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(c) Repro: LWL
So zeichnete Johannes Mattäus Kitz das Rathaus in Brilon bevor es 1755 barock umgestaltet wurde.


Kulturelles
Das Rathaus in Brilon ist mindestens 684 Jahre alt
26.06.2013 18:02
Simone "Mone" Jatropulus

LWL zeichnet mittelalterliches Gebäude als Denkmal des Monats aus.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat das mittelalterliche Rathaus in Brilon (Hochsauerlandkreis) als Denkmal des Monats ausgezeichnet. Eine Untersuchung hat ergeben, dass das Rathaus spätestens 1329 gebaut wurde. Damit haben die LWL-Denkmalpfleger bewiesen, dass das Rathaus der älteste in weiten Teilen erhaltene Profanbau im Sauerland ist.

"Möglicherweise ist das Rathaus sogar noch älter, denn wir können nicht ausschließen, dass das Dach 1329 auf ein noch älteres Gebäude aufgesetzt wurde. Darauf deutet hin, dass das Rathausdachwerk nicht nur genauso abgezimmert ist wie das Dachwerk über dem nördlichen Querhausarm der Probsteikirche, sondern das Holz auch genauso alt ist. Da beide Dächer gleichzeitig gebaut wurden, sind vielleicht die bisherigen Dächer zerstört worden", erklärt LWL-Denkmalpfleger Dr. Thomas Spohn. Deshalb sei es sinnvoll, dass die Stadtgeschichtsforschung nach einem besonderen Anlass für diese doppelte Dacherneuerung suche, bisher sei nichts über einen Stadtbrand oder kriegerische Auseinandersetzungen kurz nach 1320 bekannt, so Spohn weiter.

Hintergrund:
Schon vor der neuen Untersuchung galt das Rathaus im Zentrum der Stadt Brilon unweit der ebenfalls mittelalterlichen Probsteikirche St. Petrus und Andreas als eines der ältesten erhaltenen städtischen Gemeinschaftsbauwerke Westfalens. Bislang war nur wenig über den zweigeschossigen Massivbau mit über 40 Meter Länge bekannt, der zunächst als Verkaufshaus der städtischen Gilden mit ungeteilter Verkaufshalle in jedem Geschoss errichtet worden ist. Genaueres wussten die Denkmalpfleger nicht, zumal von der langen Geschichte am Gebäude selbst nur wenig ablesbar ist. Von der ursprünglichen Schauwand zum Markt sind nur die beiden spitz zulaufenden Bogenöffnungen des Erdgeschosses über der kleeblattartig geschwungenen Freitreppe erhalten. Der Sieben-Staffel-Giebel, von dem nur eine Zeichnung überliefert ist, wurde 1755 durch eine barocke Konzeption nach Entwurf des waldeck´schen Baumeisters Johann Matthäus Kitz ersetzt. Alle weiteren Spuren der verschiedenen Nutzungen des Gebäudes, zum Beispiel 1829 bis 1879 als Sitz des Kreisgerichts und danach teilweise als Mädchenschule, sind seit den 1950er Jahren unter Verkleidungen verborgen: Ältere Materialien und Konstruktionen blieben allein auf dem obersten Spitzboden unverkleidet. Ihre Aussagekraft für die Baugeschichte des Rathauses wurde bisher nicht beachtet.

Spohn und sein Kollege Peter Barthold entdeckten Spuren von einer Verblattung, das ist eine Form der Holzverbindung, die im südlichen Westfalen spätestens im 17. Jahrhundert durch die Verzapfung abgelöst wurde. Das nahmen sie zum Anlass, im Rathausdachwerk eine dendochronologische Untersuchung durchzuführen. Dabei wird das Holz aufgrund der charakteristischen Abfolge der jährlichen Wachstumsringe datiert. "Das Ergebnis dieser Untersuchung war so eindeutig wie spektakulär. Die Bohrkerne aus dem Dach hatten bis zu 214 Jahresringe, was die Sicherheit der Datierung erhöht. So konnten wir ermitteln, dass die Bäume für das Bauholz 1322 und 1328 gefällt wurden", so Spohn. Da entgegen der landläufigen Meinung gefälltes Eichenholz möglichst sofort weiterverarbeitet wurde, gehe ich davon aus, dass das Rathausdach spätestens 1329 fertiggestellt wurde."

- Original-Pressetext LWL

Weiterführende Links:

externer Link Original-Pressemitteilung LWL Landschaftsverband Westfalen-Lippe



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