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(c) Bildquelle: Vodjanoj
Der Titel der erst vor kurzem gegründeten Pagan Folk Band bedeutet Wassermann.


Musik und Konzerte
Vodjanoj - hinter Konzertdebüt mit Schwächen verbirgt sich Riesenpotential
13.11.2011 17:58
Florian Machl

Ihr Debutkonzert hat die Band Vodjanoj am 12.11.2011 im Rahmen der Pagan Folk Night im frei:raum St. Pölten gegeben. Bei ihrem späten Auftritt hat die Band großes musikalisches Potential erkennen lassen, insbesondere in den Momenten, wo der Debütstress vergessen schien und sich die Musiker ihrer Musik hingaben. Trotz einiger Schwächen in der Tontechnik war im Auditorium schnell klar: Die Lust auf mehr ist geweckt.

Vodjanoj nennt sich die erst vor kurzem gegründete niederösterreichische Pagan Folk Gruppe. Sie besteht aus Frontfrau Vicky Heßl (Drehleier, Querflöte, Gitarre, Gesang, Maultrommeln), Thomas 'Thomson' Kraushofer (Gitarren aller Art, Gesang), Burkhard 'Burgl' Bärner (Kontrabass, E-Bass, Geige, Kehlkopfgesang), Dominik Kraushofer (Bass, Gitarre, Gesang) und Aram Bajalam (Percussion, E-Drums, Drums). Einige der Musiker aus dem Großraum St. Pölten sind bereits aus Formationen wie Satara bekannt. Der Name Vodjanoj stammt aus dem Russischen und bedeutet „Wassermann“, was den häufigen Bezug der Gruppe auf Wasser erklärt.

Spät übt sich...

Sehr ambitioniert zeigte sich die Gruppe schon vor dem Auftritt. Nachdem bereits die Wiener Band Wûtas und die unvergleichlichen Ballycotton das Publikum in Stimmung gebracht hatten (ein ausführlicher Konzertbericht ist in Arbeit), nahm sich die Band eine gute Stunde Zeit, um die Bühne für ihren ersten gemeinsamen Auftritt vorzubereiten. So begann das Konzert auch erst nach ein Uhr morgens. Möglicherweise tappte man hier in die Falle einer Wiederholung der Konzeption, die sich auch bei der Musikreihe Miroque als wenig praktikabel erwiesen hat: Viele Gruppen und später Beginn bringen zum Ende hin eine deutliche Publikumsreduktion mit sich.

Stimmgewaltig wie Garmarna

Als tragendes Element erwies sich die Stimme von Vicky Heßl, die sofort an die kraftvolle Garmarna Sängerin Emma Härdelin denken ließ. Der Klangteppich, der sich gleich zu Beginn entfaltete, ließ an vergleichbaren Aufbau mancher Stücke von Omnia denken, der Genreband schlechthin. Bedauerlicherweise handelte es sich hierbei aber nur um den letzten in einer langen Reihe von Soundchecks – ein Hörgenuss, der im Zuge des Konzertes bestenfalls gestreift denn ereicht wurde. Beim verantwortlichen Tontechniker, soweit die uns vorliegende Information, soll es sich um den Haustechniker des frei:raum gehandelt haben, der auch die erste Gruppe Wutas betreut hatte. Nach dem glasklaren, auf den Punkt gebrachten Sound von Ballycotton, die ihren eigenen Tonguru mitgebracht hatten, kann man als Nachfolgender Act bedauerlicher Weise nur verlieren.

Lautstärke ist keine tontechnische Universallösung

Dennoch erscheint an dieser Stelle deutliche Kritik angebracht: Eklatantes Unverständnis für Instrumente und Band mit Lautstärke zu kompensieren, ist für niemanden hilfreich. Ein Lösungsansatz, der feine Ohren schon seit der ersten Schulband beleidigt hat, die man in seinem Leben ertragen musste. Doch auch die Unausgewogenheit in der Aussteuerung der einzelnen Musiker zu einem konsistenten Gesamtbild ärgerte das Ohr. Dies machte sich vor allem bei den deutlich überbetonten Bässen bemerkbar, auch wenn – selbst gehört – diese nicht in vollem Ausmaß am Mischpult ankamen sondern einen Meter weiter vorne im Publikumsraum noch unerträglicher donnerten.

Vielversprechende Einblicke

Die Probleme in der Tontechnik, die sich darüber hinaus in ausfallenden Abnehmern, Störungen in den Leitungen und einer Rückkoppelung manifestierten, multiplizierten sich mit mancher naturgemäßer Unsicherheit der Künstler bei ihrem ersten Konzertauftritt. Dennoch gaben Vicky Heßl und ihre Mitstreiter äußerst viel versprechende Einblicke in ihr musikalisches Repertoire. Schwächen wie ein manchmal zu lautstarker und somit an Effektivität verlierender Einsatz der bemerkenswerten Gesangsstimme sind verständlich und vollständig vernachlässigbar. Hinter die Problemchen gehört, präsentierten sich ein weites Spektrum gefühlvoller und ausdrucksstarker Nummern – und hier überraschten auch die Mitstreiter. Seien es die zusätzlichen Vocals der männlichen Bandkollegen oder die ersichtlich gute Beherrschung des Instrumentariums – Lust auf mehr wurde geweckt. Außerordentliches Lob verdient auch der Drummer Aram, der nicht nur optisch eine überaus interessante Erscheinung bot, sondern die Kunst versteht, sein Schlagzeug nicht in den Vordergrund zu spielen. Egal wie hinterfragenswert die Aussteuerung am Mischpult auch gewesen ist, Arams Drumsticks erzeugten stets die Lautstärke, die angemessen war – und das spricht für Fingerspitzengefühl und das fachliche Wissen darüber, sich zurückzunehmen und stimmig ins Gesamtgefüge einzubringen, das seinesgleichen sucht.

Potential zur Genreband der Extraklasse...

Insgesamt schlummert in der jungen Formation ein beachtliches Potential. Das, wenn man angesichts der Geschichte der heimischen Genrebands gleich etwas fatalistisch formulieren darf, hoffentlich nicht das Schicksal eines gefühlten Dutzend weiterer Bands ereilt: ständige Neugründungen, Umbesetzungen, Auflösungen und dergleichen mehr. Sofern diese Band die Kraft findet, nachhaltig miteinander zu arbeiten, wird man möglicherweise bereits innerhalb eines halben Jahres von einer Band der Extraklasse sprechen können, die sich vor der bekannt hohen Qualität der heimischen Genrekollegen von Wutas nicht verstecken braucht. Ein weiterer Stolperstein könnte sein, dass es hierzulande für heimische Bands dieser Musikrichtungen nur wenig Auftrittsmöglichkeiten bei Abendkonzerten gibt. Die Veranstalterszene dünnt sich merklich aus. Dies ist als Aufruf wenn nicht gar Hilferuf zu verstehen, heimischen Newcomern dieser Qualitätsstufe zumindest als Vorband immer wieder eine Chance zu geben. Bei aller Kritik an der Tontechnik sei festzuhalten, dass in Österreich schon deutlich Schlimmeres zu hören war. Doch im Vergleich zur Klangleistung von Ballycotton kann es für Menschen ohne organische Hörbeeinträchtigung keine zulässigen Ausreden geben. Das ist die Messlatte, an die es heranzukommen gilt – und hier heißt es für jeden, der von sich behauptet Tontechniker zu sein: Üben, üben, üben. [Co-Autor: Arno Cincelli]

Weiterführende Links:

externer Link Vodjanoj auf Facebook


1. Kommentar von Burgl am 14.11.2011 um 14:38
Debütkonzert
Hej Leute,
Danke erstmal für euer zahlreiches Erscheinen am Samstag und die rasche Berichterstattung. Es hat uns sehr großen Spaß gemacht unser Debütkonzert vor so vielen Leuten geben zu dürfen.

Ein paar Worte noch zum Sound:
Der kratzige Geigensound war meine eigene Schuld, weil ich ein Tonabnehmersystem von minderer Qualität gekauft habe. Hier trifft den Tontechniker keine Schuld. Auch beim Headsetmikrofon kam es hin und wieder zu Lautstärkeunterschieden, die grundsätzlich davon kommen, dass wir dummerweise nie mit Headset geprobt haben und der Umgang damit doch anders ist, als mit einem herkömmlichen Mikrofon. Wir entschuldigen uns für diese Fehler und haben fürs nächste Mal wieder was dazugelernt ;-)

Wir hoffen auch bei einem nächsten Konzert auf so viele und motivierte Menschen und freuen uns schon darauf.

LG
Burgl

2. Kommentar von andy am 14.11.2011 um 18:39
Selten....
...sind so viele gute Musiker in einem Raum zu Hören.
Top: 12€ für 3 Bands (ich hoffe ihr hattet nicht zu viel Verlust )
Rauchfreie Location ( stinkfreie Klamotten und keine tränenden Augen )
Günstige Getränke
Flop: Tontechnik ( Bass war zuviel, oder ich zu alt )
Zu spät angefangen ( oder ich bin wirklich schon zu alt )

Danke an alle, war ein schöner gemütlicher Abend
Hoffe auf ein baldiges Wiederhören
Andy


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