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(c) ORF Online / ORF Vorarlberg
Mit diesem Zierschwert bedrohte der Vorarlberger die Beamten von seinem Fenster aus.


Fantasy und Vermischtes
Betrunkener bedroht Polizisten mit Fantasy-Zierschwert
31.07.2011 15:55
Florian Machl

Angesichts der sich wöchentlich ansammelnden Nachrichten über Betrunkene oder anders geistig beeinträchtigte Personen, die ihre Mitmenschen oder die Exekutive mit Schwertern bedrohen, zeigt sich die Aktualiät unseres neuesten Editorials. Der aktuelle Fall wurde aus Vorarlberg gemeldet. Hier zeigt sich auch, wie die sachunkundige Öffentlichkeit einen solchen Vorfall bewertet.

"Über einen Meter lang" wäre es gewesen, das gefährliche Schwert das ein mit 2,36 Promille alkoholisierter Mann aus Hard in Vorarlberg "vom Fenster aus" gegen die Polizei einsetzen wollte. Klingt komisch? Ist aber so. Aus dem Bildmaterial des ORF ergibt sich, dass es sich bei dem Schwert - welches angeblich scharf geschliffen gewesen wäre - um ein eher billiges Fantasy-Fabrikat gehandelt haben dürfte. Gemäß ORF hätte man damit "jemanden töten können". Das kann man freilich mit einem Stuhlbein, einer zerbrochenen Flasche oder einem Stein auch. Wie wenig Interesse man beim ORF daran hat, juristische Sachverhalte zu recherchieren, zeigt auch die Aussage, dass der Eigentümer des Schwertes "keinen Waffenschein gebraucht" hätte, weil er es als "Ziergegenstand erworben" hat. Tatsache ist hingegen, dass für jegliche Art von Schwert nach geltendem Recht grundsätzlich kein Waffenschein vorgesehen ist.

Die Definition von Waffen ergibt sich in Österreich aus dem Waffengesetz, das wie folgt festhält:

§1 WaffG:
Waffen sind Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind,
1.die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen durch unmittelbare Einwirkung zu beseitigen oder herabzusetzen (...)


Relevant für den Umgang mit allen anderen Waffen außer Schusswaffen ist weiters:

§17 WaffG:
(1) Verboten sind der Erwerb, die Einfuhr, der Besitz, und das Führen
1.von Waffen, deren Form geeignet ist, einen anderen Gegenstand vorzutäuschen, oder die mit Gegenständen des täglichen Gebrauches verkleidet sind;


Darunter fallen beispielsweise Klingen, die in einem Gehstock verborgen sind.

6. der unter der Bezeichnung "Schlagringe", "Totschläger" und "Stahlruten" bekannten Hiebwaffen.

Das sind alle Passagen, die verbotene Waffen betreffen, welche nicht als Schusswaffen zu kategorisieren sind. Schwerter sind weder verboten, noch fallen sie unter eine Melde- oder unter sonst eine Pflicht, dafür eine Waffenbesitzkarte oder einen Waffenschein zu erwerben.

Die Redaktion erlaubt sich den Hinweis, dass es aus Gründen wie der oben beschriebenen Öffentlichkeitswahrnehmung - die durch Massenmedien wie dem ORF erzeugt wird - wichtig ist, ein waches Auge auf "Schwertfuchtler" aller Art zu haben und seinen Sport gegenüber den Behörden nachvollziehbar erklären zu können. Die Journalredakteure der Massenmedien haben weder Interesse an Recherche, noch beweisen sie Sachverstand für die Materie. Es zählt ausschließlich, einen Vorfall aufzubauschen um Empörung hervorzurufen und somit weitere Leser zu generieren. Um so mehr Verstand und Bedacht sollte man an den Tag legen, wenn man aufgrund seines Hobbys Schwerter besitzt oder trägt.

Der Vollständigkeit halber ist in weitere Folge auch der aktuelle Fall aus Linz verlinkt, wo ein Mann mit 3,3 Promille mehrere Personen mit Schwertern attackierte.

Weiterführende Links:

externer Link ORF: Mit Schwert gefuchtelt und Polizisten bedroht
externer Link DerStandard: Linzer mit 3,3 Promille attackierte Freundin mit zwei Schwertern
externer Link Waffengesetz Österreich


1. Kommentar von Wolfpassing am 31.07.2011 um 17:05
Hmmm....
Als Träger einer Schusswaffe hätte ich auch total die Angst von einem Angreifer mit Deko-Schwert abgeschlachtet zu werden...

2. Kommentar von sichel am 02.08.2011 um 21:18
Hurra, hurra - Der Schwertkasper ist da !
Also das ist mal wieder ein Paradebeispiel für Dummheit.
Wer leidet denn am meisten unter solchen Tätern? Na die Leute die das Fechten mit Schwertern etc. als Sport ausüben und/oder die leidenschaftlichen Sammler von diesen Gegenständen.
In einfachen Worten: Wir als professionelle Darsteller müssen unseren Ruf verteidigen und umso mehr zeigen, dass man uns mit diesen Leuten nicht gleichsetzen kann.

3. Kommentar von Wernher am 03.08.2011 um 12:30
Waffenschein
auch wenns leider immer wieder so genannt wird, in Österreich gibt es keinen Waffenschein - so heisst das Ding nur in Deutschland. Bei uns gibt es entweder Waffenbesitzkarte (zum Besitz) oder Waffenpass (zum führen). Wie im Artikel auch richtig geschrieben braucht man für Schwerter keines davon.

4. Kommentar von Rotschopf am 03.08.2011 um 12:50
trotz der falschen wahrnehmung der öffentlichkeit...
...sollte der Artikel trotzdem zum Anlass genommen werden, wieder einmal über die Bedingungen nachzudenken, zu denen Schwerter auch von "Deppen" erworben werden können, einfach nur um es im Auge zu behalten.
Ein Schwert ist trotz allem noch eine Waffe. Insbesondere, wenn es geschliffen ist. Und damit können Menschen verletzt werden. Wäre es eine Machete gewesen, wäre das jedem eingegangen, dass man damit nicht einfach rumfuchteln kann.
Wie immer gilt selbstverständlich: Eine Waffe ist immer nur so gefährlich wie ihr Träger dumm ist.
Allerdings gibt es Waffengesetze für genau diesen Fall. Dass der Erwerbende nämlich dumm ist. Das ist bei einem 10-Minuten Verkaufsgespräch nämlich meist schwer einschätzbar.
Mir ist klar, dass man Schusswaffen nicht mit Schwertern vergleichen kann, aber auch hier trifft man Vorsichtsmaßnahmen, weil man weiß, dass nicht jeder Waffenträger ein besonnener verantwortungsvoller Mensch oder Sportschütze mit rechten Bewusstsein ist.

Und für einen Kampfsportler mit Verantwortungsgefühl und ehrlichen Absichten sollte es auch kein Problem sein, eventuelle Auflagen zu erfüllen, die der Staat von ihm verlangt, um eine Waffe zu führen.

5. Kommentar von Doommaker am 04.08.2011 um 21:09
@Rotschopf
und der baumarktverkäufer sollt auch einen fragebogen ausfüllen lassen, wenn du ne meterstange flacheisen kaufst?
das hat im gegensatz zu schaukampfschwertern sogar scharfe kanten.
und beim Ikea die großen keramikküchenmesser erst.
hausverstand ist nicht reglementierbar und eine vollkaskogesellschaft ist keine wünschenswerte gesellschaftsform.


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