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(c) Ring/VoKo, Bildquelle: LWL
Pfingstlümmel in Siegen-Alchen


Kulturelles
Brauchtum: Pfingstbraut und Pfingstlümmel
26.05.2012 08:53
Simone "Mone" Jatropulus

Pfingsten ist da - wer genießt sie nicht, die Feiertage. Doch Pfingsten ist nicht nur für ein verlängertes Wochenende gut. Als kirchliches Fest wird Pfingsten das erste Mal im Jahr 130 schriftlich erwähnt. Die Pfingstfeiertage haben auch einiges an Bräuchen und Traditionen zu bieten. Der LWL hat eine offizielle Pressemitteilung zum Thema herausgegeben:

Wie kaum ein zweiter kirchlicher Feiertag hat das Pfingstfest in Westfalen viele unterschiedliche regionale Bräuche hervorgebracht. Mit einer Datenbank, die Texte, Bilder und Tondokumente über das Alltags- und Festleben in Westfalen enthält, ermöglicht die Volkskundliche Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erstmals die Suche nach landschaftlichen Besonderheiten wie dem Pfingstlümmel und der Pfingstbraut.

Zum Ende der Osterzeit waren vor allem verschiedene Heischebräuche sehr beliebt. Kinder gingen singend von Haus zu Haus und sammelten Süßigkeiten und andere Lebensmittel. Begehrt waren vor allem Eier, weshalb diese Umzüge in Ravensberg und Lippe auch als "Eiersingen" bezeichnet wurden. Im Mindener Raum wurde dazu ein Pfingstkranz getragen, der mit Blumen, bunten Papierstreifen und bemalten Eiern geschmückt war. Im Siegerland und im Wittgensteiner Land stand der Pfingstlümmel im Mittelpunkt. Ein Zeitzeuge aus Siegen-Alchen erinnert sich: "Am Pfingstmorgen ging die Schar in die Hauberge und sammelte grünen, möglichst blühenden Ginster, der zum Backes [Backhaus] getragen wurde. Dort wurde der Pfingstlümmel nach dem Mittagessen mit Ginsterzweigen umbunden, von unten nach oben in sich überdeckenden Lagen, die mit Liederriemen festgebunden wurden. Das Gesicht war von Ginster verdeckt. Auf dem Kopf wurde eine spitze Ginsterhaube gesetzt, die ein Schellchen trug." Der "Pfingstlümmel" wurde so eingebunden, dass er nichts mehr sehen konnte und von zwei anderen Jungen geführt werden musste. Außenstehende sollten ihn nicht erkennen. Der "Pfingstlümmel" wurde wie ein Tanzbär herumgeführt und musste obendrein noch Kunststückchen machen, für die die Gruppe dann kleine Belohnungen bekam.

In vielen Gegenden wurde anstelle des Pfingstlümmels eine Pfingstbraut bestimmt. "Zwischen Bocholt und Lüdinghausen zogen die Kinder als Hochzeitsgesellschaft durch die Straßen. Dabei gingen meist ein Mädchen als Braut und oftmals auch ein Junge als Bräutigam unter einem Blumenbogen mit großem Gefolge durch die Nachbarschaft", schildert Frederik Grundmeier von der Volkskundlichen Kommission. In einem Bericht aus Willebadessen-Borlinghausen (Kreis Höxter) heißt es dazu: "Am 1. Pfingsttag wurde ein etwa 3-jähriges Mädchen zum Nünneken (Nonne) ausgewählt. Es zog als Engel ein weißes Kleid an und trug einen einfachen Kranz. Alle Schulmädchen zogen nun mit ihrem Nünneken von Haus zu Haus und sangen dabei ein Lied. Ebenso machten es die Schulknaben mit ihrem Pöterken (Pater); dieser trug eine Schärpe. Es gab dafür Eier und Geld, das sich die Kinder teilten."

Spott für Spätaufsteherin
In anderen Gegenden Westfalens war der Titel der Pfingstbraut hingegen keine Ehre. Aus Nordkirchen (Kreis Coesfeld) findet sich folgender Bericht: "Die Leute aus dem Dorf hatten ihre Kühe in Gemeinschaftsweiden aufgetrieben. Wer dann am ersten Pfingsttag als letztes zum Melken erschien, wurde zur "Pingstebrut" ausgerufen. Sie musste den anderen Melkerinnen einen 'Söten' (süßen Likör oder Aufgesetzten) ausgeben. Ihre Kuh und sie selbst wurden bekränzt und durchs ganze Dorf geführt." Die dabei gesungenen Spottverse sind ebenfalls im Archiv der Volkskundlichen Kommission erhalten: "Pfingstebraut, du faule Haut, wärst du eher aufgestanden, konntest du eher zum Melken gehen". Doch auch männliche Langschläfer waren dem öffentlichen Spott ausgesetzt und wurden als "Pinkelhammel" oder - wie in Ahaus-Ottenstein (Kreis Borken) - als "Pinkesvoß" bezeichnet. Dieser "wurde am ersten Pfingsttage nachmittags bei einer Wirtschaft am Ende des Dorfes 'inkledt', das heißt er bekam um den Leib einen Riemen oder ein Seil mit mehreren Kuhglocken. Unter den Riemen steckte man grüne Buchenzweige von ungefähr ein Meter Länge nach unten und oben. Über dem Kopf band man die Zweige zusammen, gab ihm eine lange Haselrute in die Hand, und 'de Pinkstevoß was ferrig. '"

(Offizielle Pressemitteilung des LWL Landschaftsverband Westfahlen-Lippe)

Weiterführende Links:

externer Link Original-Pressemitteilung LWL
externer Link Pfingstfest auf Wikipedia



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