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(c) Gemeinfrei. Bildquelle: Wikipedia
Friedrich Barbarossa und seine Söhne, Ausschnitt einer Miniatur aus der Welfenchronik


Kulturelles
Vom erfundenen Barbarossa...
02.04.2012 14:30
Simone "Mone" Jatropulus

Friedrich I., besser bekannt als Barbarossa, wurde schon zu Lebzeiten als großartiger Herrscher gepriesen. Die Frage, ob er diese Ehre überhaupt verdient hatte, wirft immer wieder Streitigkeiten auf. Eine neue Biografie über den Staufer bringt alte wie auch neue Erkenntnisse.

Friedrich I., der seinen Beinamen "Barbarossa" ob seines roten Bartes von den Italienern erhalten hatte, regierte mit Glanz und Gloria. Obwohl der Staufer-Herrscher heute als ungebildet gilt, da er weder schreiben noch lesen konnte, blühte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation unter ihm auf. Sein Tod hingegen kann schlichtweg nur als unrühmlich bezeichnet werden. Noch heute streiten sich Experten darüber, unter welchen Umständen genau Barbarossa zu Tode kam. Allgemein spricht man davon, er sei im Saleph ertrunken. Ob er den Fluss überqueren wollte, von seinem scheuenden Pferd abgeworfen und infolge dessen von der Rüstung unter Wasser gezogen wurde oder ob er einen Herzinfarkt beim Baden in jenem Fluss nahe der Stadt Seleucia erlitt, bleibt wohl für immer ein Rätsel.

Die Menschen in der Ära Barbarossas waren davon überzeugt, das man an der Art des Todes den Sünder vom Gottgläubigen trennen konnte. Hatte man ein gottesfürchtiges Leben mit bravem Tun gelebt, so war einem auch ein guter Tod inklusive letzter Ölung und Vergebung der Sünden beschieden. Friedrich I. starb, ohne vorher seine Sünden beichten zu können - darin sahen viele seiner Zeitgenossen ein schlechtes Zeichen. Denn schlechte Menschen sterben nunmal schlecht. War also ihr Bild vom perfekten Herrscher nichts weiter, als eine perfekte Illusion? Genau diese Thematik beschäftigte auch den Autor des Buches "Friedrich Barbarossa. Eine Biografie".

Der Autor, Knut Görich, leitet sein Werk mit folgenden Worten ein: "Friedrich Barbarossa ist gewissermaßen eine Entdeckung des 19. Jahrhunderts – und zu einem großen Teil auch dessen Erfindung.".

Der Mediävist Görich versucht, den "Mythos Barbarossa" aus einem neuen Blickwinkel zu beschreiben. Barbarossa rief gerade im 19. Jahrhundert einen regelrechten Hype hervor und wurde durch die Sehnsucht nach der mittelalterlichen Romantik nahezu als Statussymbol blind verehrt. Doch in dieser Biografie soll keine Erinnerungsgeschichte des 19. Jahrhunderts geschrieben stehen, sondern eine der modernen Forschung verpflichtete und hochwertige Abhandlung über Leben und Sterben des mächtigsten Mannes unter der römisch-deutschen Kaiserkrone.

Das Online-Medium "Welt.de" schreibt: Görich zeigt in unaufgeregt-sachlichem Ton, dass es offenbar keinen weitreichenden staatsmännischen Plan gab, der dem Ingenium des Kaisers entstammte, weder vom lehenrechtlichen Umbau des Reiches noch von ausgreifender Italienpolitik. Vielmehr haben wir, wie er schreibt, "ein durch Herkommen und Traditionen gedecktes Programm" vor uns, das zudem die Offenheit der historischen Situation deutlich werden lässt.

Weiterführende Links:

externer Link Bericht auf Welt.de
externer Link Amazon
externer Link Friedrich Barbarossa auf Wikipedia



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