Machl
Der geniale Kontaktjongleur Kelvin Kalvus.

Foto (C) Florian Machl
Feuershow von Torxes von Freygeyst - der ausserdem gemeinsam mit Halibux als Narr und Gaukler gebucht war.

Foto (C) Florian Machl
Hali von Halibux an der Feuertrommel, im Hintergrund musikalische Unterstützung von Ebriosi.

Foto (C) Florian Machl
Geniale Stimmung vor der Hauptbühne. Tausende erwarten die Stars...

Foto (C) Florian Machl
... von Subway to Sally.

Foto (C) Florian Machl
Die Show war wie üblich großartig und bot auch viele pyrotechnische Effekte.

Foto (C) Florian Machl
Liebevoll gestaltete Wegweiser.

Foto (C) Florian Machl
Eine weitere Händlerstraße.

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Kindertransport "vom kleinen Volk".

Foto (C) Florian Machl
Neben den Musikern traten ständig auch Akrobaten und andere Künstler auf.

Foto (C) Florian Machl
Selbst das Infozelt der Veranstalter bemühte sich um eine ambientetaugliche Optik.

Foto (C) Florian Machl
Und auch in Deutschland trifft man die üblichen Verdächtigen im Zuber!

Foto (C) Florian Machl
Allerdings in einem sehr imposanten Badehaus.

Foto (C) Florian Machl
Kleine Marktstreiche gabs ausserdem wieder einmal von Gungnirs Snata.

Foto (C) Florian Machl
Als Vampirjäger unterwegs, wurden Verdächtige peinlich befragt und gegebenenfalls durch Pflock-zu-Herz-Massage in Aschehäufchen verwandelt.

Mit Erstaunen registrierte man das Vorhaben in der Mittelalterszene - und wohl auch in einigen Communities darüber hinaus. Drei mutige Organisatoren, alle mit jahrelanger Erfahrung und besten Kontakten in der deutschen Szene, wagten einen riskanten Schritt ins Ungewisse: Das größte Mittelaltermusik-Festival Europas, genannt Festival Mediaval, vom 19. bis 21. September in Selb (Bayern). Nicht nur die Grenzen des bisher unmöglich geglaubten sollten überschritten werden, auch Landesgrenzen - zur nahen Tschechei, in der ein Teil der Veranstaltung stattfand, aber auch ins nahe Österreich, von wo viele Besucher erhofft wurden. Soviel kann vorweg gesagt werden: Es war eine beachtliche Veranstaltung die in jedem Detail persönliches Engagement und Liebe zur Sache erkennen ließ. Es ist anzunehmen, dass sich viele nachträglich sehr darüber ärgern werden, die sich dieses Spektakel entgehen ließen.

Natürlich gab es bisher auch andere Mittelaltermusik-Festivals, beispielsweise das zweitägige Miroque Festival mit zehn Bands in Deutschland. Dass die verschiedenen Stilrichtungen auch ein großes Publikum begeistern können, beweisen etablierte Groß-Festivals wie Wacken oder Metalcamp, wo in den letzten Jahren immer ein bis zwei Bands aus dem Genre auftreten durften. Dass man beim Festival Mediaval schon beim ersten Mal mit fünfunddreißig, teilweise international erfolgreichen Acts, in die Sphären der dieser riesigen Musikveranstaltungen vordringen wollte, erstaunte und rief auch viele Skeptiker auf den Plan.

Minimalistischer Werbeauftritt

Ein etwas weniger glückliches Händchen im Öffentlichkeitsauftritt stärkte diese skeptischen Stimmen, denn an grafischer Gestaltung und Marketinggewalt ist man eben von Wacken und co. ganz anderes gewohnt. Wo andere Musikveranstalter mit Heerscharen von Werbegrafikern aufzutrumpfen scheinen, präsentierte sich das Festival Mediaval mit eher hausbackener, minimalistischer Optik und einem ebensolchen Webauftritt. Anstelle aufwendiger Grafiken, mit denen man verschiedene Szenen wie Gothic, Metal und Hardrocker ansprechen könnte, stand ein einfaches gelbes Kreuz, das die Himmelsrichtungen symbolisieren sollte. Dies war einer der Hauptgründe - wie wir in vielen Gesprächen im Vorfeld herausfanden - warum man der Veranstaltung eher wenig zutraute. Stimmen wurden vernehmbar, dass aufgrund der Eintrittspreise hier nur abgezockt werden würde, wie man von anderen Großveranstaltern der Szene gewohnt wäre.

Angemessene Eintrittspreise

Die Preise machten auch tatsächlich eine interessante Kurve nach unten, von 99 Euro als Weihnachts-Silvester-Sonderangebot schrumpften die Kosten auf 69 Euro für ein 3-Tages-Ticket. Doch seriös bewertet, sind sowohl 99 als auch 69 Euro eine Okkassion, ein Geschenk - denn wie viel wäre zu entrichten, wenn man Open-Air-Großkonzerte von Subway to Sally, Corvus Corax, Saltatio Mortis, Faun, Estampie, Omnia besuchen würde? Viele davon spielen bereits in einer hochpreisigen Liga. Dieses Aufgebot an Top-Bands gibt es sonst nirgendwo zu diesem Preis, soviel hätte man sich im Vorfeld bereits ausrechnen können.

Marktambiente wie Rechberg und Purgstall zusammen

Womit niemand gerechnet hatte, war der "Bonus", mit dem das Festival aufwarten konnte. Der stimmige Veranstaltungsort war aus den vier minimalistisch publizierten Location-Fotos auf der Homepage nicht zu erahnen. Um es österreichischen Lesern zu verdeutlichen: Man hatte das Gefühl, als wären die Qualitätsfeste Rechberg und Purgstall mitsamt ihrem wunderbaren Ambiente vereint und nach Selb versetzt worden - mitten zwischen drei Bühnen. Das Gelände bestand aus einer riesigen Parkanlage, mit kleinen Hügelchen und einer Vielzahl von ausladenden, schattenspendenden Laubbäumen durchsetzt. Dieser Park diente den Lagergruppen als Heimstätte, daneben gab es ein in Themen gegliedertes Marktleben, das qualitativ keinen Vergleich zu scheuen braucht. In Österreich wurde eine vergleichbare Anzahl an hochqualitativen Ständen - zumindest was die Optik betrifft - noch nicht gesichtet. 135 Händler waren mit ihrem reichhaltigen Angebot vor Ort, mit hoher deutscher Qualität - sowohl was Ware als auch Ambiente betrifft. So präsentierten sich einige der Betreiber mit Fachwerkhäusern, es gab sogar Schenken, auf die ein erster Stock mit Gastgarten aufgebaut wurde.

Perfekte Bühnentechnik

Im Dreieck um diesen Park herum waren die Veranstaltungsbühnen aufgebaut, die qualitativ keine Wünsche offen ließen. Beginnen wir bei der kleinsten Bühne, auf der Nachwuchswettbewerbe und "Kleinkunst" stattfand: Es handelte sich um die "Heureka-Bühne", eine als Fachwerkhaus getarnte Veranstaltungsfläche, die über modernste Licht- und Soundtechnik verfügte, welche großteils stimmungsvoll in den Aufbauten und der Dekoration versteckt war. Ein eigenes Soundteam begleitete diese Bühne und sorgte (fast) immer für ein ausgezeichnetes Klangerlebnis. Die sogenannte Burgbühne war am niedrigsten Ort des Geländes neben dem Ausgang zu den weitläufigen Campingflächen positioniert und bot sicher über 1000 Zusehern Platz. Die größten Hauptacts gastierten auf der Schloßbühne, einer modernen Bühnenkonstruktion mit perfekter Open-Air Akustik und Lichtshow mit einer Zuseherfläche, die sicherlich mindestens viertausend Besuchern Platz bot.

Lagergruppe Gungnirs Snata

Beneidenswert war in dem Kontext sicherlich die Lagergruppe Gungnirs Snata - der einzige Mittelalterverein aus Österreich, der sich nach Selb aufgemacht hatte, um am Gelände zu lagern. Diese waren in genanntem Park inmitten von stimmungsvollen Bäumen auf einer kleinen Anhöhe positioniert und konnten am Lagerfeuer sitzend über die Köpfe der Besucher direkt auf die Hauptbühne sehen. Die finanzielle Regelung für Lagergruppen war übrigens dahingehend gestaltet, dass die Vereine einen reduzierten Eintritt zu bezahlen hatten und mitten am Gelände ihre Zelte aufschlagen durften. Große Authentizitätsvorschriften dürfte es dabei nicht gegeben haben - das hätte auf einem Musikfestival aber auch niemand erwartet. Dennoch war die Qualität über dem Durchschnitt anzusiedeln, der einem hierzulande auf den meisten Märkten begegnet.

Top Acts nicht nur bei der Musik

Top Acts waren nicht nur musikalisch vor Ort, auch im weiteren Unterhaltungsbereich sparte man nicht mit berühmten Namen. So führten Phaedro und Wandelbar, zwei "Narrengrößen" in Deutschland durchs Programm und bewiesen vom ersten bis zum letzten Auftritt Witz und gute Laune, obwohl sie durch den ständigen Wechsel der Schauplätze sicherlich sehr viele Kilometer zurückzulegen hatten. Den Humor dieser Moderatoren, die jeden einzelnen Programmpunkt ankündigten, darf man nicht mit plattem norddeutschen Karnevalsschmäh verwechseln - über die Scherze der beiden konnten durchaus auch Bayern und Österreicher lachen und er entschädigte oft für ein paar Minuten Wartezeit auf eine Band. Wobei an dieser Stelle angemerkt werden muss, dass das Programm ohne merkliche Zwischenfälle so gut wie pünktlich abgespult wurde. Eine beachtliche organisatorische Leistung, angesichts der Anzahl der Teilveranstaltungen. Umso stolzer war unser österreichischer Torxes von Freygeyst, der angesichts des internationalen Staraufgebots ebenso behandelt wurde, wie einer der ganz Großen. Respekt und Umsicht war im Umgang mit allen Künstlern zu bemerken und es gab kaum Unterschiede dabei, wer ein Künstler war und woher er kam. So freuten sich Torxes und sein Begleitteam Halibux über seine Künstlergarderobe im stimmigen, geräumigen und vor allem gut geheizten Backstage-Zelt. Der österreichische Humor kam auch in Deutschland und Tschechien gut an und die Auftritte "unserer" Narren zogen ein konstantes Fanpublikum an, das sich sehen lassen durfte. Daneben gab es noch vielfältige Auftritte von Gauklern, Artisten und sogenannten Kleinkünstlern, die so klein gar nicht sind. Besonders hervorhebenswert erscheinen uns die Auftritte von Kelvin Kalvus, dem berühmten Kontaktjongleur, der hierzulande auch schon öfter in Oberkapfenberg zu sehen war.

Solider Auftritt von Rhiannon

Doch wie schlugen sich "unsere" Musiker? Österreich war vertreten durch die Tuivelsminne, Rhiannon und Ebriosi im Nachwuchsbewerb. Jeder der Auftritte war von einer großen Schar österreichischer Besucher begleitet , die man aus der heimischen Szene kennt. Großartiger Fan-Support, wie man ihn sich nur wünschen kann. Den ersten Auftritt hatte Rhiannon am Samstag auf der mittleren Bühne. Beklagten sich einige Fans in den letzten Monaten ein wenig über wechselhafte Qualität und etwas schwächere Energie bei der Bühnenperformance - worauf die Band mit einer Erklärung auf ihrer Homepage auch reagiert hatte - konnte davon in Selb keine Rede sein. Reduziert um Band-Neuling Karin alias Meryn, die nach Verlautbarung der Musiker aus Gründen ihrer Schwangerschaft nicht auftreten durfte, sah man Rhiannon in der "alten Besetzung" mit Cordula alias Finja. Selb war für Rhiannon ein Meilenstein und daraus machte man im Vorfeld auch kein Geheimnis. Es sollte der beste Auftritt des Jahres werden, der auch in Deutschland beeindruckt. Das Kompliment des besten Auftrittes würden wir nicht vergeben, dieser war von Rhiannon heuer eindeutig am Linzer Pflasterspektakel zu sehen. Doch trotz der für ein Festival frühen Stunde - der Auftritt fand um die Mittagszeit statt - fanden sich einige hundert Neugierige ein, um den Klängen der Spielleute zu lauschen. Und sie blieben, selbst nachdem Perkussionist Tommy damit drohte, seine getragenen Socken ins Publikum zu werfen. Für zusätzliche Stimmung sorgten einige Mitglieder von Eulenspiel, die in vorderster Reihe zum Tanz aufforderten und Bewegung in die aufgrund niedriger Temperaturen etwas steifgefrorenen Zuseher brachten.

Tuivelsminne erwies sich als würdiger Hauptact

Der zweite Österreich-Export trat auf der Hauptbühne auf, es handelte sich um die Gruppe Tuivelsminne. Die Tuivelsminne war 2008 noch nicht oft zu hören, in unseren Schlagzeilen tauchte sie vor allem deshalb auf, weil ein Wechsel von Frontman "Arnulf das Schandmaul" zu "Blasius" stattfand. Der Grund für die seltenen Auftritte wird auf der Bandhomepage übrigens nicht durch besondere Introvertiertheit angegeben, vielmehr war man auf einen selbsternannten Booker hereingefallen, der das ganze Jahr lang durch Abwesenheit glänzte und keinerlei Anfragen beantwortete. Ein Jammer, wie sich zeigte, denn die Band war in Selb in einer Höchstform zu sehen, die ihresgleichen suchte. Die riesige Bühne und die perfekte Tontechnik schienen die teuflischen Jungs mit den Fellhosen zu beflügeln und die Stimmung auf der Bühne übertrug sich auf das Publikum. Auch die Tuivelsminne spielte um die noch mager besuchte Mittagszeit, doch das Feld vor der Bühne füllte sich bei jedem Lied mehr und mehr. Der Auftritt hatte mit Sicherheit Referenzcharakter für ein interessiertes Publikum und gemeinsam mit Rhiannon zeigte man in Deutschland, dass der kleine Nachbar Österreich musikalisch sehr wohl mitreißendes zu bieten hat. Der Auftritt der Tuivelsminne machte jedenfalls Lust auf mehr - und mehr wird es in Kürze auch hierzulande geben, wenn die Gruppe am 25. Oktober beim Miroque V im Wiener Viper Room zu hören sein wird.

Ebriosi im Pech

Voll in den Pechnapf hat bedauerlicherweise etwas später Ebriosi gegriffen. Beim Auftritt beim Nachwuchswettbewerb konnte man sich gegen den deutschen Mitbewerb nicht durchsetzen und musste den ersehnten Siegespokal anderen überlassen. Die Gründe dafür waren mehrschichtig, doch nicht bei der Band zu suchen. Zum Einen hatte man das Pech, dass man als erste Gruppe verstärkt auf der Heureka-Bühne spielte. Somit entfiel ein Soundcheck und dann auch der Ton einer Bouzouki. Dazu kamen aufgrund der Temperaturen unter 10° C streikende Instrumente. Der Auftritt war zwar energievoll und musikalisch bemüht - doch das volle Klangerlebnis konnte aufgrund beschriebener Umstände nicht zum Auditorium gebracht werden. Wie bei österreichischen "Musikwettbewerben" sollte man aber auch diese Veranstaltung nicht zu ernst nehmen, denn eine "faire" Beurteilung von Künstlern ist ohnehin nicht möglich. Wer die meisten Fans mitgebracht hatte, war klar im Vorteil - und das sollte man auch nicht übertrieben kritisieren, denn dies war wohl alles, was im Rahmen der Möglichkeiten lag. Beachtlich war der Support der österreichischen Fans - und auch alle Künstler, von Torxes über Rhiannon und Tuivelsminne standen im Publikum und feuerten an. Auch Satara und Lapis Serpentis waren übrigens angereist, um ihre Musikerkollegen anzufeuern. Eine Eigenheit, welche die österreichische Szene auszeichnet: Hier herrscht freundschaftliches Miteinander ohne Futterneid.

Musikalische Höhepunkte

Natürlich war es uns nicht möglich, jedes gebotene Konzert zu besuchen, auch wenn die Termine sehr angenehm aneinandergereiht wurden. Es gab kaum Überschneidungen, man konnte von Konzert zu Konzert gehen und alle Gruppen hören, die man sich in seinem persönlichen Tourplan vorgenommen hatte. Besonders herausragend war wie erwartet der Auftritt von Subway to Sally, der wohl auch die meisten Besucher anlockte - zwischen 2000 und 3000 Menschen tobten zu den Klängen und der Feuershow der beliebten Musiker. Eine Überraschung stellte die ungarische Gruppe "The Moon and the Nightspirit" dar, die bei leichtem Nieselregen den Sonntag eröffneten und ihre Leistung von den bisherigen beiden CDs live bei weitem übertrafen. Die immer größer werdende Fangemeinde forderte mehr Zugaben ein, als der knappe Terminplan zuließ. Besonders die Gruppen aus dem Osten stießen auf hohe Beliebtheit und überzeugten mit mitreißenden Melodien und kräftigen, meist mehrstimmigen Gesängen. Einen gewissen Bonus hatte die polnische Formation Dikanda, die als letzte Band auf der mittleren Bühne mehrere hundert Zuhörer gewinnen konnten. Als letzte Band nutzten Sie die Gunst des Augenblicks und überzogen gut eine Stunde - sehr zur Freude ihrer Fans. Nicht ganz so viele Hörer konnten zeitgleich die besonders in Musikerkreisen mit Spannung erwarteten Hedningarna aus Schweden anlocken. Sie boten auf hohem Niveau interessante Klangteppiche die teils in einen experimentellen Bereich übergingen, überzeugten gesanglich aber nicht und erschienen zumindest uns am Tonträger empfehlenswerter denn als Live-Act.

Weitere Details

Alles in allem war das Festival Mediaval ein herausragendes Ereignis. Details wie ein gewandeter Scherzbold, der Schabernack mit den Wartenden an den Toilettanlagen betrieb, eine Zeltstadt aus Jurten, die vom Verein Black Castle aufgebaut und betrieben wurde, um darin Kinofilme und Dokumentationen zu zeigen, eine Modeschau von historisch bis Fantasy, ein reichhaltiges Kinderprogramm und ein Bogenturnier rundeten das Angebot ab. Selbst wenn man keine einzige Band am Festival interessant gefunden hätte, wäre man als Freund von Mittelaltermärkten auf seine Kosten gekommen. Das Kulinarische Angebot war hochwertig und durchgehend wohlschmeckend, hier dachte man an Details wie ein (Met-)Flaschenverbot am Gelände. Eine von vielen Security-Maßnahmen, die gemeinsam mit der Firma VIP-Security höflich und nachvollziehbar umgesetzt wurden. So galt auch Waffenverbot am Gelände, die mitgebrachten drei-meter-langen Fantasy-Schwerter mussten im Auto bleiben. Das Bayerische Rote Kreuz äußerte sich im Nachhinein, dass sie noch nie auf einem Festival gewesen wären, wo sie so wenig Arbeit gehabt hätten. Selbst die Betrunkenen hätten ohne Probleme zu machen jegliche Anweisung befolgt. Zwar gab es vereinzelt schon einmal eine kleinere Rauferei, aber im Großen und Ganzen entsprach das Festival den Erfahrungen, die man - zumindest hierzulande - auf Mittelaltermärkten macht: eine entspannte und friedliche Gesamtstimmung.

Enormes persönliches Engagement

Das persönliche Engagement der Organisatoren aber auch vieler freiwilliger Helfer und Mitarbeiter war enorm. Viele schienen drei oder mehr Tage in einem Stück durchgearbeitet zu haben und standen dennoch am nächsten Tag wieder mit freundlicher Miene auf ihrem Platz. Eine lange Reihe von Personen, vor allem Anwohnern, stellte ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung, um das Festival zu einem Erfolg zu machen. Die Unterstützung durch die Gemeinde war wohl einer der wichtigsten Punkte und sie scheint auch nach dem Abschluss der Veranstaltung kein Ende zu finden. Neben finanzieller und infrastruktureller Unterstützung durch die Gemeinde gab es wundersamerweise auch keinerlei Beschwerden über den Lärm oder andere üblicherweise beanstandete Dinge, die im Umfeld eines Festivals oft gängig sind. Dies, obwohl der Park doch weit in den Ort hineinreicht und der Bühnenlärm sicherlich auch in die Häuser und Wohnungen der Anrainer dringen dürfte. Man scheint mit der Platzwahl also einen Glücksgriff getan zu haben - doch das Entgegenkommen ist sicher nicht nur selbstverständlich, sondern folgt wohl dem Motto "Wie man in den Wald hineinruft...". Wir haben die drei Organisatoren - Rudolf Meier, Karl-Heinz Schwarz und Oliver Karolkewik - als freundliche Menschen kennen gelernt, die egal bei welchem Problem die Ruhe bewahrten und für jeden ein offenes Ohr hatten. So wurden ihnen obligatorische kleinere Pannen niemals übel genommen - und von gröberen "Schnitzern" war nichts zu bemerken. Wie schon erwähnt, zeigte sich der Ablauf reibungslos und weitgehend pünktlich. Auch die Festival-Camper schienen zufrieden zu sein. Auf malerischen Feldern, umsäumt von Wäldchen - am Weg lag sogar ein kleiner See - war es möglich, sein Lager aufzustellen und das Festival zu genießen. Die Infrastruktur erschien passend: Für Beleuchtung und Toiletten war gesorgt - nach Duschen haben wir nicht gesucht, diesbezüglich aber auch keine Klagen vernommen.

Probleme oder Problemchen?

Kleinere Probleme gab es natürlich - wie gewohnt soll auch hier ein Kritikteil nicht fehlen. Die Mängel im Auftreten und in der Werbung wurden eingangs schon angesprochen und kosteten nach unserer Einschätzung sicher einige tausend Besucher, die einfach einen anderen Standard gewohnt sind. Im Markt- und Lagerbereich beklagten sich manche über einen Mangel an Feuerholz und Stroh - wobei gerade das Stroh verwundert, denn es war bis zuletzt in der Nähe der mittleren Bühne ein größerer Haufen an Ballen vorzufinden, der dann von Besuchern als Sitz- und Lagerplatz verwendet wurde. Die Kritik mancher Händler, dass die Securityauflagen (Waffenverbot, Flaschenverbot) den Verkäufen selbiger Güter nicht förderlich wären, mag für diese Händler eine wirtschaftliche Berechtigung haben - nüchtern betrachtet sind solche Auflagen aber bei einer Großveranstaltung unbedingt notwendig. Die Verletzungsgefahr im Gedränge ist auch ohne Böswilligkeit zu groß, wenn man unter Tausenden in der tobenden Menge vor einer Bühne steht. Etwas genörgelt wurde auch darüber, dass am letzten Veranstaltungstag erst um 23:00 mit dem Abbau begonnen werden durfte. Doch auch diese Maßnahme erlaubt verschiedene Betrachtungsweisen. Sicherlich ist es mühsam, erst nach Mitternacht eine mehrstündige Heimreise antreten zu müssen - doch dieser Umstand war von Anfang an klar. Das letzte Konzert - Omnia - sollte jedoch jeden Fan entschädigt haben, denn diese Spitzengruppe aus den Niederlanden wird man eher selten live zu Gesicht bekommen.

Es gibt eine Fortsetzung!

Die Unkosten der Veranstaltung, deren Summe bei mehreren Hunderttausend Euro liegt, wurden heuer wohl schwerlich hereingespielt. Die Veranstalter geben eine ungefähre Besuchersumme von 6.000 Personen an. Mit ein Grund für die eher verhaltenen Besucherzahlen dürfte das Wetter gewesen sein. Es gab entgegen der Vorhersage zwar keinen Regen, mit Ausnahme eines leichten Nieselschauers am Sonntag, doch das Klima war insgesamt kalt und feucht. Allerdings - soviel wirtschaftliche Fairness muss sein - in der Praxis rechnet keine Bank damit, dass ein größeres Unternehmen vor dem dritten Geschäftsjahr schwarze Zahlen schreiben kann. So freuen wir uns besonders, an dieser Stelle mitteilen zu dürfen, dass das Festival auch 2009 wieder stattfinden soll. Der Termin wird etwas vorverlegt - es soll Anfang September stattfinden. Von Huscarl gibt es eine klare Empfehlung für das Festival Mediaval und es steht fest, dass man viel versäumt, wenn man es sich entgehen lässt. Nachdem sich gezeigt hat, dass es sich um eine Veranstaltung mit Herz und Hirn handelt, wo es nicht ums Abzocken sondern um echte, vielfältige Inhalte hoher Qualität geht, wird Huscarl die Veranstaltung künftig offiziell unterstützen - in welcher Form dies konkret geschehen wird, soll das kommende Jahr zeigen.


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1. Kommentar von Narr am 29.09.2008 um 18:25

Für uns war es mehr als nur ein Fest
Tja für uns Hali Bux und Torxes war es mehr als nur ein "Fest". (ich schreib das einfach für uns beide liebe Bux)

Wir waren ja alle drei Tage gebucht und hatten einen riesen Spaß da.
Das wohl beste war als ich für eine Holländische Band auf der Hauptbühne spontan einsprang und dort das volle Licht und Soundprogramm ausnütze.
Hänschen Klein
auf der Narrenpfeiffe mit Blitz und Nebel, mit Hali Bux als Tänzer,
der Security anschaffen(he die sind zu nahe so kann ich nicht arbeiten)
auf dieser riesen Bühne war schon spitze.
Auch das zusammen arbeiten mit den Kollegen (internationale Größen der Gauklerbranche) war und ist cool.
Wir freuen uns auf 2009 wo wir hoffentlich wieder dabei sein dürfen.

Wir sagen Danke an alle Österreicher die anreisten.
Wir sagen Danke an Blacky, Oliver und Rudl, aber auch an alle die uns betreut haben.

Euer Narr mit riesen .iern nach dem er auf der riesen Bühne war und ausserdem von Wandelbar und Phaedro in den Club der Doffen Desichter als Vertreter Österreichs aufgenommen wurde..................

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2. Kommentar von Berenger am 29.09.2008 um 23:46

Eine tolle Veranstaltung und ausbaufähig!
Wir von den "Gungnirs Snata" hatten unseren Heidenspass in Selb, da konnten uns niedrige Temperaturen und Holzmangel nicht die Laune verderben.

Besonders Spass hatten wir immer wieder mit den lustigen Auftritten unseres liebsten Narren und der talentierten Familie Halibux!(JA ich war die Tür bei Rotkäppchen*autsch*)

Die Hauptacts wie Subway to Sally,Die Streuner,Omnia und Faun erfreuten uns alle sehr und haben bei dem einen oder anderen auch das Tanzbein gelockert...

Doch am meisten haben wir uns für Rhiannon und Ebriosi ins Zeug gelegt um den Österreichern in Selb ein klein wenig heimatlichen Wahnsinn präsentieren zu können...(ihr entkommt uns nicht,auch wenn ihr nach Deutschland fahrt ;) )Durch die Tuivelsminne wurden die meisten von uns geweckt..und es war ein gutes Erwachen ;)

Besonders möchte ich das Tee und Shisha Zelt erwähnen,welches mit simplen Mitteln und preiswerten Angeboten eine unglaublich stimmige Atmosphäre geschaffen hat,in welcher so mancher Besucher und Wikinger am liebsten eine ganze Nacht verbracht hätte..("Seht mal Männer,wir haben Byzanz erreicht")

Das einzige was man sich wünschen würde,wäre das Festival früher im Jahr anzusetzen,da die sommerlichen Temeperaturen doch einige Begeisterte mehr angelockt hätte...

Alles in allem ein wunderbares Fest mit köstlicher Gastro,guter Stimmung und einem Line-up dass seines Gleichen sucht...
Liebe Grüße an alle Landsleute und Nicht-Landsleute welche unsere Lagerfeuerrunde bereichert haben....und manchmal auch ordnetlich mitangepackt haben...

Berenger

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3. Kommentar von Steinemeister am 01.10.2008 um 19:25

Intensive Tage
Ja das waren die Wochen in Selb. Ich danke allen, die dieses Festival zu dem gemacht haben, was es werden sollte, ein völker- und genreübergreifendes, berauschendes Festival.
Danke auch für den schönen Artikel, bitte schick ihn uns doch für die Pressemappe, ein paar Zahlen wären da zu korrigieren, aber nur eine ist wichtig: die 99,-€ waren für das Festival-Paket inkl. T-Shirt, Verzehrgutschein, Becher, CD und Campen, die 69,- schon immer für das 3-Tages-Ticket.
Das nächste Festival-Mediaval soll stattfinden vom 11.-13.09. 2009, nicht wegen der Kälte, aus logistischen Gründen. Es war übrigens seit 1971 nicht mehr so kalt am 3. September-WE, also nächstes Jahr wird es wärmer.
Wir freuen uns auf eine weiterhin gute grenzübergreifende Zusammenarbeit und noch viele gute österreichische Bands auf dem Mediaval.
Viele Grüße vom Bläcky
Orgateam Festival-Mediaval

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4. Kommentar von Tigger am 06.10.2008 um 15:24

Hei schee war's
... und ich glaub ich sprech hier im Namen meiner ganzen Gruppe (also alle 5^^). Wir hatten unseren Spaß trotz der Temperaturen (war schon kalt im Zelt) aber gut, dafür kann ja keiner was. Auch das Aufgebot an den Verschiedensten Gruppen war einfach spitze!
Und der Fan-Support "unserer" Bands einmalig ... Band unterstützt Band...
Zitat Torxes: "hehe,... Heimspiel!!!" - obwohl,... Torxl, bleib doch mal angezogen, du verschreckst die Leute!
Nein, also sofern ich Zeit hab bin ich nächstes Jahr sicher wieder dabei.
Einziger Mangel (bei dem mir sicher einige zustimmen werden) waren mmn. die beiden Moderatoren,... gut, anfangs war's ja noch lustig, aber nach dem 10. Mal waren ihre Schmähs dann doch irgendwie nervig,...
Sei's d'rum! Selb, ich komm wieder^^

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5. Kommentar von G-G am 06.10.2008 um 22:02

...weiss ich eh, dass ich was versäumt hab!
Jaja, schwärmt nur alle! Leider bin ich in meinem Alter nicht mehr gelenkig genug um mich in den Allerwertesten zu beissen, wie man es von Zeit zu zeit am liebsten täte vor Ärger! Naja, mein Autoproblem ist ja fürs erste gelöst (die alte Karre hätte nie die Strecke geschafft!), mal sehen, im nächsten Jahr. Hoffentlich vermeiden die Veranstalter mit Rücksicht auf die zahlreiche österreichische Beteiligung eine Terminkollisison mit Eggenburg und Purgstall.
@ Berenger: Na, hoffentlich hat man Dich nicht zugeknallt?! Ansonsten scheint dir die Rolle ja fast auf den Leib geschrieben, welche Tür ist den schon ganz dicht*kicher*

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6. Kommentar von Berenger am 08.10.2008 um 00:33

@gabi
danke für das liebe kommentar*gg*
erinnere mich das nächste mal daran wenn ich dich treffe ;)
ich werd mich revanchieren...

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7. Kommentar von Dornenengel am 14.10.2008 um 22:19

Selb war toll
und bissig. Zumindest für mich, den Vampir. In der Bildergalerie auf Seite 11 auf dem 9. und 10. Bild versuchen welche, mich zu pfählen. Pech gehabt, der Vampir lebt noch und er kommt wieder.

Außerdem waren megageniale Bands da. Und ich hoffe, dass es 2009 genauso gut oder besser wird.

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