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"Saracen archery", die englische Übersetzung des 1368 entstandenen Werkes über die Kunst des Bogenschießens war eine von Andersens Quellen.

historische Abbildung
Andersen fiel auf, dass historische Abbildungen oft Haltungen zeigen, die mit modernen Formen des Bogenschießens nicht übereinstimmen.

historische Abbildung
Auch hier (Teppich von Bayeux) ist beispielsweise zu sehen, dass die Bögen nicht ganz ausgezogen werden und vor der Brust oder dem Bauch gespannt werden.

Lars Andersen
Der Bogenschütze bleibt dabei bescheiden und sieht sich nicht als Profi, seine Kunst nicht als perfekt. Dabei trifft er inzwischen drei geworfene Zielscheiben mit drei Pfeilen in nur 1.12 Sekunden.

Unbekannt
Der Indianerhäuptling Hiawatha soll 10 Pfeile abgeschossen haben, bevor der erste das Ziel berührte. Was bislang als unmöglich galt, hat Andersen inzwischen mit 11 Pfeilen übertroffen.

Lars Andersen
Schüsse nach Andersens Technik können dabei auch aus dem Sprung abgegeben werden. Auch auf bewegliche Ziele - hier eine geworfene Scheibe.

Lars Andersen
Der schnellste Bogenschütze der Welt verdient seinen Lebensunterhalt als Kunstmaler.


Der Däne Lars Andersen revolutioniert das Bogenschießen
Unglaubliche Schnellschusstechniken aus historischen Quellen abgeleitet
Martina, Florian Machl
04.12.2012 20:33

Der dänische Kunstmaler Lars Andersen (48) hat viele Hobbies. Eines davon ist die Rekonstruktion historischer Techniken des Bogenschießens. Seiner Ansicht nach war das Bogenschießen in früheren Zeiten der Kriegskunst darauf ausgerichtet, sehr schnell Serien von Schüssen abzugeben. Man sollte damit bewegte Ziele treffen, während man sich selbst bewegt - und auch Gegner ausschalten können, die zurückschießen. Diese Rekonstruktionsversuche führten zu mehreren Weltrekorden und erlauben einen neuen Blick auf die Kunst des Bogenschießens, der vor Andersen wohl als "unmöglich" gegolten hätte.

Jeder kennt die fantastischsten Geschichten über mythische Fähigkeiten verschiedenster Kämpfer. Beim Bogenschießen werden solche beispielsweise Mongolen, Sarazenen oder Hunnen zugeschrieben. Oft wurden die Erzählungen als Übertreibungen beeindruckter Autoren abgetan. Auch ein propagandistischer Hintergrund zur Überzeichnung eigener Fähigkeiten, um Gegner zu ängstigen, wäre möglich. Bislang erschien es aufgrund der nicht möglichen Reproduzierbarkeit solcher Beschreibungen als unerklärbar, wie solche sagenumwobenen Kampfkünste funktionieren sollten. Doch nicht immer gehören diese Schilderungen ins Reich der Fantasie.

Ein mamelukisches Buch aus dem 14. Jahrhundert

In „Kitab ghunyat at-tullab fi marifat ramy an-mushshab“ (Englische Übersetzung: „Saracen Archery“), einem 1368 entstandenen marmelukischen Werk über die Kunst des Bogenschießens, wird behauptet, daß sarazenische Bogenschützen drei Pfeile in nur eineinhalb Sekunden abschießen konnten. Der indianische Häuptling Hiawatha soll 10 Pfeile in die Luft geschossen haben, bevor der erste sein Ziel traf. Aufschneiderei? Nein, meint der dänische Bogenschütze Lars Andersen. Aber wie funktioniert das bloß? „Saracen Archery“ gibt Hinweise:

„... Quickness and ease in using your hands are a commendable asset in battle. If you wish to determine your dexterity and rate of shooting, you take three arrows and stand and shoot over sixty bow's distance. If you can shoot the third and only see the dust of the first after that third arrow has left your hand, you are fast enough. If you can't, you must practice holding the arrows all together between your fingers and shoot in this way. You keep practicing until you achieve your goal.“

Die Erfolge Andersens begeistern über 1.5 Millionen Menschen auf YouTube

Drei Pfeile auf eine Distanz von in heutigen Maßen definierten 69 Metern. Der erste Pfeil muss noch in der Luft sein, wenn der letzte abgeschossen wird. Das ergibt drei Pfeile in nur eineinhalb Sekunden. Bogenschütze, Reenacter und Künstler Lars Andersen stellte sich dieser Herausforderung. Und meistert sie – was ihm einen Weltrekord als schnellster Bogenschützen der Welt einbrachte. Ein von ihm auf youtube online gestelltes Video wurde ein viraler Welterfolg mit 1,5 Millionen Zusehern - tendenz steigend.

11 Pfeile in der Luft, bevor der erste das Ziel trifft

Um diese Meisterleistung zu vollbringen musste Andersen allerdings erst herausfinden, wie die enorme  Geschwindigkeit der sarazenischen Bogenschützen überhaupt möglich war. Ein Teil des Geheimnisses hinter dem Abschießen vieler Pfeile in so kurzer Zeit erscheint einfach: Wie die meisten Krieger der großen Bogenschützen-Völker hält Lars Andersen alle seine Pfeile in einer Hand, anstatt sie einzeln aus einem Köcher zu holen. Doch erst eine ganz spezielle Technik, die sehr viel Übung erfordert, verhalf ihm wirklich zum gesuchten Ergebnis: Lars kann nun 11 Pfeile abschießen, bevor der erste davon wieder zurück am Boden angekommen ist. Er erscheint damit sogar schneller zu sein, als die ungarische Bogenschützenlegende Lajos Kassai. Andersen erprobte die verfügbaren Überlieferungen verschiedenster Völker – Indianer, Chinesen, Mongolen – und kam zu dem überraschenden Schluss, dass mit der richtigen Technik alle historisch beschriebenen Manöver möglich sind.

Nicht nur schnell sondern auch zielsicher

Ohne fixen Ankerpunkt, oft ohne den Bogen komplett auszuziehen, schießt Lars Andersen intuitiv. Trotzdem, so konnte er nachweisen, durchschlagen seine Pfeile sogar ein vernietetes Kettenhemd. (Dieses ist beim abgefilmten Versuch allerdings direkt vor einer Holzwand montiert, weshalb das Ergebnis nicht ganz auf eine Kampfrealität mit dickem Gambesson und weichem Körper übertragbar ist.) Dass Andersen nicht nur schnell, sondern auch präzise schießt, stellt er eindrucksvoll unter Beweis. Er springt, läuft vorwärts, seitwärts oder rückwärts - und trifft zumindest auf kurze und mittlere Distanz mit beeindruckender Sicherheit. Sogar im Fall (z.B. vom Pferd) erscheint diese Kunst des instinktiven, aber präzisen Schießens möglich.

Dänischer Künstler, Reenacter und Rollenspieler

Trotzdem bleibt Andersen bescheiden: „Ich habe einige alte Techniken wiederentdeckt“, postet er auf seinem youtube-Kanal. „Aber so vieles vom alten Wissen ist verloren gegangen.“ Er bezeichnet sich selbst auch immer wieder als „Nicht-Profi“ und verweigert eine genaue Beschreibung seiner Technik, weil er sie noch immer für unausgereift und unvollkommen hält. Bescheidenheit scheint allerdings eine Zier des großen Talents zu sein: Lars Andersen ist nicht nur ein begnadeter Bogenschütze und Reenacter und hat zwei Bücher über Rollenspiele geschrieben. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er als Künstler – vor allem die Porträtmalerei hat es ihm angetan.


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