huscarl.at
EditorialMarktlebenWissenschaftMusikKulturVereineChronikVermischtesKurzWahlRadioVideoSzeneSuche
in der Community anmelden
Gemeinfrei. Bildquelle: Wikimedia
Russische Ikone des Heiligen Nikolaus


Die Legende vom Heiligen Nikolaus
Der Mythos vom Mildtäter mit dem Rauschebart
Simone "Mone" Jatropulus
05.12.2012 15:49

Die Adventzeit bringt eine besondere Vielzahl an Bräuchen und Traditionen mit sich. In Erwartung des Weihnachsfestes bzw. Christi Geburt begeht man zahlreiche Gedenktage zu Ehren von diversen Heiligen. Einer der wichtigsten Gedenktage in der besinnlichen Zeit gebührt dem Heiligen Nikolaus von Myra. Und der Nikolo kommt in unseren Breitengraden jedes Jahr am 6. Dezember, um traditionell seine Gaben zu verteilen.

Jeder kennt ihn, vor allem die Kinder lieben ihn - den alten Mann mit dem weißen Rauschebart, dem Hirtenstab, dem Bischofsgewand und den gutmütigen Augen. Sinterklaas, Santa Claus, Sveti Nikolaj, St. Niklas - nur um einige seiner Namen zu nennen. Zahlreiche Schutzpatronate stehen in seinem Zeichen - allen voran jene der Kinder und der Seeleute. Doch woher kommt er eigentlich, der allseits beliebte Nikolo? Hat er tatsächlich gelebt? Oder ist er doch nur ein Mythos? Die bekannteste Legende ist wohl jene, in der er Geldstücke für einen armen Vater und seine drei Töchter hinterließ, um den Mädchen durch diese Mitgift den Weg in die Prostitution zu ersparen. Eine andere wird das "Kornwunder von Myra" genannt. Angeblich konnte Nikolaus sogar schon bei seinem ersten Bad als Baby alleine stehen...

Der österreichische Nikolo von Heute

Heutzutage ist er in unseren Landen bekannt als Nikolo oder Nikolaus, der den Kindern Geschenke bringt. Er ist leicht zu erkennen, denn er trägt eine Bischofsrobe, die dazugehörende Mitra (= traditionelle Bischofsmütze), einen Geschenkesack, einen meist goldenen Hirtenstab, das goldene Buch und natürlich den langen weißen Rauschebart. Oft tritt er in Begleitung eines schreckenerregenden Bösewichts, dem Krampus, auf. Dieser furchteinflößende Geselle kommt mit Korb und Rute, um den schlimmen Kindern ihre Flausen auszutreiben.
Fragt man die Kinder, so wissen diese ganz genau, dass der Nikolo ein dickes Buch mit sich führt, in dem geschrieben steht, ob das Kind denn auch brav war im vergangenen Jahr. Die obligatorische Frage - "Na, warst du denn heuer auch ein braver Bub/braves Mäderl und hast der Mama und dem Papa immer gefolgt?" - muss natürlich trotzdem gestellt werden, wie soll der Nikolo sonst die Ehrlichkeit der Kinder prüfen können... Und dann gibt es natürlich Geschenksackerln, meist im traditionellen Rot gehalten und gefüllt mit Nüssen, Mandarinen und auch anderen Gaben wie Socken, Spielzeug, Handy-Guthabenbons u.ä. - oder es wird das Stiefelchen des Kindes mit Geschenken befüllt.
So viel zum Nikolo von Heute.

Der Brauch in der Vergangenheit

Das jahrhundertalte Brauchtum blickt auf eine facettenreiche Geschichte zurück. Das brave Kind wurde in der Vergangenheit für seine Frömmigkeit und Folgsamkeit gelobt und beschenkt, mit Lebkuchen, Nüssen, Äpfeln und anderen Leckereien - das böse Kind wurde für seinen Ungehorsam getadelt und bestraft, zum Beispiel indem es nur Kohlestücke statt Leckereien bekam oder sogar mit der Rute gestrichen wurde.

Im Spätmittelalter bastelte man "Nikoloschiffchen", in welche der heilige Mildtäter seine Gaben legen konnte. Das so genannte "Schiffchensetzen", welches vermutlich vom Schiffer- bzw. Seefahrerpatronat herrührt und dem es zu verdanken ist, dass sich auch heute noch Nikolaus-Abbilder auf vielen Schiffen finden, entwickelte sich mit der Zeit weiter und wurde schließlich von Stiefel, Schuh und Socke bzw. Strumpf abgelöst.
Weitaus später fügte sich auch der Gabenteller in die Reihe der Nikolobräuche ein, bei welchem die Kinder dem Heiligen beispielsweise Milch und Kekse hinstellten, damit er sich für seinen weiteren Weg stärken konnte.

Ebenfalls auf das Mittelalter - genauer gesagt das 13. Jahrhundert - zurückzuführen ist ein christlicher Brauch, bei dem die Schüler von Klosterschulen am 'Tag der unschuldigen Kinder' oder am 'Tag des Heiligen Nikolaus' einen ihrer Mitschüler zum "Kinderbischof", "Kinderpapst" oder "Kinderabt" erwählen durften. Dieser wurde dann für einen Tag mit den amtlichen Pflichten und Würden eines Bischofs betraut und bekam auch seine eigenen "Kapläne" zugeteilt.

Im 19. Jahrhundert schaffte der heilige Bischof sogar den Sprung nach Nordamerika, wo er bis heute als Santa Claus bekannt ist, auch wenn er dort (wie Jahrhunderte zuvor beinahe überall üblich) am Weihnachtstag Geschenke bringt und die traditionelle Bischofsrobe gegen einen roten Anzug sowie die Mitra gegen eine rote Mütze mit weißem Pelzrand getauscht hat. Bischofsstab und goldenes Buch blieben hierbei auf der Strecke, dafür bekam der Weihnachtsmann dort Rudolph das rotnasige Rentier, dessen Rentierfreunde, die Wichtelwerkstatt am Nordpol und den Schlitten mit den Geschenken zur Seite gestellt.

Nikolo und seine Schergen

Je nach Region wird der Brauch am Gedenktag des Heiligen Nikolaus anders begangen. In Österreich, Südtirol, Ungarn, Tschechien, Teilen Norditaliens, Teilen Kroatiens, Teilen Rumäniens und Teilen Serbiens wird Bischof Nikolaus vom Krampus mit Rute und scheppernden Höllenglocken oder rasselnden Ketten begleitet und kommt am Abend des 6. Dezember. In Deutschland trifft man den Heiligen Nikolaus regional mit anderen Spießgesellen an, wie etwa dem Knecht Ruprecht, dem Bartl, dem Klaubauf oder als weibliche Unterstützung auch die Butzenbercht, ein Engerl, das Nikoloweiberl oder die Fraache. Andere europäische Länder warten mit  Zwartepiet, Schmutzli, Beelzebub, Rupelz, Chindlifrässer, Pelznickel und anderen schaurigen Gestalten auf.

Historische Person Nikolaus von Myra

Betrachtet man diverse schriftliche Aufzeichnungen geschichtlicher Natur, so muss festgestellt werden, dass es sich beim Heiligen Nikolaus genaugenommen um zwei historische Personen gleichen Namens handelt, die im Lauf der Zet von verschiedenen Schreibern miteinander verschmolzen wurden. Zum einen Bischof Nikolaus von Myra, er lebte im 3. bzw. 4. Jahrhundert n. Chr. - genauere Geburtsdaten sind nicht gesichert, uterschiedlichen Quellen zufolge wurde er frühestens 270 n.Chr. geboren und starb etwa um 360 n- Chr. Aufzeichnungen berichten, dieser Nikolaus wurde bereits mit 19 Jahren zum Priester geweiht und umgehend als Abt eingesetzt. Zu verdanken hatte er dies angeblich seinem gleichnamigen Onkel, der zu jener Zeit das Bischofsamt in Myra bekleidete. Er soll auch unter der Christenverfolgung gefoltert worden sein. Als gesichert gilt laut Überlieferungen, dass Nikolaus von Myra, nachdem seine Eltern durch den Schwarzen Tod starben, deren riesiges Vermögen erbte und den Reichtum unter den Notleidenden und Armen verteilte.  Zum anderen war da noch der Abt Nikolaus aus dem Mönchskloster Sion, der später ebenfalls zum Bischof ernannt wurde und erst etwa 564 n. Chr. starb.

Es gibt nur wenige, tatsächlich gesicherte Belege aus dem Leben des Heiligen Nikolaus, was wohl auch daran liegen mag, dass er eigentlich aus zwei namensverwandten Männern entstand. Ob er die zahlreichen Wunder und legendären Taten, die ihm nachgesagt werden, wirklich vollbracht hat, lässt sich schwerlich überprüfen. Fakt ist, dass unter Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert die kultgleiche Verehrung des Nikolaus begann.


Weiterführende Links:




Fantasy Flagship

Vehi Mercatus

Kultur- und Veranstaltungsgemeinschaft Eulenspiel




Noch schneller informiert:
Huscarl auf Facebook



Dieser Huscarl-Artikel ist mir eine kleine Spende wert:




1. Kommentar von angusvonardingen am 09.12.2012 um 20:31

Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind
Nikolaus ist ein Heiliger, Weihnachtsmann und Christkind Erfindungen durch die Protestanten u.a. schon Luther selbst, da man ja keine Heiligen mehr hatte, die Geschenke bringen - nicht mal die Heiligen Drei Könige.

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.



Du erhältst derzeit keine E-Mail-Benachrichtigung, wenn
neue Kommentare zu diesem Artikel verfasst werden. Ändern.